Der gelbe Sack bleibt … vorerst
Seit einem Jahr ist im Hohenlohekreis der gelbe Sack zur Sammlung von Leichtverpackungen eingeführt und inzwischen scheinen die Anfangsschwierigkeiten gemeistert zu sein. So sieht es jedenfalls die Abfallwirtschaft Hohenlohe. Alle 14 Tage wird der gelbe Sack direkt bei den Haushalten abgeholt, für die Verbraucher entstehen keine Kosten, da die Abholung, Wiederverwertung oder Entsorgung bereits mit dem Kaufpreis der Waren vom Endverbraucher bezahlt wird.
Umbruch auf dem Verpackungsmarkt
Der Markt für Verpackungen aller Art befindet sich in einem Umbruch, sowohl auf Herstellerseite als auch auf Entsorgerseite. In der Mitte stehen die großen Handelsunternehmen, die sich inzwischen auch intensiv an dem Geschäft mit Verpackungen und Verpackungsmüll beteiligen. So hat die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, den Entsorgungsdienstleister PreZero erworben und bietet inzwischen in den Märkten und den Internetshops Produkte aus recycelten Kunststoffen an. Eine GSCHWÄTZ-Anfrage zur Strategie, die die Schwarz-Gruppe mit dem Erwerb von PreZero verfolgt und wie diese Strategie den Markt beeinflussen könnte, blieb unbeantwortet.
Recyclingquote noch immer unbefriedigend
In den nächsten Jahren ist daher mit größeren Veränderungen auf dem Markt zu rechnen: Man rechnet mit einer Vereinheitlichung der Verpackungsmaterialien, dadurch mit einer höheren Recyclingqoute, höherer Qualität der recycelten Kunststoffe und damit auch höheren Erlösen der Dienstleister. Getrieben werden diese Erwartungen auch durch neue gesetzliche Vorschriften, die in den nächsten Jahren in Kraft treten werden.
Man rechnet mit einer Vereinheitlichung der Verpackungsmaterialien in den nächsten Jahren
Der Anteil recycelter Rohstoffe an der Gesamtrohstoffnutzung lag in Deutschland 2019 bei 12,3 Prozent – und damit nur knapp über dem Wert von 2010, der bei 11 Prozent lag. Das liegt nicht unbedingt an den Bürgern, die ihre Abfälle inzwischen größtenteils gut trennen. Die Verpackungsindustrie und das Produktdesign sind, beispielsweise durch Verbundverpackungen und immer spezielleren Materialien, zu einem guten Teil selbst dafür verantwortlich.
Bei den Kunststoffverpackungen aus dem gelben Sack liegt – so behaupten es jedenfalls die dualen Systeme – über 60 Prozent stofflich verwertet und dem Kreislauf zugeführt, bei Weißblech und Aluminium sogar über 80 Prozent. Andere Quellen nennen niedrigere Werte.
2022 Neuausschreibung der Verträge für die Jahre 2023 bis 2025
Im Jahr 2022 müssen die Dualen Systeme, von denen es in Deutschland elf konkurrierende gibt, die Verträge für eine Laufzeit von drei Jahren neu ausschreiben. Die Abfallwirtschaft Hohenlohe hat die Alternativen zum gelben Sack geprüft und schlägt dem Kreistag am 13. Dezember 2021 vor, den gelben Sack in seiner bisherigen Form beizubehalten, wie es auch die Dualen Systeme vorgeschlagen haben. Ein Systemwechsel würde derzeit zu große Unsicherheiten mit sich bringen.
AfD fordert gelbe Tonne
Ein Antrag der AfD fordert dagegen die Einführung einer gelben Tonne, da die Säcke selbst auch entsorgt werden müßten und außerdem leicht reißen würden und der Müll in der Umgebung verteilt würde. Außerdem seien die gelben Tonnen in einigen Landkreisen bereits eingeführt.
Genannt wurde Ravensburg – dort ist sie allerdings bisher nur verteilt, die Abholung beginnt ab Januar 2022, Erfahrungen können also noch nicht vorliegen.
Abfallwirtschaft: Gelbe Tonne bringt im Hohenlohekreis derzeit nur Nachteile
Silvia Fritsch von der Abfallwirtschaft Hohenlohe erläutert, dass der „Grüne Punkt“ – genauer: Die Firma Duales System Deutschland, die die Entsorgung der Leichtverpackungen im Hohenlohekreis übernommen hat – die Einführung einer gelben Tonne ausschließt. Konkurrierende Duale Systeme böten eine Gelbe Tonne an, rechtlich können der Kreis das vorgeben, das „erfordert aber Zuzahlungen aus dem Gebührenhaushalt beziehungsweise aus dem Kreishaushalt“. Ebenso müßten Gewerbe- und Industriebetriebe weiterhin den gelben Sack verwenden, und die Abfuhr könnte dann auch nicht mehr 14-tägig erfolgen.
Ein anderer Gesichtspunkt ist, dass viele Haushalte bereits heute nicht wissen, wo sie ihre ganzen Mülltonnen aufstellen sollen und dass eine gelbe Tonne natürlich nur eine beschränkte Kapazität hat.
Klare Mehrheit
Der Kreistag entschied sich mit 37 Ja- Stimmen bei 2 Gegenstimmen für den Vorschlag der Abfallwirtschaft Hohenlohe, der gelbe Sack bleibt den Bürgern also die nächsten Jahre erhalten, bis es möglicherweise zu einem anderen Sammelsystem kommen wird.
Text: Matthias Lauterer
Weitere Informationen zum Sammelsystem im Hohenlohekreis: Abfallwirtschaft Hohenlohekreis