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Corona: Offenere Kommunikation tut Not

Der Hohenlohekreis hat Stand heute, 22. März 2021, eine 7-Tage-Inzidenz von knapp unter 200, Tendenz weiter steigend. In der Gemeinde Krautheim sind aktuell 24 von ungefähr 5.000 Bürger:innen erkrankt: Wären die alle innerhalb der letzten Woche erfaßt worden, wäre das eine 7-Tages-Inzidenz, die nahe der 500er-Marke liegt. In der Ministerpräsidentenkonferenz soll heute beraten werden, welche Maßnahmen bei Inzidenzen ab 100 getroffen werden sollen – diese Marke scheint für den Hohenlohekreis derzeit außer Reichweite.

Informationspolitik des Landrats in der Kritik

Die Informationspolitik des Landrats steht in der Kritik: Kreisrat Michael Schenk (FDP) stellte in der Sitzung vom 15. März 2021 die Frage, warum die Namen von betroffenen Unternehmen nicht genannt würden. Es klingt einleuchtend: Wenn sich Kontaktpersonen zum Unternehmen proaktiv freiwillig testen lassen könnten, könnte die Nachvollziehbarkeit verbessert werden, indem mehr potentielle Infektionsketten ermittelt werden können. Immerhin bestätigte Landrat Neth: „Die Anregung wird mitgenommen“, er beruft sich auf unterschiedliche Auffassungen von Bund und Land beim Datenschutz. Das Bundesinnenmisterium jedenfalls teilte Schenk auf Anfrage mit: „Die Nennung des Namens einer von Corona betroffenen Institution liegt hingegen im Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit. Die Behörde vor Ort entscheidet nach Abwägung zwischen dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit und der Grundrechte – wie das Persönlichkeitsrecht, einschließlich datenschutzrechtlicher Vorgaben – ob die Nennung des Namens einer Einrichtung notwendig ist – etwa um weitere Kontakte zu ermitteln.“

Offenheit bei Unternehmenskommunikation wäre hilfreich

Aber auch die betroffenen Unternehmen müssen sich fragen lassen, wem es nützt, wenn solche Informationen unter den Teppich gekehrt werden. Vermeintliche Sicherheit durch Unwissenheit kann langfristig nicht Ziel einer modernen Unternehmenskommunikation sein.

Eine Corona-Infektion ist keine Schande

Es ist keine Schande, von Corona betroffen zu sein – es kann buchstäblich jeden treffen, trotz bester Hygienekonzepte. Schlimmer ist es, wenn in den Gerüchteküchen der Whats-App- und Telegramm Gruppen Gerüchte auftauchen, die sich verselbständigen. Diese Gerüchte helfen niemandem – außer denen, die bedrohliche Meldungen benötigen, um zu manipulieren.

Kommunikation macht Infektionsketten sichtbar

Es wäre allerdings eine Hilfe, wenn Unternehmen offen kommunizieren würden: Jeder, der Kontakt zum Unternehmen hatte, und sei es ein Lieferfahrer, der nur kurz auf dem Hof steht, hätte die Chance, sich testen zu lassen. Die Infrastruktur dafür ist ja inzwischen vorhanden. Im negativen Fall hätte die Person eine persönliche Sicherheit, im positiven Fall hätte das Gesundheitsamt einen Ansatzpunkt für die Weiterverfolgung einer potentiellen Infektionskette. Gerade der Lieferfahrer liefert ja nicht nur bei einem Unternehmen an.

Gerade bei einem „diffusen Geschehen“, wenn eine große Anzahl von Infektionen nicht nachvollzogen werden kann, ist jeder Ansatzpunkt  wichtig und sinnvoll, um das Geschehen eindämmen zu können.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer