„Andere Städte bauen für solche Denkmäler ein Museum“, zitierte die Künzelsauer Kunsthistorikerin Ursula Angelmaier einen der Restauratoren an einer offiziellen Begehung des Künzelsauer Friedhofes am 07. Oktober 2019, organisiert von der Stadt Künzelsau für die Gemeinderäte, Bürgermeister Stefan Neumann und dem Stadtarchivar Stefan Kraut. An der Friedhofsmauer des Künzelsauer Friedhofs reihen sich 16 barocke Grabsteine aneinander. Sie wurden vor Jahren in Mäusdorf eingelagert, um in diesem Jahr auf dem Friedhof von der Firma Dengel aus Schöntal-Berlichingen restauriert und professionell aufgestellt
zu werden.
Künstlerfamilie Sommer gestaltete damals viele der barocken Grabsteine
Auf deutschen Friedhöfen sind nur noch wenige Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert erhalten, Künzelsau gehört somit zu einer der wenigen Gemeinden, die solche Kunstwerke besitzen. Wesentlich ist dies aber auch der Künstlerfamilie Sommer zu verdanken. Familie Sommer, wohnhaft in Künzelsau, fertigte diese außergewöhnlichen, kunstvollen Grabmale aus der Barockzeit auf Bestellung an. Familie Sommer war auch für die Figuren im Weikersheimer Schlossgarten zuständig.

Künzelsaus Kunsthistorikerin Ursula Angelmaier (links) erklärte die einzelnen Grabsteine. Foto: GSCHWÄTZ
„Der Pavillion der Stille hätte rund 250.000 Euro gekostet“
Die eigentliche Idee war es, auf dem Friedhof einen Pavillon der Stille zu errichten, um dort die barocken Grabsteine aufzustellen, damit diese vor der Witterung geschützt sind. „Der Pavillion der Stille hätte rund 250.000 Euro gekostet und es hätten nicht einmal alle 16 Grabsteine darin Platz gefunden“, erklärt Bürgermeister Neumann.

16 barocke Grabsteine ließ die Stadtverwaltung Künzelsau entlang der Künzelsauer Friedhofsmauer aufstellen. Foto: GSCHWÄTZ
Adeligen wollten Denkmäler
Bis zum Jahre 1700 gab es keine Grabsteine, denn damals hieß es‚ im Tode sind alle gleich‘, erklärt Angelmaier. Die wohlhabenden Bürger wollten sich nach dem Tode, nach Vorbild der Adeligen, jedoch ein Denkmal errichten. „So wollte man in der Nähe des Altares beerdigt sein – um nahe bei Gott zu sein. Luther schuf diese Regelung mit der Reformation ab“, erzählt Angelmaier.

Die Grabsteine aus Sandstein restaurierte die Firma Dengel aus Schöntal-Berlichingen. Foto: GSCHWÄTZ
Symbol des Todes
Die barocke Grabmalkultur war sehr redselig, sagt Angelmaier. Die Grabsteine beinhalteten sehr viel Inschrift. Diese Inschrift der Sandsteine erzählt das Leben des Verstorbenen. Der Beruf war eines der Attribute, die auf einem damaligen Grabstein nicht fehlen durfte. Sei er Anwalt oder Kronenwirt gewesen – es ist noch heute zu
lesen. Aber auch liebende Ehemänner widmeten ihrer verstorbenen Gattin ein Denkmal. Angelmaier beschrieb: Die Struktur der Grabstein-Gestaltung ist meist klar definiert. Am Fuße des Steines ist meist ein Symbol des Todes zu sehen. Zum Beispiel ein Totenkopf, Gebeine oder eine Sanduhr. Darüber, aber noch auf dem unteren Teil des Steines, befindet sich der Leichentext. Der Leichentext sei auch der Text, den der Pfarrer bei der Beerdigung gesprochen hat. Die Ornamente des Grabsteines seien sehr mode abhängig gewesen. Schleifchen, Bänder, Blätter, Engel – jedes Detail wurde mit Bedacht gewählt, um eine Botschaft des Denkmals zu vermitteln. Auf einem der Grabsteine sieht man etwa Engel, die förmlich aus dem Himmel stürzen und eine Krone bringen. „In den Händen von Frauen-Skulpturen sieht man meist ein Lamm oder ein Herz. Diese sollen die typischen Charakterzüge einer Frau wiederspiegeln. Das Lamm steht für Frommheit und das Herz in der Hand für Herzlichkeit“, schildert die Kunsthistorikerin.
Eine Ära der Kunst ging zu Ende
Aber mit dem Tod von Bildhauer Sommer ging auch seine Kunst. Die Vorlagen der Skulpturen waren zwar da, jedoch sieht man an den barocken Grabsteinen, die weiter hinten an der Friedhofsmauer stehen, dass der Sohn von Sommer einfach nicht dasselbe Talent hatte wie der Vater. Die Skulpturen und Ornamente wirken fast lieblos und nicht mehr so detailgetreu.

Fein gearbeitete Skulpturen und Ornamente zieren die Steine. Foto: GSCHWÄTZ