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„Man hat das Gefühl, dass die da drin eine Leiche verscharrt haben“

„Da herrschen Zustände, die kann man gar nicht glauben.“ So äußerte sich unlängst eine Mutter von Eberstal über ihren Kindergarten vor Ort. Seit Corona und mit einem Wechsel im Erzieherinnenteam erkennen manche Mamis ihren Kindergarten nicht mehr wieder. Seitdem habe sich vieles verändert. Sie berichten von einem strikten Betretungsverbot, verbalen Attacken und Verletzungen der Aufsichts- und Fürsorgepflicht. Die Vorwürfe wiegen schwer. Die Stadtverwaltung Ingelfingen als Träger des Kindergartens schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Leiche verscharrt

Am Eingangsbereich des Kindergartens in Eberstal erwartet die Besucher:innen und Eltern ein auf dem Boden aufgeklebtes rotes  Tape. Diese rote Linie dürfen sie nicht übertreten. Julia Miksche war seit gefühlt einem Jahr nicht mehr im Inneren des Gebäudes. Immer wieder habe sie nachgefragt, ob sie denn wenigstens mal kurz rein dürfe, um Selbstgemaltes und Gebasteltes von ihrer Tochter sehen zu dürfen. Bewilligt bekam sie ihren Wunsch bislang nicht. „Man hat das Gefühl, dass die da drin eine Leiche verscharrt haben“, sagt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Papatage, Großelterntage, Feste und Feierlichkeiten im Kindergartengebäude? Fehlanzeige. Als „totale Abschottung“ bezeichnet Miksche dieses Verhalten und steht mit ihrer Meinung nicht alleine da. Die beiden Erzieherinngen begründeten gegenüber den Eltern diese „Abschottung“ wohl zunächst mit Corona, dann damit, dass mit „Abgabe“ der Kinder direkt am Eingang ein besserer Ablauf für die Kinder möglich wäre. Warum es darüber hinaus keine Zusammenkünfte mehr im Inneren des Gebäudes gibt, ist damit aber nicht wirklich erklärbar. Die Stadtverwaltung in Ingelfingen als Träger des Kindergartens hat sich bislang auf unsere beiden Presseanfragen diesbezüglich noch nicht zu den Sachverhalten geäussert.

Mutter schaltet Anwalt ein

Als sich eine Mutter beschwert habe über das „Betretungsverbot“ (der Kindergarten selbst spricht von „einer neuen Ankommenskulur“, ein Schritt bis zur roten Linie dürfen die Eltern denn auch in den Kindergarten hineinmachen, mehr aber auch nicht), sei sie vorgeladen worden zu einem Gespräch. Sie saß am Ende einer Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Ingelfingen gegenüber, den beiden Erzieherinnen und dem dreiköpfigen Team des Elternbeirats. Dieser Mutter sei vermittelt worden, dass einzig sie Probleme damit habe, ansonsten niemand. Es kam dabei wohl zu einer Gewaltandrohung gegenüber dieser Mutter seitens des Elternbeirats. Mittlerweile haben sich die Fronten so verhärtet, dass wohl ein Anwalt seitens einer Mutter eingeschaltet wurde.

„Egal mit welchem Anliegen man komm, man wird einfach nur abgeschmettert“

Julia Miksche hat nach der Drohung gegenüber dieser besagten Mutter bei der Stadt angerufen und gesagt, dass sie so einen Elternbeirat nicht akzeptieren werde. Eine Reaktion darauf sei bislang ausgeblieben. Der Kindergarten mache gerade so weiter wie bisher. Ohnmacht mache sich daher bei manchen Eltern breit. Denn „Egal mit welchem Anliegen man kommt, man wird einfach nur abgeschmettert.“ Als sie die Erzieher:innen darauf hingewiesen hat, dass eines ihrer Kinder noch häufig in die Hose mache, dass diese aber eine medizinische  Ursache habe, sei ihr Kind trotzdem häufig nach dem Kindergarten „völlig verkackt“ aus dem Kindergarten gekommen. Sie habe nicht wirklich das Gefühl, dass hier adäquat nach derartigen Dingen geschaut werde. Sie hofft nun, mit einem Schreiben vom Kinderarzt die Erzieher:innen ermutigen zu können, danach aktiver zu schauen.

„Ach ja, sie ist beim Turnen gestürzt“

Als ihr Tochter tagelang über Schmerzen im Bein geklagt, sie sich aber den Grund dafür nicht erklären konnte, habe sie mal im Kindergarten nachgefragt und als Antwort nur gesagt bekommen: „Ach ja, sie ist beim Turnen gestürzt.“

Wer Dinge hier kritisch anspreche, werde ausgegrenzt. Dieses Gefühl hat eine andere Mama, die aber nicht beim Namen genannt werden möchte aus Angst vor den Konsequenzen, auch für ihre Kinder. Seit Corona habe sich hier viel verändert, sagt diese Mutter gegenüber GSCHWÄTZ. Zu dieser Zeit fing das Betretungsverbot im Kindergarten an. „Nur noch vollständig Geimpfte durften hinein.“ Dadurch hätten rund die Hälfte der Mamas nicht mehr hineingehen dürfen. Das war rechtlich aber nicht haltbar.“ Etliche Mütter hätten sich damals beschwert. „Dann durfte ab diesem Zeitpunkt einfach gar keiner mehr rein und das darf man bis heute nicht“, so die Mutter. Während Julia Miksche Bequemlichkeit der Erzieherinnen hinter dem gesamten Verhalten vermutet, sieht diese Mutter das Ganze als „Machtspiel“ an. Es sei auch nie das Wort „Betretungsverbot“ gefallen, sondern die Erzieherinnen haben von einer „neuen Ankommensstruktur“ gesprochen. Bei einer Unterschriftenaktion haben fünf von rund 18 Müttern gegen diese „neue Ankommensstruktur votiert, also über 25 Prozent, geändert hat sich dadurch nichts, lediglich die Eingewöhungsphasen der neuen Kindergartenkinder. Früher durften die Mamas die Kinder eine Woche lang in den für sie neuen Kindergarten begleiten, mittlerweile nur noch 1,5 Tage. Das sei auch nicht für jedes Kind einfach.

„Von Empathie weit entfernt“

„Es gibt null Einblick in den Kindergarten, es gibt null Verbindung. Man komme sich vor „wie ein Schwerverbrecher“. Manchen unzufriedenen Mamis sei von der Verwaltungsseite geraten worden, doch einfach den Kindergarten zu wechseln. Doch das ist in Zeiten knapper Kitaplätze nicht wirklich einfach.

Besonders bitter: Am Ende sind die Kinder die Leidtragenden. Auch die Mutter, die nicht mit Namen genannt werden möchte, berichtet von Vorfällen im Kindergarten, bei denen sie von ihrem Kind gesagt bekommen habe, dass die Erzieherinnen nicht eingreifen oder die Kinder adäquat unterstützen würden. Weinende Kinder würden teilweise nicht einmal getröstet werden, nur dann, wenn sie aktiv zu den Erzieherinnen hinlaufen und um Trost bitten würden. „Von Empathie sind wir in diesem Kindergarten leider weit entfernt“, schlussfolgert die Mama, die anonym bleiben möchte.

 

 

 

 




Doch noch eine Gemeinderatssitzung vor der Wahl in Ingelfingen

GSCHWÄTZ berichtete darüber, dass die letzte planmäßige Gemeinderatssitzung vor der Bürgermeisterwahl am 08. Mai 2020 ohne nähere Begründung abgesagt wurde. Gemeinderäte waren darüber überrascht, gibt es doch Themen, die ihnen dringlich erschienen. Sie warfen Bauer Wahlkampftaktik vor.

Ungewöhnlicher Termin: Samstag, 07.Mai 2022, 13:00

Nun findet doch noch eine Sitzung statt: am Samstag, 07. Mai 2022, um 13:00 wird der Gemeinderat in der Stadthalle zusammenkommen. Aus dem Gemeinderat fand sich das notwendige Quorum von mindestens einem Viertel der Ratsmitglieder, um eine Sitzung zu beantragen.

Baugebiet in Eberstal auf der Tagesordnung

Insbesondere für die Bürger von Eberstal dürfte diese Sitzung von hohem Interesse sein: Neben einem Buswartehäuschen an der Krone steht ein Baugebiet für Eberstal auf der Tagesordnung – ein Thema, das seit vielen Jahren immer wieder heiß diskutiert wird. Jetzt gibt es dazu eine Entscheidung des Bauausschusses, über die der Gemeinderat diskutieren und  abstimmen wird.

Samstags-Termin wäre wohl nicht nötig gewesen

Laut GSCHWÄTZ-Informationen war beantragt, die Sitzung bereits am Mittwoch, 04.Mai 2022, stattfinden zu lassen. Bürgermeister Bauer bzw. die Stadt Ingelfingen soll erst noch einen Rechtsrat eingeholt haben, obwohl die Formulierung „unverzüglich“, das bedeutet: ohne schuldhaftes Zögern, in der Gemeindeordnung doch eigentlich unmißverständlich ist. Das dürfte wohl auch die Ansicht des befragten Anwalts gewesen sein.

Text: Matthias Lauterer

 




Senioren schreiben Wutbrief an die Stadt & Gemeinderäte

In der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag, den 15. Februar 2022, wird ein Brief verlesen, der auch den müdesten Krieger an diesem Abend aufhorchen lässt. Die Senioren meldeten sich zu Wort, genauer gesagt, die Initiative Rentner Eberstal. Der Grund: Reihenweise Bäume wurden am Grillplatz in Eberstal gefällt. Für sie nicht nachvollziehbar.

Anbei veröffentlichen wir den Inhalt des Schreibens:

„Zur aktuell laufenden Durchforstungsaktion am Grillplatz in Eberstal möchten wir uns, die „Initiative Rentner Eberstal“. mit diesem Schreiben zu Wort melden.

Der Grillplatz, der in den vergangenen Jahren, von uns liebevoll gepflegt (Bäume und Sträucher schneiden), instand- (Bänke repariert und gewartet), sauber und sicher gehalten wurde. ist nun in einem Zustand, der uns und auch viele weitere Bürger in und um Eberstal schockiert hat.

Laut Aussage des zuständigen Revierförsters wurde im Rahmen des Forstwirtschaftsplans der Wald um den Grillplatz durchforstet.

Uns stellt sich die Frage, ob die Durchforstung in diesem Maße wirklich notwendig gewesen war.

Wir möchten darauf hinweisen, dass der Wald als Biotop ausgewiesen ist.

Das Ergebnis sieht erschreckend aus. Durch die fehlenden Baume und Sträucher fehlt nun der Sicht- und Windschutz. Auch der natürliche Sonnenschutz ist nicht mehr gegeben.

Für uns Eberstaler, war dieser Ort immer ein besonderer, den wir gerne genutzt haben um gemütliche Stunden zu verbringen und auch Feste dort zu feiern,

Für all die Arbeiten, die wir ehrenamtlich und in Abstimmung mit dem Bauhofleiter erbracht haben, fühlen wir keine Wertschätzung. Darüber sind wir sehr enttäuscht und es stellt sich für uns persönlich die Frage, ob unser Einsatz unnütz war.

Gerne hätten auch wir, die Mitglieder der Initiative Rentner, die anfallenden Forstarbeiten, speziell am Grillplatz, durchführen können. Viele von uns verfügen über Erkenntnisse und die benötigen Arbeitsmittel.

Uns ist natürlich klar, dass diese Aktion nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Wir hoffen aber auf Ihr Verständnis. dass wir den Grillplatz wieder gerne in einem für uns zufriedenstellen Zustand haben möchten, an dem wir uns in einigen Jahren, wieder erfreuen können.

Deshalb würden wir es sehr begrüßen. wenn der Grillplatz entlang der Straße wieder mit neuen Bäumen bepflanzt wird.

Zur Wiese hin, hoffen wir, dass der natürliche Jungwuchs den Sichtschutz und Lichteinfall bald wieder etwas vermindert.

Sicherlich wäre ein Gespräch hierzu in beidseitigem Interesse zielführend.

Die Initiative Rentner Eberstal

In der Gemeinderatssitzung hat Bürgermeister Michael Bauer darauf hingewiesen, dass das Thema nochmal in der nächsten Sitzung, wenn auch der Förster anwesend ist, angesprochen werden soll. Außerdem habe Bauer bereits Kontakt mit den Rentnern aufgenommen, um eine Lösung zu finden.

 




Mähen, zimmern, renovieren

Im Winter 2019 haben sich in Eberstal fünf Rentnerehepaare zusammengeschlossen. Sie wollten etwas zur Dorfgemeinschaft beitragen. Auch das Gesellige sollte nicht zu kurz kommen. Das Motto der Gruppe ist „gemeinnützig – gesellig – sozial“.

Seitdem hat sich einiges getan. Mit viel Erfahrung und Potenzial betätigen sich die Rentner mittlerweile gemeinnützig. So wurde der dörfliche Grillplatz aufwändig gerichtet. Die Fassade der Gemeindescheune renoviert und teilweise verkleidet. Das Material dazu wurde von der Gemeinde gestellt. Flurbänke wurden neu gezimmert und teilweise renoviert. Auch Mäharbeiten rund um die Kirche und vieles weitere wird erledigt. Nach getaner Arbeit gibt’s zur Belohnung ein zünftiges Vesper.

Jeden Monat treffen sich die Eberstaler Rentner zu unterschiedlichen geselligen Anlässen wie zum Beispiel zu Vorträgen, Grillabenden oder zu Kaffeenachmittagen im Gemeindesaal im Pfarrhaus. Aufgrund der Corona-Pandemie sind diese geselligen Treffen momentan noch ausgesetzt. Die Gruppe freut sich aber schon darauf, dass es endlich wieder weitergeht.

Zukünftig wollen sich die Rentner im Alter gegenseitig untersützen. Angedacht ist auch eine Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden, um so das Leben im Alter im Dorf möglich zu machen und zu bereichern.

Die Eberstaler Senioren treffen sich zu allerlei geselligen Anlässen. Foto: privat

 

Bei den geselligen Treffen wird auch zusammen gesungen. Foto: privat

Die Eberstaler Rentner möchten einen Beitrag zur Dorfgemeinschaft leisten. Foto: privat

Die Gemeindescheune bekam von den Rentnern ein neues Kleid verpasst. Foto: privat