Den Namen „Curio“, der einen Hinweis auf die Neugier als Grundlage allen Forschens geben soll, hat die Adolf Würth GmbH & Co. KG für ihr Innovationszentrum gewählt, das am Mittwoch, 28. September 2022 eröffnet wurde.

Ein seltenes Bild: Familie Würth zeigt sich glücklich über das neue Zentrum. (In der Mitte Landrat Dr. Neth, rechts die Geschäftsleitung). Foto: GSCHWÄTZ
Eines der weltweit leistungsfähigsten Testzentren für Befestigungstechnik ist nun in Gaisbach zuhause. Auf 15.500 Quadratmetern, davon 5.700 Quadratmeter Laborfläche und 4.800 Quadratmetern Bürofläche arbeiten in Zukunft Hochschulforscher und Entwickler der Würth-Unternehmen gemeinsam an neuen und kundenorientierten Anwendungen, die von Würth auf den Markt gebracht werden. Rund 75 Millionen Euro hat sich Würth dieses Entwicklungszentrum am Firmensitz in Künzelsau kosten lassen: „Das Innovationszentrum ist deutliches Bekenntnis zu unseren Wurzeln und zum Wirtschaftsstandort Hohenlohe, eine Investition in das Wachstum und damit die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Gleichzeitig ist es klarer Beweis für die Herstellerkompetenz von Würth und damit für die anwenderfokussierte Qualität unserer Produkte. Das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden macht dies möglich – dafür bedanke ich mich“, sagte Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, in seiner Ansprache an die zahlreichen Gäste.

Ehrengäste: Landrat Dr. Matthias Neth (r.) mit seinem Vorgänger Helmut M. Jahn. Foto: GSCHWÄTZ
Der prominenteste angekündigte Gast, Ministerpräsident Kretschmann, ließ sich zwar entschuldigen, teilte aber per Video mit: „Würths Schrauben und Befestigungssysteme findet man heute auf der ganzen Welt – in Biberach ebenso wie in Brisbane. Ich bin sicher, das neue Zentrum wird dem Würthschen Innovationsgeist noch weiteren Schub geben. Bei Würth wurde schon immer getüftelt, um die Ecke gedacht, Gutes stetig noch etwas besser gemacht, mutig vorausgedacht und dann auch tatsächlich kraftvoll vorangegangen. Eigenschaften, die Baden-Württemberg zu einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort gemacht haben. Und die wir dringend brauchen. Gerade jetzt – angesichts der multiplen Herausforderungen“.

Landes- und Lokalpolitik: Arnulf von Eyb, MdL, (links) mit Bernhard Kürschner, dem Ortsvorsteher von Gaisbach. Foto: GSCHWÄTZ
Nachhaltige und „gute“ Architektur einmal mehr im Fokus
Der Neubau besteht aus zwei Gebäuden: Die dreieckige Form des Hauptgebäudes wird durch eine kunstvoll wirkende Stahl-Glaskonstruktion betont, die das Foyer überdacht. Das Nebengebäude schließt sich über eine Brücke direkt an das Hauptgebäude an. Eine begrünte Dachterrasse und Meeting-Points mit Blick über das Hohenloher Land schaffen weite Horizonte. Die Arbeitsbereiche orientieren sich am Gold-Standard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
Bereichsübergreifende Entwicklungsarbeit

CURIO steht für die Neugier. Foto: GSCHWÄTZ
Der Ansatz des neuen Entwicklungszentrums ist es, während des gesamten Entwicklungprozesses Lösungen zusammen mit den Kunden, mit den Forschern aus der Hochschule, den Produktentwicklern der Adolf Würth GmbH & Co. KG, sowie den Produktionsgesellschaften zusammenzuarbeiten. So will man fortschrittliche Produkte auf den Markt bringen, die die Prozesse der Kunden unterstützen, effizient gefertigt werden können und somit Ertrag abwerfen: „So stärken wir unsere eigene Expertise und Innovationskraft durch das unmittelbare Wissen, die Ideen und den Bedarf unserer Kunden“, sagte Dr. Heiko Roßkamp, Leiter Forschung und Entwicklung bei der
Adolf Würth GmbH & Co. KG.
Innovationsoase – Zusammenarbeit mit Hochschulen und Wissenschaft
Im neuen Curio arbeiten rund 250 Menschen an Produkt- und Systemneuheiten. Der Fokus der Forschungsarbeit liegt auf den Kompetenzfeldern Verbindungstechnik, Schrauben, Dübel, Chemie, Maschinen und Systeme. Durch die Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie KIT, der Universität Stuttgart und der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau entsteht eine Innovationsoase aus Forschung, Entwicklung und Anwendung. Am Ende soll das qualitativ beste Produkt für den Kunden stehen.
Innovationskraft durch Kundennähe
„Weltweit haben täglich mehr als 42.000 Mitarbeitende über die verschiedenen Vertriebskanäle Kundenkontakt. Daher wissen wir sehr genau, vor welchen Herausforderungen sie stehen“, erklärte Thomas Klenk, Geschäftsführer der Adolf Würth GmbH & Co. KG für Einkauf, Produkt, Marketing und Divisionen, die Strategie. Die Einbindung der Kunden in die Weiterentwicklung der Produkte und Services ist zentrales Kernelement. In interaktiven Werkstätten bildet Würth die
Anwendungswelten der Kunden in der Realität ab. „Dabei geht es nicht nur um die Bereitstellung innovativer Produkte. Es geht um die ganzheitliche Betrachtung inklusive umfassender Servicemodule und Systeme mit wirklichem Mehrwert für den Kunden in seinem Alltag. Wir verstehen uns als Berater und Problemlöser, damit sich unsere Kunden auf ihre Arbeit konzentrieren können“, so Klenk.
Zukunftsfähiges Arbeitsumfeld
Werkstätten, Prüffelder, Klimakammern, 3D-Drucktechnik, Seismik-Prüfstände für die Dübeltechnik sowie ein IoT-Labor treiben die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung nachhaltig voran. Erdbeben können im Innovationszentrum simuliert und Produkte auf ihre Funktionalität in Extremsituationen geprüft werden. Klimakammern und ein Tropenhaus simulieren relevante Umweltbelastungen. Mit dem Innovationszentrum positioniert sich das Unternehmen als attraktiver
Arbeitgeber für Fach- und Führungskräfte – insbesondere in den Bereichen Mechatronik, Chemie, Softwareentwicklung/IoT und Befestigungstechnik. Potenzielle Mitarbeitende erwarten modernste Arbeitsplätze und ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten. Weitere 30 High Potentials aus dem Ingenieursumfeld werden in den kommenden Monaten eingestellt.
Prof: Reinhold Würth: „In der Tat, ich bin von Haus aus ein bißchen neugierig“

Reinhold Würth ist neugierig, was für ein Geschenk ihm Dr. Heiko Roßkamp, Leiter F&E, gemacht hat. Foto: GSCHWÄTZ
Neben der Freude über das neue Gebäude und die neuen Möglichkeiten, die alle Redner in ihren Grußworten hervorheben, äußert Prof. Reinhold Würth auch seine große Sorge über die Lage in der Welt, spricht von der Umwelt, vom m Krieg, von der Inflation und von Corona als mindestens drei aufeinandertreffenden Krisen und fragt sich, ob wir nicht bereit im dritten Weltkrieg seien. Er beginnt mit einer Erinnerung an seine Jugend – „ich bin 49 in den Betrieb gekommen und seither nicht mehr raus“. Die Entwicklung von der kleinen Firma mit zwei oder drei Mitarbeiter:innen zum Weltunternehmen mit rund 86.000 Mitarbeiter:innen hätte er sich nie träumen lassen, aber – er schmunzelt dabei – „In der Tat, ich bin von Haus aus ein bißchen neugierig“. Für das Jahr 2050, „also nach meiner Zeit“, sieht er eine Spanne von Möglichkeiten: Entweder wir befinden uns dann in einem postatomaren Katastrophenszenario oder wir leben zufrieden mit einer Vier- oder sogar einer Drei-Tage-Woche, weil die KI dem Menschen bis dahin so viel abnehmen kann. Trotz aller Krisen fordert er „wir sollen den Optimismus nicht aus den Augen verlieren“, sein Optimismus sei wieder gewachsen, seit China Russland zu Verhandlungen aufgefordert habe.

Viele Gäste waren zur Eröffnung erschienen. Foto: GSCHWÄTZ.
Auf die GSCHWÄTZ-Frage, welcher Meilenstein nach dem Curio und dem im Bau befindlichen Vertriebszentrum als nächster auf der Liste steht, antwortet Prof. Reinhold Würth dann auch konsequent mit „Das weiß ich nicht.“
Text: Matthias Lauterer unter Verwendung einer Pressemitteilung der Adolf Würth GmbH & Co. KG