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„Lieber ganz verboten als was Halblebiges“

Prall gefüllt sind die Terminkalender der aktiven Fastnachter gewöhnlich um diese Jahreszeit. Eine Sitzung jagt die andere, es geht von Umzug zu Umzug. Wenn es keine Veranstaltung der eigenen Gesellschaft ist, zeigen Tänzer:innen und Redner:innen bei befreundeten Gesellschaften ihr Programm. Die Tanzgruppen besuchen Kindergärten, Kinderfasching oder Altenheime und nehmen dazu noch an Meisterschaften teil. Der Elferrat sendet zu fast allen Veranstaltungen der befreundeten Gesellschaften eine Abordnung. 20 Veranstaltungen in der Kampagne kommen da schnell zusammen, sagt Romana Sbircea, Vorsitzende der Fasnachtsgesellschaft LEMIA in Krautheim. In diesem Jahr sind die Terminkalender leer: Wegen Corona wurden alle Veranstaltungen abgesagt.

Fast normale Vorbereitungen bis Ende Oktober 2020

Bis Oktober 2020 liefen die Vorbereitungen fast ganz normal und mit wenigen Einschränkungen: Die Tanzgruppen trainierten in der Halle mit Einbahnstraßenregelung bei Ein- und Ausgang, Masken in Trainingspausen, mit größerem Abstand und mit regelmäßiger Desinfektion. Dann kam der Lockdown und es wurde klar, dass die Kampagne komplett ausfallen wird.

Alle Veranstaltungen abgesagt

Geplant waren wie jedes Jahr zwei Prunksitzungen und der Kinderfasching, dazu sollte dieses Jahr erstmals eine „Närrische Weinprobe“ zusammen mit der Winzerkapelle Klepsau kommen: Ein kleineres Format mit etwa 90 Gästen und Abstand in der großen Halle sollte die Einhaltung der damals geltenden Corona-Regeln gewährleisten. Auch diese Veranstaltung konnte wegen der neuen Regeln, die seit November gelten, nicht durchgeführt werden.

Enorme Verantwortung auf Seiten der Veranstalter

Sie trauert insbesondere den ausgefallenen Prunksitzungen nach: „Die waren immer voll, wir hatten immer gutes Publikum, auch viele von auswärts“. Trotz der Traurigkeit über den Ausfall der Kampagne, ist Romana Sbircea auch erleichtert, dass die Regelungen so klar und deutlich sind: „Lieber ganz verboten als was Halblebiges und man bleibt mit der Verantwortung alleine.“ Sie erinnert an den ersten Corona-Hotspot, der seinen Ursprung ausgerechnet bei einer Karnevalsveranstaltung im nordrhein-westfälischen Heinsberg hatte: „Die Verantwortung liegt immer beim Vereinsvorstand und die Angst ist immer dabei“, selbst bei der Weinprobe mit nur 90 Gästen wären vielleicht zu fortgeschrittener Stunde die Abstandregeln schwer einzuhalten gewesen.

Völlig verändertes Vereinsleben

Was von der diesjährigen Kampagne bleibt, ist ein Onlinetraining für die Tanzgruppen – „das ist aber mehr ein Fithalten“ -, die Pflege der Internetpräsenzen (LEMIA auf facebook) sowie für die ganz Kleinen „Clowns basteln und Fenster dekorieren“.

Text: Matthias Lauterer

 




Kein Karneval – keine DanceCrew

Zu einem ungünstigen Zeitpunkt wurde die neue karnevalistische Tanzsportabteilung des TSV Krautheim gegründet. Im August 2019 ging die Truppe an den Start und wurde in ihrer zweiten Session von Corona ausgebremst.

Erfolgreicher Start

Der Start war sehr erfolgreich, denn in kurzer Zeit konnten fünf Tanzgruppen an den Start gebracht werden: Die Dancing Stars, eine Schautanzgruppe für Kinder von 6- 9 Jahren, ein Tanzmariechen in der Kategorie Jugend, die Juniorengarde, eine Gardetanzgruppe  für Kinder von 10-14 Jahren, die Phönixgarde, Gardetanz ab 15 Jahren und die DanceCrew, eine Schautanzgruppe ab 15 Jahren.

Erste Veranstaltung: Fastnachtsgaudi in Krautheim

Besonders stolz ist die Truppe auf die erste eigene Veranstaltung, die die Dance Crew im Februar 2020 auf die Beine gestellt hat: Die 1 . Fastnachtsgaudi der karnevalistischen Tanzsportabteilung im Eugen-Seitz Bürgerhaus in Krautheim. Bei diesem für die Truppe herausragenden Event war der Festsaal ausverkauft. „Ein bebendes Publikum, sensationelle Stimmung und Standing Ovations beim Einmarsch unserer Phönixgarde haben uns an diesem Abend besonders berührt“, berichtet Jenny Nuber, Abteilungsleiterin im TSV Krautheim. Die eigenen Tanzgruppen, aber auch befreundete auswärtige Gruppen überzeugten das Publikum. Die Stadtkapelle Krautheim, eine Guggenmusik und DJ Mo sorgten Tanz-, Schunkel- und Unterhaltungs-Musik. Jenny Nuber hebt besonders hervor, dass die ganze Veranstaltung von der DanceCrew gestemmt wurde: Sowohl die Hallendekoration als auch die eindrucksvollen Schautanzkostüme und Requisiten entstanden in engagierter Eigenleistung der DanceCrew. Besonderer Höhepunkt: Die Phönixgarde präsentierte ihre neuen Kostüme erstmals dem Publikum. „Damit hat es die Phönixgarde sprichwörtlich geschafft, wie ein Phönix aus der Asche innerhalb kürzester Zeit in neuen fantastischen Kostümen zu erstrahlen“ ist Jenny Nuber stolz und dankt nochmals allen, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben.

Sport, Jugendarbeit und karnevalistisches Brauchtum

Ziel und Interesse des Vereins sei insbesondere das Ausüben des karnevalistischen Tanzsports. „Dazu gehören außerdem die Jugendarbeit, die Freizeitpflege, die Geselligkeit und gleichermaßen die Pflege des karnevalistischen Brauchtums. Wir sind bestrebt, den Nachwuchs zu fördern, lassen Platz für eigene Ideen, schaffen Toleranz und Akzeptanz“ definiert Jenny Nuber das Selbstverständnis der Truppe. „Ein großes Vorhaben von uns ist es auch, unter dem TSV Turnierluft zu schnuppern und deshalb auf den BDK Tanzturnieren zu starten.“

Corona macht alle Planungen zunichte

Dieses Vorhaben wurde von Corona vorerst zunichtegemacht, denn alle Turniere wurden abgesagt. Genauso ist das Training in der Gruppe seit November nicht mehr möglich. Für die Juniorengarde wird einmal wöchentlich  Onlinetraining über Zoom durchgeführt, erstmal als ein Versuch, aber „es klappt ganz gut, die Mädels freuen sich“, kann Jenny Nuber berichten. Sie überlegt gerade, ob ein Onlinetraining auch für die anderen Gruppen sinnvoll sein könnte.

Nicht nur Tanz

Viele Ereignisse, Events und Veranstaltungen begleiten die Truppe im Jahreslauf. Neben der Fastnachtseröffnung in Krautheim treten die Gruppen in der Region auf, planen Wanderungen, Grillfeste und Ausflüge und engagieren sich bei der Stadtweihnacht. Selbstverständlich ist die Teilnahme an TSV-Sportveranstaltungen.

Neueinsteiger herzlich willkommen

Neueinsteiger, Interessierte und Tanzsportbegeisterte sind bei der DanceCrew jederzeit willkommen. Ansprechpartner für die Tanzsportabteilung des TSV Krautheim ist das Trainerteam um Jenny Nuber, Diana Radovic-Nuber und Katharina Leutwein, erreichbar unter email dancecrew TSV@gmx.de. Auch wenn es so aussehen mag, ist die Gruppe nicht nur für Mädchen offen. Bei den Dancing Stars, der jüngsten Truppe, tanzt auch ein Junge mit.

Text: Matthias Lauterer

Das Wappen des TSV Krautheim wird durch eine pinkfarbene Narrenkappe und die Tänzerin ergänzt. Bild: DanceCrew/ Jenny Nuber

 

Mitten in der Kampagne 2019/2020. Bild: DanceCrew/Jenny Nuber

 

Schautanzgruppe Dance Crew nach einem ihrer Auswärtsauftritte. Bild: DanceCrew/Jenny Nuber

 

Mitten in der Kampagne 2019/2020. Bild: DanceCrew/Jenny Nuber

 

Generalprobe und Probeauftritt. Alles muss synchron sein. Bild: DanceCrew/Jenny Nuber

 

Die Phönixgarde „hinter den Kulissen“. Bild: DanceCrew/Jenny Nuber

 




Die Narren sind los // Video von der Prunksitzung der FG Lemia in Krautheim

„Das ist auch in Krautheim die schönste Zeit im Jahr, das ist ganz klar“, begrüßt Sybille Weisl, Präsidentin  der FG Lemia die Fastnacht-Fans zur zweiten von in diesem Jahr insgesamt drei Prunksitzungen (und einer Kinderfastnacht) im vollbesetzten Eugen-Seitz-Bürgerhaus in Krautheim. Krautheim ist über den jagsttälerischen Tellerrand hinaus bekannt für seine Prunksitzungen. Das Programm ist gespickt mit lokalen Beiträgen, aber auch mit Programmpunkten von auswärtigen Fastnachtlern: So hat der Götz von Berlichingen (Klaus Geldenbuth) seinen traditionellen Auftritt: „Zu erbeuten gibt es in Krautheim schon lange nichts mehr. Nicht einmal Ratten, Tauben und Elstern finden was hier“, sagt er vermutlich in Anspielung auf die dünn gefüllte Krautheimer Haushaltskasse. Isegrim vom Unterschloss (Peter Bienert) betrachtet die politische Weltbühne, vor allem über Türkeis‘ Staatschef Erdogan musste er im vergangenen Jahr öfter mal ungläubig den Kopf schütteln. „Doch keiner scheint sich da zu trauen, mal endlich auf den Tisch zu hauen“, kritisiert er auch die deutsche Regierung. Junge Gardetänzerinnen und Tanzmariechen hüpfen über die Bühne. Niklas Käfer als gestresster Weihnachtsmann ist der jüngste Büttenredner des Abends. Und auch Hauptmann Küppers  darf nicht fehlen und nimmt sich dieses Mal die Sesamstraße vor.

Ramona Sbircea von FG Lemia: „Das Anliegen von Lemia ist, das Brauchtum der Fastnacht weiterzugeben.“ So kommt denn auch Melana Mitterlehner immer wieder in ihren Heimatort Krautheim zurück, um die Prunksitzung als Zuschauerin mitzuerleben. Freundin Liesa Meyle erinnert sich noch gerne an die Zeit zurück, in der die beiden selbst auf der Bühne gestanden sind und mitgetanzt haben: „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich die Prunksitzungen weiterentwickelt haben“, so Meyle. Die Mischung aus eigenen Gruppen und Gastabordnungen ist immer wieder super getroffen“, findet Michael Schellmann. Die als rosa Baby verkleidete Ute Fahrbach ist seit elf Jahren Mitglied bei Lemia. Heute schaut sie ihrem Sohn zu, wie er seinen Auftritt im Männerballett meistert. Das ganze Jahr über trainieren die einzelnen Gruppen laut Sbircea für ihren großen Fastnacht-Auftritt: „Wir legen auch sehr viel Wert darauf, dass es Fastnacht bei uns heißt und nicht Fasching, weil Fastnacht Brauchtum ist. Fasching ist mehr Alkohol und Halli Galli.“

Ein besonderes Leckerbissen an diesem Freitag: (Ex)-Bürgermeister schmettern gemeinsam ein Lied auf der Bühne, unter anderem dabei: Karlheinz Börkel, der frühere Bürgermeister von Schöntal, an der Gitarre und Andreas Köhler, der Bürgermeister von Krautheim, mit cooler Sonnenbrille: „Und wir liegen uns heut‘ alle in den Armen, denn für eine Nacht, da sind wir alle gleich“, singen sie.  Andreas Köhler betonte gegenüber GSCHWÄTZ: „Die FG Lemia hat für Krautheim eine große kulturelle Bedeutung, weil sie sehr viele große Veranstaltungen durchziehen kann und Besucher aus dem gesamten Jagsttal anzieht.“

Zu feiern gab und gibt es derzeit reichlich für die Krautheimer Narren. 2017 feierte die FG Lemia 55-jähriges Jubiläum. Der berühmte Götz-Spruch „Er kann mich mal im Arsche lecken“ ist 500 Jahre alt geworden. Von diesem Spruch abgeleitet, entstand die Abkürzung: Lemia.

Foto // Lemia Krautheim/Archiv/privat