Was ist die Stadt Ingelfingen wert?
Diese Frage klingt so einfach, die Beantwortung ist allerdings sehr schwierig. Genau das ist der Grund, dass die Gemeinden in Baden-Württemberg neuerdings ihre Bilanzen ganz ähnlich wie Konzerne erstellen müssen. Auf diese Weise werden die Vermögenswerte der Gemeinden sichtbar, aber vor allem wird sichtbar, ob die Gemeinden ihr Vermögen auch vernünftig und nachhaltig verwalten. Der Nachweis des nachhaltigen Wirtschaftens ist eines der Ziele, die durch den Ersatz der alten Rechnungslegung („Kameralistik“) durch das Neue Kommunale Haushalts- und Rechnungswesen (NKHR) erreicht werden sollen.
Die Anfangsbilanz zum 1. Januar 2018 ist erstellt
In der Gemeinderatssitzung vom 15. Februar 2022 stellte Kämmerin Carolin Sahm die Eröffnungsbilanz zum 1.1. 2018 vor. Eine Bilanz zum 1.1.2018 im Jahr 2022 vorzustellen, klingt nach großer Verspätung. Das sei aber nicht so, meint Bürgermeister Bauer: „Wir sind die fünfte Gemeinde im Hohenlohekreis, die die Bilanz fertig hat“, sagt er mit ein wenig Stolz in der Stimme.
Komplexe Erfassung eines Vermögens von rund 64 Millionen Euro
Carolin Sahm erläutert anhand einiger Beispiele, dass die Bewertung von Gütern, um sie in die Bilanz aufzunehmen, sehr komplex werden kann. Am Ende kann sie berichten, dass Ingelfingen am 1.Januar 2018 über ein Vermögen von 64.221.470 Euro – das ist die Aktivseite der Bilanz – verfügte.
Dieses Vermögen setzt sich aus Immateriellem Vermögen, Sachvermögen und Finanzvermägen zusammen. Das immaterielle Vermögen ist dabei mit 638 Euro der geringste Teil, das Sachvermögen beträgt 52.581.296 Euro. Darunter fallen bebaute und unbebaute Grundstücke im Eigentum der Stadt, die städtische Infrastruktur, Maschinen und Fahrzeuge, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Vorräte sowie geleistete Anzahlungen für im Bau befindliche Anlagen. Gerade diese geleisteten Anzahlungen sind ein Indikator dafür, ob eine Stadt in ihr Vermögen investiert. 1.7 Millionen Euro umfasst dieser Posten – ganz grob überschlägig kann man also rechnen, dass die Stadt Ingelfingen rund 5% ihres Vermögens jährlich erneuert.
Klassissche Bausparverträge als Mittel der kommunalen Baufinanzierung
Das Finanzvermögen betrug am 1. Januar 2018 11.539.536 Euro. Dieser Bilanzposten enthält Beteiligungen und Kapitalanlagen, Sondervermögen, Ausleihungen, Wertpapiere, öffentlich-rechtliche sowie privatrechtliche Forderungen und liquide Mittel. Allein die liquiden Mittel betrugen rund 4 Millionen Euro, an Wertpapieren stehen fast 5.5 Millionen Euro in der Bilanz. Diese waren Anfang Januar 2018 sehr konservativ und sicher angelegt, in Festgeld und Bausparverträge bei lokalen Banken.
„Zum 1. Januar 2018 gings uns net ganz schlecht“
Stephan Müller fragt nach: „Ist das gut, gibts da ein Ranking?“ Der Bürgermeister erklärt, dass man diese Bilanzen nicht wirklich vergleichen können, zu unterschiedlich seien die Unterschiede zwischen den Gemeinden, aber – so fügt er schmunzelnd hinzu: „Zum 1. Januar 2018 gings uns net ganz schlecht“.
„dankbar, dass wir da nicht eingebunden waren“
Und Dr. Ulrich Baum (FWV) bedankt sich bei Kämmerin Carolin Sahm für die „tolle Arbeit und wie das so klar vor uns liegt“. Vor allem ist er aber „dankbar, dass wir da nicht eingebunden waren“.
Alle anwesenden Gemeinderäte stimmten der Feststellung der Eröffnugnsbilanz zu.
Text: Matthias Lauterer