1

„Kein Selbstläufer“ – Gewinneinbruch bei Würth – Unternehmer setzen auf CDU und FDP bei der Bundestagswahl

Der Handelskonzern Würth erlebte 2024 einen massiven Gewinneinbruch von über 35 Prozent. Kostensteigerungen und Umsatzrückgänge prägten das Jahresergebnis.

Rückgang von über 35 Prozent

Der Handelskonzern Würth hat im vergangenen Jahr einen starken Rückgang beim Gewinn verzeichnet. Das vorläufige Betriebsergebnis vor Steuern liege 2024 bei 900 Millionen Euro, teilte der Montage- und Befestigungsspezialist aus Künzelsau im Nordosten Baden-Württembergs mit. Das entspricht einem Rückgang von über 35 Prozent. 2023 lag es noch bei über 1,4 Milliarden Euro.

Das Unternehmen begründete den Rückgang mit dem Umsatzrückgang und Kostensteigerungen. Der Umsatz war demnach 2024 um knapp ein Prozent auf 20,2 Milliarden Euro zurückgegangen. Die anhaltend schwache Konjunktur insbesondere in der verarbeitenden Industrie habe die Umsatzentwicklung stark beeinflusst, hieß es laut Mitteilung.

Würth-Chef: „Ganz gut geschlagen“

Zu Beginn des vergangenen Jahres war Würth noch von einem mittleren einstelligen Wachstum ausgegangen, allerdings unter der Voraussetzung, dass im zweiten Halbjahr eine wirtschaftliche Belebung einkehrt. Das Betriebsergebnis sollte stabil gehalten werden. „Trotzdem sind wir der Meinung, dass wir mit diesem rückläufigen Umsatz angesichts der schweren Verhältnisse, die es in den unterschiedlichen Märkten gibt, uns ganz gut geschlagen haben“, sagte Würth-Chef Robert Friedmann.

„Kein Selbstläufer“
Für dieses Jahr plane Würth laut Friedmann erneut mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich. „Wir wissen aber auch, dass das kein Selbstläufer ist“, sagte Friedmann. Es gebe ein paar Entwicklungen, die positiv seien. Es sei aber noch zu früh, von einer Trendumkehr zu sprechen. Beim Betriebsergebnis erwarte Würth 2025 eine Stabilisierung, sagte Finanzchef Ralf Schaich.

Gemü und Ebm-Papst ergreifen Maßnahmen

Auch andere Unternehmen im Hohenlohekreis kämpfen derzeit unter anderem mit der Inflation und der derzeitigen Wirtschaftsflaute. So war im Dezember b sogar beim ewigen Musterschüler Ebm-Papst in Mulfingen sogar die Finanzbuchhaltung in Kurzarbeit. Gemü in Ingelfingen möchte derzeit wieder die Mitarbeitenden wieder mehr im Büro anstatt im home office sitzen haben und hat hier seine Vorgaben geändert.

Die CDU und die FDP gelten als wirtschaftsnahe Parteien, die viele Unternehmer gerne wählen, so vermutlich auch bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2023. Auch die AfD fordert eine starke Wirtschaftspolitik. In jedem Fall könnte die Wahl die lang ersehnte Trendwende für eine wieder in Schwung kommende deutsche Wirtschaft sein.




Es herrsche ein großer Leistungsdruck

In den letzten Wochen waren mehrfach Infostände der IG Metall vor dem Werksgelände von ebmpapst aufgebaut. Gewerkschaftsmitglieder wollten sich ein  Bild über die Situation der Beschäftigten machen und führten dort Gespräche mit Mitarbeitern und führten eine Umfrage durch.

Erfolgreiche Verhandlungen mit DOMETIC

Hintergrund ist, dass die IG Metall bei ihrer Arbeit in Krautheim, wo in Verhandlungen ein Beschäftigungssicherheitspakt für die Beschäftigten bei Dometic bis 2027 erreicht wurde, auf ebm hingewiesen wurde.  Die Umfrage ergab, so Uwe Bauer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Schwäbisch-Hall, ein klares Bild:

Klare Aussagen der Arbeitnehmer:innen

Eingruppierungen beim Lohn werden als willkürlich empfunden, es herrsche ein hoher Leistungsdruck, 91 Prozent der Umfrageteilnehmer fordern einen Tarifvertrag mit mehr Geld und festen Regeln, der aktuelle Betriebsrat wird stark kritisiert, er sei geschäftsleitungsnah.

Uwe Bauer berichtet, dass die Geschäftsleitung zwar großen Wert darauf gelegt habe, dass die Gewerkschaft ihre Infostände anmeldete, auf eine Bitte zu einem Gespräch hätte die  Geschäftsleitung nicht einmal geantwortet. „Anmelden war Ihnen wichtig, die Belange der Beschäftigten scheinen ihnen weniger wichtig zu sein.“

2020 sollten laut Bauer viele indirekte Beschäftigte gehen, die Mitarbeiter berichten ihm von Druck, Aufhebungsverträgen und vielen Eigenkündigungen. Das sei ungewöhnlich in dieser Schärfe, sagt Bauer. Vor allem das neue Lohn-Eingruppierungssystem LEIV werde von Vielen als willkürlich betrachtet, daher bestünden „schwere Befürchtungen“ bei den indirekten Mitarbeitern, bei denen ab dem 1.April ein neues Bewertungssystem eingeführt werden soll.

IG Metall will im März 2022 bei der Betriebsratswahl antreten

Deswegen will die IG Metall mit einer schlagkräftigen Liste bei der Betriebsratswahl 2022 antreten. Der derzeitige Betriebsrat zeige Unprofessionalität – im aktuellen Mitarbeitermagazin habe der Betriebsrat über die Regelungen zur Betriebsratswahl falsch informiert.

Rückblickend ist Bauer mit dem Erreichten bei WÜRTH und DOMETIC zufrieden: Bei WÜRTH seien inzwischen zehn Betriebsräte in der IG Metall organisiert, die Betriebsratsarbeit sei fruchtbar und konstruktiv. Auch die Geschäftsleitung würde den Betriebsrat ernstnehmen. Bei DOMETIC hat die IG Metall gerade eine Beschäftigungssicherung bis 2027 erreicht.

Ein Wunschzettel für ebm. Foto: IG Metall

Diese Erfolge nimmt die IG Metall zum Ansporn, auch bei ebm den Wahlkampf um die Betriebsratsmandate aufzunehmen.

„Ein Betriebsrat tut dem Unternehmen einen Gefallen“

Zu guter Letzt spricht die Gewerkschaft die Geschäftsleitung von ebm direkt an: „Wir haben keinen Fachkräftemangel, wir haben einen Arbeitskräftemangel.“ Richtig gute Leute würden das Unternehmen ebm verlassen – das sei kein Wunder: In tarifgebundenen Unternehmen können sie über 20 Prozent mehr verdienen. „Ein Betriebsrat tut dem Unternehmen einen Gefallen, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass die Mitarbeiter bleiben.“

Text: Matthias Lauterer

 




„Eine komplexe Fragestellung mit weitreichenden Auswirkungen“

Am Montag, den 28. Juni 2021, fanden vor dem Arbeitsgericht in Crailsheim drei Güteverhandlungen statt. Drei Mitarbeiter haben gegen ihren Arbeitgeber geklagt (GSCHWÄTZ berichtete), um eine Lohnnachzahlung aufgrund eines ihrer Meinung nach rechtswidrigen Passus in der Betriebsvereinbarung „Bündnis für Arbeit“ zu erreichen.

Rund 40 Auflösungsverträge geschlossen

Markus Löw, der Personalleiter von ebm, wollte vor Ort direkt nach dem Prozess keine Stellungnahme abgeben. Inzwischen hat ebm-Pressesprecher Hauke Hannig die Anfrage von GSCHWÄTZ beantwortet. Er bestätigt, dass ebm „zwischen April und Juni 2020 Auflösungsverträge mit knapp 40 Mitarbeitenden bei ebm-papst Mulfingen abgeschlossen“ hat. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir ein Umsatzminus von knapp 30 Prozent zu verzeichnen. Wir konnten durch verantwortungsbewusstes Vorgehen, hohen Einsatz und Flexibilität der gesamten Belegschaft Monat für Monat stetig aufholen und zum Ende ein gutes Geschäftsjahr in der ebm-papst Gruppe erzielen.“, so Hannig. Die Zahl von 40 Auflösungsverträgen nannte Hannig bereits im Januar 2021 (GSCHWÄTZ berichtete), es wurden also keine weiteren Auflösungsverträge geschlossen.

Inzwischen stellt ebm wieder Mitarbeiter ein, da der Geschäftsverlauf sich gegenüber dem Corona-bedingten Einbruch erholt hat, wie auch auf der Jahrespressekonferenz veröffentlicht wurde.

Keine weiteren Klagen bekannt

Auf die Frage, ob noch Klagen weiterer Mitarbeiter anhängig seien, antwortet Hannig: „Nein, es wurden keine weiteren Klagen eingereicht.“

„Komplexe Fragestellung mit weitreichenden Auswirkungen“

Den Vorwurf des „Zeitspiels“ kann Hannig nicht nachvollziehen: „Da es sich um eine komplexe Fragestellung mit u. a. weitreichenden Auswirkungen handelt, kann dieses Thema nicht im Rahmen einer Güteverhandlung abschließend geklärt werden.“ Der vom Gericht angeforderte Schriftsatz wird in den nächsten Tagen bei Gericht eingehen. Das Ziel von ebm sei es, „an unserer mit Betriebsrat und Geschäftsführung seit Jahren getroffenen Vereinbarung festhalten zu können, die hohe Sozialleistungen und ein Bündnis für Arbeit bietet.“
Richterin Anja Nägele-Berkner hatte bereits im Termin angedeutet, dass unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen, die allerdings noch nicht juristisch geprüft sind, die gesamte Betriebsvereinbarung nichtig sein könnte. „Das kann hohe Wellen schlagen“, sagte sie während der Gütetermine. Das wären tatsächlich weitreichende Auswirkungen.

Tarifvorbehalt muss geprüft werden

Auch ist ebm nicht der Meinung des Klägeranwalts, dass ausgerechnet der Tarif der Metall- und Elektroindustrie einschlägig sein muss: „Auch hier gilt, dass ein möglicher Tarifvorbehalt ausführlich gegen verschiedenste Tarifwerke geprüft werden muss und dies vermutlich erst im Rahmen weiterer Prozess-Schritte abschließend geklärt werden kann.“

Hannig weist weiterhin darauf hin, dass nicht alle Terminverlegungsanträge von ebm gestellt wurden: „Termine wurde von beiden Seiten u.a. aufgrund von Terminüberschneidungen mehrfach verlegt. Ein Termin wurde schließlich durch das Gericht verschoben.“
Nach GSCHWÄTZ-Informationen wurde zweimal ein geplanter Termin krankheitsbedingt kurzfristig verlegt.

Text: Matthias Lauterer




„Es findet eine Umstrukturierung statt, umgangssprachlich, es werden Leute gegangen“

Ein digitaler Brief flatterte per E-Mail am Montag, den 18. Januar 2021, in einige deutsche Redaktionen. Der Absender: keinemenschlichkeitebmpapst@freenet.de. Die Überschrift: Keine Menschlichkeit bei ebm-Papst. Der Absender: unbekannt. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage möchte er oder sie keinen persönlichen oder telefonischen Kontakt. Aber das, was er in seinem Brief geschrieben hat, hat es in sich. Der Absender plaudert scheinbar aus dem Nähkästchen eines Unternehmen, das einen vorbildlichen Ruf genießt. Es geht um ebm-Papst und die Coronakrisenpolitik.

„Es findet eine Umstrukturierung statt, umgangssprachlich, es werden Leute gegangen“

Unter anderem wirft der Absender dem Unternehmen unter anderem vor: „Erst werden die Mitarbeiter in der Verwaltung drei Monate in Kurzarbeit geschickt, da man dieses Instrument wählt, um die Belegschaft zu schützen. Dann wird die Kurzarbeit aber wieder aufgelöst und was passiert kurz darauf? Es findet eine Umstrukturierung statt, umgangssprachlich, es werden Leute gegangen! Nicht gekündigt, da durch das Bündnis für Arbeit die Belegschaft nicht gekündigt werden kann, da betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Daher wurde das Thema „Umstrukturierung“ genannt.“

„Die schlechtesten jeder Abteilung haben eine Gesprächseinladung erhalten über einen Aufhebungsvertrag“

Weiter heißt es: „Jede Abteilung, jeder Abteilungsleiter oder Hauptabteilungsleiter musste ein Ranking erstellen, mit dem die Mitarbeiter gerankt wurden. Die schlechtesten jeder Abteilung haben eine Gesprächseinladung erhalten über einen Aufhebungsvertrag. Es wurde sehr deutlich gemacht, dass man sich trennen möchte von der Person. In einem Fall wurde richtig gedroht, wenn die Person nicht den Aufhebungsvertrag unterschreibt, man sicherlich noch andere Dinge findet, wie eine privat geschriebene Mail. Das hat der Dame richtig weh getan und es hat sicherlich auch seelisch einen Knacks hinterlassen. […] Und ja…man hat übrigens den Sohn von Gerhard Sturm (Ralf Sturm) mittlerweile aus den Themen in und um Mulfingen herausgenommen, da er sonst zu nah dran wäre…man hat ihn für Themen für die komplette Gruppe benannt…eigentlich nicht schlecht wenn man so bedenkt, aber das hat nur den Hintergrund, dass der Sohn von Gerhard Sturm nicht zu nah an den Themen hier in Mulfingen dran ist. […]“

„Hat sicherlich das Herz von dem Gründer der Firma geblutet“

„Die Firma war eine sehr gute, hat aber viel an Menschlichkeit verloren und mutiert immer mehr zu einem fremden Konzern. […] Zu dem Thema „Umstrukturierung“ hat sicherlich das Herz von dem Gründer der Firma geblutet…weil das absolut nichts mit Menschlichkeit zu tun hat.“

„Die schlechtesten jeder Abteilung haben eine Gesprächseinladung erhalten über einen Aufhebungsvertrag“

Auch Hauke Hannig, Peessesprecher von ebm-Papst, liegt das Schreiben vor. Er sagt gegenüber GSCHWÄTZ : „Ich möchte Ihnen dazu gerne übermitteln, dass wir uns durch Covid-19 in einer außergewöhnlichen Zeit in Gesellschaft und Wirtschaft befinden. Mit unseren Schwerpunkten „Schutz für unsere Belegschaft“ sowie „Sicherung des Unternehmens“ konnten wir bisher die Corona-Krise den Umständen entsprechend gut bewältigen und sind mit unseren AHAL-Maßnahmen (Anm. d. Red.: Hygienemaßnahmen) vorbildlich unterwegs. Dies blendet der anonyme Schreiber gänzlich aus.“

„Wir fahren weiterhin auf Sicht“

Die Redaktion GSCHWÄTZ möchte von Hauke Hannig wissen, inwieweit der Inhalt des Schreibens stimmt. Hauke Hannig hat unsere Fragen sehr schnell und offen beantwortet.

40 Mitarbeiter erhielten Aufhebungsverträge

GSCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass sich ebm-Papst im Zuge der Coronakrise von Mitarbeitern getrennt hat?
Hannig: Wir haben im Zuge der Corona-Krise Auflösungsverträge über mehrere Monate mit knapp 40 Mitarbeitern bei ebm-papst Mulfingen abgeschlossen.

GSCHWÄTZ: Wie viel Mitarbeiter hatte ebm-Papst im Januar 2020 und wie viele im Januar 2021?
Hannig: Dezember 2019: 3.693, Dezember 2020: 3.620. Der Reduktion inbegriffen ist insbesondere Rente und Leiharbeit.

„Wir räumen unseren Mitarbeitern zukünftig die Möglichkeit ein, bis zu 80 Prozent ihrer Arbeitszeit an einem Ort außerhalb des Unternehmens zu leisten“

GSCHWÄTZ: Wird es 2021 noch weitere Trennungen von Mitarbeitern bedingt durch die Coronakrise geben?
Hannig: Was die Geschäftssituation von ebm-papst anbetrifft, so holen wir aktuell beim Umsatz nach 30 Prozent im April 2020 wieder auf und haben eine gute Auslastung. Wir hatten das Instrument der Kurzarbeit ab April 2020 angewendet. Bereits im Juli konnten wir dieses wieder komplett aussetzen. Wir fahren weiterhin auf Sicht und bewerten die Lage kontinuierlich neu. Sofern die Lieferketten weiterhin stabil bleiben, sehen wir optimistisch in die Zukunft und können Trennungen ausschließen.

„Grundsätzlich ist Vertrauen bei ebm-papst groß geschrieben“

GSCHWÄTZ: Ist es korrekt, dass Führungspersonen bei ebm-Papst ein Mitarbeiter-Ranking erstellen mussten und wurde dieses Ranking herangezogen bei der Bewertung, wer einen Auflösungsvertrag bekommt?
Hannig: Es ist ein allgemein gängiges Verfahren, dass  Führungskräfte regelmäßig die Leistung ihrer Mitarbeiter bewerten und ihnen Feedback geben.
Grundsätzlich ist Vertrauen bei ebm-papst groß geschrieben. Bereits seit dem Jahre 2014 arbeiten wir im Angestelltenbereich mit einem flexiblen Arbeitszeitsystem ohne Kernarbeitszeit. Hierdurch haben wir unsere Arbeitskultur von einer anwesenheitsgeprägten zu einer ergebnisorientierten Kultur umgestellt und stärken damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich. In einer nun zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat geschlossenen Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten, verbessern wir die Vereinbarung der Arbeitstätigkeit und der persönlichen Lebensführung weiter und ermöglichen eine flexible Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort im betrieblichen und im privaten Interesse. Als innovativer und fortschrittlicher Arbeitgeber räumen wir unseren Mitarbeitern zukünftig die Möglichkeit ein, bis zu 80 Prozent ihrer Arbeitszeit an einem Ort außerhalb des Unternehmens zu leisten.

Umsatzminus teilweise bei 30 Prozent

GSCHWÄTZ:  Inwieweit hat ebm-Papst, um die finanzielle Handlungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen, 2020 Kurzarbeit eingeführt? Wenn ja, in welchem Umfang und wie viele Mitarbeiter sind davon betroffen?
Hannig: Wir haben im April bis Juni 2020 Kurzarbeit bei ebm-papst in Mulfingen durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt lagen wir bei einem Umsatzminus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Betroffen waren am Standort rund 1.200 Mitarbeiter des Angestelltenbereichs am Standort in unterschiedlichem Ausmaß.

GSCHWÄTZ:  Wie viel Umsatzrückgang hat ebm-Papst auf das Gesamtjahr 2020 zu verzeichnen? Inwieweit lag dieser Umsatzrückgang in der Coronakrise begründet? Laut internen Papieren rechnet das Unternehmen mit ein bis zwei Jahren, bis wir das Umsatzniveau von 2019/20 wieder erreicht wird.
Hannig: Was die Geschäftssituation von ebm-papst anbetrifft, so holen wir aktuell beim Umsatz nach  Minus 30 Prozent im April 2020 wieder auf und haben eine gute Auslastung. Wir rechnen zum Jahresabschluss am 31. März 2021 mit einem einstelligen Umsatzminus.

Die Fragen stellte Dr. Sandra Hartmann

 




„Jeder wird stolz sein, ein Shirt der vergangenen Laufevents zu tragen und zu versuchen, seine persönliche Bestzeit zu halten“

der ebm-papst-Marathon gibt es in diesem Jahr trotz Corona – allerdings etwas anders üblich. Anstelle des realen ebm-papst Marathons findet erstmals in Hohenlohe eine virtuelle ebm-papst Laufveranstaltung statt. Das geht aus einer Pressemitteilung von ebm-papst hervor.

Digitale Lösung

Vor einigen Wochen musste der Ventilatorenhersteller ebm-papst die traurige Nachricht übermitteln, dass der ebm-papst Marathon 2020 aufgrund von Covid-19 in diesem Jahr nicht stattfinden kann. Doch das gilt nur für den „realen“ Marathon in Niedernhall. Virtuell ist dagegen so einiges möglich.

Viele Rückmeldungen des Bedauerns erreichten ebm-papst nach der Absage des ebm-papst Jubiläumsmarathons. Zum bereits 25. Mal sollte die beliebte Familienveranstaltung am letzten Sommerferien-Wochenende im September stattfinden. Kurzerhand suchte das Organisationsteam des Technologieführers nach einer Alternative und fand eine digitale Lösung.

Erstmals in Hohenlohe

Vom 11. bis 13. September 2020 startet erstmals in Hohenlohe eine virtuelle ebm-papst Laufveranstaltung. Um teilzunehmen genügt eine Anmeldung auf der Internetseite des ebm-papst Marathons unter www.ebmpapst-marathon.de und die passende App auf dem Smartphone. Am Marathonwochenende kann dann jeder einfach und zu jeder Uhrzeit auf seiner eigenen Wunschstrecke starten. Angebotene Disziplinen sind Nordic Walking, Zehn-Kilometer-Lauf, Halbmarathon und Marathon. „Die App ist natürlich keine echte Alternative für das Lauffeeling beim realen ebm-papst Marathon “, sagt Joachim Süssmuth vom TSV Niedernhall. „ Aber diese virtuelle Möglichkeit wird die Sportler am Laufwochenende im Kochertal und an anderen Orten sichtbar machen. Ich denke, jeder wird stolz sein, ein Shirt der vergangenen Laufevents zu tragen und zu versuchen, seine persönliche Bestzeit zu halten.“

Unser Patenkind Noah hat sich schon so auf seinen ersten Start beim Zehn-Kilometer-Lauf gefreut“

Auch Familie Hasenauer aus Niedernhall wäre gerne beim Event dabei gewesen. „Unser Patenkind Noah hat sich schon so auf seinen ersten Start beim 10km-Lauf gefreut“, erzählt Anja Hasenauer. „Aber wir sind natürlich alle drei beim virtuellen Lauf dabei und freuen uns schon auf den ebm-papst Marathon im nächsten Jahr.“

Kostenlose App

Mit der kostenlosen „mika:timing“ App ist es den Teilnehmern möglich, ihre Zeit zu stoppen und virtuell am Event teil zunehmen. Dazu wird die Veranstaltung „ebm-papst Marathon“ in der App ausgewählt, im Bereich „Mein Rennen“ das Tracking gestartet und schon kann der persönliche Lauf beginnen. Familie und Freunde können die Läufer per Smartphone verfolgen. Und wie immer gilt dies auch auf den Social Media Kanälen von ebm-papst und der Facebook-Seite des Marathons. Hier können die Teilnehmer Bilder Videos und Kommentare von Ihrem persönlichen Laufereignis mit der Gemeinschaft teilen.

Es gibt auch etwas zu gewinnen

Unter allen Teilnehmern verlost der Motoren- und Ventilatorenhersteller 25 Freistarts für den 25. ebm-papst Marathon 2021 in Niedernhall. Dann hoffentlich wieder real und mit vielen Läufern und Besuchern.

Patenkind Noah ist auch dabei. Foto: ebm-papst

Familie Hasenauer wird auch in diesem Jahr mitmachen. Foto: ebm-papst




Wer bekommt das XXL-Grundstück mitten im Herzen Künzelsau?

Im Besprechungsraum von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann ziert ein Poster die Wand. Es zeigt den Plan zur Neugestaltung des großen Areals zwischen dem Rathaus und der Bergbahn. Das neue Landratsamt nimmt darin eine große Fläche ein. Von oben sieht es aus wie ein mehrfach zerteiltes Steak. Daneben sieht man das Kaufland, das so gar nicht an das Kaufland erinnern will, das es da facto bereits an dieser Stelle gibt. Mit seiner ovalen Form erinnert es vielmehr an ein kleines Fußballstadion. Besser, größer, neuer soll das Kaufland werden. Nur an der Umsetzung scheiden sich die Geister. Es geht um Millionen und um die Frage: Wie soll Künzelsau künftig ausschauen?

Der Investor wollte das Kaufland größer, moderner, neuer aufziehen.

Nur einen Steinschlag von diesem Kaufland entfernt hat Rainer Grill sein Büro. Er ist Pressesprecher von Ziehl-Abegg (ZA) und er hatte große Pläne mit dem Kaufland in Künzelsau. Genauso wie Dr. Herbert Küblböck aus Regensburg. Der Investor wollte das Kaufland größer, moderner, neuer aufziehen. Allerdings nicht an dem Standort an der Bergbahn, sondern in der Würzburger Straße neben dem Elektronikgeschäft HEM. Auf der über 13.000 Quadratmeter großen Fläche steht derzeit noch eine alte Produktionshalle von Ziehl-Abegg. Daran hängt schon seit Längerem das Schild: „Zu verkaufen“. Laut Bodenrichtwert ist das Grundstück mehrere Millionen Euro wert.

Vor einigen Jahren schon hat ZA in der Küblböck Unternehmensgruppe aus Regensburg einen Investor gefunden, der das Grundstück kaufen möchte. Ein großes, modernes Kaufland soll darauf entstehen. Architektonische Pläne gibt es. Gespräche mit der Stadt und dem Gestaltungsberater wurden geführt. Martin Gehring von Küblböck kritisiert: „Seit unserem einem ersten Gespräch 2015 ist uns über mehrere Jahre das Wohlwollen der Stadt in Persona des Bürgermeisters Neumann zugesichert“ worden. Es sei offen kommuniziert worden, „dass wir Einzelhandel auf dem Areal der Firma ZA in der Würzburger Straße/Kocherwiesen ansiedeln wollen. Erst – für uns völlig überraschend – im April 2018 wurde seitens Herrn Neumann verlautbart, dass unser Projekt nun von der Stadt abgelehnt würde. Wochen vorher waren unsere ausgereiften Architektenplanungen für den Umzug von Kaufland an die Würzburger Straße und die Nachnutzung der bisherigen Kaufland-Immobilie noch im Gestaltungsbeirat positiv beurteilt worden. Im Schreiben des Bürgermeisters Neumann zur Ablehnung steht nur ein einziger wortkarger Satz, der die Entscheidung begründet: das Kaufland gehöre in die Innenstadt.“
Fragt man Bürgermeister Stefan Neumann, betont dieser, dass er ebenso wie ZA ein Interesse daran habe, dass dieses Grundstück in der Würzburger Straße nicht ewig brach liege, sondern dass hierauf wieder etwas Neues entstehe.

Stefan Neumann möchte das Kaufland in der Innenstadt halten und nicht in die Würzburger Straße verlieren.
Foto: GSCHWÄTZ

„Unser Ziel ist es nach wie vor, die Innenstadt zu stärken und nicht zu schwächen. Wenn man das nicht macht, stirbt die Innenstadt.“

Er verweist aber auch darauf, dass das ZA-Grundstück in der Würzburger Straße ein eingeschränktes Gewerbegebiet sei. Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau präzisiert: „Sortimente von innenstadtrelevanter Bedeutung wie Nahrungs-und Genussmittel, Lebensmittel, Drogeriewaren, Kosmetika, Pharmazeutika, Oberbekleidung, Kurzwaren und Handarbeiten, Schuhe, Haushalt, Papier-und Schreibwaren, Bücher sind hier nicht zugelassen… Alles Sortimente die Kaufland anbietet.“

Aber was ist mit Lidl und Edeka, die sich ebenfalls in der Würzburger Straße angesiedelt haben? Elke Sturm erklärt: „Die von Ihnen angesprochenen Lebensmittelanbieter sind in einem Sondergebiet klassifiziert und jeweils mit der entsprechenden Verkaufsfläche und den Sortimenten begrenzt.“ Neumann betont darüber hinaus, wie wichtig das Kaufland für die Innenstadt Künzelsaus sei, immerhin grenze das rund 4.000 Quadratmeter große Grundstück direkt an ein größeres Wohngebiet und auch Taläcker mit seinen rund 3.000 Einwohnern sei nur eine Bergbahnfahrt entfernt: „Unser Ziel ist es nach wie vor, die Innenstadt zu stärken und nicht zu schwächen. Das haben wir von Anfang an so kommuniziert. Wenn man das nicht macht, stirbt die Innenstadt.“

Was darf überhaupt auf diesem Grundstück gebaut werden beziehungsweise, was könnte sich die Stadt vorstellen?

Rainer Grill von ZA betont, dass das jetzige Kaufland keine Bauruine geworden wäre, sondern es seien Pläne vorhanden gewesen, wonach ein kleiner Lebensmittelmarkt sowie ein oder zwei Fachgeschäfte darin hätten Platz finden sollen. Die Rede war von einem Schuhfilialisten sowie einem Sportartikelladen. Der Stadt Künzelsau war diese Planung zu unkonkret.

Der Investor ist mittlerweile vom Kaufvertrag zurückgetreten. Nun steht die große Frage im Raum: Was darf überhaupt auf diesem Grundstück gebaut werden beziehungsweise, was könnte sich die Stadt vorstellen? Die Stadt hat nun beschlossen, daraus ein so genanntes „urbanes Gebiet“ zu machen (Umwidmung). Dadurch bestünden mehr Möglichkeiten, das Gebiet zu bebauen. Dies sei auch ein positives Signal gegenüber dem Investor beziehungsweise anderer Investoren. „Produzierendes Gewerbe, Handwerksbetriebe, insofern sie nicht störend sind, ein Küchenstudio, Büros und auch Wohnungen sollen fortan möglich sein“, so Neumann. Martin Gehring von der Küblböck Unternehmensgruppe argumentiert: „Es gibt seitens der Stadt keine konkreten Nutzungsvorschläge. Etwas wolkig ist seitens des Bürgermeisters in einem mündlichen Gespräch eine nicht-handelsbezogene Gewerbenutzung ins Spiel gebracht worden – ohne konkrete, nachhaltige Interessenten benennen zu können. Für eine weitere Gewerbenutzung eignet sich das Grundstück wegen der hohen Abbruchkosten der bisherigen Gebäude – im Vergleich zum Kaufpreis für ein gewöhnliches Gewerbegrundstück in der Region – aber nicht. Ein solcher Verkauf wäre ein Draufzahlgeschäft für den bisherigen Eigentümer“, ist sich der Investor sicher. „Bezüglich der Altlasten- und Abbruchkosten hat unser Haus bereits 2017 fundierte Gutachten machen lassen, welche dies belegen. Wegen der umliegenden Handels- und Gewerbebebauung und der Lage an der viel befahrenen Bahnhofstraße mit den Schallproblematiken kommt auch eine wohnwirtschaftliche Nutzung nicht in Frage.“
Wenn sich die Stadt bezüglich dem Kaufland umentscheide, habe der Investor jedoch nach wie vor Interesse: „Ein Vertragsabschluss wäre auch kurzfristig möglich.“ Auch die Stadt könne sich vorstellen, die Fläche zu kaufen. Das habe man auch ZA schon signalisiert, so Neumann.

Rainer Grill von Ziehl-Abegg.
Foto: GSCHWÄTZ

 Was macht Ziehl-Abegg?

Die Firma Ziehl-Abegg (ZA) sitzt nicht nur in Künzelsau, sondern auch in Computern, Kühlgeräten und klimatisierten Gebäuden. Denn in diesen Geräten befinden sich kleine Ventilatoren. Der Ventilatoren-Hersteller ZA setzt bei der Entwicklung seiner Ventilatoren dabei sehr stark auf Bionek, betont Pressesprecher Rainer Grill gegenüber GSCHWÄTZ: „Wir setzen Dinge, die in der Natur gut funktionieren, im technischen Bereich um.“ So seien in den 1960er Jahren die gebogenen Schwingen in den Ventilatoren erfunden worden, damit sie ruhiger laufen. Man habe sich dabei an Vogelschwingen orientiert. Die Zacken in den Schwingen kamen 2006/2007 hinzu, diese habe man der Eule abgeschaut. Eine Bienenwabenstruktur sorge für Materialeinsparung. ZA fertigt vieles selbst in Deutschland, sagt Rainer Grill. Eine eigene Gießerei gehöre zu ZA. Vergangenes Jahr sei der Kunststoffspritzguss hinzugekommen. Es sei „nicht teurer, intern zu fertigen“. Im Gegenteil: Es sei „ zeitsparend“. Man sei dadurch „flexibler“. Und: „So können wir auch die Qualität optimal prüfen.“

2018 hat ZA laut Rainer Grill 50 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt (200 weltweit). Der Umsatz des Unternehmens beläuft sich laut eigenen Angaben auf 540 Millionen Euro* (2017). ZA hat nach eigenen Aussagen 3.900* Mitarbeiter weltweit, davon 2.200* in Deutschland/Hohenlohe. Das Unternehmen exportiert laut eigenen Aussagen dreiviertel ihrer produzierten Teile ins Ausland.
Gründer der Firma ist Emil Ziehl. Er hat 1910 mit Eduard Abegg in Berlin begonnen, Elektromotoren zu bauen. Abegg verließ die Firma laut Rainer Grill bereits nach einem Jahr wieder. Ziehl stirbt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Da die Firma in Ostberlin stand, siedelten seine Söhne Günther und Heinz nach dem Krieg nach Künzelsau um, weil Kontakte zur dortigen Firma R. Stahl bestanden. 1963 gehen die Brüder getrennte Wege. Laut der Internetseite von ebm-papst, gründeten Heinz Ziehl und Gerhard Sturm Elektrobau Mulfingen (Ebm). Durch eine Fusion entsteht 2003 ebm-papst.

* Zahlen 2017