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Ob es diesmal klappen wird? Schnelles Internet für den gesamten Hohenlohekreis geplant

Schnelles Internet ist ein Bildungs- und Wirtschaftsfaktor. Das hat spätestens die Corona-Zeit gezeigt, als viele Menschen im Home-Office auf eine Datenverbindung ins Firmennetz angewiesen waren. Wenn dann gleichzeitig noch die Kinder am Distanzunterricht mit einem Videokonferenzsystem teilgenommen haben, waren viele Leitungen nicht mehr ausreichend. Datenübertragungen dauerten lange, die Videokonferenzverbindungen waren ruckelig und selbst der Ton war teils nicht mehr verständlich. Die großen Anbieter haben viel investiert, um die großen Wirtschaftszentren gut anzubinden – auf dem Land hingegen ist die Kapazität des Netzes an vielen Stellen nicht ausreichend, geschweige denn für die zukünftigen Anforderungen gerüstet. Wer seine Daten nicht schnell „um die Welt“ schicken kann, der hat bereits heute Wettbewerbsnachteile. Und wenn Lehrer:in und Schüler:in nicht miteinander kommunizieren können, sind die Auswirkungen auf die Bildung der Kinder gravierend.

Wirtschaftsförderung greift ein

Deshalb gab es bereits einige lokale Projekte, die teilweise erfolgreich waren, teils aber auch fehlgeschlagen sind. Jetzt hat sich die Wirtschaftsregion Hohenlohe-Franken, das ist grob gesagt die gemeinschaftliche Wirtschaftsförderung von Stadt Heilbronn und den Kreisen Heilbronn, Schwäbisch-Hall, Hohenlohe und Main-Tauber, entschlossen, das Thema in die Hand zu nehmen. Sie hat dazu ein „Gigabitkompetenzzentrum“ (GKZ) gegründet, mit dem Ziel, einen Kooperationspartner zu finden, mit dem man in der Region ein flächendeckendes Glasfasernetz aufbauen kann, das zukunftsfähig ist und potentiell jeden Haushalt, jedes Unternehmen erreichen kann. Die Ziele dieses GKZ sind unter anderem die Unterstützung der Gemeinden bei der technischen Definition des Netzes, bei der Vertragsgestaltung, bei der technischen Umsetzung sowie bei der Koordination und mein Marketing. Das GKZ ist also ein Dienstleister, der den Gemeinden im Vorlauf und bei der Netzerstellung sowie zumindest in der Anlaufphase Unterstützung bieten will.

Ziele des GKN. Bild: Präsentation im Gemeinderat Künzelsau

Auswahlverfahren

Seit Mitte 2020 wurde ein EU-weites Markterkundungsverfahren durchgeführt, das zu dem Ergebnis kam, drei Anbieter – Deutsche Giganetz GmbH, NetCom BW und vodafone – in die engere Wahl zu nehmen und mit ihnen das Projekt weiterzuführen. Als Sieger ging aus diesem Verfahren die Deutsche Giganetz GmbH (DGN) hervor, die jetzt den Netzausbau in der Wirtschaftsregion übernehmen wird.  Die DGN ist eine noch junge Firma, die im Wesentlichen einer Investorengruppe gehört: Der Start des Unternehmens wurde durch eine „Infrared Capital Partners“ finanziert, die zwischenzeitlich durch „SunLife Financial“, einem Finanzdienstleister aus Toronto, Kanada, übernommen wurde.

Deutsche Finanziers haben den Markt noch nicht erkannt

Dr. Andreas Schumm, Vorsitzender des Gigabit-Kompetenz-Zentrums präsentiert sein Projekt. Foto: GSCHWÄTZewq1

Kritischen Fragen im Kreistag nach dieser Konstellation begegnet Dr. Andreas Schumm, Geschäftsführer des GKZ mit „die deutschen Finanzgesellschaften haben diesen Markt noch nicht erkannt“ und er verweist auch darauf, dass sich auch beispielsweise bei der Deutschen Telekom wesentliche Anteile nicht in deutscher Hand befänden.

Konzept sieht technische Vorteile gegenüber bestehenden Netzen vor

Das technische Konzept von GKZ und DGN sieht ein Glasfasernetz vor, das nicht nur schnellen Download, sondern auch eine hohe Uploadkapazität bereitstellt: Das ist wichtig für Menschen, die große Datenmengen verschicken müssen oder die an Videokonferenzen teilnehmen, die in hoher Bildauflösung stattfinden. Die derzeitigen Netze, so Schumm, seien sehr asymmetrisch und böten eben keine hohe Uploadkapazität. Beispielsweise wird im Glasfaser-Kabelnetz von vodafone ein Tarif mit 500MBit/s Downloadrate vertrieben – im Upload bietet dieser Tarif 25 MBit/s an. In den Standardtarifen der DGN ist die Uploadrate deutlich höher: sie beträgt die Hälfte der Downloadrate.

Auch soll ein „point-to-point“-Netzkonzept realisiert werden, das bedeutet, dass jeder Anschlussinhaber sozusagen eine dezidierte Leitung hat und sich nicht mehrere Teilnehmer eine Leitung und damit die Kapazität teilen müssen – auch das sieht Schumm als Vorteil gegenüber den „klassischen“ Netzbetreibern.

Marktgerechte Preise und hohe Leistung für die Bürger:innen

Für die Interessenten, sowohl Haushalte als auch Industrie und Gewerbe, kann der Zugang recht preisgünstig erfolgen: Der Hausanschluß ist sogar kostenlos, wenn sich die potentiellen Kunden in der Vermarktungsphase für einen Vertragsabschluß über 2 Jahre entscheiden. Nach den zwei Jahren stehen den Kunden Wechselmöglichkeiten offen, auch andere Anbieter werden das Netz dann nutzen können. Im Gegenzug sollen die Tarife von DGN auch in den Netzen der Mitbewerber angeboten werden, denn Doppelstrukturen sollen vermieden werden.
Die Preise der DKN sind tendenziell höher als die der Mitbewerber: Für den oben erwähnten vodafone-Tarif mit 500/25 Mbit/s werden für zwei Jahre etwa 780 Euro verlangt, bei DGN zahlt man aktuell für einen Tarif mit etwas besserem Angeboten 600/300  MBit/s rund 1.080 Euro in zwei Jahren – allerdings sind die Mitbewerber im Hohenlohekreis nicht überall verfügbar.

Im Idealfall kostenlos für die Gemeinden

Der große Vorteil für die Gemeinden, so präsentiert es Schumm, sei, dass im Idealfall keinerlei Investitionskosten für die Gemeinden entstehen. Dieser Idealfall tritt dann ein, wenn mindestens 35 Prozent der potentiellen Kunden auch einen Vertrag mit der DGN abschließen. In diesem Fall wird DGN das Netz eigenwirtschaftlich und ohne Kosten für die Gemeinden betreiben. Schließen nur 20 – 35 Prozent der Haushalte und Firmen einen Vertrag mit der DGN, soll der Ausbau „in Absprache mit den Gemeinden“ stattfinden – das kann nur bedeuten,  dass mit der jeweiligen Gemeinde über einen Investitionszuschuss verhandelt wird. Bei unter 20% Beteiligung soll vorläufig nicht investiert werden, in diesem Falle plant man „eine erneute Vermarktung nach maximal zwei Jahren“.

Ein Rosinenpicking seitens des Netzbetreibers könne nicht stattfinden, versichert Schumm. Die Vereinbarung sehe vor, dass eine Gemeinde komplett angeschlossen wird, nicht beispielsweise nur eine Neubausiedlung oder ein Gewerbegebiet. Die Reihenfolge des Ausbaus soll mit der Region abgestimmt werden und ist sicherlich davon abhängig, wie schnell sich die jeweiligen Gemeindegremien für eine Vereinbarung mit DGN entscheiden.

Kreis übernimmt Kosten für die GKZ

Die Kosten für die Dienstleistungsgesellschaft GKZ werden von den an der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken beteiligten Kreisen getragen. Der Kreistag des Hohenlohekreises hat zugestimmt, seinen Anteil, das sind rund 47.000 Euro in den ersten beiden Jahren, zu übernehmen.

Fazit

Nachdem bisher mehrere lokale und gemeindeübergreifende Ansätze nicht wirklich erfolgreich waren, ist definitiv ein Bedarf vorhanden, da auch die bisher tätigen Investoren nur bestimmte Teile des Kreises angebunden haben: Gerade dem Hohenlohekreis, in dem es noch viele Gemeinden ohne schnelles Internet gibt, täte die „Aufrüstung“ der Netze gut. Auch unter den vielen kleinen und mittelständischen Firmen in Hohenlohe, die teils in weltweite Lieferketten eingebunden sind und den schnellen Kontakt zu ihren Kunden und Lieferanten benötigen, dürfte es einige geben, die das Angebot nutzen könnten. Und in der Corona-Zeit hat der Bildungssektor in der Corona-Zeit dazugelernt und wird auch zukünftig viele Bildungs- und Weiterbildungsangebote dezentral, also über das Netz, anbieten.

Da andererseits der Anbieter ein Interesse daran hat, seine Investition möglichst früh an den Markt zu bringen und Umsätze zu generieren, dürfte die Realisation einer Gemeindeversorgung recht schnell durchführbar sein.

Text: Matthias Lauterer

 

 

 




„Wenn die Buchenbacher nein sagen, das wollen wir nicht, dann sind wir Eberbacher abgekappt“

Es ist ein altes Thema, das aber durch die Corona-Pandemie einen neuen Schub bekommen hat: fehlende Internetanschlüsse, Funklöcher, tote Telefone im Mulfinger Teilort Eberbach. Wer wirkliche Ruhe will, der kann sie dort finden. Anfang des Jahres allerdings kam Bewegung in die Sache: Die Telekom plant einen Mobilfunkmast – in der Nähe der Kirche von Buchenbach. Von dort aus sollen die Eberbacher mit Handyempfang und mobilem Internet versorgt werden. Doch die Buchenbacher wehren sich dagegen.

Auswirkungen aufs Ortsbild

„Ich kann ja verstehen, das die Buchenbacher das nicht an ihrer Kirche wollen“, zeigt eine Eberbacherin im Gespräch mit der GSCHWÄTZ-Redaktion Verständnis. „Das hat auch Auswirkungen auf das Ortsbild.“ Sie zieht einen Vergleich mit der Bergseilbahn in Künzelsau: Das sehe auch nicht unbedingt schön aus. „Aber es gibt Leute bei uns im Ort, die haben absolut nichts – keinen Internetanschluss, kein Telefon und keinen Handyempfang.“ Manche Nachbarn haben eine Verbindung ins WWW über Satellit, aber das sei sehr teuer. „Wenn die Buchenbacher nein sagen, das wollen wir nicht, dann sind wir Eberbacher abgekappt.“

„Das war reine Glückssache“

Sie und ihre Familie hätten noch Glück gehabt: Sie haben einen Festnetz- und Internetanschluss. Allerdings: „Bei schlechtem Wetter haben wir Ausfälle und wenn das Internet ausfällt, sind wir tot“, erklärt die zweifache Mutter. Handyempfang gibt es nicht, außerhalb vom Haus sei sie deshalb gar nicht erreichbar. Sie weiß von Nachbarn, die inständig darauf hoffen, dass der Mobilfunkmast wie geplant gebaut wird. Dabei hätten sie beim Einzug in ihr Haus Glück gehabt: Zuvor hat ihr Onkel dort gewohnt, der Telefonanschluss lief auf ihren Cousin. Weil der diesen nicht gekündigt hatte, konnten sie ihn einfach übernehmen. „Das war reine Glückssache“, sagt die Frau. Mittlerweile sei es Alltag, mit einem Funkloch zu leben. „Man gewöhnt sich daran, dass der Empfang weg ist, sobald man sich einmal umdreht.“ Besonders bitter: Bis zum Ortseingang von Buchenbach ist ein Glasfaserkabel verlegt, im Ort selbst aber nicht. „Aber“, befürchtet die gebürtige Eberbacherin, „ich habe Angst, dass gar nichts gemacht wird, wenn die sich jetzt nicht auf einen Standort einigen.“

„Darüber hinaus gehende Fragen können wir derzeit leider nicht beantworten“

Auf die GSCHWÄTZ-Anfrage zum aktuellen Stand in Sachen Funkmast schreibt Mulfingens Bürgermeister Robert Böhnel: „Sowohl zum Internet wie auch zum Mobilfunk, speziell zum Funkmast in Buchenbach, informieren wir die Bürgerschaft im örtlichen Mitteilungsblatt und in den Sitzungen sehr umfassend. Darüber hinaus gehende Fragen können wir derzeit leider nicht beantworten.“ Er fordert allerdings unsere Eberbacher Leserin dazu auf, sich direkt an ihn zu wenden.

Text: Sonja Bossert