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Wochenpläne, Arbeitsblätter, Checklisten, E-Mails, WhatsApp, Cloud, drive + der eigentliche Job – Eltern am Rande des Corona-Schulwahnsinns

Das werden wohl die längsten Sommerferien aller Zeiten – zumindest für viele Lehrer. Mindestens bis zum 04. Mai 2020 sollen die Schulen in Baden-Württemberg noch geschlossen bleiben, dann sollen zunächst die Abschlussklassen an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen wieder mit dem Unterricht beginnen. Jeder redet jetzt schon über Hygiene- und Abstandsregeln, die es dann in den Bussen und Klassenzimmern einzuhalten gilt und wie das überhaupt möglich ist, diese einzuhalten bei den teilweise Hunderten von Schülern an einer Schule. Doch kaum wird über diejenigen gesprochen, die von den Schulschließungen derzeit immernoch am meisten betroffen sind: die Eltern.

Die Eltern haben bereits drei Wochen vor den Osterferien mit ihren Kindern gelernt, was das Zeug hält. Eine Mutter mit vier Kindern berichtete von 60 E-Mails mit Aufgaben, die sie teilweise erreicht habe. Dabei handelt es sich bei jedem Kind um eine andere Klassenstufe und in jeder Klasse wiederum um neue Lernmaterialien für fast jedes Unterrichtsfach. Sport, Religion. Geografie, alles soll gelernt werden. Teilweise erklären Eltern ihren Kindern Dinge, die sie sich selbst zunächst erstmal erklären müssen.Nicht jeder war in seiner Schulzeit ein Mathe-Ass oder ein Englischprofi.

Eine schier unlösbare Aufgabe für Eltern, zumal viele von ihnen parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrertätigkeit oftmals noch ihren eigentlichen Beruf in Teil- oder sogar Vollzeit parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrtätigkeit zu Hause ausüben. Man denke nur an Krankenschwestern oder Kassiererinnen, die nach einer derzeitigen 12-Stundenschicht zu Hause noch die Lehrplänge mit ihren Kindern durchgehen muss – über Wochen. 2 Jobs gleichzeitig – wie soll das gehen?

Nun also geht es in die Verlängerung dieser ehrenamtlichen Tätigkeit für mindestens drei weitere Wochen. Wie das die Eltern alles machen und schaffen sollen, sei dahingestellt. Die Lehrer, die weiterhin ihr volles Gehalt erhalten, verweisen darauf, dass sie nichts für diese Situation können. Natürlich können sie nichts für diese Situation, aber sie können in dieser Pandemiezeit eines: den Druck rausnehmen, sich auf die wesentlichen Fächer Deutsch, Mathe und Englisch konzentrieren und den Eltern und Schülern sagen: „Wir geben euch Aufgaben, aber wir wissen, wie schwer diese Situation für euch gerade ist. Daher: Auch wenn ihr diese Aufgaben nicht abarbeiten könnt mit euren Kindern, ist das nicht schlimm. Wir werden nach dieser Zeit gemeinsam den Unterrichtsstoff nachholen, notfalls mit Zusatzstunden.“

Und selbst wenn dieser Stoff nicht nachgeholt werden könnte, was soll’s? Wir leben immerhin in einer absoluten Ausnahmesituation.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann  

Lehrer spielen in Corona-Zeiten, das ist gar nicht so einfach, zumal viele Eltern oft noch ihren eigentlichen Beruf nebenher ausüben. Foto: adobe stock




Unterstützung für neuzugewanderte Eltern: „Interkulturelle Elternmentoren sind Brückenbauer“

Nach einer erfolgreichen Schulungsrunde steht den Schulen und Kindertagesstätten ein Team von zehn Interkulturellen Elternmentoren zur Verfügung. Diese sind im Auftrag des Landratsamts Hohenlohekreis aktiv. Bei Einsätzen an Schulen und Kindertagesstätten helfen diese Ehrenamtlichen, kulturelle und sprachliche Hindernisse zwischen zugewanderten Eltern und Lehrkräften oder Erzieher zu überwinden. An vier Schulungsterminen wurden sie von Kulturwissenschaftlern und Psychologen fachkundig darauf vorbereitet.

Neben Deutsch sprechen die Hohenloher Elternmentoren auch Polnisch, Arabisch, Spanisch, Kurdisch, Französisch, Russisch, Englisch, Italienisch und Rumänisch. So können sie helfen, sprachliche Hindernisse zwischen Eltern und Lehrern oder Erziehern zu bewältigen. Hinter ihrer Tätigkeit steckt weitaus mehr als das klassische Dolmetschen. Interkulturelle Elternmentoren sind Brückenbauer. Das Hohenloher Team besteht zum einen aus Personen mit Migrationshintergrund, die neben den sprachlichen auch die kulturellen Unterschiede kennen. Zum anderen sind es fähige Lehrer und Sprachförderdozenten, die die Besonderheiten des deutschen Schulsystems bis ins Detail überblicken. Diese Kombination aus pädagogischer Erfahrung und interkultureller Kompetenz ist einzigartig im Hohenlohekreis. Das Zusammenkommen der zehn ganz unterschiedlichen Elternmentoren mit ihrer Vision, Familien mit Migrationshintergrund zu unterstützen, ist ein Beitrag zur praktisch gelebten Integration. Durch die Unterstützung der Elternmentoren sollen insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund bei der Entwicklung erfolgreicher Bildungsbiografien unterstützt werden. Das Projekt wird daher von der Bildungsregion Hohenlohekreis mitgetragen.

Die Begleitung und Vermittlung der Interkulturellen Elternmentoren erfolgt über das Landratsamt Hohenlohekreis. Auskunft erhalten Sie unter elternmentoren@hohenlohekreis.de und 07940 93769-10.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises