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„In anderen Ländern liegen Menschen mit Behinderung einfach im Hinterhof“

Eric Bendel hat einen Traum – er möchte eine internationale Stiftung für Hilfsmittel ins Leben rufen, die beispielsweise Rollstühle sammelt, mit einem zentralen Lager und einer Werkstatt. Damit will er Menschen mit Behinderung, die sich diese Dinge nicht leisten können oder einfach keine Möglichkeit dafür haben, die Chance auf mehr Lebensqualität geben. „Das habe ich schon länger im Kopf“, sagt der gebürtige Ingelfinger. „Und jetzt ist die Zeit gekommen.“ Der 29-Jährige ist selbst auf einen Rollstuhl angewiesen, hat seit einem Motorradunfall eine inkomplette Querschnittlähmung.
„Wir in Deutschland kriegen alles“
Der letzte Schubser, endlich aktiv zu werden, kam schließlich von einem jungen Mann aus der Ukraine. „Pawel hat mich über Instagram gefunden, gekannt habe ich ihn vorher nicht“, erzählt Bendel. „Er hat angefragt, ob ich ihm helfen könne.“ Kurzerhand haben Freunde von Bendel einen Rollstuhl ersteigert, er selbst gibt dem jungen Mann ein Handbike, das noch angepasst werden muss. Dann wird das Ganze verpackt und in die Ukraine verschickt. „Pawel will eventuell die Kosten oder einen Teil davon übernehmen.“ Bei seinem Hilfsprojekt denkt Bendel vor allem an andere Betroffene im Ausland, in Krisengebieten, im Irak, der Ukraine oder in Russland. „In solchen Ländern liegen Menschen mit Behinderung einfach im Hinterhof, die haben nicht die Möglichkeiten wie wir hier“, sagt er. „Wir in Deutschland kriegen alles, haben eine Versicherung.“ Die Betroffenen sollen so wieder mehr Lebensqualität bekommen und sich weiter entwickeln können.
„Noch brauchbare Hilfsmittel werden einfach verschrottet“
Auf der Plattform gofundme hat Eric Bendel jetzt die Crowdfunding-Aktion „Rollingstone Hilfsorganisation“ gestartet, mit der er Geld, aber auch Sachspenden wie gebrauchte Aktivrollstühle, Elektrollstühle, Pflegerollstühle, Zuggeräte wie Handbikes, Gehhilfen und Ersatzteile sammelt. Spenden können Privatleute, aber auch Organisationen, große Firmen oder Sanitätshäuser. Denn was ihn immer beschäftigt hat: „Ich habe einige Zeit in einem Sanitätshaus gearbeitet und dort werden eigentlich noch brauchbare Hilfsmittel verschrottet, weil die Reparatur zu teuer ist.“ Die könnte man aufbereiten und an Bedürftige weitergeben. Finanziert werden soll das Ganze ausschließlich über Spendengelder. Vorstellen kann sich der junge Mann auch, irgendwann „die großen Firmen gerade in Hohenlohe abzuklappern“ – beispielsweise Kontakt zum Carmen Würth Forum aufzunehmen – und dort nach Unterstützung anzufragen.
Lebensqualität durch ehrenamtliches Engagement
Bendels großes Ziel ist eine zentrale Sammelstelle, in der andere Rollstuhlfahrer sich ehrenamtlich einbringen können, denn auch Teilhabe sei wichtig für deren Lebensqualität. Diese könnten beispielsweise die Hilfsmittel aufbereiten, warten und reparieren – quasi von Rollstuhlfahrer für Rollstuhlfahrer – und sie schließlich in alle Welt weitergeben. Vorstellen kann sich der Gründer auch, dass andere Rolli-Fahrer etwas spenden und gleich dazu eine Patenschaft für den Empfänger übernehmen. „So werden wir weltweit verbunden“, sagt er.
Spezialisierte Sanitätshäuser sind eher rar

Der andere Teil seiner Idee ist es, Rollstuhlfahrern in Deutschland mit seinen eigenen Erfahrungen weiterzuhelfen – beispielsweise bei Anträgen, damit die schneller laufen. „Ich vermittle auch Kontakte zu spezialisierten Sanitätshäusern“, erzählt er. Denn eines zu finden, das sich mit den entsprechenden Hilfsmitteln auskennt, sei gar nicht so einfach. „In großen Städten ist das einfacher, aber beispielsweise in Hohenlohe gibt es nichts.“ Außerdem möchte er hierzulande Aufklärung über das Krankheitsbild und die Lebensumstände betroffener Menschen in anderen Ländern bieten, dafür beispielsweise in Schule Vorträge halten. „Da könnte man auch gleich einen oder zwei Rollstühle mitnehmen, die die Schüler dann aufbereiten.“

Text: Sonja Bossert