„Fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“
Zunächst waren die zehn Zoom-Teilnehmer wohl ziemlich überrascht, wenn nicht sogar beeindruckt, über den fein angerichteten Frühstücksteller, den Klaus Schmitt in die Kamera zeigte. Seine Frau habe diese leckeren Häppchen für ihn vorbereitet. Schmitt hatte schließlich nicht umsonst zu einem virtuellen Frühschoppen am Sonntag, den 07. März 2022, Ortsvorsteher und Gemeinderäte von Ingelfingen eingeladen. Die Teilnehmer sollten dabei auch etwas essen und trinken. Mit Tee, Kaffee oder einem Gläschen Wein ging es los, während der Unternehmer und zweifache Familienvater aus Ingelfingen-Lipfersberg sich erst einmal vorstellte, bevor es ans Eingemachte ging.
Schmitt möchte den Informationsfluss verbessen
Und damit war nicht etwa das Essen gemeint. Dem 58-Jährigen wollte hören, was die Menschen in Ingelfingen und den Teilorten bewegt, was ihnen wichtig ist in der Gemeinde und auch, was fehlt.
Eines betonte Schmitt gleich zu Beginn: Er möchte, wenn er denn gewählt werden würde am 08. Mai 2022 zum neuen Rathauschef, den Informationsfluss verbessen. „Wichtig wäre mir ein reger Austausch zwischen Ortschaftsräten, Gemeinderäten und den Bürgern“, etwa in Form von Bürgersprechstunden oder das zu Beginn einer jeden Gemeinderatssitzung Bürger:innen Fragen stellen können. Er trete den Menschen mit viel Wertschätzung entgegen, könne zuhören und möchte die Einwohner:innen bei Entscheidungen mitnehmen anstatt vor vollendete Tatsachen zu stellen, wie unlängst beim Abholzen der Bäume rund um den Grillplatz in Eberstal, das diverse Rentner:innen schockiert hat, die den Grillplatz jahrelang in Eigenregie gepflegt hatten.
Frau Turber hört auf, Biancas Bastewerkstättle als Nachfolge?
Schmitt höre auch immer wieder von Bürger:innen, das sie ausgebremst werden würden, sei es beim Thema Photovoltaik oder bei Restaurants in der Innennstadt. Dabei müsse man Ingelfingen vor allem in der Innenstadt wieder attraktiver machen. Klaus Schmitt sprach in diesem Zuge auch die bevorstehende Schließung von Frau Turbers Schreibwarenladen Ende des Jahres an. Möglich wäre etwa, Biancas Bastelwerkstättle, das derzeit auf dem Lipfersberg beheimatet ist, im Stadtkern eine neue Heimat zu geben. Eine Wiederbelebung der Mariannenstraße, in der bis vor einigen Jahren noch einige kleinere Einzelhändler ihre Läden hatten, wünschen sich ebenfalls einige Zoom-Teilnehmer. „Mein Vater sagt immer: Keine Stadt ist so tot wie Ingelfingen“, sagt Gemeinderat Markus Hammel.

Dr. Sandra Hartmann in der Mariannenstraße in Ingelfingen 2019, als Bürgermeister Bauer daraus eine Einbahnstraße machen wollte, dies aber nicht durchsetzen konnte. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv
Auch beim Stichwort „Geselligkeit“ und Veranstaltungen gebe es noch „viel Potenzial in Ingelfingen“. Da habe Schmitt auch schon die „ein oder andere Idee“.
Teilweise in die Jahre gekommenen Spielplätze
Ein großes Thema beim virtuellen Frühschoppen waren auch die mancherorts in die Jahre gekommenen Spielplätze in Ingelfingen und den Teilorten. Die seien teilweise ziemlich veraltet, so der Eindruck der Gemeinderätin Kathrin Ehrmann. Ein Wasserspielplatz wäre schon, fehle aber in Gänze. Auch in Lipfersberg etwa, wo Klaus Schmitt selbst wohnt, sei der Spielplatz immer kleiner geworden, obwohl immer mehr Familien in dem Neubaugebiet bauen.
Kunst und Kultur fördern
Ein weiteres großes Thema war der Kurpark, quasi das Herz der 5.500 Einwohner großen Gemeinde. Der Park sei, so Susanne Schmetzers Eindruck, „in einem furchtbaren Zustand“. Als ehemaliger Galerist in Schwäbisch Hall könnte Klaus Schmitt sich vorstellen, Skulpturen in den Kurpark von örtlichen Unternehmern zu stellen, ein Parkcafé würde die Attraktivität steigern und Veranstaltungen mit der Kulisse des Schlosses würden sich hier anbieten. „Kunst und Kultur fördern“, auch das liegt dem Bürgermeisterkandidaten am Herzen, um die Menschen auch von ausserhalb wieder nach Ingelfingen locken. Dies sei bereits mit kleinen Mitteln möglich. So werde die neue Minigolfanlage im Ort, die weit und breit einmalig sei, nach aussen kaum beworben. Neue Bücher für die Stadtbücherei wären ebenfalls von Nöten. Um den Bouleplatz Kurpark bespielen zu können, wären Boulekugeln zum Ausleihen praktisch.
Auch eine Plattform „Ingelfingen hilft Ingelfingen“ könnte sich Kommunikationstrainer Schmitt vorstellen. Bürger:innen helfen Bürger:innen, Einkäufe zu erledigen, mit dem Hund Gassi zu gehen. Eine Plattform des Austausches und des Miteinanders solle so entstehen.
Für Gewerbetreibende hat das Baugebiet in Stachenhausen viel Potenzial
Gemeinderätin Karin Hagdorn warf kritisch ein, dass das nun alles ja „soft skills“ seien und wollte von Klaus Schmitt wissen: „Wo würden Sie die Entwicklung in Ingelfingen sehen hinsichtlich der Arbeitsplätze?“ Der gelernte Maschinenschlosser Schmitt antwortete: Den teilweisen Wegzug von Gemü finde ich sehr schade. Das sollte nicht einreissen.“ Hier sollte es mehr Gespräche, mehr Angebote an Firmen geben. Gemeinderätin Susanne Schmezer warf ein: „Wir haben hier ja ein Baugebiet für Gewerbetreibende, das viel Potenzial hat: in Stacehenhausen“, auch und vor allem für kleinere Unternehmen. Auf diesem Gebiet verweilen tatsächlich bereits seit Jahren lediglich eine Handvoll Firmen, weil die Stadtverwaltung Ingelfingen es noch nicht weiter erschlossen hat. Auch sei „eine fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“ festzustellen, so Markus Hammel.
„Fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“
Schmezer ergänzt in diesem Zug: „Die Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen hat in den vergangenen Jahren stark gelitten. Hier wären Synergien zwingend notwendig.“ Schmitt erwiderte darauf hin, dass er bereits Gespräche mit Waldenburgs relativ neuem Bürgermeister Bernd Herzog geführt habe.
Weitere Themen waren die Digitalisierung, die vorangetrieben werden müsse, das innerörtliche Bauen und die dringende Sanierung der Bestandsgebäude im Stadtkern, Umwelt (wie kann Ingelfingen klimaneutral werden?), Kommunikation, Bürgernähe, Sanierungsbedarf bei diversen Kindergärten wie etwa am Breter, das lang ersehnte neue Vereinsheim mit Umkleidekabinen für den Fußballverein des TSV. Fazit: Es gibt viel zu tun. Aber es gibt auch viele Menschen, allen voran Klaus Schmitt, die Lust haben, diese Themen anzugehen.
Bis Montag, den 11. April 2022, 18 Uhr, können sich Interessierte noch bewerben um das höchste Amt in Ingelfingen.
Text: Dr. Sandra Hartmann

