1

Hans-Peter van Dorp feierte 70. Geburtstag

Bürgermeister Stefan Neumann gratulierte Hans-Peter van Dorp im Oktober an seinem Arbeitsplatz, der Hohenlohe-Apotheke, zum 70. Geburtstag. Rund 15 Jahre war Hans-Peter van Dorp als Stadtrat von Künzelsau aktiv. Von 1999 an war er Vorsitzender der Gemeinderatsfraktion „Die Freien“ und unter anderem ab 2009 stellvertretendes Mitglied der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Gewerbepark Hohenlohe. 2014 ist er aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Eine effektive und zielgerichtete Zusammenarbeit des Rates mit der Verwaltung war ihm stets wichtig.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau




Carmen Würth – ein Mensch mit Herzenswärme wird 85

Carmen Würth feiert am 18. Juli 2022 ihren 85. Geburtstag – im Kreis ihrer Familie. Die Mitarbeitenden des Unternehmens am Standort Künzelsau verliert sie dabei nicht aus dem Blick: Alle sind an ihrem Festtag zum Mittagessen in den Betriebsrestaurants eingeladen. Ihre persönlichen Glückwünsche übermitteln die Mitarbeitenden in Gratulationsbüchern, die an verschiedenen Stellen im Unternehmen ausgelegt sind. Geschenke möchte Carmen Würth keine – dafür sammelt sie Geldspenden, die sie über die gemeinnützige Stiftung Würth verschiedenen sozialen Projekten zukommen lässt. Das Museum Würth lädt anlässlich des 85. zu zwei Ausstellungen ein, die sich hauptsächlich aus der Sammlung Carmen Würth generieren.

Kultur aus 80 Ländern

Einen Wunsch hat Carmen Würth dann doch: Für die Bibliothek Frau Holle im Kulturhaus Würth in Künzelsau wünscht sie sich von allen Würth Gesellschaften aus den 80 Ländern, in denen Würth weltweit vertreten ist, je ein Buch in Originalsprache: von Literatur, Poesie, Lyrik bis zu Kinderbüchern, Märchen oder auch Kochbüchern – ein Blick in die Welt, Verständnis und Respekt für andere Kulturen. Ein Gedanke, der Carmen Würth zeitlebens umtreibt. Und ein Wunsch, der nicht besser beschreiben könnte, was ihr im Leben wichtig ist. Außerdem setzt sie sich dafür ein, dass die benachbarte Hirschwirtscheuer barrierefrei umgestaltet wird und mit dem Kulturhaus Würth mit Bibliothek Frau Holle ein Ensemble bildet.

Carmen Würth – ein Mensch mit Herzenswärme

Aneinander denken, füreinander da sein, das sind Grundsätze, die Carmen Würth schon immer lebt. Das zeigt sich in der Unternehmenskultur, die sie an der Seite ihres Mannes Reinhold Würth, mit dem sie im 66. Jahr verheiratet ist, entscheidend geprägt hat, genauso wie in ihrem lebenslangen Engagement für Menschen mit Beeinträchtigung.

Auf Augenhöhe, in respektvollem Miteinander zusammenarbeiten, dafür setzt sie sich ein. Das Hotel-Restaurant Anne-Sophie in Künzelsau hat sie genau mit dieser Absicht aufgebaut. Das Konzept, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung Hand in Hand zusammenarbeiten, hat sie über die Grenzen Hohenlohes hinaus bekannt gemacht und damit das Hotel zum Vorbild für Menschlichkeit. „Über die Inklusionsarbeit können wir im täglichen Miteinander sichtbar machen, wie liebevoll und herzlich sich Menschen mit Beeinträchtigung begegnen. So schaffen wir Verständnis über den Umgang im Alltag“, erklärt Carmen Würth das Konzept. Sie setzt sich dafür ein, dass jeder Mensch ein Recht auf seine Rolle in unserer Gesellschaft hat und seinen Beitrag leisten kann. „Unsere Welt ist nicht nur schwarz oder weiß. Sie besteht aus so vielen bunten Farben, die man allerdings nur sehen kann, wenn man mutig genug ist, sich darauf einzulassen“, beschreibt sie den Impuls für ihre Arbeit.

Für diesen Gedanken engagiert sie sich in vielfältigen Initiativen. Vor kurzem hat sie Musikgruppen aus sonderpädagogischen Schulen und Einrichtungen aus der Region zum Musikfest der gemeinnützigen Stiftung Würth eingeladen. Die Musik und das Singen liegen ihr am Herzen. Ihre Mundharmonika hat sie immer dabei. Viele alte Volkslieder kennt sie auswendig und stimmt diese gerne an. Und dass Musik als verbindendes Element Grenzen überwinden kann, zeigt nicht zuletzt die Forschung von Prof. Dr. Renée Lampe, die seit 2012 die von Carmen Würth initiierte Markus Würth Stiftungsprofessur für Kinderneuroorthopädie und Cerebralparese an der TU München innehat. Aus Lampes Arbeit zu frühkindlichen Hirnschädigungen entstand unter anderem ein Klavierprojekt an der Andreas-Fröhlich-Schule für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Krautheim. Seit 2008 engagiert sich Carmen Würth zudem für das Gemeindezentrum iThemba Labantu in einem Township vor Kapstadt, seit 2009 für ein Heim für Kinder mit Beeinträchtigung in Kirgisistan.

Pressemitteilung Würth




100. Geburtstag von Sophie Scholl

Am Sonntag, den 09. Mai 2021, wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Aus diesem besonderen Anlass finden in Forchtenberg einige Veranstaltungen statt, teilt die Stadtverwaltung mit.

Am Donnerstag, den 06. Mai 2021, startet der Verkauf der neuen Sophie Scholl-Briefmarke. Von 9.30 Uhr bis 17 Uhr bietet das rollende deutsche Postamt im Rathausfoyer die neue Marke und eine Gedenkmünze an. Von Samstag, den 08. Mai, bis Donnerstag, den 13. Mai, ist die Kunstaktion „Letztes Abendmahl“ zu sehen, die an das letzte Abendmahl von Sophie Scholl und ihrem Bruder Hans mit dem Gefängnisgeistlichen Karl Alt kurz vor ihrem Tod erinnert. Zu sehen ist die Installation während der Öffnungszeiten des Rathauses und am Samstag, Sonntag und Himmelfahrt von 14 bis 17 Uhr.

Am Sonntag, den 09. Mai, findet um 10 Uhr ein Gottesdienst zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl statt. Bei starkem Regen wird die Feier live aus der Michaelskirche übertragen. Der Zugang ist unter www.kirche-forchtenberg.de zu finden. Am gleichen Tag lesen Freunde der Weißen Rose an verschiedenen Stationen des Hans und Sophie Scholl-Pfads Grußworte vor. Beginn ist um 14 Uhr am Würzburger Tor mit einer Grußwortflugblattaktion, bei der 100 Dokumente durch die Luft wirbeln. Die Aktion endet um 16 Uhr.

Ein digitaler Festakt im Gedenken an die Widerstandskämpferin unter dem Motto „100 Jahre Sophie Scholl“ findet ebenfalls am Sonntag, den 09. Mai, statt. Beginn ist um 17 Uhr mit einer Lesung von Maren Gottschalk, Autorin von „Wie schwer ein Menschenleben wiegt. Sophie Scholl. Eine Biografie“. Neben Landrat Dr. Matthias Neth, Bürgermeister Michael Foss und der Leiterin der Gedenkstätte Weiße Rose i-Punkt, Renate S. Deck, wird auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein Grußwort sprechen. Die Teilnahme erfolgt ohne Anmeldung über den Link https://www.youtube.com/watch?v=QvkErMSCreE&list=PLzQlgBkqqZbY8ueP5rp07_lcWsnRs-KEH.

Quelle: Stadtverwaltung Forchtenberg




Nix zum Schmusen

Sobald man den hellen Stall betritt, gehen die Köpfe hoch. Neugierig schauen 20 große, dunkle Augen aus schwarzen, hell- und dunkelbraunen, wolligen Gesichtern auf den Besuch: Zehn Alpakas stehen und liegen in den großen Boxen. Sie strahlen Ruhe aus, durch ihr wolliges Fell sogar eine gewisse Gemütlichkeit, und kauen genüsslich ihr Futter wieder. Mit den hochgezogenen Mundwinkeln scheinen sie zu lächeln. Die Vorderzähne stehen leicht hervor, was ihnen zusätzlich etwas Drolliges verleiht. Gleichzeitig ist etwas zu hören, was am ehesten einem leisen Summen oder Brummen ähnelt – quasi die Alpaka-Sprache. Jedes der Tiere hat seinen eigenen Ton. Damit unterhalten sie sich oder betteln um Futter.

„Als Rasenmäher sind die Alpakas eher nicht geeignet“

Die fünf Hengste und fünf Stuten sind im Besitz von Carolin und Matthias Wied auf dem Bobachshof oberhalb von Criesbach. „Vor fünf Jahren haben wir die ersten drei Hengste gekauft“, blickt der 41-Jährige zurück, der aus dem Weiler stammt. „Das hat sich dann so peu à peu entwickelt“, ergänzt seine Frau lachend. Ein Jahr später kam das erste Fohlen zur Welt, dieses Jahr werden im Juni zwei erwartet. Der Nebenerwerbslandwirt wollte, dass die Wiesen um den Hof der Familie herum abgefressen werden. Außerdem sei ein Alpaka doch wirklich mal etwas anderes. Allerdings: „Als Rasenmäher sind die Alpakas eher nicht geeignet.“ Die Tiere seien sehr wählerisch und fressen nicht alles. Gourmets also.

„Monte ist der Chef“

Alpakas sind Kleinkamele und kommen ursprünglich aus den Anden in Südamerika. Sie sind nicht mit Lamas verwandt, sondern stammen vom Vikunja ab. Neben den unterschiedlichen Farbtönen der Felle fällt auf: Die Tiere im Stall der Familie Wied sind nicht alle gleich groß. Sieben bis acht Jahre alt ist das älteste Alpaka auf dem Bobachshof – der Hengst Monte. Er ist zwar der Chef der Herde, aber bei weitem nicht der Größte. Teilweise sind jüngere Tiere größer als die älteren. Doch die Rangordnung ist geregelt – „die Pubertiere streiten eher aus Langeweile“.

Beste Futterverwerter

„Alpakas sind robust in der Pflege“, sagen die Besitzer. „Sie fressen Heu und draußen auf der Weide Gras.“ Im Stall hängen auch noch Lecksteine für den Mineralienhaushalt. Nur die tragenden Stuten bekommen zusätzlich etwas Kraftfutter. „Die Hengste bekommen das nur ab und zu, denen haut’s sonst den Draht raus“, merkt Carolin Wied lachend an. Sie sind beste Futterverwerter, die alles verdauen und selbst auf dem Weg zur Weide noch das kleinste Grashalm abzupfen. Rund eine halbe Stunde Zeit müssen die Besitzer täglich für die Tiere aufwenden zum Ausmisten und Füttern: „Ihnen ist es egal, ob wir da sind oder nicht.“ Hauptsache die Stalltür ist offen, durch die sie direkt auf die Weide können. Hinter dem Stall erstreckt sich ein großes Wiesengelände, das durch Zäune unterteilt ist. Hier verbringen die Alpakas am liebsten ihre Zeit – natürlich streng getrennt nach Geschlechtern. Nur wenn es regnet, dürfen sie nicht raus. „Das macht ihnen zwar nicht wirklich was aus, aber es dauert vier bis fünf Tage, bis das Fell wieder trocken ist.“

Optimal auf Kälte eingestellt

Als echte Hochgebirgler sind Alpakas optimal auf Kälte eingestellt. „Die genießen sie regelrecht und legen sich mit dem Bauch direkt in den Schnee, wenn es mal schneit“, erklärt die 34-Jährige. Das Vlies ist sieben bis acht Zentimeter lang und so dicht, dass sogar Schnee darauf liegen bleibt. Die einzelnen Haare sind sehr dünn und innen hohl – „eine der wertvollsten Fasern der Welt.“ Im Mai, wenn die Tage wärmer werden, werden die Alpakas geschoren. Das macht Matthias Wied selbst, manchmal unterstützt von einem Scherer. Das Wollvlies wird anschließend von Hand vorsortiert. Daraus lassen sie Decken, Kissen und sogar Seife machen, die sie unter dem Label „Die Alpaka-Hirtin“ in ihrem Hofladen verkaufen. Weitere Produkte in ihrem Sortiment: Strickgarn, Socken, Einlegesohlen, Mützen und Schals, Kleidung und Plüschtiere.

Spaziergänge mit Alpakas

Zusätzlich bietet das Paar Spaziergänge mit den Alpakas an – beliebt für Kindergeburtstage aber auch bei Firmen oder privaten Gruppen. Dann geht’s für rund eine Stunde in die nähere Umgebung – der idyllisch gelegene Weiler bietet dafür die optimalen Gegebenheiten. Die Kunden dürfen die Tiere führen, die allerdings bestimmen das Tempo. Nur am Strick ziehen gehe nicht – dann könne es schon mal passieren, dass sich das Alpaka einfach hinlegt. „Wir nehmen immer mindestens zwei der Hengste mit“, sagt Matthias Wied. „Alpakas sind Herdentiere, ein einzelnes allein würde nicht mitgehen.“ Tragende oder säugende Stuten könne man nicht nehmen und gemischte Alpaka-Gruppen würden auch nicht funktionieren. „Da haben die Hengste dann ganz andere Interessen.“ Reiten könne man Alpakas ebenfalls nicht – der Rücken der Tiere ist dafür nicht ausgelegt. Trotzdem sind sie sehr kräftig und können aus dem Stand heraus einen Meter hochspringen.

„Alpakas spiegeln den Menschen“

Alpakas gelten als friedliche und sensible Tiere, sozial und anhänglich und werden gern für Therapiezwecke eingesetzt. „Sie spiegeln den Menschen“, erklären die Besitzer. „Wenn wir Stress haben, sind sie auch unruhig.“ Und sie sind sehr neugierig: „Wenn man im Stall was macht, kommen sie und schauen zu.“ Trotzdem sind Alpakas keine Haus- oder Schmusetiere: „Es sind Wildtiere mit ganz speziellen Eigenschaften, die sich auch anders als Haustiere verhalten.“ Bevor sie sich die ersten Exemplare angeschafft haben, besuchten die Besitzer Kurse, denn die Tiere brauchen gewisse Bedingungen, um optimal versorgt zu sein. „Ein Schaf oder eine Ziege ist einfacher zu halten“, ist Matthias Wied überzeugt.

Kein Spucken

Und nein: Entgegen der landläufigen Meinung spucken Alpakas im Normalfall nicht auf Menschen. „Das machen sie bei Futterneid oder Rangkämpfen unter einander“, erklärt ihr Besitzer. „Bei Menschen machen sie das nur, wenn sie Angst haben oder man sie ärgert.“

Hofladen

Coronabedingt finden zurzeit keine Spaziergänge mit den Alpakas statt. Alle Produkte aus dem Hofladen von Familie Wied können unter Telefon 0152/0994 0066 oder per E-Mail an info@alpaka-hirtin.de bestellt und nach Terminvereinbarung kontaktlos abgeholt oder per Post verschickt werden. Weitere Informationen auf der Internetseite: https://alpaka-hirtin.jimdo.com/

Text: Sonja Bossert

 

Alpakas gelten als friedliche und sehr sensible Tiere. Foto: GSCHWÄTZ




„Dass da jemand gekämpft hat, damit es uns besser geht“

Sie ist eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Widerstands in der Nazi-Zeit und inspiriert auch heute noch die Menschen: Sophie Scholl. Am Montag, den 22. Februar 2021, jährte sich ihr Todestag zum 78. Mal. An jenem Tag im Jahr 1943 wurde sie mit ihrem Bruder Hans und dem gemeinsamen Freund Christoph Probst wegen ihres Engagements in der Widerstandsgruppe Weiße Rose und Flugblattaktionen an ihrer Universität in München zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag im Strafgefängnis Stadelheim hingerichtet. Am 09. Mai 2021 wäre die Widerstandskämpferin 100 Jahre alt geworden.

„Die Brävste bin ich nicht, die Schönste will ich gar nicht sein, aber die Klügste bin ich immer noch“ (Zitat von Sophie Scholl)

Einen ganz besonderen Bezug hat die Stadt Forchtenberg zu Sophie Scholl – „sie ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten unserer Stadt“, schreibt Bürgermeister Michael Foss auf GSCHWÄTZ-Anfrage. Hier wurde Sophie Scholl als viertes von fünf Kindern eines liberalen Vaters und einer Mutter geboren, die vor ihrer Heirat Diakonisse war. Getauft wurde sie in der Michaelskirche auf den Namen Lina Sofie. Danach verlebte das kleine Mädchen neun glückliche Kinderjahre in der Kocherstadt. Noch heute wird in Forchtenberg an Sophie und Hans Scholl erinnert: „Wir tragen ihren Namen unter anderem bei uns im Stadtlogo“, schreibt Bürgermeister Foss weiter. „Im Rathausfoyer steht eine Büste von ihr und eine Straße ist nach ihr benannt.“

„Diese Liebe die ganz umsonst ist…“ (Sophie Scholl in einem Brief über ihre Eltern)

Die örtliche Grundschule heißt Geschwister-Scholl-Schule und seit 2006 es gibt sogar einen Hans und Sophie Scholl-Pfad, auf dem man verschiedene Orte ihrer Kindheit besichtigen kann (https://www.forchtenberg.de/freizeit-tourismus/wander-radwege/themenpfade). Im Würzburger Tor gibt es eine kleine, von Renate S. Deck eingerichtete Gedenkstätte über die Weiße Rose und die Geschwister Scholl mit wechselnden Ausstellungen und Vorträge. Zurzeit stehen im Foyer des Rathauses sogenannte Rollups – eine Art Plakate – die das Leben der Geschwister Scholl und die Geschichte der Weißen Rose erzählen.

„Man muss einen harten Geist, aber ein weiches Herz haben“ (Zitat von Sophie Scholl)

Die Grundschule in Forchtenberg lebt die Erinnerung an Sophie Scholl. Im Schulhausflur hängen Bilder der Mitglieder der Weißen Rose und eine Fotografie zeigt eine Szene aus einem Film, in der die Geschwister ihre Flugblätter ins Treppenhaus der Münchner Universität werfen. Doch wie bringt man Grundschülern, die ja noch sehr jung sind, dieses schwere Thema nahe? Interessiert es die Kinder überhaupt oder denken sie eher, ist ja lange vorbei? „Zum 75. Todestag im Jahr 2018 haben wir sehr viel mit unseren Klassen gemacht“, erinnert sich Rektorin Petra Schüler. „Es gab verschiedene Stationen im Schulgebäude, an denen an die Geschwister Scholl und die Weiße Rose erinnert wurde.“ So bastelten die Kinder die Weiße Rose aus Salzteig, fertigten Collagen, gestalteten Bilder in Tupftechnik oder im Stil von Andy Warhol und schrieben Steckbriefe. Die 59-Jährige, die seit 2012 an der Schule unterrichtet, stellte dabei fest: „Die Kinder der dritten und vierten Klasse haben sehr viele Hintergrundinfos von daheim.“ Die Kinder waren fasziniert von der Geschichte und „dass da jemand gekämpft hat, damit es uns besser geht“.

„Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique regieren zu lassen“ (Zitat der Weißen Rose)

Das Thema KZ wollte Petra Schüler in dem Zusammenhang eigentlich aussparen, jedoch wusste ein Kind Bescheid und hat denn auch gleich die Kameraden informiert. Die Kinder waren sich einig: Es ist gemein, einfach eine Bevölkerungsgruppe rauszupicken. „Ich habe sie gefragt, ob sie bei einem Fahrradunfall auch zuerst nach der Religion der Helfer fragen würden oder einfach nur sind, wenn sie Hilfe bekommen“, sagt die Lehrerin. Natürlich sei zu viel auch nicht gut, man wolle die Kinder ja nicht überfrachten. Deshalb findet es die Schulleiterin besser, diese Themen mit geschichtlichen Ereignissen zu verknüpfen und alles auf einem gesunden Maß zu halten. „Es sollte nicht vergessen werden“, findet sie. „Aber solange Menschen keine Angst haben, nach Deutschland zu Besuch zu kommen, dann haben wir alles richtig gemacht.“

„Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den ihr um euer Herz gelegt. Entscheidet euch, ehe es zu spät ist“ (Zitat aus einem Flugblatt der Weißen Rose)

Aber auch die Erst- und Zweitklässler wussten einiges über die Geschwister Scholl und die syrischen Kinder – der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund liegt an der Schule bei über 20 Prozent – konnten ihre Erfahrungen mit Krieg und Flucht beisteuern. „Wir hatten auch eine schöne Gedenkfeier in der Kirche, in der wir die bekannte Flugblatt-Szene nachstellten“, erinnert sich die Lehrerin. „Dabei riefen die Kinder Freiheit und erklärten verschiedene Begriffe, außerdem lasen die Zweitklässler Fürbitten vor und legten dazu weiße Rosen vor die Bilder von Hans und Sophie Scholl und ihren Mitstreitern.“

„Es fallen heute so viel Menschen, es ist Zeit, dass jemand dagegen fällt“ (Zitat von Sophie Scholl)

Zusätzlich ging das Lehrerkollegium – zurzeit unterrichten 13 Lehrerinnen an der Schule die rund 150 Schüler – auf Studienfahrt nach München. „Wir besuchten die Uni und eine Ausstellung, machten eine Führung mit und anschließend legten wir im KZ Dachau einen Kranz nieder“, erinnert sich die Schulleiterin. „Auch viele Lehrer haben das nicht immer parat und es gibt ja die Tendenz, dass es jetzt auch mal gut sein müsse, aber ich denke, dass es jederzeit wieder passieren kann.“ Deshalb findet sie es wichtig, die Erinnerung wach zu halten. Doch was sie richtig ärgert: Wenn sich Personen heutzutage auf Demonstrationen mit Sophie Scholl vergleichen – denn dieser Vergleich sei ziemlich schräg. „Das ist anmaßend, eine Person zu übernehmen, die sich nicht mehr wehren kann“, entrüstet sie sich. „Sophie kann ihre Meinung doch nicht mehr sagen.“

„Steh zu den Dingen, an die du glaubst. Auch wenn du alleine dort stehst“ (Zitat von Sophie Scholl)

„Sophie Scholl ist auch heute noch eine Inspiration“, findet Petra Schüler. „2018 unterrichtete ich eine dritte Klasse und bei den Kindern fiel fast immer das Wort `mutig´, wenn wir über Sophie Scholl sprachen.“ Den Bogen zur Gegenwart schlugen die syrischen Kinder. „Eins der Mädchen lief eineinhalb Jahre von Syrien nach Deutschland mit ihrer Familie.“ Eine schier unfassbare Vorstellung für die anderen Kinder. Ganz im Sinne von Sophie Scholl werden die geflüchteten Kinder in die Schulgemeinschaft integriert. „Hier gibt es keine Ablehnung den Geflüchteten gegenüber“, sagt die Lehrerin. „Wir leben das aber auch vor, dass jeder genauso wert voll ist. Sophie Scholl wäre stolz auf uns.“

„Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte“ (Antwort Sophie Scholls auf die Abschlussfrage, Auszug aus den Verhörprotokollen)

Vor einigen Jahren drehte eine Geschichtslehrerin an der damaligen Forchtenberger Hauptschule einen Film über Sophie Scholl mit ihren Schülern. „Sie sind die Stationen von Sophie abgelaufen, der Film ist einfach zauberhaft“, erinnert sich Petra Schüler. „Sie hat hier viele Spuren hinterlassen.“ Denn Sophie Scholl sei ein Naturkind gewesen, war viel am Fluss unterwegs, wo sie auch schwimmen lernte. Sauste im Winter mit dem Schlitten die Kirchenstiege hinunter. „Die Schüler konnten sich gut mit Sophie identifizieren“, so die Schulleiterin. „Es gibt nicht viele Menschen, die bis ans Äußerste gehen.“ Mit den Viertklässlern erarbeiteten die Lehrer Präsentationen der anderen Mitglieder der Weißen Rose. Und in diesem Zusammenhang auch die Grundrechte: „Wir haben beleuchtet, was heutzutage alles möglich ist, vor allem die Meinungsfreiheit. Hoffentlich wirkt das langfristig“.

„So ein herrlicher Tag und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von menschen aufzurütteln und wachzurütteln.“ (Zitat von Sophie Scholl am Tag ihrer Hinrichtung)

Zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl plante die Schule eigentlich ein richtiges Geburtstagsfest mit allen Schülern, Lehrern und den Eltern. „Es sollte richtig fröhlich werden mit Luftballons und Kuchen“, erzählt Carolin Ewald, Lehrerin an der Schule seit 2017. „Wir wollten Sophies Lieblingslied singen – Die Gedanken sind frei –  und einen Steckbrief schreiben.“ Corona machte einen Strich durch die Rechnung – bis April sind alle außerschulischen Aktivitäten abgesagt. Was es aber geben wird, ist definitiv eine Gedenkplatte aus Edelstahl mit der ausgelaserten Inschrift „In Erinnerung an Sophie Scholls 100. Geburtstag“ und einer Abbildung ihres Kopfes. Noch sucht die Schule einen Platz dafür – nicht auf dem Boden, das würde ihnen pietätlos erscheinen. „Auch wollen wir Sophies Leben als Whiteboard nachstellen und alle Kinder und Lehrer werden sich im Schulhof zum Schriftzug „Sophie 100″ aufstellen“, beschreibt die 28-Jährige ihre Pläne. Und natürlich wird es dann auch Kuchen geben.

„Die Sonne scheint noch“ (Letzte Worte Sophie Scholls an ihren Bruder Hans, kurz vor ihrer Hinrichtung)

In der Zukunft will die Schule außerdem ein Curriculum erstellen, anhand von dem jährlich über Sophie Scholl gesprochen wird – beispielsweise an ihrem Geburtstag. „Hier in Forchtenberg steht ja klar Sophie Scholl im Vordergrund“, erklärt Petra Schüler. In Ingersheim, wo ihr Bruder Hans geboren wurde, sei es genau umgekehrt. Doch später soll auch in Forchtenberg eine Gedenkplatte für Sophies großen Bruder dazu kommen.

Text: Sonja Bossert

Zitate von Sophie Scholl von den Rollups im Forchtenberger Rathaus sowie der Homepage http://beruehmte-zitate.de

Diese Plakette im Rathausfoyer erinnern an Sophie und Hans Scholl. Foto: GSCHWÄTZ

Die Grundschule in Forchtenberg wurde nach Sophie Scholl und ihrem Bruder Hans genannt. Foto: GSCHWÄTZ

Porträts der Mitglieder der Weißen Rose im Flur der Grundschule. Foto: GSCHWÄTZ

Das Rathaus von Forchtenberg. Hier wurde Sophie Scholl geboren. Foto: GSCHWÄTZ

Der Hans und Sophie Scholl-Pfad führt durch Forchtenberg auf den Lebensspuren der Geschwister. Foto: GSCHWÄTZ

Am Forchtenberger Wehr lernte Sophie Scholl Schwimmen. Foto: GSCHWÄTZ

Im Würzburger Tor hat Renate S. Deck die Gedenkstätte „Weiße Rose i-Punkt“ eingerichtet. Foto: GSCHWÄTZ

Die folgenden Fotos entstanden im Foyer des Forchtenberger Rathauses, wo Renate S. Deck Rollups über die Weiße Rose aufgestellt hat. Foto: GSCHWÄTZ

Auszug aus dem Poesiealbum von Sophie Scholl.  Foto: GSCHWÄTZ

Auszug aus dem Forchtenberger Taufregister mit dem Eintrag für Sophie Scholl. Foto: GSCHWÄTZ

Sophie Scholl als kleines Mädchen. Foto: GSCHWÄTZ

Sophie im Kreise von Familie und Freunden in den Kocherwiesen bei Forchtenberg. Foto: GSCHWÄTZ

Kinderpferdestuhl eines Forchtenberger Friseurs, auf dem auch Sophie Scholl ihre Ponyfrisur erhalten hat. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Eberstal: Lito hat nur alle vier Jahre Geburtstag

Lito aus Eberstal wird dieses Jahr vier Jahre alt. Leuchtet am 29. Februar 2020 tatsächlich nur eine Kerze auf seiner Geburtstagstorte oder doch vier? Wir von der Redaktion GSCHWÄTZ wollten wissen, wie man einen Geburtstag feiert, den man nur alle vier Jahre im Kalender findet. Eine aufmerksame Leserin hat den Aufruf auf unserer Facebook-Seite gesehen, auf der wir Personen gesucht haben, die an diesem Schalttag Geburtstag haben, sich spontan gemeldet und bereit erklärt, uns zu erzählen, wie sie diesen besonderen Geburtstag in der Familie feiern, den Geburtstag ihres Sohnes Lito.

Das Datum war nicht das Wichtigste

Eigentlich war der Geburtstermin von Lito laut Mutterpass auf den 18. Februar festgelegt, doch es hatten sich damals bereits an Silvester die ersten Wehen bemerkbar gemacht, was einen sofortigen Krankenhausaufenthalt mit nachfolgender Schonung unumgänglich gemacht hatte. Der ausgerechnete Geburtstermin kam dann immer näher, nun aber tat sich nichts mehr bezüglich Wehen. Am 28. Februar musste die Geburt eingeleitet werden, die Ankunft von Lito war dann am nächsten Tag, nachmittags im Krankenhaus in Schwäbisch Hall, es war der 29. Februar 2016. „Wir waren einfach nur glücklich und im ersten Moment war uns das Datum nicht unbedingt das Wichtigste“, erinnert sich Julia Miksche-Ziegler.

„Es ist diesmal emotional alles viel näher“

Und wie ist das nun in diesem Jahr? „Also ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mich jetzt schon täglich dabei ertappe, dass ich mir Gedanken darüber mache, wie wir diesen besonderen Tag feiern sollen. Es ist diesmal emotional alles viel näher im Bewusstsein als die Jahre zuvor. Natürlich fragt Lito mich immer wieder, warum das so ist – und ich sage ihm dann, dass dies mit der Sonne und dem Mond zusammenhängt. Dies ist im Moment aber doch noch etwas schwierig für ihn zu verstehen, so dass ich ihm sage, dass es an diesem Tag richtig Winter war und es geschneit hat und er am Nachmittag auf die Welt gekommen ist.“

Das erste Mal Kindergeburtstag

Die vergangenen Jahre gab es keinen 29. Februar. Die Familie hat dann am ersten März gefeiert, im Kreise der Familie. Aber diesmal darf Lito das erste Mal einen Kindergeburtstag und auch im Kindergarten feiern. Der Name Lito ist eine Verniedlichungsform und kommt aus dem spanischen Sprachgebrauch (Manolito). Lito freut sich sehr auf seinen großen Tag. Blitzschnell klettert er auf sein Hochbett und hüpft wieder herunter. Bunte Lampions in hellen Farben zieren die Decke seines Zimmers und viele Stofftiere sitzen mit großen, fragenden Augen auf seinem Bett. Eifrig zählt Lito seine ganzen Freunde auf, die er an diesem Tag einladen darf und zeigt, wie er Tische und Möbel „schiebt“, damit alle seine Freunde Platz haben. Auf die Frage, wie alt er nun sei, springt er aufgeweckt in sein Zimmer und kommt mit einem Zettel, auf dem er drei Kreise gemalt hat und zeigt ganz stolz, wie alt er ist. Man merkt, dass der Geburtstag in diesem Jahr wohl doch etwas anderes ist als die Jahre zuvor.

Schöne Geburtstagsfeier mit Familie und Freunden

Wie glücklich war und ist die Familie hinsichtlich des Geburtsdatums? Die zweifache Mutter reagiert spontan positiv auf diese Frage, denn sie sind froh und dankbar, dass Lito (3) und seine Schwester Lua (1) aufgeweckte Kinder sind. „Wir werden diesen Tag dennoch emotional tiefer empfinden, aber auch genießen.“ Alle freuen sich auf eine schöne Geburtstagsfeier mit der Familie und Freuden.

Text: Elke Brand