Was tun, wenn ein wichtiger Elternabend in der Schule ansteht, aber die Eltern des Kindes das Einladungsschreiben nicht lesen können? In solchen Fällen können interkulturelle Elternmentoren wie Sonja Reichert helfen und die Eltern mit Migrationsgeschichte sowie die Schule unterstützen, schreibt das Landratsamt Hohenlohekreis in einer Pressemitteilung. Die ehemalige Lehrerin für Deutsch und Englisch am Ganerben-Gymnasium Künzelsau hat sich nach ihrer Pensionierung 2018 zur interkulturellen Elternmentorin ausbilden lassen.
Hilfe bei sprachlichen und kulturellen Herausforderungen
Die Ausbildung und das Projekt sind ein gemeinsames Angebot der Bildungsregion Hohenlohekreis und des Hohenloher Integrationsbündnisses 2025, das seit 2018 besteht. Interkulturelle Elternmentoren begleiten und unterstützen Eltern mit Migrationsgeschichte als neutrale Ansprechpartner im deutschen Kita- und Schulalltag. „Elternmentoren sind Brückenbauer zwischen Eltern und Schule, vermitteln bei sprachlichen und kulturellen Herausforderungen“, erklärt Sonja Reichert in der Mitteilung. „Gerade das differenzierte deutsche Schulsystem ist für Eltern, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind, oft überfordernd.“ So kann sie ihnen etwa erklären, welche Schularten und Schulabschlüsse es gibt, muss aber manchmal auch über scheinbar selbstverständliche Grundlagen wie Schulpflicht, Hausaufgaben und Noten aufklären. „Wir können auch bei Elternabenden oder Elternsprechstunden unterstützend tätig sein, wenn das von den Eltern oder Lehrkräften gewünscht wird.“ Möglich sei auch der Einsatz der Elternmentoren von Beginn an, wenn eine Familie aus einem anderen Land zuzieht.
Neuer Kurs im September
Nach der Pandemie wird es auch in diesem Bereich einen großen Nachholbedarf geben, da ist sich Sonja Reichert sicher. Dem stimmt Sonja Schäfer vom Fachdienst Regionale Bildung im Landratsamt Hohenlohekreis zu. Sie weiß: „Die Zusammenarbeit von Eltern und Schule ist sehr wichtig für den schulischen Erfolg von Kindern. Elternmentoren unterstützen Familien und geben ihnen Halt in neuen und ungewohnten Situationen.“ Gemeinsam mit ihrer Kollegin Nadine Rüdenauer betreut sie die Elternmentoren und hofft, weitere Menschen für das Ehrenamt gewinnen zu können. Im September startet ein neuer Schulungskurs im Onlineformat, der in Zusammenarbeit mit der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken durchgeführt wird. An zwölf Samstagen werden die Teilnehmenden in verschiedenen Bereichen auf ihren Einsatz vorbereitet. Neben Informationen zum Schulsystem und zur Rechtslage geht es vor allem auch um die „Schulung der eigenen kulturellen Offenheit“, berichtet Sonja Reichert, die den Kurs 2019 besucht hat. „Durch die Ausbildung und den hohen Praxisbezug habe ich mich sehr gut auf das Ehrenamt vorbereitet gefühlt“, berichtet sie.
Keine bestimmte berufliche Vorbildung nötig
„Wir freuen uns auf viele neue Gesichter“, sagt Sonja Schäfer. „Elternmentoren können selbst Eltern sein, es ist aber kein Muss. Jede interessierte Person ab 18 Jahren mit oder ohne Migrationsgeschichte ist herzlich willkommen.“ Eine bestimmte berufliche Vorbildung ist nicht notwendig. „Wir kommen alle aus unterschiedlichen Richtungen“, erklärt Sonja Reichert. „Wichtig sind Sprachkenntnisse und Offenheit gegenüber anderen Kulturen und den Familien.“ Die bestehende Gruppe zeichnet sich durch ihre kulturelle und sprachliche Vielfalt aus. Aktuell gibt es Elternmentoren in den Sprachen Arabisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Kurdisch und Polnisch. „Wir würden uns sehr freuen, unser Elternmentoren-Team in diesen Sprachen zu erweitern und weitere Sprachen dazuzugewinnen“, sagt Sonja Schäfer. Gerade Arabisch und afrikanische Sprachen sind besonders gefragt. Sie ergänzt, dass es für das Ehrenamt eine Aufwandsentschädigung für Einsätze gibt.
Große Bereicherung
Ihr ehrenamtliches Engagement empfindet Sonja Reichert als große Bereicherung. „Die Arbeit als Elternmentorin erweitert den persönlichen Horizont: Vieles, was wir für selbstverständlich halten, etwa Schulbildung oder Zugang zu Trinkwasser, ist in großen Teilen der Welt nicht selbstverständlich. Das lernt man durch die Kontakte wieder ganz neu zu schätzen“, sagt sie. Antrieb sei für sie auch das Gemeinschaftsgefühl: „Ich möchte, dass wir in dem Land, in dem ich lebe, offen gegenüber Neuankömmlingen sind – so wie ich selbst auch offen empfangen werden möchte, wenn ich irgendwo ankomme und mich nicht auskenne.“ Von den Familien erfahre sie große Dankbarkeit, spüre deren Erleichterung und Freude über die Unterstützung.
Informationen
Der Ausbildungskurs findet als Onlineschulung an zwölf Samstagen von Ende September 2021 bis Mai 2022, jeweils von 8.30 Uhr bis 11.50 Uhr statt. Der erste Termin ist am Samstag, den 25. September 2021. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldeschluss ist 15. August 2021. Für Fragen und weitere Informationen steht Nadine Rüdenauer vom Amt für Kreisschulen und Bildung gerne zur Verfügung unter Telefon 07940/18 924 oder per E-Mail an Nadine.Ruedenauer@Hohenlohekreis.de.
Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis