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„Jeder ist verantwortlich für das, was er geschehen lässt“

Alles stand am Sonntag, den 09. Mai 2021, in Forchtenberg im Zeichen einer beeindruckenden jungen Frau: Viele Interessierte und Freunde der Weißen Rose feierten in dem Geburtsort von Sophie Scholl ihren einhundertjährigen Geburtstag.

„Es ist wichtig, dass wir Sophie Scholl als Vorbild haben“

„Ich freue mich natürlich, dass wir Sophie Scholls hundertsten Geburtstag an diesem wunderschönen Tag in verschiedenster Art gemeinsam begehen können: unter anderem mit einer Flugblattaktion, einer Grußwortaktion und mit einem Gottesdienst heute Morgen. Es ist einfach wichtig in unserer Zeit, dass wir Sophie Scholl als Vorbild haben und ihrer gedenken“, sagte Renate Deck, eine der Organisatorinnen der Gedenkaktionen.

„Sie haben Verantwortung übernommen“

Während Deck aus ihrem Grußwort las, wurden alle Umstehenden auf einmal ganz nachdenklich und still. „Die Mitglieder der Weißen Rose kämpften für die Freiheit als Grundrecht. Sie haben sich eingesetzt für die Freiheit jedes Einzelnen. Sie haben sich eingesetzt für die Gerechtigkeit gegenüber jedem Einzelnen. Sie haben sich eingesetzt für Respekt und Wertschätzung. Sie haben Verantwortung übernommen und ließen nicht geschehen. Deshalb ist Sophie Scholl für uns bis heute und weiterhin für unser ganzes Land ein Vorbild. Vorbild des Widerstandes, des Freiheitswillens und der Zivilcourage.“

„Hans und Sophie Scholl sind große Vorbilder“

„Sophie Scholl war noch so jung. Teilweise repräsentiert sie auch die kritische Jugend heute. Das macht sie und die Themen, die sie an die Menschen herangetragen hat, aktueller denn je“, resümierte Walter Liehmann, der selbst ein Buch über die junge Aktivistin verfasst hat. „Hans und Sophie Scholl sind für mich ganz große Vorbilder, die ich sehr verehre.“

„Ich empfehle jedem, sich die Flugblätter der Weißen Rose durchzulesen“

„Sophie und Hans Scholl sind uns schon seit unserer Schulzeit ein Begriff“, erzählte Elsbeth Glück. „Hier in Forchtenberg wird das Andenken an diese besonderen jungen Menschen wieder richtig lebendig. Zu dieser Aktion gekommen sind wir über unsere Nachbarn, das Ehepaar Deck. Die beiden leisten hier eine ganz intensive Erinnerungsarbeit an die Geschwister Scholl.“ Ihr Mann Bernhard ergänzt: „Decks investieren ehrenamtlich unglaublich viel in dieses Engagement. Das ist wirklich beeindruckend. Außerdem empfehle ich jedem, sich die Flugblätter der Weißen Rose einmal durchzulesen. Sie sind online einsehbar. Diese Schriftstücke sind einfach unglaublich gehaltvoll und die Geschwister Scholl unglaublich klug und gebildet.“

„Das ist ein magischer Ort“

Maren Gottschalk hat zwei Biografien über Sophie Scholl verfasst. „Ich bin sehr froh, dass ich heute hier sein darf und bin auch irgendwie ein bisschen stolz, dass ich heute hier lesen darf. An Sophies hundertstem Geburtstag und in Forchtenberg selbst“, gestand die Historikerin. „Das ist für mich natürlich ein magischer Ort.“ Des Weiteren stellt Gottschalk klar: „Für mich als Historikerin ist es sehr wichtig, dass wir Menschen wie Sophie Scholl in unserer Geschichte haben. Menschen, die der Diktatur etwas entgegengesetzt haben. Ich hoffe, dass wir ihr Erbe so weit tragen, dass wir uns selbst darum kümmern, unserer Demokratie zu schützen.“

„Du hast versucht, klar zu sehen“

Cécile Wolfram, die auch das Bild zu Sophie Scholls Jubiläumsbriefmarke gemalt hat, las aus einem von ihr verfassten Grußwort: „In einer Zeit der Euphorie hast Du versucht, klar zu sehen. Zu sehen, dass dieser Krieg keine Naturkatastrophe oder eine verheißungsvolle Bewegung in eine bessere Zukunft sei, sondern dass dieser Krieg menschengemacht ist und die Zukunft schwer richten wird. Du musstest ertragen, dass an den Krieg geglaubt wurde. An den Sieg des Stärkeren. An den Hass als tadellose Triebkraft. Wie musste das alles Deiner inneren Gesinnung und Deinem Glauben an die Menschheit widersprochen haben? Wir können heute viel sagen, viel richten, vielleicht manches von damals verstehen, aber wir sind mittendrin und kennen unsere eigene Zeit nicht und wie die Zukunft auf uns blicken wird. Wir haben unsere Träume, unsere Sorgen, aber auch unser Gewissen, das uns leiten kann, wenn wir es nur befragten. Und wir haben Zeugnisse einer menschenverachtenden Zeit, deren Wiederholung es zu verhindern gilt.“

Text: Priscilla Dekorsi

Renate Deck ist Mitinitiatorin der Gedenkveranstaltung rund um Sophie Scholls hundertsten Geburtstag. Foto: Priscilla Dekorsi

Elsbeth und Bernhard Glück aus Langenburg engagieren sich seit rund vier Jahren dafür, das Gedenken an die Geschwister Scholl aufrechtzuerhalten. Foto: Priscilla Dekorsi

Das Würzburger Tor ist die Station Nummer 10 des Hans und Sophie Scholl-Pfades. Von hier aus startete auch die Flugblattaktion. Foto: Priscilla Dekorsi