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„Nehmen Sie das nächste Mal den anderen Auszahl-Automaten“ – Meine Wochenenden ohne EC-Karte

Es ist Freitagnachmittag, Ende September, gegen 16 Uhr. Bevor ich einkaufen gehe, brauche ich noch Bargeld, also laufe ich in Künzelsau in der Hauptstraße zum Geldautomaten. Karte rein, der Automat flackert kurz und auf dem Display ist zu lesen „Störung“. Fassungslos starre ich auf das Display. Ein paar Sekunden später steht dort: „Bitte führen Sie Ihre Karte ein.“

Ich fühle mich wie ein hilfloses Rehkitz

Was? Ich stemme meine Hände rechts und links an den Rand des Geldautomaten und atme tief durch. Mein Blick wechselt zwischen Display und Kartenschlitz. Meine Karte ist weg. Wie ein Häufchen Elend stehe ich nun im Foyer. Was ist passiert und wo ist meine Bankkarte? Warum hat der Automat sie eingezogen? Oh mein Gott – ist mein Konto leer? Ich habe doch diesen Monat noch nicht so viel ausgegeben. Leicht verstört kruschel ich in meiner Tasche nach dem Handy. Mein Herz schlägt schneller und ich fange schwitzend an, die Telefonnummer der Volksbank zu wählen, die auf dem Geldautomaten steht. „Ähm… ich stehe hier am Volksbank-Automaten in der Künzelsauer Hauptstraße und der Automat hat einfach meine Karte eingezogen. Aber ich weiß nicht, warum…“, versuche ich dem netten Herrn am anderen Ende der Leitung zu erklären. Um mich zu beruhigen, schaut er auf mein Konto und bestätigt mir, dass sich noch Geld auf meinem Konto befindet. Auf meine verwunderte Frage, warum dann meine Karte eingezogen wurde, kam nur ein: „Das passiert.“ Es ist Freitag und ich war viel zu schwach, eine Diskussion zu starten. „Was mach‘ ich denn jetzt? ich brauche meine Karte“, krächzte ich nur. Ich solle doch an die Hauptfiliale hochlaufen und dort kann ich am Schalter Bargeld abheben.
Ich seufze. Die Schiebetüren der Filiale öffnen sich und ich stapfe hinaus. Es regnet aus Eimern – ich habe keinen Regenschirm. Während mir der kalte Regen gegen mein Gesicht peitscht, steigt Wut in mir hoch. Eine fiese Wut – wieso muss ich jetzt meiner Karte hinterherrennen? Das war doch die Schuld der Bank. Und ehe ich mich versehe, führe ich den gesamten Weg zur Volksbank eine hitzige Diskussion in meinem Kopf – mit mir allein.

Ohne EC-Karte kann das Leben ganz schön grausam sein. Foto: GSCHWÄTZ

Hallo, ich würde gerne Geld abheben

Völlig durchnässt und tropfend stehe ich am Schalter, schildere der Dame meine Situation und verlange umgehend eine Aushändigung meiner EC-Karte. „Leider ist heute niemand mehr im Haus, der die EC-Karte holen könnte“, antwortet das Fräulein mir gegenüber. Meinen Kommentar, ob man denn ein Diplom bräuchte, um einen Automaten zu öffnen und dort eine Karte raus zu holen, verkneife ich mir und frage stattdessen: „Wann wäre denn jemand da, der das machen könnte?“ Frühestens am Montag, hieß es. Und wie komme ich nun an mein benötigtes Geld? Ich tigere geknickt zum Auszahlungsschalter: „Hallo, ich würde gerne Geld abheben.“ „Wie lautet denn ihre Kontonummer?“ – „Das weiß ich leider nicht, weil die auf meiner EC-Karte steht und diese steckt im Automaten fest.“ Der Bankangestellte am Schalter hält kurz inne. Ich lege ihm meinen Personalausweis hin und bekomme schließlich mein Geld ausgezahlt. Die EC-Karte wartet montags darauf bereits in der Filiale auf mich.

 Und täglich grüßt das Murmeltier

Zirka drei Monate später, Dezember: Es ist Freitagnachmittag und bevor ich mit meinen Weihnachtseinkäufen anfange, sollte ich mir noch Bargeld holen. Da steh‘ ich nun – in der Künzelsauer Innenstadt – und hadere mit mir, an welchen Automaten ich gehe. „Bis ich jetzt hoch zur Hauptfiliale gelaufen bin…das war damals bestimmt nur ein dummer Zufall, dass meine EC-Karte eingezogen wurde. Stell‘ dich nicht so an“, diskutiere ich im Kopf mit mir selbst. Also bevorzuge ich den kürzesten Weg und steuere den Geldautomaten in der Hauptstraße an. Einer ist belegt, also nehme ich wieder mal den rechten Automaten. Karte rein – zack – der Automat flackert kurz und auf dem Display ist zu lesen: „Störung“. Fassungslos starre ich auf das Display. Ein paar Sekunden später steht auf dem Display: „Bitte führen Sie Ihre Karte ein.“

„Es wäre nett, wenn sich jemand von Ihnen hierher bequemt, um mir meine Karte auszuhändigen“

Ich beiße die Zähne zusammen, damit ich nicht lauthals das Fluchen anfange und das Foyer erschüttere, während Mütter ihren Kindern die Ohren zuhalten müssen. Ich zücke das Handy, rufe die Nummer der Künzelsauer Hauptfiliale an und sage schroff: „Ihr Automat hat mal wieder meine Bankkarte eingezogen. Es wäre nett, wenn sich jemand von Ihnen hierher bequemt, um mir meine Karte auszuhändigen.“ Eine zarte junge,weibliche Stimme sagt etwas verschüchtert: „Oh, das tut mir leid, aber leider ist heute niema…“ – „Niemand mehr im Haus“, unterbreche ich. „Ja, ja ich weiß. Danke. Tschüss“, platzt es aus mir heraus. Nachdem ich aufgelegt hatte, tat mir die junge Frau am Telefon etwas leid, sie kann ja schließlich nichts dafür, ich aber auch nicht, verdammt. Also stiefele ich die Hauptstraße nach oben Richtung Hauptfiliale. Wer hätte es gedacht – es regnet und ich habe mal wieder keinen Regenschirm dabei. Ich versuche mein Gefühlschaos zwischen – was ist das denn für ein amateurhafter Haufen- und – bist ja selbst schuld, du musstest ja wieder denselben Automaten wie das letzte Mal nehmen – irgendwie zu sortieren. Mit etwas gezügelter Wut – in meinem Kopf hatte ich diese Diskusion schon gewonnen – stapfe ich schnurstracks zum Schalter. „Meine Karte wurde mal wieder eingezogen und ich brauche sie“, schildere ich mein Problem vermutlich derselben jungen Dame, mit welcher ich Minuten zuvor noch telefoniert hatte. Direkt klingt sich eine weitere Mitarbeiterin der Volksbank in unser Gespräch mit ein: „Warum macht der Geldautomat sowas?“, frage ich empört.

Keine Befugnis für die Bankangestellten

Die Antwort der Volksbankangestellten lässt meine Stirn runzeln: „Sie haben bestimmt den rechten Automaten benutzt. Der macht öfter Probleme. Sie sind auch nicht die einzige, der das passiert. Und wissen Sie, der Automat vermerkt es noch nicht einmal im Protokoll, dass er eine Karte verschluckt. Das nächste Mal einfach den linken Automaten nehmen. Und die Karte können wir Ihnen leider auch nicht aushändigen, weil alles, was mit den Automaten zu tun hat, fremdvergeben wurde. Somit kommen wir da jetzt leider nicht ran. Die Firma, die für die Automaten zuständig ist, ist erst am Montag wieder zu erreichen.“

Entweder war dies eine sehr durchdachte Ausrede oder aber die Bankangestellten wurden tatsächlich entmachtet. Keine Macht über die Geräte zu haben und scheinbar leicht defekte Geräte nicht austauschen zu können, kann nun ein Fluch oder ein Segen für die Volksbank sein.

Jochen Leitner, Bereichsleiter Vertriebsmanagement der Volksbank Hohenlohe, bestätigte die Aussage nach unserer Presseanfrage: „In der Tat gab es letztes Jahr Probleme mit dem Automaten in unserer SB-Geschäftsstelle in der Künzelsauer Hauptstraße. Es wurden bei dem Automaten vermehrt Karten eingezogen, weil ein Defekt in der Kartenleseeinheit vorlag und die Kartendaten vom Automaten nicht ausgelesen werden konnten. Nach dem Bekanntwerden des Defekts, haben wir umgehend reagiert und den Kartenleser getauscht. Seitdem funktioniert der Automat wieder störungsfrei. Eingezogene Karten werden beim Öffnen des Gerätes von unserer Partnerfirma protokolliert, mitgenommen und bei der nächsten Anfahrt in einer unserer Volksbank-Hauptstellen zur weiteren Bearbeitung abgegeben.“

Nun ja, ich weiß noch nicht ob ich die Aussage überprüfen werde und diesen Teufelsautomaten jemals wieder benutze oder ob ich fortan doch ein Fan von bargeldlosen Zahlungen werde.

Einer dieser beiden Automaten trieb unsere GSCHWÄTZ-Redakteurin Nadja Fischer schier in den Wahnsinn. Foto: privat