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„Es werde Lichtgeschwindigkeit“ – Glasfaser für alle im Hohenlohekreis steht kurz bevor

Aller Orten hängen derzeit orangefarbene Plakate, die damit werben, dass auch die Bürger:innen im Hohenlohekreis bald noch viel besser Anschluss an die digitale Welt haben werden. Die deutsche Giganetz, ein noch sehr junges, gerade einmal zwei Jahre altes privates Unternehmen, möchte dies möglich machen. Giganetz wirbt dabei mit dem einprägsamen Werbespruch: „Es werde Lichtgeschwindigkeit.“

Giganetz benötigt 35 Prozent aller Haushalte, sonst fangen sie nicht an

Die ebenfalls in orange gekleideten Mitarbeiter:innen klappern daher derzeit so gut es geht alle Haushalte, auch noch so kleine Weiler, ab, um den Einwohner:innen ein „Ja“ zu Glasfaser zu entlocken, nochmal ein „Ja“, das mit der Giganetz zusammen angehen zu wollen und ein drittes „Ja“, zur Vertragsunterschrift.

Hintergrund: Für den privaten Betreiber Giganetz lohnt sich der Ausbau im Hohenlohekreis nur, wenn 35 Prozent aller Haushalte in einer Gemeinde bereits vor dem Ausbau einen 24-monatigen Glasfaservertrag mit Giganetz eingehen. Ein Mitarbeiter sagte, dass Anfang Februar 2022 die Vertragsabschlussquote zwischen 50 bis 100 Prozent läge und dass in diversen Weilern rund um Künzelsau, nahezu alle einen Vertragsabschluss gemacht hätten, um möglichst schnell ein schnelles Internet mit der Giganetz zu bekommen. Es sehe daher „gut“ aus mit den 35 Prozent – zumindest für Künzelsau, die laut Giganetz bis Mai 2022 erreicht werden müssen.

„Das kostet die Kommune nichts“

In der jüngsten Gemeinderatssitung in Ingelfingen im Februar 2022 empfiehlt nach einem Vortrag eines Giganetzmitarbeiters auch Bürgermeister Michael Bauer den Anschluss mit Giganetz für Ingelfingen: Die digitalen Zeiten werden „nicht weniger, sondern mehr werden“. Und, ganz wichtig: „Das kostet die Kommune nichts.“ Denn das private Unternehmen finanziert den Ausbau selbst bzeiehungsweise mit parallel von den Bürger:innen abgeschlossenen Verträgen.

Im zweiten Jahr zahlen Kunden 40 Euro mehr im Monat

Das Problem: Man muss jetzt schon einen Vertrag mit Giganetz abschließen. Andernfalls, so warnt Giganetz durch seine Mitarbeiter:innen und auf der Homepage, zahle man nachträglich, falls man sich irgendwann später doch noch dafür entscheidet, rund 2.000 Euro Anschlusskosten. Doch auch die Verträge von Giganetz sind nicht billig. Im ersten Jahr zahlen Verbraucherinnen zwar lediglich 24,90 Euro für einen 600MBit-Tarif. Im zweiten Jahr schlägt dieser aber dann mit 64,90 Euro zu Buche. Vergleicht man die Glasfaserverträge bei der zur Netze BW zugehörigen Netcom, die im Hohenlohekreis stark vertreten ist, dann erwarten den Endverbraucher auch hier gesalzene Preise. Für einen 500MBit-Vertrag zahlen Kunden in der Erstvertragslaufzeit 49,90 Euro, danach stolze 79,90 Euro (Stand: 04. Februar 2022).

Vorteil: Der Upload ist symmetrisch zum download.

Ein weiterer Vorteil von den Giganetztarifen: Der Upload ist symmetrisch zum download. Das ist bei Netcom derzeit zumindest noch nicht der Fall.

Abgehängte Weiler

Netze BW legt ab Ende Februar 2022 die Leitungen in Künzelsauer Teilorten wie etwa Ohrenbach für die Glasfaserversorgung. Es gibt aber Weiler, die nicht durch die Netze BW angeschlossen werden rund um Künzelsau. Für die ist Giganetz der Hoffnungsbringer. Andernfalls scheinen sie abgehängt. Giganetz verspricht indes, wenn sie bis Mai 2022 35 Prozent aller Haushalte (Ingelfingen hat beispielsweise rund 2.200 Haushalte) einen Vertrag vorab abgeschlossen haben, werden die Gemeinden (inklusive der kleinen Weiler und Aussichtshöfe) im Frühjahr 2023 Schritt für Schritt ans schnelle Internet angeschlossen. Ende 2023 soll alles fertig sein. Ein Mitarbeiter in der Beratungshotline hat jedoch bereits gegenüber Kunden anscheinend gesagt, dass das auch durchaus länger, bis zu mehreren Jahren, dauern könne. Giganetz kümmert sich auch um die Altverträge: „Wir kündigen den Altvertrag, wenn der Anschluss funktionsfähig ist“, erklärt der Giganetzmitarbeiter in der Gemeinderatssitzung in Ingelfingen. Auch eine kostenlose Mitnahme der Rufnummer sei möglich.

Missverständnis bei Mietobjekten

Auf die Nachfrage mehrerer Ingelfinger Gemeinderäte bezüglich Mietobjekten, erklärt der Giganetzmitarbeiter in der Stadthalle in Ingelfingen, dass jede Wohneinheit einen Vertrag benötige. Das ist aber so nicht korrekt, wie sich im Nachgang bei unseren GSCHWÄTZ- Recherchen herausstellte. Ein Mitarbeiter vor Ort in Künzelsau sowie ein Mitarbeiter in der Kundenhotline erklären uns gegenüber, dass es bei einem Sechsparteienmietshaus ausreiche, erst einmal einen Vertrag vorab abzuschließen und nicht sechs.

Text: Dr. Sandra Hartmann




FDP findet Wasserstoff als einer der „Zukunftsantriebe“ sinnvoll

In den Räumen der EnBW in Öhringen ließen sich am Freitag, 27. August 2021, zahlreiche Bürger sowie Stephen Brauer (MdL, FDP) und Valentin Abel (FDP-Kandidat für die Bundestagswahl 2021) unter dem Titel „Wohin geht die Reise mit dem Wasserstoff?“ Zukunftsoptionen für die Energiewende erläutern.

Die FDP teilt dazu mit:

Wohin geht die Reise mit dem Wasserstoff ?

Der Leiter des Regionalzentrums Neckar-Franken der EnBW, Michael Gutjahr, begrüßte zahlreiche Mitglieder und Gäste der FDP Hohenlohe am Öhringer Standort.

Nach der Vorstellung des Unternehmens übernahm Dr. Heike Grüner die fachliche Erläuterung der „Wasserstoff-Insel“.

Was ist die „Wasserstoff-Insel“?

Das Projekt will eine Lösungsmöglichkeit für die Energiewende erarbeiten, indem überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien gespeichert und damit nutzbar gemacht werden kann. Die erneuerbaren Energiequellen unterliegen wetterabhängig starken Schwankungen. „Windräder und Photovoltaik-Anlagen müssen zurzeit abgeschaltet werden, wenn zu viel Strom aus diesen Energiequellen erzeugt wird, da keine Speicherkapazitäten vorhanden sind“, so Grüner.

Power-2-Gas als Schlüsseltechnologie

Eine entscheidende Technologie ist dabei „Power-to-Gas“. Hierbei wird durch Strom aus Wasser Gas hergestellt. Das Wasser wird in seine chemischen Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Den Wasserstoff kann man in das bereits vorhandene Erdgasnetz (ca. 500 000 km in Deutschland) einspeisen, weitertransportieren und wenn nötig wieder zum Verbrauch bereitstellen. „Speichern“ ist das Zauberwort der Öhringer Wasserstoff-Insel, dem Leuchtturmprojekt für die Region im Bereich erneuerbare Energien.

Erdgasinfrastruktur nutzen

Das Ziel ist einen sicheren Netzbetrieb auch mit Mischgasen zu schaffen. Somit könnte die vorhandene Infrastruktur der Erdgasleitungen ein wichtiger Teil der Energiewende werden.

Quelle: Pressemitteilung der FDP Hohenlohe

 




„Wir bleiben in Kontakt“ – Bürger warten seit fast zwei Jahren auf angekündigten Gasanschluß

Vor mehr als eineinhalb Jahren, noch im Jahr 2018, lag ein Brief des Gasnetzbetreibers Netze-BW in den Briefkästen der Bewohner der Künzelsauer Sudetenhalde: Es wurde angekündigt, dass nach mehreren vergeblichen Anläufen jetzt aufgrund einer durch die Stadtverwaltung geplanten baldigen Straßen- und Infrastruktursanierung endlich auch für die Sudetenhalde ein Gasanschluß angeboten werden könne. Auch sollten in diesem Zusammenhang die Freileitungen für den Strom unterirdisch verlegt werden. Man solle sich bei Interesse an die EnBW beziehungsweise die Netze-BW wenden.

Die Freude war groß

Die Freude war groß: Thomas Rudolph, der ein Haus umbauen möchte, hat sich umgehend nach einer modernen und umweltfreundlichen Gasheizung umgesehen, ein Hausverkäufer hat in die Verkaufsanzeige aufgenommen, dass das Haus bald Gasanschluß haben wird. Ein dritter hat mit einem Mitarbeiter der Netze-BW geplante Umbaumaßnahmen unter Berücksichtigung der Gasleitung besprochen. Und einer hat sich auch geärgert, dass er gerade seine Flüssiggas-Heizung erneuert hatte.

Ansprechpartner der Netze-BW wirken resigniert

Die Freude ist inzwischen nicht mehr so groß, denn das Jahr 2019 ist verstrichen und nichts ist geschehen. Die Auskünfte der Netze-BW wurden spärlicher und im persönlichen Gespräch wirkten die Ansprechpartner der Netze-BW resigniert.

Am 22. Juli 2019 hat der GSCHWÄTZ-Reporter das Thema Sudetenhalde bei einem Pressetermin über aktuelle Bauprojekte mit Bürgermeister Stefan Neumann und Bernd Scheiderer, dem Technischen Leiter der KÜN-Werke, angesprochen. Damals schien das Projekt noch sehr aktuell und wurde als eines der dringenden auf der Liste bezeichnet. Der Mailverkehr des Anwohners Thomas Rudolph hat mit  NetzeBW und der Stadt Künzelsau zeigt aber, wie die Stadtverwaltung und Netze BW gegenseitig mit dem Finger auf sich zeigen, wenn es drum geht, wer den nächsten Schritt bei diesem Unterfangen zu machen habe:

Auf seine Anfrage an die Stadt Künzelsau, bis wann er mit dem Gasanschluß rechnen könne, bekam er am 25. März 2020 die Antwort: „Für Auskünfte zur Umsetzung der Erneuerung der Gasleitung müssten Sie sich direkt an die EnBW wenden. Bisher wurde noch keine Ausführungsplanung mit der Stadtverwaltung abgestimmt. Dementsprechend sind bisher auch keine weiteren Planungen zu den Themen „Kanal, Wasserversorgung, Straßenbeleuchtung, Breitband“ seitens der Stadtverwaltung vorgesehen.“

Wohlgemerkt: Es gibt bisher gar keine Gasleitung, von einer „Erneuerung“ kann also nicht die Rede sein.

Seine Rückfrage bei der NetzeBW ergab ein völlig anderes Ergebnis, laut Auskunft der Netze-BW vom 26. März 2020 hat sich Netze-BW seit 2018 mehrfach bemüht, verbindliche Unterlagen und Auskünfte von der Stadtverwaltung Künzelsau zu erhalten. das Protokoll der Netze BW hierzu schaut folgendermaßen aus:

„-          Am 19.09.2018 wurde die Maßnahme „Sudetenhalde“ bei der Stadt angefragt und Planauskünfte angefordert (XXX)

–          Am 13.11.2018 erneute Anfrage bei (XXX)

–          Am 11.12.2018 erneute Anfrage bei (XXX)

–          2019 wurde die Planauskünfte dann geliefert, so dass wir die Maßnahme projektieren konnten.

–          Anscheinend wurde die Anfrage dann 2019 im Gemeinderat geprüft und eine Sanierung auf spätere Zeit verlegt (diese Aussage haben wir nur mündlich)

–          Aktuell wurde die Stadt Künzelsau am 3. Februar 2020 (XXX) erneut über verschiedene geplante Baumaßnahmen angefragt, ob hier eine Straßensanierung geplant ist.

–          Bis heute ist die letzte Anfrage noch unbeantwortet.“

(XXX – Namen der Mitarbeiter der Stadt anonymisiert, aber der Redaktion bekannt)

Zwei befragte Gemeinderäte konnten lediglich bestätigen, dass die Sanierung der Sudetenhalde in der letzten Zeit nicht auf Tagesordnung gewesen ist. Mehr sei derzeit nicht bekannt.

„Wir bleiben in Kontakt“

Am 30. März 2020 erwidert Bernd Scheiderer: „Es wurde uns bisher noch keine Planung vorgelegt. Wir werden weiterhin mit der EnBW in Kontakt bleiben und die Planungen miteinander abstimmen. Ob und wann die Maßnahme umgesetzt wird, kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht mitteilen, da dies eine Entscheidung des Gemeinderates ist.“

Die Krux: Die Beschlußvorlage für den Gemeinderat muß aber von der Verwaltung ausgearbeitet werden, derselben Verwaltung, bei der die Netze-BW mehrfach ohne Antwort angefragt hat.

Am 27. April 2020 teilt Bernd Scheiderer mit: „Die Stadtverwaltung arbeitet momentan mit einem Ingenieurbüro an der Prüfung der Bestandsleitungen Abwasser/Wasser in der Sudetenhalde. Erst nach Auswertung der Ergebnisse können weitere Planungen auch in Zusammenarbeit mit der EnBW vorgenommen und mit dem Bürgermeister und den Gemeinderäten abgestimmt werden. Ich kann Ihre Erwartungen/Hoffnungen verstehen. Bitte aber in Anbetracht der Vielzahl an laufenden Projekten auch um Geduld. Eine Entscheidung über einen möglichen Ausbau kann nur in Abstimmung mit dem Gemeinderat und unter Bereitstellung der entsprechenden finanziellen Mittel im Haushalt der Stadt Künzelsau erfolgen.“

Das bestätigt auch die Stadtverwaltung Künzelsau auf GSCHWÄTZ-Anfrage: „Mit den Planungen für die Sanierung der Sudetenhalde wurde das Ingenieurbüro Metzger beauftragt. Dabei werden die Wasser- und Abwasserleitungen untersucht, um festzustellen, ob und was tatsächlich in diesem Bereich gemacht werden muss. Voraussetzung für die geplante Verlegung einer Gasleitung durch die EnBW ist, dass Wasser- und Abwasserleitungen in Takt sind.“

Über den schlechten Zustand der Wasserleitungen bestehen bei den Anwohnern keine Zweifel.

Inzwischen wurden oberirdische Vermessungsarbeiten durchgeführt, so dass der Zeitplan der Stadt („Die Vorplanung mit Kostenschätzung werden in der zweiten Jahreshälfte erstellt und im Gemeinderat vorgestellt“) vielleicht eingehalten werden kann.

Über einen eventuellen Baubeginn kann noch keine Aussage getroffen werden. Thomas Rudolph meint dazu: „Für die Grundstückseigentümer oder Käufer gibt das keinerlei Planungssicherheit“.

Text: Matthias Lauterer