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Derzeit Mundschutz völlig überteuert – Selbstlose Hilfe in Krautheim – Näherinnen gesucht

„Es ist eine Unverschämtheit von Händlern, die mit Angst Geld verdienen wollen“, regt sich Manuel Landwehr auf. Er betreibt in Krautheim die Firma Landwehr 3D und fertigt seit rund fünf Wochen sozusagen im Stillen sogenannte Face-Shields an. Die verteilt er dann an Ärzte, Krankenhäuser und andere Einrichtungen, die so etwas benötigen – ehrenamtlich. Erst als er an einer Tankstelle sieht, dass der Betreiber einen Mundschutz für 3,99 Euro pro Stück oder 6,99 Euro für zwei Stück verkauft, beschließt er, sein Engagement öffentlich zu machen. Denn der Einkaufspreis für ein solches Produkt liege hier bei unter drei Euro für 50 Stück.

„70 bis 100 Face-Shields stellen wir pro Tag her“

Landwehr druckt die Halterungen der Face-Shields mit seinen 3D-Druckern. Die Folie, die dann noch angebracht werden muss, kauft er zu. „Das ist mittlerweile auch nicht mehr so einfach“, sagt Marco Sturm, einer der Mitstreiter Landwehrs. „Es gibt kaum noch Folie, außerdem haben sich die Preise verdoppelt und verdreifacht.“ Tag und Nacht laufen nun die sieben Drucker im Keller von Landwehrs Haus, 45 Minuten bis zu einer Stunde dauert es, dann spuckt eine der Maschinen eine fertige Halterung aus Plastik aus. „70 bis 100 Stück können wir so pro Tag herstellen“, erklärt der Krautheimer. Herkömmliche Face-Shields sind noch zusätzlich mit Gummi unterlegt, doch darauf verzichtet er: „Ohne Gummi kann man die Face-Shields desinfizieren und so mehrmals verwenden“.

Gesucht werden Menschen, die nähen können

Vor kurzem gründete der 46-Jährige die Facebookgruppe „Hohenlohe vs. Corona“. Er sucht so vor allem Menschen, die nähen können, mit dem Ziel, zusätzlich Nase-Mund-Abdeckungen für bedürftige Menschen anzubieten – ebenfalls kostenlos. Mundschutz dürfe man dazu nicht sagen, weil die medizinisch keinerlei Schutz bieten würden, aber eine Tröpfcheninfektion abhielten. „Ich brauche vor allem Unterstützung von Menschen, die bereit sind zu nähen oder Nachbarschaftshilfe anbieten wollen“, sagt der zweifache Vater. Jede Hilfe sei willkommen. Ebenso versucht er, so in Kontakt zu kommen mit Menschen, die diese Art von Hilfe brauchen.

Stoffe aus Baumwolle

Zehn Mitstreiter hat Landwehr mittlerweile gefunden, darunter ein Näher. Der sitzt in Sinsheim und schickt seine fertigen Masken per Paketdienst nach Krautheim. „Der hat auch den Stoff gespendet“, sagt Landwehr. Der Stoff müsse zu 90 Grad waschbar und sollte deshalb am besten aus Baumwolle sein.

Ein Anschreiben soll auf das Angebot aufmerksam machen

Ein großes Problem sei, Kontakt zu den Abnehmern zu bekommen. Viele Einrichtungen und auch ältere Menschen seien nicht in den Sozialen Netzwerken präsent, bekommen so gar nichts mit von Landwehrs Angebot. „Also telefonieren wir die sozialen Ämter ab, suchen uns die Nummern von Arztpraxen aus dem Telefonbuch und rufen dort an“, sagt Landwehr. Zuerst seien die Reaktionen zurückhaltend gewesen – viele hätten Angst vor Abmahnungen. „Mittlerweile gibt es nur positive Reaktionen“, so der gelernte ITler. Zurzeit planen er und Sturm ein Anschreiben, das sie in den Arztpraxen hinterlegen können, um so auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. „Die Mitarbeiter in den Praxen arbeiten bis zum Anschlag und haben keine fünf Minuten, um uns zuzuhören“, erklärt er. „Ein Schreiben könnten sie in Ruhe lesen und sich dann melden, falls sie etwas brauchen.“

„In der Summe kommt da schon einiges zusammen.“

Inzwischen wurden über 3.000 Face-Shields und über 1.000 Savegrabber – gedruckte Teile, um Türklingen oder Lichtschalter nicht anfassen zu müssen – verteilt. Sie gingen unter anderem an diese Bad Mergentheimer Einrichtungen: die Hausarztpraxis Dres. Köber-Zahn-Knödler, die Lungenfacharztpraxis Dres. Heller-Schöne sowie das Caritas Krankenhaus. „Rund 1,30 Euro kostet die Herstellung eines Face-Shields“, sagt er. „Das ist pro Stück nicht viel, in der Summe kommt da aber schon einiges zusammen.“ Momentan finanziert Landwehr das Ganze aus seiner privaten Tasche und aus Spenden. „Erst vor kurzem hat uns ein Privatmann eine größere Summe gespendet“, erzählt er. Rund 40 Stunden pro Woche wendet er für sein Projekt auf – nebenbei fertigt er im Hauptberuf noch 3D-Drucker sowie Zubehörteile dafür. Aber er und seine Frau seien schon immer sozial engagiert gewesen.

Nachbarschaftshilfe soll auch nach Corona weitergehen

„Wir suchen noch ganz viele Menschen, die nähen können“, sagt Landwehr. Ebenso möchte er die Nachbarschaftshilfe ausbauen, um so bedürftigen Menschen die Möglichkeit zu geben, Hilfe zu bekommen – beim Einkaufen, Hund rausbringen oder sonstiges. „Das soll auch nach Corona bestehen bleiben“, plant der umtriebige Mann. Willkommen sind ihm aber auch Spenden von Firmen in Form von Stoff oder Gummibändern. Und wer will, kann sich mit einer Geldspende finanziell beteiligen. Ein Spendenkonto wird zurzeit eingerichtet.

Kontakt

Kontaktmöglichkeiten zu „Hohenlohe vs. Corona“ gibt es über Facebook unter www.facebook.com/groups/569095053960389/, auf der Homepage http://www.hohenlohe-hilft.de, per E-Mail info@hohenlohe-hilft.de, unter Telefon 06294/222 00 26 (auch Anrufbeantworter) oder per Fax 06294/222 00 27.

 

Die Halterungen der Face-Shields werden am 3D-Drucker gedruckt. Foto: GSCHWÄTZ

 

Die sieben 3D-Drucker arbeiten Tag und Nacht. Foto: GSCHWÄTZ