„Besser geht’s nicht“
Freibad oder See oder lieber gar nichts in Coronazeiten? Der Breitenauer See wurde wegen Massenandrangs und nicht erfüllter Coronaregeln geschlossen. Die Stadt Niedernhall hat ihr Freibad erst gar nicht aufgemacht wegen der Flut an Regeln. Wie machen es aber die anderen, die offen haben? Langenburg ist ein kleines feines Freibad, zirka 20 Kilometer von Künzelsau entfernt. Beschaulich liegt es am Ortstand. Viele der Parkplätze im Grünen sind leer, auch die große grüne Liegewiese hat noch viele freie Lücken. Aber das ist in der heutigen Coronaausnahmezeit ein gutes Zeichen. Denn Langenburg hat den Coronastresstest bestanden und hat ein effektives System, damit Besucher hier in Ruhe baden und sich erholen können – ohne einen Massenandrang befürchten zu müssen.
„Pizzeria hier macht sehr leckeres Essen“
„Meine Schwester kommt öfter hierher. Ich bin jetzt das zweite Mal hier“, sagt Andrea Klenk aus Wertheim. Die Pizzeria hier im Freibad mache sehr leckeres Essen, auch die Wasserqualität sei sehr gut. Und man habe hier viel Platz. In Coronazeiten muss man sich in den meisten Freibädern vorab online anmelden. Hier sei dies sehr einfach. „Man kann sich telefonisch anmelden, was man zum Beispiel in Schwäbisch Hall nicht kann.“
„Alle froh, dass wir offen haben“
Doch welche Auswirkungen haben die neue Coronaregeln eigentlich für ein Freibad und seine Mitarbeiter? „Durch die Hygienemaßnahmen hat sich der Alltag sehr verändert“, sagt Arnd Bezold, er ist Bademeister im Freibad in Langenburg. Sehr viel mehr Reinigung und Desinfektionsmaßnahmen würden derzeit ausgeführt als üblich. Das Freibad hat sich dabei mit anderen Freibadbetrieben rund im Crailsheimer Raum abgesprochen. Sie fahren dabei quasi ein Dreischichtsystem. Die Besucher können sich für die morgendliche Schwimmschicht anmelden, für die Nachmittagsschicht (13.30 Uhr bis 17 bis 30 Uhr) oder für die Abendschicht ab 18 Uhr. Pro Schicht dürfen maximal 250 Besucher in das Freibad. Nur zweimal war laut Bademeister Bezold eine Schicht komplett voll. Es habe noch nie Probleme gegeben, dass Besucher nicht das Freibad nach Schichtende verlassen hätten, sagt Bademeister Bezold: „Die Menschen sind sehr verständnisvoll. Die Besucher sind alle froh, dass wir offen haben.“
Am Ende jeder Schicht müssen alle Besucher das Gelände verlassen
Am Ende einer jeden Schicht müssen alle Besucher das Gelände verlassen. Mittels einer Lautpsprecherdurchsage werden sie darauf aufmerksam gemacht. Dann beginnen die Reinigungsmaßnahmen. Bezold und sein Team reinigen dabei unter anderem die Umkleideräume, die Duschen, die Duschen an den Beckeneingängen sowie die Handläufe an dem gesamten Becken. Zu ihren Aufgaben gehört auch, die Menschen auf die gebotenen Abstandsregeln hinzuweisen. Zusätzliche Reinigungskräfte verstärken das Team in Langenburg, damit die Reinigungsmaßnahmen „in jedem Zeitblock zu bewältigen sind“, so der Bademeister.
Mittels Lautsprecherdurchsagen muss jeder das Gelände verlassen
Bademeister Bezold hatte zwar zu Beginn der Coronazeit ein mulmiges Gefühl, hier wieder anzufangen, aber „wir hatten uns gut vorbereitet. Wir hatten uns bei anderen Bädern, die schon früher aufgemacht haben, informiert. Wir haben eine Rundreise gemacht in Bayern“ und haben sich Freibäder angeschaut, die bereits wieder aufgemacht haben. Danach haben wir unser Konzept mit dem Gesundheitsamt in Schwäbisch Hall abgestimmt. Und das funktioniert.“
Niedernhaller Freibad bleibt in dieser Saison zu, Bademeister warnt vor den Folgekosten
Dass das Niedernhaller Freibad in dieser Saison wegen der hohen Coronaauflagen geschlossen bleibt, sieht Bademeister Bezold skeptisch: „Man kann eigentlich ein Freibad kein Jahr geschlossen lassen. Der Aufwand, der dann im Folgejahr kommen würde, wäre viel zu hoch. Man muss das Bad nach dem Winter im Frühjahr sauber machen. Das alte Wasser rauslassen, neues Wasser wieder rein. Die Anlage mal in Betrieb nehmen, ob die Leitungen noch in Ordnung sind, die Pumpen, ob die noch alle laufen. Und wenn man das ein Jahr lang gar nicht macht, sind die Foglekosten im darauffolgenden Jahr viel höher, wie wenn man gar nichts macht. Das ist eine Milchmädchenrechnung, die da manche aufstellen.“
Beheiztes Becken
Renate Hensler (80) und Lore Gröss (89) sind aus Langenburg und kommen oft ins örtliche Freibad. „Wir sind jeden Tag da“, sagt Lore Gröss. „Das Wasser ist immer so schön warm“, sagt Renate Hensler. Das Becken des Langenburger Freibades ist beheizt.Wegen Corona hatten sie keine Bedenken. „Das ist hier alles sehr gut organisiert. Aber viele von den Dauerschwimmern kommen nicht mehr“, bemerkt Renate Hensler.
„Zu viel Dreck in den Seen“
Renate und Franz Lang wohnen nur einen Steinwurf vom Freibad entfernt und sind schon seit Jahrzehnten Besucher. Was hat sich über die Jahre verändert, wollen wir von ihnen wissen. „Das Wasser ist wärmer geworden.“ Das Becken sei zwar schon immer beheizt gewesen, „aber der frühere Bademeister hat es nicht so arg warm gemacht“, findet Franz Lang. An Seen gehen die beiden nicht, weil „in den Seen von Langenburg zu viel Dreck drin ist“.
Trotz des Dreischichtsystems hat das Freibad Langenburg durch die Coronaauflagen weniger Besucher. An einem sonnigen Sommersonntag empfängt das Bad in der Regel zwischen 1.800 und 2.000 Menschen. Nun seien es um die 600. Man merke es schon, dass die Menschen durch Corona zurückhaltender seien.
Doris Schmezer aus Kupferzell ruht sich auf einer Liege inmitten der grünen Freibadwiese aus. „Es ist hier nicht so groß, es ist übersichtlich. Besser geht’s nicht.“
Anmeldung
Mindestens einen Tag vorher sollte man sich im Freibad Langenburg anmelden.
Text: Dr. Sandra Hartmann

Renate Hensler (80) und Lore Gröss (89) sind aus Langenburg und kommen oft ins örtliche Freibad. Foto: GSCHWÄTZ

„Das Wasser ist über die Jahre wärmer geworden“, sagen Renate und Franz Lang über das beheizte Becken. Foto: GSCHWÄTZ

Doris Schmezer aus Kupferzell genießt die Ruhe in dem Bad. Foto: GSCHWÄTZ

Trotz Corona ins Freibad: GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit Mitarbeiterin und Besuchern des Freibades Langenburg gesprochen. Das Fazit war eindeutig. Foto: GSCHWÄTZ