Von Königskindern
Sonntagmorgen, 9.15 Uhr. Schauplatz Kirche Dörrenzimmern. „Wollt ihr nochmal die Schlägerei üben?“, fragt Maja Schmitt. Emma Pittroff holt aus, um Lara Bauer zu treffen. Natürlich nicht wirklich. Das Ganze ist Teil eines kleinen Theaterspiels, das die Kinder in dem Gottesdienst, der in wenigen Minuten beginnt, vortragen werden.
Es ist der mittlerweile dritte Familiengottesdienst, den es unter der Federführung von Pfarrerin Sabine Focken in Dörrenzimmern gibt. Sabine Focken gibt ihnen eine Grundidee an die Hand und das Kinderteam (derzeit besetzt mit Maja Schmitt, Sara Müller, Lara Bauer, Sarah Kempf, Emma Pittroff, Leonie Egner und Robin Denner) bereitet dementsprechend etwas für den Gottesdienst vor.
Für diesen Sonntag am 27. Januar 2019 hatte Sabine Focken das Buch „Nicht wie bei Räubers“ ausgesucht. Zunächst sollten die Kinder im siebenköpfigen Team nur Plakate malen. „Aber dann sagten sie mir: Wir wollen das auch spielen“, erzählt Focken und lobt das Kinderteam für seine Einsatzbereitschaft und die „vielen tollen eigenen Ideen“. Inzwischen gibt es eine WhatsApp-Gruppe, in der die Mädels und Jungs den nächsten Familiengottesdienst planen.
Bevor aus auf die große Kirchenbühne hinausgeht, ist das Lampenfieber groß, die Stimmung angespannt. Sarah Müller (11) erklärt: „Wenn wir viel auf der Bühne spielen, sind wir aufgeregter.“ Sabine Focken spricht noch ein Gebet mit den Kindern: „Lieber Gott, stärke uns, dass wir alle deine frohe Botschaft weitergeben können: dass wir alle Königskinder sind.“ Und schon geht es los. Die Kirchenglocken läuten. Die Kirchenreihen sind zu zwei Dritteln belegt.
Lara Bauer spielt Räuberkind Tom, das mit Räubern verwahrlost in einer Höhle lebt, kaum etwas zu essen bekommt und geschlagen wird – bis er eines Tages von einer hellen Gestalt mit einer Krone auf dem Kopf, gespielt von Maja Schmitt, aus dieser Höhle getragen und zu einem Raum getragen wird, der hell ist, sauber, mit einem Tisch voller leckerem Essen. Kinder kommen und bedienen sich an den Gaben, teilen miteinander, für jeden ist ausreichend gesorgt. Irgendwann traut sich auch Tom, zuzugreifen. Dann führt ihn der König zu einer Wanne. Dort legt er sich hinein und wäscht sich. „Narben, Entzündungen und Beulen kamen zum Vorschein“, liest Sabine Focken parallel die Geschichte vor. „Danach hüllte ihn der Mann in ein warmes, weiches Tuch.“ Der Mann setzt sich mit Tom einen warmen, weichen Sessel. Nach einer Weile erscheinen die anderen Kinder wieder, jeder mit einer goldenen Krone auf dem Kopf. Sie überreichten auch Tom eine Krone.
Nicht nur während dieser Geschichte, sondern während des gesamten zirka 45-minütigen Gottesdienstes werden alle Kinder in der Kirche miteinbezogen – sie dürfen selbst Verse eines Psalms lesen, sie bekommen von den Königskindern auch etwa zu essen gereicht und am Ende gehen Kinder und manch ein Erwachsener mit einer kleinen glitzernden Krone nach Hause, die die Königskinder für sie gebastelt haben – als Zeichen dafür, dass jeder ein Königskind ist.
Info
Das Kinderteam hat sich nach den Sommerferien 2018 gebildet, weil es keine Kinderkirche gab. „Die Idee war, monatlich Familiengottesdienste zu feiern, die von Kindern auf einfache Weise mitgestaltet werden“, erklärt Pfarrerin Sabine Focken. Seit Januar 2019 gibt es nun auch wieder sonntags Kinderkirche. Das Kinderteam möchte jedoch weiterhin Familiengottesdienste mitgestalten und so noch mehr Kinder regelmäßig in die Kirche locken.