„Sehr belastend“
Die Musikgruppe Keep alive hat am Donnerstag, den 21. Mai 2020, für Pfleger und Bewohner des Eduard-Knoll-Wohnzentrums für Körperbehinderte in Krautheim ein Corona-Straßenkonzert gegeben. Bei Kaiserwetter gab es international bekannte Oldies, aber auch aktuelle deutsche Lieder zu hören. Wie gut das bei den Bewohnern angekommen ist und wie die Coronaschutzmaßnahmen deren Leben und den Berufsalltag der Pfleger verändert hat, dazu hat GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus sie unter anderem befragt.
GSCHWÄTZ: „Wie hat Ihnen das Konzert von Keep alive gefallen?“
Jutta aus Krautheim: „Supergeil. Das war Abwechslung, schön, entspannend. Einfach eine andere Alternative für das tägliche Leben hier. Ich denke, da werde ich noch ne Weile dran zu knabbern haben und auch immer wieder ins Gedächtnis rufen. Mit sich tragen und in sich wirken lassen. Ruhe und entspannend. Einfach, wenn man schlechte Laune hat, an den glücklichen Moment wieder zurückdenken.“
GSCHWÄTZ: „Wie gefällt Ihnen die Musik von Keep alive?“
Carmen aus Krautheim: „Gut. Gemischt, Deutsch, Englisch finde ich sehr gut.“
GSCHWÄTZ: „Wie weit fühlen Sie sich eingeschränkt durch die Schutzmaßnahmen gegen Corona?“
Carmen: „Also bei mir geht`s. Ich bin ja hier mit meinen Freunden zusammen und mit der Familie kann ich telefonieren. Wir können ja auch noch in den Hof raus. Für mich wäre es schlimmer, wenn wir jetzt nur auf dem Zimmer sitzen würden und niemanden sehen könnten.“
GSCHWÄTZ: „Wir sehr haben damals die sehr eingeschränkten Sicherheitsmaßnahmen gegen Corona ihr persönliches Leben beeinflusst?“
Jutta: „Man durfte nicht mehr raus, man durfte nicht gerade einkaufen gehen. Wenn ich selbst unterwegs sein kann, mache ich das. Jetzt haben wir Gottseidank unsere Tagesstrukturierung und die hilft uns Bewohnern, unsere Einkäufe zu erledigen. Wir müssen hier halt das Beste daraus machen.“
Carmen: „Ich hab`s eigentlich recht locker genommen. Mich hat das nicht so betroffen.“
GSCHWÄTZ: „Sie sind zuversichtlich?“
Carmen: „Ja. Auf alle Fälle.“
GSCHWÄTZ: „Wie haben die Corona-Maßnahmen Ihr Leben als Pfleger verändert?“
Tobias, Pfleger, Eberstal: „Das hat sich so ausgewirkt, dass ich meine sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren musste, um die Bewohner hier vor Covid-19 zu schützen. Natürlich auch die psychische Situation der Bewohner durch die Ausgangsbeschränkungen hat sich nicht gerade erleichtert sondern eher verschlechtert. Dadurch wird auch die Arbeit hier anspruchsvoller. Man wird als Pfleger schon mehr belastet.“
GSCHWÄTZ: „Wie fühlt man sich, wenn man mit den Leuten doch relativ auf Distanz zu tun hat oder arbeiten muss? Wie ist das für Sie?“
Tobias: „Die intensive Betreuung, die die Langzeitbewohner auch benötigen, die fällt dadurch total unter den Tisch. Und das ist auch für mich als jemand, der den Beruf von Herzen macht, natürlich schon arg belastend, dass man sich in gewissen Situationen nicht so verhalten kann, wie man gerne würde. Schon schade gerade aber um die Bewohner zu schützen, muss man das halt noch eine gewisse Zeit durchziehen.“
GSCHWÄTZ: „Wie nehmen das die Bewohner hier auf?
Tobias: „Sie haben Verständnis dafür, dass gerade die Schutzmaßnahmen und die Vorgaben so sind, wie sie sind. Und sie hoffen im Prinzip auch einfach, dass es schnellstmöglich wieder gelockert wird, dass sie langsam wieder ihrem geregelten Alltag nachgehen können.“
GSCHWÄTZ: „Das wie vielte Mal spielt ihr hier und wie seid ihr mit den Reaktionen eurer Zuschauer und des Publikums zufrieden?“
Sebastian von Keep alive: „Wir sind jetzt das zweite Mal hier gewesen. Wir haben die letzte Weihnachtsfeier hier gespielt. Und die Reaktionen sind megageil. Wahrscheinlich eins der besten Publikum, die wir gehabt haben oder die wir haben.“
GSCHWÄTZ: Ihr kommt dann auch das dritte Mal?“
Sebastian: „Wir hoffen doch. Wir haben gerade schon ein paar Stimmen gehört. Also wahrscheinlich sind wir noch das eine oder andere Mal hier.“
GSCHWÄTZ: „Ihr wart heute Zuschauer beim Konzert. Wie haben euch die Schutzmaßnahmen vor Corona in eurem Leben eigentlich beeinflusst?“
Hanna aus Krautheim: „Zum einen, die ganzen Festle fallen aus. Die ganzen Dorffeste, die jetzt angefangen hätten um diese Zeit, und auch die Festivals fallen aus. Wir sind beide Festivalgänger und gehen gerne mal feiern. Einfach ein bisschen unter die Leute und gehen gerne Tanzen. Das können wir jetzt gerade nur für uns oder halt mit Abstand Zuhause.“
GSCHWÄTZ: „Welche Alternativen gibt es für euch als Partyfrauen?“
Maria aus Diebach: „Für uns ist das hier eine Alternative, deshalb sind wir auch hierhergekommen. Weil es einfach schön ist, mal wieder Live-Musik zu hören. Natürlich und selbstverständlich mit ganz viel Abstand.“
GSCHWÄTZ: „Wie gut tut euch so ein Konzert hier im Freien?“
Hanna: „Da kommen schon Glücksgefühle hoch. Glücksmomente, weil wir beide ohne Musik überhaupt nicht können. Bei uns ist immer Musik dabei. Und deswegen ist das eine sehr gute Alternative für uns.“
GSCHWÄTZ: „Und ihr wart mit der Musikauswahl von Keep alive zufrieden?“
Beide: „Ja sehr. Wir mögen Rock und Pop.“
GSCHWÄTZ: „Wie zufrieden seid ihr generell mit den Schutzmaßnahmen oder Vorsichtsmaßnahmen, die die Regierung uns jetzt verordnet hat?“
Maria: „Ich finde, es ist wichtig, dass man da auch vorsichtig ist. Gerade auch für die Schwächeren in unserer Gesellschaft. Und deswegen finde ich es auf jeden Fall auch in Ordnung, auch das mit den Masken.“
Hanna: „Und ich würde sagen, wir haben uns da sehr gut angepasst und können damit gut leben und machen da einfach das Beste für uns draus.“

Corona: Für Pfleger und Bewohner keine einfache Situation, aber die Musik lenkte jeden von den aktuellen Gegebenheiten ab. Foto: GSCHWÄTZ

Corona: Für Pfleger und Bewohner keine einfache Situation. Foto: GSCHWÄTZ

Keep alive gab am Donnerstag, den 21. Mai 2020, ein Coronakonzert beim Eduard-Knoll-Wohnzentrum in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ