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Wenn der Ehemann die Sekretärin schwängert – Liebe Frauen, seid lieber unromantisch als arm

„Jammern verändert nichts. Frauen müssen einen Lebensplan entwerfen, um sich ihre ökonomische Existenz zu sichern“, rät Helma Sick. Man solle ein Abkommen mit dem Mann finden, dass er für sie in die Rente einzahlt, denn die Frau muss schauen, wo sie bleibt, wenn die Ehe schiefgehe.

Helma Sick ist eine bekannte Finanzexpertin für Frauen, Buchautorin und Brigitte-Kolumnistin. Sick gründete 1987 eine Finanzberatung für Frauen und schildert ein Beispiel: „Der Mann erzählt, dass er jeden Monat 200 Euro für seine Frau in einem Fonds anlegen möchte, damit sie später einmal Rücklagen habe. Und wissen Sie, was seine Frau dazu gesagt hat? ‚Ach, 100 Euro reichen auch.‘ Frauen, denkt nach, was das für euch bedeutet.“

 

Frau muss schauen, wo sie bleibt

 

Zum Thema der Frauenwirtschaftstage ‚Ein Mann ist keine Altersvorsorge‘ lud die Sparkasse Hohenlohe am 18. Oktober 2019 zum Vortrag von Helma Sick ein.

„Ich als Ehemann bin ja auch direkt angesprochen. Da meine Frau und ich drei Kinder haben, meine Frau sich auch ganz bewusst für die eher klassische, nach unser beider Verständnis aber keineswegs überholte Rollenverteilung, entschieden hat und erst in den letzten Jahren wieder in Teilzeit berufstätig ist, bin ich für sie schon auch eine kleine Altersvorsorge“, erzählt Werner Siller, Vorstandsmitglied der Sparkasse Hohenlohe.

 

 Jede dritte Ehe wird geschieden

 

„Früher und auch noch in den 1970er und 1980er Jahren war die Ehe mit einem Mann eine Art Deal. Der Deal war, dass – egal, was passiert – man zusammenbleibt. Aber dieser Deal gilt heute nicht mehr, denn jede dritte Ehe wird geschieden“, leitet Helma Sick ihren Vortrag ein. Und trotzdem wählen, laut Sick, viele Frauen das Leben ihrer Mütter.

„Mein Kind ist mein Beruf und mein Mann sorgt sich um uns“, heißt es von den Frauen, schildert Sick, die seit über 30 Jahren dafür kämpft, dass Frauen von ihrem Partner finanziell unabhängig bleiben. Aber was ist mit der Rente? „Oder was passiert, wenn der Mann mit 50 seiner Frau sagt, dass er sich von ihr scheiden lässt, weil seine Sekretärin von ihm schwanger ist. Was ist dann?“, fragt die Finanzexpertin.

 

 Altersarmut von Frauen

 

Frauen verdienen weniger als Männer. Die Frauenberufe sind meist soziale Berufe und auch diese werden schlechter bezahlt. „Durch die Blauäugigkeit der Frauen stehen sie dann im Alter finanziell schlecht da“, so Sick. Viele Frauen bekämen Kinder und arbeiten später in einem Minijob, bis sie mit der Elternpflege anfangen. Somit würden sie in der Altersarmut landen. Wer einmal in einem Minijob gearbeitet habe, steige meist nicht mehr in das normale Berufleben ein. Die Kolumnistin rechnet vor: „Wer 15 Jahre lang mit einem Minijob in die Rente einzahlt, hat später eine Rente von 70 Euro.“

 

 „Das ist doch sein Vater. Er soll sich doch darum kümmern“

 

Wenn ein Pflegefall in der Familie ansteht, reduzieren Frauen ihren Job auf Teilzeit. Denn es heiße ja immer: „Die Pflege ist eine Tätigkeit, die Frauen von Natur aus können.“
„Wenn es ‚von Natur aus‘ heißt, dann heißt es, dass es teuer für sie wird“, erklärt die 78-Jährige. Sie habe immer den Film ‚Honig im Kopf‘ vor Augen, wenn sie daran denkt. Der Vater des Hauptcharakters wird dement. Die Partnerin opfert sich direkt und bietet an, dass sie daheim bleibt, um den Vater ihres Partners zu pflegen. „Das ist doch sein Vater. Er soll sich doch darum kümmern. Ich wünsche mir, dass wir den Männern nicht alles gleich nachtragen“, appelliert Sick.

 

Frauen reduzieren ihre Arbeitswoche um fünf Stunden

 

Teilzeitarbeit sei nur für zirka 70 Prozent der Frauen sinnvoll und auch nur dann, wenn die Kinder klein sind. Aber viele Frauen reduzieren ihre Arbeitswoche um fünf Stunden, sobald sie mit einem Mann zusammenziehen. Er zahle ja Miete und der Haushalt müsse ja von jemanden gemacht werden.

 

 Wenn der Ehemann die Sekretärin schwängert

 

Nach einer Scheidung müsse ein Mann auch keinen Unterhalt mehr zahlen, so wie es vor Jahren einmal war. Sick mahnt: „Auch nichteheliche Lebensgemeinschaften können bitter enden. Wenn der Partner stirbt und kein Testament zugunsten der Partnerin geschrieben wurde, geht sie leer aus.“ Und fordert auf: „Liebe Frauen, seid lieber jetzt unromantisch, als später arm.“
Eheverträge und Testamente seien wichtig. Jede zweite Frau überlebe ihren Mann und die Witwenrente – falls man verheiratet war – beträgt nur 60 Prozent der Rente des Mannes. Wenn der Mann zum Beispiel 1.600 Euro monatlich an Rente bekommen hat, entspreche das einer Witwenrente von 960 Euro monatlich.

Über 50 Besucher lauschten Sicks Vortrag. Foto: Sparkasse