Durch die Corona-Pandemie finden die Demonstrationen der die Fridays-for-future-Bewegung (fff) derzeit nur noch im Netz statt. Bereits seit längerer Zeit plante die fff-Bewegung am 24. April 2020 die nächsten Demonstrationen auf den Straßen weltweit. Dann grätschte die Corona-Pandemie dazwischen. Doch das Engagement gegen den Klimawandel geht weiter. Wir sprachen mit Vertretern von Hohenlohe4future (Hff) in Künzelsau.
GSCHWÄTZ: Wie viele Menschen sind bei Hohenlohe4future aktiv, in welchem Alter und von welchem Wohnort?
Hff: Wir sind zirka 15 Personen, die den „harten Kern“ bilden und die sich regelmäßig treffen und die Aktionen planen und das weitere Vorgehen besprechen. Viele weitere fleißige Hände helfen uns dann aber bei den Durchführungen und beim Bewerben. Die meisten sind aus Künzelsau und den umliegenden Gemeinden, einige aus dem Jagsttal und einige wenige aus Öhringen. Die Altersspanne ist dabei ziemlich groß, sie reicht von SchülerInnen 17 Jahre, bis hin zu RenterInnen – es ist also alles dabei.
GSCHWÄTZ: Gibt es angesichts der Coronapandemie noch konkrete Planungen für Aktionen am globalen Klimaaktionstag am 24. April 2020? Wenn ja, in welcher Form und wo?
Hff: Ja, die gab es. Allerdings ist die Planung im Moment bis auf weiteres auf Eis gelegt, was auch mit von den fridaysforfuture auf Bundesebene entschieden wurde. Es wird wegen der Coronakrise (leider) definitiv keine Demonstrationen an diesem Tag geben. Unsere Idee im Moment ist eine Informations- und Austauschveranstaltung zum Thema Klima und Nachhaltigkeit in der Künzelsauer Innenstadt. Wir möchten dazu eine Kombination aus wissenschaftlichen Informationen, Informationen darüber, was man selbst machen kann und Informationen darüber, was unsere Pläne als Hohenloheforfuture sind, präsentieren. Außerdem wollen wir nachhaltige Beispiele aufzeigen und dafür mit den Second-Hand-Läden und dem Weltladen zusammen auftreten. Da es in Öhringen eine Fridays-for-future-Grupppe gibt, die für dort etwas plant, werden wir wieder etwas in Künzelsau machen, so dass die For-future-Bewegung in zwei Städten im Hohenlohekreis präsent ist.
Wählen fff-Mitglieder automatisch grün?
GSCHWÄTZ: Sie sind engagiert im Klimaschutz. Wählen Sie dann automatisch auch grün oder anders formuliert: Spiegeln die Grünen die Ziele von fff wieder?
Hff: Die Bewegung an sich und auch wir positionieren uns zu keiner bestimmten Partei. Wir möchten viel mehr darauf aufmerksam machen, dass die Klimakrise ein Thema ist, das alle, egal zu welcher Partei man sich zugehörig fühlt, etwas angeht, da es unser aller Zukunft ist.
GSCHWÄTZ: In einer aktuellen Stellungnahme setzen Sie sich für ein „grüneres“ Künzelsau ein. Auch Ganerben-Achtklässler haben sich von Bürgermeister Stefan Neumann unlängst eine verstärkte Begrünung in Künzelsau bei einem Treffen im Rathaus gewünscht, unter anderem wünschen sie sich mehr Bäume am Wertwiesen, so dass hier ein Park entsteht, der grüner ist als jetzt. Gehen Ihre Gedanken in eine ähnliche Richtung?
Hff: Wie haben Anfang dieses Jahres Arbeitsgruppen gebildet und eine davon befasst sich mit dem Thema „Begrünung in der Stadt“, wo es unter anderem auch um solche Punkte geht.
GSCHWÄTZ: Was machen Sie privat, um „grüner“ zu leben?
Hff: Uns als Gruppe ist es auf jeden Fall wichtig, als gutes Beispiel voranzugehen. Natürlich gibt es dafür unterschiedliche Ansätze, die einen leben vegan oder vegetarisch, die anderen essen nur wenig Fleisch und die meisten achten dabei auch darauf, dass es biologische Lebensmittel sind. Viele von uns nutzen das Auto so wenig wie möglich, fahren mit den Zug in den Urlaub oder machen alle in alltäglichen Fahrten mit dem Fahrrad. Die einen kaufen nur second Hand, die anderen achten bei einer Neuanschaffung auf nachhaltig zertifizierte Kleidung und andere Gegenständen. Prinzipiell gilt hier natürlich immer die Frage: Brauche ich das? Kann ich mir das leihen? Kann ich mir das selber machen? Ein durchdachter und nachhaltiger Konsum ist uns wichtig. Ökostrom, Solathermie, Photovoltaik, grüne und blühende Gärten, all das kann man bei verschiedenen Mitgliedern unserer Gruppe finden. Trotzdem sind auch wir natürlich nicht perfekt und lernen immer Neues dazu und wollen und müssen uns auch noch weiterentwickeln.
Sind Elektroautos wirklich grüner?
GSCHWÄTZ: Es gibt Kritiker, die sagen, dass manche vermeintlich grünen Dinge nicht grün sind, im Gegenteil – etwa das Elektroauto und die Elektroroller, die letzten Endes die Umwelt ebenso belasten. Wie stehen Sie zu derartigen Aussagen? Ist Elektro der grüne Ausweg oder muss – wie an deren Bereichen auch – noch weiter an besseren grünen Technologien geforscht werden?
Hff: Prinzipiell ist der individuelle Verkehr an sich nicht unbedingt die „grüne“ Lösung, egal ob Elektro- oder Verbrennermotor. Auf jeden Fall muss weiter geforscht werden, da es bestimmt in Zukunft auch weiterhin Autos geben wird. Trotzdem muss zusätzlich eine Verkehrswende stattfinden, hin zu einem Punkt, an dem so wenig Auto wie möglich gefahren wird. Ausgebaute Rad- und Fußwege müssen das Radfahren und Laufen wieder attraktiver machen. Genauso müssen die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver werden, in dem dieser, vor allem auf dem Land, weiter ausgebaut wird und die Preise günstiger werden. Ansonsten müssen Konzepte wie Carsharing, Ridesharing und Mitnahmenetzwerke weiter wachsen, damit auch diese mehr beziehungsweise überhaupt genutzt werden.
Klimaschutz in Hohenlohe im Jahr 2020
Anbei veröffentlichen wir eine Presseerklärung von Hohenlohe4future zum Thema Klimaschutz in Hohenlohe im Jahr 2020:
„Zu Beginn des Jahres 2020 könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Klimaschutzbewegung schon wieder auf dem Rückzug ist. Die Freitagsdemonstrationen der Fridays-for-future-Bewegung machen keine Schlagzeilen mehr, weil sie nicht mehr mit derselben Intensität wie im vergangenen Jahr stattfinden und derzeit andere Themen in den Vordergrund gerückt sind.
In Hohenlohe hat sich jedoch eine stabile Gruppierung unter der Überschrift „Hohenlohe4future“ gebildet, die sowohl in Öhringen als auch Künzelsau aktiv ist. Die Gruppenmitglieder sind untereinander bestens vernetzt.
Gespräche mit Bürgermeister Neumann – Konzepte aktiv umsetzen
In Künzelsau besteht die Gruppe aus zirca 15 Teilnehmern, die sich regelmäßig, etwa alle drei Wochen treffen, um Konzepte und Aktivitäten zu diskutieren und zu planen. So fand bereits ein sehr erfolgreiches Gespräch mit dem Künzelsauer Bürgermeister Neumann statt, in dem deutlich wurde, dass die Stadtverwaltung Künzelsau und Hohenlohe4future grundsätzlich an einem Strang ziehen. Auch wenn allen bewusst ist, dass für einige Veränderungen auf jeden Fall Zeit und Engagement nötig sein wird, ist die Bereitschaft groß, sich aktiv für eine bessere Zukunft für alle Hohenloher und die nachfolgenden Generationen einzusetzen. Die Hohenlohe4future-Mitglieder sehen sich hier in der Rolle der aktiven Bürgerinnen und Bürger, die nachfragen, Konzepte vorlegen und auch bereit dazu sind, bei der Umsetzung aktiv mitzuhelfen.
Bei Hohenlohe4future in Künzelsau werden derzeit folgende Themen in Arbeitsgruppen vertieft: Radfahren in Künzelsau und Hohenlohe, Mobilität in Hohenlohe, Begrünung und Mikroklima in der Stadt, Landwirtschaft und Ernährung.
Darüber hinaus unterstützen die Erwachsenen von Hohenlohe4future alle Jugendlichen und Schüler, die sich für Klimaschutz engagieren und eigene Aktionen planen.
Wer aktiv mitwirken möchte bei Hohenlohe4future kann sich an folgende Kontaktadresse wenden: kuenzelsau@parentsforfuture.de