Gar keine Symptome eher untypisch – Über 83 Prozent Infizierte hatten mindestens 1 Coronasymptom
„Ihr Engagement hat die Studie zum Erfolg gemacht“, sagte Professor Dr. Lars Schaade in Richtung der Kupferzeller Bürger bei einer Pressekonferenz am Freitag, den 14. August 2020, bei der die ersten Ergebnisse der Studie, die das Robert Koch-Insitut (RKI) in Kupferzell durchgeführt hat, vorgestellt wurden.“ Die Pandemie ist nicht vorbei“, betonte der RKI-Vizepräsident. „Das Virus könnte jederzeit wieder kommen.“
Er appellierte an die Zuhörer, angesichts momentan wieder steigender Fallzahlen weiterhin die Corona-Regeln zu beachten. Eine Grundimmunität von acht Prozent – dies eine der Erkenntnisse aus Kupferzell – „bremst eine zweite Welle nicht aus“, wie Schaade in der späteren Fragerunde sagte. Außerdem habe sich gezeigt, dass nur ein Teil der Bevölkerung infiziert sei. „Dies zeigt, dass man mit den Maßnahmen einen Großteil der Bevölkerung schützt“, betonte Schaade diese „ganz wichtige Erkenntnis der Studie“.
7,7 Prozent der Kupferzeller haben eine Corona-Infektion durchgemacht
Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener stellte die ersten Eckwerte der Studie vor, die in den kommenden Wochen um weitere Ergebnisse ergänzt werden. Vom 20. Mai bis 09. Juni 2020 ließen sich genau 2.203 zufällig ausgewählte, erwachsene Kupferzeller auf eine Corona-Infektion testen. Bei 7,7 Prozent wurden positive Antikörper nachgewiesen, das heißt, sie hatten eine Infektion durchgemacht. Im Verlauf der Studien tauchten keine weiteren akuten Infektionen auf. Bei Frauen (8,7) wurden häufiger als bei Männern (6,7 Prozent) Antikörper nachgewiesen. 16,8 Prozent der positiv gestesteten Personen machten die Krankheit ohne typische Krankheitssymptome durch. Die überwiegende Mehrheit – nämlich 83,2 Prozent – hatte mindestens ein Symptom, also etwa Schnupfen, Fieber, Atemnot, Lungenentzündung oder Halsschmerzen. Die Dunkelziffer betrug 3,9 Prozent, das heißt, es wurden 3,9-mal mehr Infektionen als bekannt nachgewiesen. Bei 28,2 Prozent der Erwachsenen, die vor der Studie einen positiven Test erhalten hatten, konnten keine Antikörper mehr nachgewiesen werden. Das würde aber laut RKI nicht zwangsläufig bedeuten, dass keine Immunität besteht.
Weitere Ergebnisse in den nächsten Wochen
Weitere Ergebnisse werden in den nächsten Wochen präsentiert. Die Fragebögen, die die Teilnehmer der Studie außerdem ausfüllten, werden zurzeit noch ausgewertet. Die Daten zum Gesundheitszustand und zum Verlauf der Erkrankungen müssen ebenso noch ausgewertet werden – ebenso wie Erkennisse zum Frauen- und Männer-Anteil unter den Infizierten. Dies solle aber laut Dr. Santos-Hövener „so schnell es geht“ geschehen. Sie betonte auch, dass die Ergebnisse nur für die Hohenloher Gemeinde repräsentativ und nicht übertragbar auf andere seien. Bis jetzt gäbe es Ergebnisse für drei Gemeinden, es werden aber weitere hinzukommen. So sei man ab September in Sraubing vor Ort.
„Die Ergebnisse decken sich mit unseren Vermutungen.“
Dr. Stefan Brockmann vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg vertrat Sozialminister Manne Lucha. Er meinte, „die Ergebnisse decken sich gut mit unseren Vermutungen“. Vor allem die Dunkelziffer liege in der erwarteten Höhe. Die würde außerdem auch zeigen, dass in Baden-Württemberg hinsichtlich der Corona-Pandemie gut gearbeitet werde, was ihn sichtlich freute. „Die Welle hat hier in Kupferzell früh und heftig zugeschlagen“, sagte der Referatsleiter Gesundheitsschutz und Epidemiologie – genauer: am 08. März 2020 wurde der erste Fall in der Gemeinde gemeldet. Bis zum 19. Mai seien es bereits 111 gemeldete Fälle gewesen. Man hätte hier wahrscheinlich die höchste positive Rate in ganz Baden-Württemberg gehabt. Doch seither sei der Hohenlohekreis ans Ende der Liste gerutscht. Zurzeit liegt die Gesamtzahl bei 117 (Stand: 13.08.2020, Quelle: RKI).
„Die Maßnahmen greifen gut und verhindern neue Herde.“
Landrat Dr. Matthias Neth stellte die Frage, „was können wir aus der Studie mitnehmen?“. So gebe es die Erkenntnis, dass es in Kupferzell ein geschlossener Infektionskreis sei. Weitere Infektionsherde hätte das RKI nicht entdeckt. „Das heißt, die Maßnahmen greifen gut und verhindern neue Herde“, sagte Dr. Neth. Auch seien keine unbekannten Infektionsketten entdeckt worden und die Teststrategie des Landes habe weiterhin große Bedeutung. Doch gerade die asymptomatischen Fälle hätten ein gewisses Potenzial. „Die Frage ist deshalb, wie gehen wir mit Reiserückkehrern und Großveranstaltungen um?“, fragte er.
Drei Todesfälle
Bürgermeister Christoph Spieles dankte ebenfalls den Bürgern und appellierte, die bekannten AHA-Regeln weiterhin zu beachten, denn das Virus „ist real“. Er verwies bei insgesamt 117 Infizierten in Kupferzell auf immerhin drei Todesfälle.
Text: Sonja Bossert