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Kathys Folterkammer

Ich enthaare alles, ab Nase abwärts“, erklärt Kathy Mohr, als sie mich durch ihren Behandlungsraum führt, „nur an die Kopfhaare und Augenbrauen traue ich mich nicht.“ Die 44-Jährige ist die Inhaberin des Enthaarungsstudios No-Mohr-Hair in Niederstetten, wo sie Haarentfernung nach der Halawa-Methode durchführt.
Bei der aus dem Orient stammenden Form der Haarentfernung wird Zuckerpaste erwärmt und auf die zu enthaarende Körperstelle aufgetragen. „Sie wird entweder aufgerollt oder mit einem Spatel verstrichen“, erklärt Mohr. Letztere Technik wende sie in Bereichen an, in denen man filigran arbeiten müsse, wie etwa im Gesicht, unter den Achseln oder im Intimbereich.
Auf die Paste wird ein Fließstreifen gelegt, mit der Hand darüber gestrichen und dann, je nach
Haar- und Hauttyp, mit oder entgegen der Wuchsrichtung abgezogen.

// Lecker wie Karamell //

„Das ist wie Karamell, schmeckt gut“, sagt Kathy Mohr und leckt sich die Zuckerpaste vom Finger. Denn die Paste besteht ausschließlich aus natürlichen Inhaltsstoffen: Zucker, Zitronensaft, Wasser und Sonnenblumenöl. Nach der Enthaarung muss die Haut natürlich gepflegt werden: Entweder mit einem Gel, das zu 95 Prozent aus reiner Aloe Vera besteht oder mit Babypuder. „Wichtig ist, dass man danach keine fetthaltigen Cremes verwendet, denn die verstopfen die Poren, was zu Entzündungen führt“, erklärt Kathy Mohr.

// Weniger klebrig = weniger schmerzhaft? //

Die Halawa-Methode ist im Grunde eine Kreuzung aus dem Sugaring, bei dem ein Klumpen
Zuckerpaste mit den Händen aufgetragen wird, und dem klassischen Waxing, der Haarentfernung mit warmem Wachs und einem Fließstreifen. Ob sie nun aber weniger schmerzhaft ist als die anderen Techniken, ist vom individuellen Empfinden des Kunden abhängig.

Fakt ist, dass die Haare mitsamt der Wurzel entfernt werden – und das spürt man auf jeden Fall.
Die Zuckerpaste hat gegenüber dem Wachs jedoch den Vorteil, dass sie nicht so hartnäckig auf
der Haut kleben bleibt und somit leichter entfernt werden kann. Und auch das Risiko von Juckreiz und eingewachsenen Haaren sei, bei richtiger Pflege, geringer als bei den anderen
Vorgehensweisen.

// „Manch einem muss ich die Hose fast selber ausziehen“ //

Diese Form der Haarentfernung lässt die Haare zwar nicht dauerhaft verschwinden, wie beispielsweise bei einer Laserbehandlung, „aber auf längere Zeit werden die Haare wesentlich dünner, weicher und auch heller“, erklärt Mohr.
Für die 44-Jährige hat sich die Halawa-Methode als die beste bewährt. „Mit allen möglichen Techniken habe ich versucht, mir die Haare vom Leib zu reißen“, erzählt Mohr. In einem YouTube-
Video habe sie dann die Halawa-Methode entdeckt, sie ausprobiert und sich 2011 zur zertifizierten Expertin ausbilden lassen.

Nachdem ihr Mann Jörg Mohr und ihre Freundinnen als Übungsobjekte herhalten mussten, hat sie noch im selben Jahr ihr Studio in Niederstetten eröffnet. „Ich nenne das hier auch gerne die
Folterkammer für meine Opfer“, erklärt Kathy Mohr mit einem schelmischen Grinsen.
Obwohl einige die Eröffnung eines Haarentfernungsstudios im ländlichen Niederstetten zuerst als gewagt einschätzten, kann sich die Inhaberin über mangelnde Kundschaft nicht beklagen.
Hauptsächlich habe sie Kundinnen ab Mitte dreißig, die älteste ist bereits 65 Jahre alt. Sind einige Kunden auch schüchtern, gerade wenn es um intimere Körperstellen geht? „Ja, manchen muss ich die Hose fast selber ausziehen“, erzählt Mohr.

Männer sind teilweise schmerzempfindlicher als Frauen, stellt Kathy Mohr fest.

Das Schamgefühl sei vermutlich auch der Grund dafür, dass sie keine jüngere Kundschaft habe.
Andere wiederum hätten überhaupt kein Problem damit, sich vor der Inhaberin zu entkleiden:
„Manche Leute sind total frei. Da dreh‘ ich mich um und die liegen plötzlich nackt vor mir auf der
Liege.“ Auch einige Männer zähle sie zu ihren Kunden. „Die kommen hauptsächlich zur Urlaubszeit und lassen sich den Rücken, Bauch, aber auch die Beine und den Po enthaaren.“ Männer seien laut der Inhaberin aber wesentlich empfindlicher als die weibliche Kundschaft. „Da gibt es manchmal schon laute Schreie zu hören und die Wände sind hier recht dünn“, scherzt die 44-Jährige.

Nur die Werbung im Schaufenster (siehe Foto) kam nicht bei allen so gut an. „Das ist aber nicht
sexistisch gemeint“, sagt Kathy Mohr, die deshalb schon eine Beschwerde erhalten hat. Mutig und etwas provokant — aber das Werbekonzept scheint aufzugehen.

Hmm…die Paste schmeckt nach Karamell.