1

Forchtenberg feiert wieder

Nach zweijähriger Pause, öffnen am 03. und 04. Juni 2022 die Forchtenberger Keller wieder ihre Türen. 11 Lokalitäten laden dazu ein, nach Herzenslust zu schlemmen und dass ein oder andere leckere Getränk zu genießen.

Live-Musik – wie lange mussten wir darauf verzichten – in acht Kellern bekommen Sie wieder was auf „die Ohren“ und wir freuen uns, Ihnen ganz unterschiedliche Musik- und Stilrichtungen präsentieren zu können.

Quelle: Pressemitteilung Forchtenberger Nacht der Keller Orga-Team




Forchtenberg: Museen öffnen am Internationalen Museumstag

Im Rahmen des Internationalen Museumstags öffnen folgende Museen in Fochtenberg von 11 bis 17 Uhr ihre Türen für eine Entdeckungstour oder Führung:

Kocherwerk: Allgemeine Führung 14 Uhr, 16:30 Uhr,
// Technik Führung 13 Uhr, 15:30 Uhr
Dr. BergerHeimatmuseum: Führung 15 Uhr

Arnold Archiv: Führung jederzeit von 1117 Uhr

Kernhaus: Führungen 13 Uhr, 16 Uhr

Backhaus: Führungen 12 Uhr, 15 Uhr

Friedhofskirche: Führungen14 Uhr, 16 Uhr

Entdecken Sie bekannte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten der Stadt
Forchtenberg und tauchen Sie ein in die Geschichte des Ortes.

Kocherwerk Haus der Verbindungstechnik

Das Kocherwerk ist ein Projekt des gemeinnützigen Vereins der Förderer des
Schrauben und Befestigungsclusters. Der Gebäudekomplex rund um die „Rote Mühle“ gilt als die Wiege der Schraube, denn hier wurden ab 1898 die ersten Schrauben der Firma L. & C. Arnold produziert. Ausgehend von dieser Keimzelle haben sich bis heute rund 30 Firmen mit über 10.000 Mitarbeitern herausgebildet. Entdecken Sie ein einmaliges Stück Wirtschaftsgeschichte!

Dr. Berger Heimatmuseum

Ernsbach
+ Tatsächlich die Urzelle der Industrialisierung Hohenlohes?

+ Die Heimat zahlreicher herausragender Persönlichkeiten?

+ Ort interessanter Grabungsfunde wie der Frau ohne Kopf?

+ Nofretete (fast) zum Anfassen viel näher als in Berlin?

Arnold Archiv

Die Stammfabrik von L. & C. Arnold galt um 1900 als die größte Eisenmöbelfabrik Europas. Nicht nur Krankenhausmöbel sondern auch der Biergartenstuhl Nr. 2 eroberte die Welt. Die zur Produktion notwendigen Schrauben wurden ab 1898 in Ernsbach produziert. L. & C. Arnold ist damit die älteste Schraubenfabrik in Hohenlohe und 1914 die modernste in Deutschland. Entdecken Sie die Ursprünge, Entwicklung und Bedeutung der Firmengeschichte im hauseigenen Archiv.

Kernhaus

Das Kernhaus in Forchtenberg zeigt den Besucher*Innen Heimatgeschichte, eine Übersicht über die Werke der Künstlerfamilie Kern, Erinnerungen an Hans und Sophie Scholl sowie handwerkliche Geräte.

Backhaus

Es war eine Sensation, als man die BackhausTurmuhr im Zuge von Renovierungsarbeiten fand. Möglicherweise ist sie eine der ältesten Uhren der Welt. Nach aufwendiger Restaurierung wurde sie wieder an ihren ursprünglichen Platz unter dem Glockenturm gebracht. Sie trägt die Inschrift: „ANNO 1692 FORCHTENBERGER STATT GLOCKE“. Umgangssprachlich heißt sie „Rappel“ oder „Armsünderglöckchen“.

Friedhofskirche

Jahrhundertelang blieben die Freskenbilder mit einer Kalkschicht überstrichen, bis sie um 1950 sichtbar gemacht wurden. Sie zeigen Szenen aus dem Marienleben, der Leidensgeschichte Jesu und vom Heiligen Michael. Grabmäler handeln in Wort und Bild von Menschen in ihrer Zeit und spiegeln die alte Friedhofskultur.

Ausklang

Zum Ein und Ausklingen laden ein das Bistro im Kocherwerk in Ernsbach, der Ochsengarten in Forchtenberg und Krone in Sindringen.

Weitere Informationen über den Internationalen Museumstag unter Internationaler Museumstag.

 




„Im kleinen Team kann man mit Spirit viel erreichen“

Ein wenig versteckt, fast schon wie geduckt, zwischen einem modernen Industriegebäude und einem Einkaufsmarkt liegt im Forchtenberger Gewerbegebiet Allmand die Firma Kriwan. Das Gebäude wirkt unscheinbar, die dunkle Waschbeton-Architektur stammt wohl aus den 70ern.

Nach dem letzten großen Kocherhochwasser habe man das Gebäudeinnere völlig neu gestaltet

Tritt man durch die Tür, steht man aber in einer modernen Arbeitsumgebung, alles ist hell erleuchtet, rechts geht es in einen Bürobereich, links sieht man Besprechungszonen, in denen aktuelle Kennzahlen an Stellwänden hängen. Nach dem letzten großen Kocherhochwasser habe man das Gebäudeinnere völlig neu gestaltet, erläutert Lisa Zwicker, die Personalleiterin des Unternehmens.

Produkte sind den meisten Menschen unbekannt

Unscheinbares Kästchen – ein Produkt von Kriwan. Foto: Kriwan

Genauso unscheinbar wie das Gebäude erscheinen viele der Produkte, die dort hergestellt werden: Auf den ersten Blick handelt es sich um schwarze Kästchen, denen man nicht ansieht, was im Inneren vorgeht. Dr. Christian Ellwein, der Geschäftsführer der KRIWAN Industrie-Elektronik GmbH, erklärt: „Wir stellen hier Sensoren und Elektronik, vor allem zum Schutz und der Überwachung von Anlagen, her.“

Rund 250 Menschen arbeiten für Kriwan

Die Kunden sind Anlagenbauer, zum Beispiel für Kälteanlagen oder Windkraftanlagen. Mit den KRIWAN-Sensoren können diverse Parameter der Anlagen erfaßt und gemeldet werden, sodass die Betreiber der Anlagen immer über den Zustand ihrer Anlagen informiert sind und gegebenenfalls auch aus der Ferne eingreifen können. Rund 250 Menschen arbeiten weltweit für Kriwan, die meisten davon in Forchtenberg, wo sämtliche Produkte hergestellt werden.

Kühlgeräte in Supermärkten

Auf die Frage, wo der Verbraucher im täglichen Leben auf Produkte von Kriwan trifft, nennt Ellwein unter anderem Wärmepumpen und Kühlgeräte in Supermärkten. Auch seien Kriwan Windsensoren bei vielen Schneekanonen in Wintersportgebieten und natürlich in Windkraftanlagen verbaut – in rund einem Drittel der Windturbinen in China befänden sich Kriwan-Produkte. Die Frage, ob China tatsächlich im Hochlohnland Deutschland kauft, beantwortet er mit „Ja, weil die Qualität stimmt“.

Digitalisierung der Geschäftsprozesse der Kunden

Die Digitalisierung spielt also für die Anlagenbauer eine immer größere Rolle, mithilfe der Digitalisierung können Geschäftsprozesse bei den Kunden von KRIWAN optimiert oder gänzlich neu gestaltet werden. „Welche Geschäftsprozesse können optimiert werden?“ ist demnach der Ansatz für Ellwein, seine Marktposition weiter zu stärken. Nicht nur die Kosten stünden in den Lastenheften der Kunden, Themen wie Nachhaltigkeit träten mehr und mehr in den Vordergrund. „Jeden Tag kämpfen wir, damit wir weiterhin gut bleiben“, sagt Ellwein. Der Kampf scheint erfolgreich, denn „es ist schön zu sehen, wie namhafte OEMs mit uns zusammenarbeiten“ – wer diese namhaften Firmen sind, darüber schweigt er und lächelt dabei.

Montage eines Anemometers. Foto: Kriwan

Standardprodukte stehen neben exklusiven Auftragsentwicklungen

Über die Geschäftsprozesse und damit verbundenen Entwicklungsziele der Kunden wissen die Entwickler bei Kriwan gut Bescheid, denn viele Produkte sind exklusive Auftragsentwicklungen, bei denen die KRIWAN mit den Kunden maßgeschneiderte Produkte in Zusammenarbeit entwickelt und später produziert. Diese Produkte „sind nicht für den anonymen Markt“. Diesen anonymen Markt bedient Kriwan mit selbst entwickelten Standardprodukten.

Namhafte Mitbewerber

Ein wenig Stolz klingt aus Ellweins Stimme, als er auf seine Konkurrenten zu sprechen kommt: „Das sind große Namen. Zum Beispiel SIEMENS oder ABB. Die sind richtig gut und innovativ.“ Wie kann sich ein kleines Unternehmen wie Kriwan mit diesen Global Playern messen? „Wir haben ein Produkt für eine spezielle Nische, wir haben auf den Markt gehört.“ Ellwein weiß auch zu nutzen, dass grosse Unternehmen manchmal eine gewisse Schwerfälligkeit aufweisen: „Ein mittelgroßes Unternehmen hats manchmal leichter. Im kleinen Team kann man mit Teamspirit viel erreichen“, weiß er, wie er mit seinem Unternehmen auf dem Markt agieren kann.
Weniger anerkennend spricht er über manche Marktteilnehmer in Niedriglohnländern. Einige seien „Kopisten und nicht innovativ“.

Rohstoffknappheit treibt die Organisation

Die aktuelle Materialknappheit auf den Rohstoffmärkten nennt er als gutes Beispiel für die schnelle Reaktionsfähigkeit eines mittelgroßen Unternehmens: Was damit angefangen hat, dass man sich abteilungsübergreifend jeden Tag mit Engpässen auseinandersetzen mußte, führte zu einem LEAN-System, in das nicht nur die Produktion eingebunden ist, sondern beispielsweise auch die Entwicklung. „Wenn alle vor Ort sind, erleichtert das die Lösungsfindung“, meint Ellwein und ergänzt: „Das war kein lange vorbereiteter Change-Prozeß, wir wurden überwältigt durch die Gegebenheiten.“

Rohstoffknappheit in allen Bereichen

Die Rohstoffknappheit betrifft, so Ellwein, inzwischen nicht mehr nur Microcontroller und sonstige Elektronikkomponenten aus Asien, auch Kunststoffteile seien zeitweise nicht verfügbar. Selbst „Kleinkram“ fehle: „Auch Kleinkram kann die Auslieferung stoppen.“

Trotz allem ist Ellwein mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens zufrieden: Trotz der Corona-Situation sei Kriwan schneller gewachsen als der Markt, habe also Marktanteile gewonnen.

Historie

Seit 1968 besteht die Firma. Der Firmengründer Friedrich Kriwan soll die ersten Bauteile im Badezimmer selber gelötet haben – „ein Start-Up würde man das heute nennen“, schmunzelt Ellwein. Nach dem Tode des Gründers ging die Firma in eine wohltätige Stiftung über, die sich insbesondere im Bildungsbereich engagiert. Ellwein nennt unter anderem das Projekt LiF – Lernen in Forchtenberg, das von der Stiftung unterstützt wird. Eine Übernahme der Firma durch einen Konkurrenten oder einen Finanzinvestor ist damit nahezu unmöglich.

Ausbildung, Fachkräftebedarf und soziales Engagement

Produktion bei Kriwan. Foto: Kriwan

Die Firma bildet jährlich etwa fünf bis acht junge Menschen aus, Schwerpunkte dabei ist die Elektronik, aber auch Bürokaufleute werden ausgebildet. Besonders erwähnt Lisa Zwicker die Möglichkeit des kooperativen Studiums bei Kriwan. „Azubis zu bekommen wird immer schwerer“, stellt Lisa Zwicker fest, auch sei man immer auf der Suche nach Fach- und Führungskräften.

Geringqualifizierten Menschen einen Arbeitsplatz anbieten

Ellwein ist ganz klar der Auffassung, dass ein Unternehmen eine gesellschaftliche Aufgabe zu erfüllen hat, besonders betont er: „Einfache Tätigkeiten hier zu haben, ist mir wichtig“, denn so kann man auch geringqualifizierten Menschen einen Arbeitsplatz anbieten kann. Auch sei bei Kriwan die Behindertenquote erfüllt: „Das ist auch eine Chance für ein Unternehmen, ein Wert für ein Unternehmen“. Und nicht zuletzt habe er oftmals festgestellt, dass geringqualifizierte Menschen einfach „später noch durchstarten“. Letztendlich sieht er im gesellschaftlichen Wert auch einen betriebswirtschaftlichen Wert.

Das Gespräch führte Matthias Lauterer

 

 

 

 

 




Vermeintlicher Ölfilm stellt sich als Schmutzfilm auf dem Kocher heraus

Eine Gewässerverunreinigung auf dem Kocher hat am Donnerstag, den 11. November 2021, für einen Großeinsatz der Feuerwehr gesorgt. Am Nachmittag, gegen 16 Uhr, wurde ein Ölfilm auf dem Kocher in Forchtenberg, auf Höhe der Kocherbrücke, gemeldet. Um eine Umweltkatastrophe zu verhindern, wurde vorsorglich eine Ölschlinge zwischen der Brücke und dem Wehr aufgebaut.

Nach weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass es sich bei dem vermeintlichen Ölfilm um einen Schmutzfilm auf der Wasseroberfläche handelte. Nach weiterer Absuche des Kochers seitens der Feuerwehr konnte keine weitere Verschmutzung festgestellt werden. Die Ermittlungen dauern an.




„Im Umfeld des Erkrankten gibt es weitere Erkrankte mit verschiedenen Symptomen“

Mathea Weinstock aus der Pressestelle des Landratsamts Hohenlohekreis nimmt Stellung zum GSCHWÄTZ-Artikel über den Norovirus in Forchtenberg:

„Bei einem Fall wird nicht von einem Ausbruch gesprochen“

GSCHWÄTZ: Ist es richtig, dass es in oder um Forchtenberg einen Ausbruch des Norovirus gibt?

Weinstock: Aktuell liegt dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises ein laborbestätigter Fall des Norovirus vor. Im Umfeld des Erkrankten gibt es weitere Erkrankte mit verschiedenen Symptomen, allerdings nach aktuellem Stand keine weiteren Bestätigungen. Bei einem Fall wird nicht von einem Ausbruch gesprochen.

Gesundheitsamt auf Mitwirkung aller Beteiligten angewiesen

GSCHWÄTZ: Hat das Gesundheitsamt Maßnahmen eingeleitet und wenn ja, welche?

Weinstock: Das Gesundheitsamt befindet sich in engem Kontakt und Austausch mit der Leitung der betroffenen Einrichtung, insbesondere zur fortlaufenden Risikoanalyse und Beratung. Wir empfehlen u.a. eine äußerst strenge Handhygiene, häufige Desinfektion, die Kontaktaufnahme zum Hausarzt bei entsprechenden Symptomen und Herbeiführung einer Diagnostik (Laborbestätigung durch Untersuchung von Stuhlproben) und nach Erkrankung 48 Stunden symptomfrei zuhause zu bleiben. Bei den genannten Maßnahmen ist das Gesundheitsamt ebenso wie der Träger der Einrichtung auf die Mitwirkung aller Beteiligten angewiesen.

GSCHWÄTZ: Ist der Ausbruch einer der Gründe dafür, dass der Kindergarten in Forchtenberg diese Woche geschlossen ist?
Weinstock: Für die Schließung von Einrichtungen ist der jeweilige Träger zuständig.

Vorsichtsmaßnahmen

GSCHWÄTZ: Gibt es Vorsichtsmaßnahmen, mit denen die Bevölkerung sich vor dem Virus bestmöglich schützen kann?
Weinstock: Siehe hierzu https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/noroviren.html#c3907

Die Fragen stellte Matthias Lauterer




Einbruch in Metzgerei

Unbekannte Täter sind in der Nacht auf Sonntag, den 03. Oktober 2021, in eine Metzgerei in Forchtenberg eingebrochen. Aus dem Geschäft in der Muthofer Straße entwendeten sie nach Angaben der Polizei zwischen 19.30 Uhr am Samstag und 8.45 Uhr am Sonntag einen hohen Bargeldbetrag. Sie durchwühlten hierbei mehrere Räume und flexten einen Tresor auf. Der dabei verursachte Schaden kann noch nicht beziffert werden.

Zeugen, die Hinweise zum Einbruch oder den Tätern geben können, werden gebeten, sich beim Kriminalkommissariat Künzelsau unter Telefon 07940/9400 zu melden.




22-Jähriger zeigt sein Geschlechtsteil auf Spielplatz

Am Samstagmittag, den 31. Juli 2021,  wollte eine 32-jährige Mutter mit ihren drei Kindern einen Spielplatz im Mühlweg in Forchtenberg besuchen. Hier fiel der 32-Jährigen ein junger Mann auf, der sich der Familie näherte und auf einer Bank Platz nahm. Während der Mann die Mutter mit ihren Kindern im Blick behielt, öffnete er seine Hose und zeigte sein Geschlechtsteil, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Die Familie verließ den Spielplatz und verständigte die Polizei. Im Rahmen einer sofortigen Fahndung durch mehrere Streifen des Polizeireviers Künzelsau konnte der 22-Jährige wenig später in Forchtenberg aufgegriffen und vorläufig festgenommen werde.

Die Ermittlungen dauern noch an.




„Am ersten Tisch habe ich geweint“

Im April 2021 hat sie für ziemliches Aufsehen gesorgt: In einem emotionalen Video-Post auf ihrer Facebook-Seite hatte Kristina Kolenkovic, Betreiberin des Stadt Café in Forchtenberg, auf ihre Situation in der Corona-Pandemie und nach monatelanger Schließung aufmerksam gemacht (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2021/04/22/die-lassen-uns-verrecken-und-ausbluten/). Ein paar Wochen später blickt die 34-Jährige optimistischer in die Zukunft, denn mittlerweile darf sie wieder Gäste in ihrem liebevoll eingerichteten Café empfangen: „Bis 30. Juni habe ich samstags und sonntags geöffnet, auch wenn ich noch nicht weiß, ob sich das überhaupt lohnt.“ Denn es sei schwierig zu kalkulieren.

„Angst, dass die Werte wieder hochgehen“

Dass sie wieder öffnen dürfe, fühle sich gut an, sie sei aber auch nervös und unsicher. „Ich habe Angst, dass die Werte wieder hochgehen“, sagt die zweifache Mutter. Ab Anfang Juli wolle sie wieder zurück zu ihren üblichen Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags ab 9 Uhr. Unter der Woche bis 17 Uhr und am Sonntag bis 16 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage.

„Ich wollte keine Zielgruppe“

Wer im Stadt Café drinnen sitzen möchte – beispielsweise unter der alten Leiter mit den Kronleuchtern oder auf dem grünen Samtsofa – muss über eins der drei G verfügen: genesen, geimpft oder getestet sein. Was eigentlich den Vorstellungen der gelernten Hotelfachfrau widerspricht: „Ich wollte keine Zielgruppe, zu uns sollte jeder kommen dürfen.“ Wegen der Corona-Verordnung musste sie allerdings schon Leute wieder wegschicken, denen nicht bewusst war, dass sie einen negativen Corona-Test brauchen. So kann sie knapp 30 Personen in ihren Gasträumen empfangen. Etwas anders sieht es auf ihrer großen Terrasse aus: Hier dürfen die Gäste mittlerweile ohne Test Platz nehmen. Und hier gibt es auch keine behördliche Grenze hinsichtlich der Anzahl. Allerdings müssen alle, die durch die Räume laufen, eine Maske tragen – natürlich auch die Bedienungen.

„Am ersten Tisch habe ich geweint“

Das erste Wochenende, an dem sie wieder geöffnet hatte, sei sehr emotional gewesen. „Am ersten Tisch, den ich bedient habe, habe ich geweint“, erzählt sie. „Alle haben es genossen – die Gäste und ich auch.“ Die Leute seien glücklich gewesen, wieder „Freiheit genießen“ zu können. Viele Touristen seien darunter gewesen und auch Gäste aus der näheren Umgebung. „Auch manche meiner Gäste hatten Tränen in den Augen. Es war komisch-schön.“ Auch mit ihren Mitarbeiterinnen hatte sie großes Glück: „Alle sind wieder mit dabei.“

„Ich bin auch betrieblich verschuldet“

Dennoch bleibt ein gewisser Rest an Unsicherheit: „Ruckzuck steigen die Zahlen wieder über 100“, meint sie. Für sie sei das realistisch. Außerdem: Die meisten Gastronomen bräuchten eine längere Vorlaufzeit, bis sie ihren Laden wieder öffnen könnten. „Doch die meisten sind nach der langen Schließzeit verschuldet, träge und psychisch labil“, findet die Café-Betreiberin. „Ich bin auch betrieblich verschuldet, privat zum Glück nicht.“ Ein Drittel ihrer Berufskollegen könnten mittlerweile noch nicht mal mehr Ware bestellen, weil sie kein Geld auf dem Konto haben, schätzt sie. Auch sie habe die staatliche Unterstützung für Januar noch nicht erhalten. „Erst im Mai gab es außerdem den Beschluss zum Unternehmerlohn“, sagt sie. Den Antrag für die Monate Januar bis Juni habe sie erst in der Woche zuvor gestellt. „Ich kenne keinen, der es schon bekommen hat.“

„Ich glaube aber nicht, dass die große Masse der Menschen betrügt“

Demnächst möchte Kristina Kolenkovic selbst Corona-Tests anbieten, hat eigens dafür eine Schulung gemacht. Dann könnten die Leute auch spontan zu ihr kommen. „Ich verstehe das, ich gehe selbst nur spontan aus“, erklärt sie. Die meisten Gäste kämen zwar getestet, aber viele verstünden das System nicht. „Hier geht’s ja noch, aber stellen Sie sich einen großen Biergarten vor“, gibt sie zu Bedenken. Hinzu komme, dass sie nicht wisse, was sie eigentlich darf: „Darf ich die Ausweise der Leute zur Kontaktnachverfolgung überhaupt kontrollieren?“. Schließlich müsse jeder weiterhin seine Kontaktdaten hinterlegen. Bis jetzt seien ihre Gäste „brav“ gewesen. Im vergangenen Jahr hätte sie einige „Donald Ducks“ gehabt. Doch sie findet ganz pragmatisch: Das Land habe die Regeln aufgestellt, nun solle es sich auch um die Einhaltung kümmern. „Ich glaube aber nicht, dass die große Masse der Menschen betrügt“, sagt sie.

„Jetzt will ich Menschen um mich herum haben“

„Jetzt freue ich mich tierisch auf den Sommer“, gibt die Café-Betreiberin zu. Sie wolle durchgehend öffnen und auch auf den Sommerurlaub verzichten. „Ich hatte in den vergangenen Monaten viele mentale Tiefpunkte, jetzt will ich Menschen um mich herum haben“, strahlt sie. Dann sei sie den ganzen Tag gut gelaunt. Im vergangenen Jahr sei eine gewisse Grundgereiztheit unter den Menschen spürbar gewesen. Jetzt aber sei null Unsicherheit da. „Keiner hat gemeckert“, sagt sie. „Die Leute wissen das jetzt eher zu schätzen.“

Text: Sonja Bossert

Das Stadt Café besticht durch seine gemütliche Atmosphäre, die an Omas gute Stube erinnert. Foto: GSCHWÄTZ

Für die Plätze auf der großen Terrasse brauchen die Gäste keine Corona-Tests. Foto: GSCHWÄTZ




„Das ist einfach Irrsinn“

Getestet, geimpft oder genesen – Die drei heiligen Gs scheinen wie die neue Triade des Biergartenbesuchs. Wer keines dieser drei Privilegien vorweisen kann, für den gilt das, was Gruppen Heranwachsender vom Türsteher einer vollen Disco zu hören bekommen: „Du kommst hier nicht rein.“

„Jetzt trinken wir halt auf unserer Terrasse etwas“

Die Besucher des Ochsengartens in Forchtenberg gehen am Donnerstag, den 03. Juni 2021, relativ entspannt mit dieser Einschränkung um. „Wir wollten gerade in den Ochsengarten gehen, aber wir kommen nicht rein, weil wir weder getestet, noch vollständig geimpft sind“, erklärt Karin Appenzeller. Sie und ihr Mann Rainer sind gerade mit dem Rad unterwegs und nehmen die Abfuhr sportlich. „Jetzt radeln wir halt wieder heim und trinken auf unserer Terrasse etwas.“

„Wir machen das Beste daraus“

Auch Daniel Seegräber macht sich nichts daraus, dass ihm der Eintritt in den Biergarten verwehrt wird, weil er ungetestet ist. Er schnappt sich Freundin und Bier und macht es sich auf der anderen Straßenseite auf der Mauer vor dem Lokal bequem. „Wir sind zufällig vorbeigekommen und haben gesehen, dass man nur eintreten darf, wenn man getestet, geimpft oder genesen ist. Das sind wir alles nicht, also haben wir eben gesagt: ‚Dann machen wir to go und machen das  Beste daraus.‘“

„Das ist einfach Irrsinn“

Arndt Schwarzmannseder, Betreiber des Ochsengartens, erklärt: „Immer wieder kommen Leute, regen sich auf und gehen wieder, wenn sie von den Anforderungen erfahren, den Biergarten zu besuchen. Sie sagen dann, es sei einfach Irrsinn, nicht zwischen verschiedenen Konzepten zu differenzieren. Wir stellen dann natürlich auch klar, dass das nicht unsere Idee ist, sondern, dass das von der Regierung diktiert wird.“

„Die Testerei bricht uns das Genick“

Der Start nach dem monatelangen Lockdown sei ein wenig chaotisch gewesen, wie Schwarzmannseder erzählt: „Wir hatten zwei Tage Zeit, um zu öffnen. Vor sechs Monaten haben alle unsere Mitarbeiter gekündigt, alle haben jetzt andere Jobs. Wir finden unser Personal nicht mehr und müssen jetzt alles „neu machen“. Jetzt haben wir offen und verdienen doch kein Geld, weil die Testerei uns das Genick bricht. Wie gesagt, viele Leute gehen wieder, wenn sie testen müssen.“

Testzentrum vor dem Ochsengarten

Vasile Barb und Dorin Vioicu gehören nicht dazu. Die beiden jungen Männer ziehen es durch und führen vor dem Ochsengarten einen Schnelltest durch. Jedoch stellt Barb klar: „Diese Testerei finde ich auf jeden Fall richtig blöd.“ Ganz anders eingestellt  sind dazu Hermann und Sieglinde Schwab. Auch das Ehepaar führt einen Schnelltest durch, um den Biergarten zu besuchen. Hermann Schwab erklärt: „Es ist für uns üblich, dass wir uns testen – entweder Zuhause oder im Testzentrum. Inzwischen ist es Usus und kein Problem mehr und wir freuen uns jetzt echt darauf, mit unseren Freunden einen Kaffe zu trinken und ein schönes Geplauder zu haben.“ „Gschwätz!“, ergänzt seine Frau Sieglinde und Schwab berichtigt: „Gschwätz zu haben, natürlich, wir sind ja Schwaben!“ Für diejenigen, die keinen tagesaktuellen Test parat haben, gibt es übrigens vor dem Ochsengarten ein kleines „Testzentrum“, beziehungsweise die Möglichkeit, einen Selbsttest zu erwerben und ihn durchzuführen.

„Ich verstehe das Ganze einfach nicht“

Ginge es nach Schwarzmannseder, gäbe es bessere Möglichkeiten, den politischen Anforderungen gerecht zu werden. Der Gastronom ist enttäuscht. „Warum betrachten Politik und Stadt die einzelnen Fälle nicht individuell? Wir haben so einen großen Biergarten, ich könnte die Tische auch mit zehn Metern Abstand platzieren. Das wäre locker möglich. Ich verstehe das Ganze einfach nicht. Ich kann ohne Test in den Schuhladen – in einen geschlossenen Raum – gehen und hier im Biergarten, draußen unter freiem Himmel, wo eigentlich erwiesen ist, dass keine Ansteckungen möglich sind, ist es verboten. Das ist dramatisch. Wir fühlen uns einfach verlassen.“ „Verlassen und verarscht“, ergänzt seine Frau Sabrina.

Text: Priscilla Dekorsi

Moderation: GSCHWÄTZ-Praktikantin Cora-Lee Pusker

Keine leichte Zeit für Gastronomen: die Betreiber des Ochsengartens, Sabrina und Arndt Schwarzmannseder. Foto: GSCHWÄTZ

Der Ochsengarten in Forchtenberg. Foto: GSCHWÄTZ

Ziemlich bezeichnend – das Wahrzeichen des Ochsengartens trägt Mundschutz. Foto: GSCHWÄTZ

Neuerdings sind die Anforderungen für Gastronomiebesuche hoch: Man muss einen Nachweis über eines der drei „G“ – getestet, geimpft, oder genesen – erbringen. Foto: GSCHWÄTZ

Auch die Öffnungszeiten sind eingeschränkt. Foto: GSCHWÄTZ

Selbst fürs Mitnehmen von Speisen und Getränken macht die Politik strenge Vorschriften. Foto: GSCHWÄTZ

Auf alles vorbereitet: Wer keinen Test hat, kann im Ochsengarten einen erwerben. Foto: GSCHWÄTZ

Yana Rupp (links) und Valeria Lopez sind „das leckere Essen und die netten Leute“ den Test wert. Foto: GSCHWÄTZ

Matthias Eheim (links), Janine Köhler und Martines Meißner ertesten sich den Eintritt in den Ochsengarten. Foto: GSCHWÄTZ   

Sieglinde und Hermann Schwab haben Verständnis für das Test-Prozedere. Foto: GSCHWÄTZ

Prost! Regina Wieland (links), Siegfried und Renate Janda haben dank Impfausweis ein schattiges Plätzchen im Biergarten gefunden. Foto: GSCHWÄTZ

Dorin Vioicu (links) und Vasile Barb haben die Nase voll von der Testerei. Foto: GSCHWÄTZ




„Wir sprechen über Dich“

Am 09. Mai 2021 wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden, was in ihrem Geburtsort Forchtenberg mit verschiedenen Aktionen gefeiert wurde (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2021/05/11/jeder-ist-verantwortlich-fuer-das-was-er-geschehen-laesst/). Auch das Kollegium der Geschwister-Scholl-Schule in der Kochertalgemeinde hat sich etwas Besonderes für diesen Tag einfallen lassen und ein Video mit Kindern aus der Notbetreuung gedreht. Die Lehrerinnen halten kleine Plakate in die Kamera, auf denen unter anderem steht: „Gerne hätten wir Dich persönlich kennengelernt und mit Dir gefeiert.“ Was aber nicht möglich ist, denn Sophie Scholl wurde bekanntlich am 22. Februar 1943 in München von den Nationalsozialisten hingerichtet.

„Wir haben unheimlich viel über beide gelernt“

Welchen Stellenwert das Mitglied der Weißen Rose in der Forchtenberger Grundschule genießt, bringt auch der Satz „Du bist bis heute Vorbild und wir sprechen über Dich“ in dem Video zum Ausdruck. „Wir sind glücklich, dass unsere Schule den Namen Geschwister Scholl trägt“, sagt Rektorin Petra Schüler in einer kurzen Ansprache. Sie bedauert, dass die große geplante Geburtstagsfeier wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. „Wir haben uns ganz viel vorbereitet schon zum 75. Todestag der Geschwister Scholl und haben unheimlich viel über beide gelernt.“ Auch die Schüler:innen wüssten ganz genau, wer die Geschwister Scholl waren.

„Unsere Kinder können in Freiheit aufwachsen“

„Wir sind ziemlich stolz auf Sophie Scholl, dass sie in einer solchen Zeit auch den Mut hatte, etwas zu sagen“, so die Schulleiterin weiter. „Wer aus einem totalitären Regime kommt, weiß, wie schwierig das ist und wie mutig, Aussagen zu treffen, bei denen man immer an der Grenze zum Gefängnis oder zum Tod steht.“ Petra Schüler ist glücklich, dass „wir heute Demokratie haben und unsere Kinder in Freiheit aufwachsen können“. Das habe man sicherlich auch den Geschwistern Scholl zu verdanken.

Zeichen der Hoffnung

Wie es sich für einen ordentlichen Geburtstag gehört, lassen Lehrerinnen und Schüler:innen bunte Luftballons in den grauen Forchtenberger Himmel aufsteigen – ein Zeichen der Lebensfreude und der Hoffnung.

Mit kleinen Plakaten erinnern die Lehrerinnen an die Widerstandskämpferin. Screenshot: GSCHWÄTZ

Luftballons als Zeichen der Lebensfreude und Hoffnung. Screenshot: GSCHWÄTZ