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Der Künzelsauer DRK Kleiderladen

Für bedürftige Menschen ist der Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Comburgstraße in Künzelsau eine Anlaufstelle, gute und günstige Kleidung zu bekommen. Nur: Wieviel kostet sie und wer hat Anspruch darauf?

Nadja Fischer hat sich mit Ulrich Hald, dem Leiter der sozialen Dienste des Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Hohenlohe e.V. und Bernd Thierer, dem Geschäftsführer des DRK Kreisverbandes Hohenlohe, im Kleiderladen getroffen.

GSCHWÄTZ: Wie funktioniert ihr Preiskonzept?

HALD: Es ist unser Ziel, Menschen mit geringem Einkommen gute gebrauchte Markenbekleidung anzubieten. Die Einkommensverhältnisse unserer Zielgruppe spiegeln sich daher in der Preisgestaltung wieder. Selbstverständlich für unsere Kleiderläden ist, Bekleidung an zahlungsunfähige Personen, wie zum Beispiel Bewohnerinnen des Frauenhauses in Künzelsau, Obdach- oder Wohnungslose gratis anzubieten. Auch entspricht es den Grundsätzen des DRK, Betroffenen von besonderen Schadensereignissen, wie bei einem Hausbrand oder Hochwasser, das Warensortiment nach Bedarf unbürokratisch und auch kostenfrei in größeren Mengen zur Verfügung zu stellen. Unsere Mitarbeiter legen anhand der Qualität und Güte der Ware sowie des vom DRK erstellten Preisspiegels den Verkaufspreis fest. Zum Beispiel Kinderkleidung für 20 Cent bis fünf Euro oder Hemden und Blusen für drei bis sechs Euro.

Auch Markenware ist im DRK-Kleiderladen immer zu finden.
Foto: GSCHWÄTZ

„Mindestens 20 ehrenamtliche Mitarbeiter pro Kleiderladen“

 

GSCHWÄTZ: Sind die Mitarbeiter im Kleidungsladen Angestellte oder Ehrenamtliche?

HALD: Der wichtigste Faktor für einen erfolgreichen Kleiderladen sind motivierte Mitarbeiter. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter finden im Kleiderladen eine attraktive und abwechslungsreiche Beschäftigung. Sie umfasst zum Beispiel das Sortieren, den Verkauf und das Dekorieren des Ladens. Interessenten für die Mitarbeit im Kleiderladen werden häufig über Mund-zu-Mund-Propaganda sowie über die Dienste und Einrichtungen des DRK-Kreisverbandes erreicht. Ergänzend werden aber auch Aushänge, Flyer und Zeitungsannoncen eingesetzt, um ehrenamtlich Mitarbeitende zu gewinnen. Unter dem Gesichtspunkt der Kontinuität hat es sich bewährt, neben ehrenamtlichem Personal auch hauptamtliche Kräfte als Ladenverantwortliche zu beschäftigen. Wir beschäftigen derzeit in den Kleiderläden Künzelsau, Öhringen und im Integrationszentrum in Gaisbach 27 ehrenamtliche Helferinnen sowie sechs Personen mit geringfügiger Anstellung. Es ist von Vorteil, wenn Mitarbeitende unterschiedlichen Alters, Geschlechts sowie unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen im Kleiderladen zusammenarbeiten. Die unterschiedlichen Perspektiven wirken positiv auf die gesamte Arbeit im Kleiderladen, und es kann ein breiteres Kundenspektrum angesprochen werden. Zur Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs bei ganztägiger Öffnung an allen Werktagen wären mindestens 20 ehrenamtliche Mitarbeiter pro Kleiderladen nötig. Da wir diese Anzahl derzeit leider nicht erreichen, haben unsere Kleiderläden nur begrenzte Öffnungszeiten.

Das Lager im DRK-Laden. Saisonware wird im Lager sortiert und gelagert.
Foto: GSCHWÄTZ

„Derzeit nutzen zirka 270 Personen im Hohenlohekreis den Einkauf mit der DRK-Einkaufskarte.“

 

GSCHWÄTZ: Kann hier jeder einkaufen?

HALD: Unsere Kleiderläden stehen jedem offen. Alle Kunden verdienen eine gleichermaßen freundliche, wertschätzende und respektvolle Behandlung. Konzeptionell sind die Kleiderläden in besonderer Weise für die Bedürfnisse von sozial benachteiligten Menschen ausgerichtet. Die Öffnung für alle führt zu der gewünschten Kundenvielfalt und vereinfacht den Zugang für Menschen in Armut. Da wir mit den Kleiderläden eine attraktive Einkaufmöglichkeit für benachteiligte Menschen schaffen wollen, erhalten diese Personen auf Nachweis entsprechender Unterlagen eine DRK-Einkaufskarte für die Kleiderläden mit 50 Prozent Ermäßigung auf den ausgewiesenen Verkaufspreis. Derzeit nutzen zirka 270 Personen im Hohenlohekreis den Einkauf mit der DRK-Einkaufskarte.

 

GSCHWÄTZ: Sind Sie derzeit auf der Suche nach Kleiderspenden?

Hald: Bringspenden von Privatpersonen decken in der Regel weitestgehend den Bedarf.

Schuhe und Taschen im DRK-Kleiderladen.
Foto: GSCHWÄTZ

Was wird derzeit gesucht?

 

Kleidung und Schuhe für Männer, insbesondere, so das DRK, „für die jungen und sportlichen Flüchtlinge“. Darüber hinaus generell guterhaltene Kleidung, Schuhe, Wäsche, Accessoires sowie Taschen, Rucksäcke und Koffer. Keine Verwendung hat der Kleiderladen für Möbel, Elektrogeräte, Spielsachen und Matratzen.

 

Öffnungszeiten

 

Dienstags, mittwochs, donnerstags, freitags von 9 bis 12 Uhr. Dienstags und donnerstags zusätzlich von 15 bis 18 Uhr. Adresse: Comburgstraße 8; 74653 Künzelsau




Blut spenden mit Finanzspritze von der Sparkasse

Am Montag, den 03. September 2018, kann man von 14 Uhr bis 19.30 Uhr in der Stadthalle Künzelsau zum Blutspenden gehen. Mit jeder Blutspende hat man doppelt gespendet. Denn dieses Jahr erhält das Deutsche Rote Kreuz in Hohenlohe (DRK) für jede Blutspende 125 Cent von der Sparkasse Hohenlohekreis im Rahmen des umfassenden Aktionsprogramms zum 125-jährigen Jubiläum.

Weitere Blutspendetermine:

19. September 2018 in Neuenstein
27. September 2018 in Bretzfeld
05. Oktober 2018 in Schöntal / Westernhausen
12. Oktober 2018 in Pfedelbach
22. Oktober 2018 in Dörzbach
31. Oktober 2018 in Forchtenberg
23. November 2018 in Kupferzell
29. November 2018 in  Künzelsau Sparkasse

Ein Blutspender:
– muss mindestens 18 Jahre alt sein und darf ein Alter von 73 Jahren nicht überschritten haben
– darf bei der ersten Blutspende nicht älter als 64 Jahre sein
– muss ein Mindestgewicht von 50 kg haben
– sollte sich gesund fühlen
– sollte vor der Spende unbedingt ausreichend essen und trinken
– darf nicht krankgeschrieben sein
– darf im Jahr als Mann sechs Spenden leisten, als Frau vier Mal in den letzten 12 Monaten
– bringt ein gültiges amtliches Personaldokument mit Lichtbild mit (Personalausweis Reisepass, Dienstausweis der Polizei oder Bundeswehr, Aufenthaltstitel im Scheckkartenformat mit Lichtbild oder Führerschein im Scheckkartenformat

 

Quelle: mit-herz-und-kompetenz.de

 




DRK: Selbstanzeige beim Finanzamt

Kurz vor Weihnachten war die Welt noch nicht in Ordnung beim Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Hohenlohe (DRK). Drei Wochen später scheint alles wieder paletti zu sein. DRK-Geschäftsführer Bernd Thierer hat GSCHWÄTZ am 11. Januar 2018 eine Mitteilung weitergeleitet, die an die DRK-Mitarbeiter herausging. Diese nimmt Bezug auf die GSCHWÄTZ-Berichterstattung in unserer Januarausgabe. Wir hatten über Kleiderspenden-Gewinne berichtet, die der DRK Kreisverband Hohenlohe im Unterschied zu anderen Verbänden bislang nicht versteuert hat.

In dem Schreiben gibt der DRK nun erstmals öffentlich zu, dass es interne Prüfungen einer Steuerberatungsgesellschaft gab: „Der Kreisverband Hohenlohe e.V. ist als Verein gemeinnützig tätig, jedoch kann trotzdem durch die Wahrnehmung bestimmter Aufgabenfelder eine Steuerpflicht begründet sein. Um diese oft sehr schwierige steuerliche Abgrenzung korrekt zu gewährleisten, ist für den Kreisverband eine auf gemeinnützige Organisationen spezialisierte Steuerberatungsgesellschaft tätig, welche eine interne Prüfung hinsichtlich der steuerlichen Zuordnung der vielfältigen Angebote für die Bevölkerung vorgenommen hat.“

Das Ergebnis: „Der Bereich Kleiderspende wurde im Rahmen der Neubewertung dem steuerpflichtigen Bereich vom Kreisverband zugeordnet“, so Thierer.  Weiter heißt es: „Die durch diese Neubewertung empfohlenen Korrekturen und Maßnahmen für den Kreisverband wurden noch im Jahr 2017 umgesetzt.“ Wie sah diese Umsetzung konkret aus? „Die Anpassung wurde noch im Jahr 2017 an das Finanzamt übermittelt“, so Thierer.

Wie viel Steuern über wie viele Jahren nun letztendlich nachgezahlt werden müssen und ob Strafzahlungen hinzugekommen sind, ist GSCHWÄTZ nicht bekannt. „Wir bitten um Verständnis, dass wir wegen des laufenden Sachverhalts keine weiteren Auskünfte geben“, so die DRK-Geschäftsführung. In der vergangenen Ausgabe haben interne Quellen einen fünfstelligen Betrag genannt, mittlerweile gibt es auch Stimmen, die gegenüber GSCHWÄTZ von einem sechsstelligen nachzuzahlenden Betrag sprechen. Beide Zahlen wurden von der Geschäftsführung bislang nicht bestätigt.

Im Rahmen der Debatte um nicht bezahlte Steuern, hatten wir auch um einen Gesprächstermin mit DRK-Präsident und Landrat Dr. Matthias Neth gebeten. Bislang vergeblich. „Wir bitten um Verständnis, dass Herr Dr. Matthias Neth zu diesem laufenden Sachverhalt keine Auskünfte gibt. Wir verweisen zu dieser Thematik auf die bereits an Sie übersandten Stellungnahmen des DRK Kreisverbands Hohenlohe e.V.“, so die Pressestelle des Landratsamtes auf unsere Anfrage. Thierer verweist auf die Struktur des DRK, der als gemeinnütziger Verein geführt werde und einer von 34 Kreisverbänden des DRK im Landesverband Baden-Württemberg sei: „Seine Organe sind das Präsidium sowie die Kreisversammlung. Wie in dieser Vereinsstruktur üblich, besteht das Präsidium aus den von der Kreisversammlung gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern, unabhängig von deren beruflicher Stellung, also als „private Personen“. Neth sei quasi als Privatperson als DRK-Präsident tätig.

Neths Stellvetreter ist laut der Internetseite vom DRK Hohenlohe, Helmut M. Jahn, der ehemalige Landrat des Hohenlohekreises, also Neths Vorgänger. Vertreter der DRK-Ortsvereine sind unter anderem Markus Knobel, Bürgermeister von Waldenburg, und Andy Kümmerle, Bürgermeister von Dörzbach. Insofern hat die berufliche Stellung durchaus etwas damit zu tun, wer im Präsidium sitzt. Dadurch wird auch deutlich, wie eng verflochten das DRK Hohenlohe mit der Politik ist.

Die Vorgeschichte: https://www.gschwaetz.de/2018/01/04/drk-hohenlohe-interne-pruefung-wegen-nicht-abgefuehrter-steuern-bei-kleiderspenden/

// Foto: GSCHWÄTZ




DRK: „Vorwürfe des SWR treffen nicht zu“

Die große Berichterstattung des SWR in den vergangenen beiden Tagen über das Rettungswesen in Baden-Württemberg –  sowohl im Fernsehen, als auch im Radio und online – hat bereits vor der Veröffentlichung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) hohe Wellen geschlagen.

In einem internen Dokument an die Mitarbeiter, das GSCHWÄTZ vorliegt, bereiteten der DRK-Landesverband Baden-Württemberg e.V. und der DRK-Landesverband Badisches Kreuz e.V. bereits vor einer Woche ihre Mitarbeiter auf einen „zu erwartenden kritschen Ton der Berichterstattung“ vor. An anderer Stelle des dreiseitigen Informationsschreiben heißt es: „Wir rechnen daher mit einer insgesamt kritischen Berichterstattung des DRK in Baden-Württemberg.“

Das Dokument ist eine Woche vor der geplanten SWR-Berichterstattung (diese fand am 17. und 18. Januar 2018 statt) auf den 11. Januar 2017 datiert. Weiter heißt es: „Unsere Bitte an Sie: […] Die Vorwürfe, die der SWR gegen den Rettungsdienst und das DRK in Baden-Württemberg erheben wird, treffen in den meisten Rettungsdienstbereichen nicht zu und sind oftmals regional zu erklären.“

Die beiden DRK-Landesverbände sind sich laut dem Mitarbeiterschreiben bereits vor der Ausstrahlung der SWR-Beiträge sicher, dass es in der Berichterstattung des SWR zu „einer Pauschalisierung“ kommen könne oder mit „Fehleinschätzungen“ zu rechnen sei. „Das heißt: Analysen oder Beschreibungen des SWR zu einzelnen Themen können sich für Ihren Rettungsdienstbereich anders darstellen oder auch gar nicht zutreffen.“

Wenn Mitarbeiter Fragen „in Folge der Berichterstattung haben“, so der DRK, empfielt der DRK, sich an die DRK-Vorgesetzten und/oder Landesverbände zu wenden.

// Hintergrund

Ein Dreivierteljahr hat der SWR alle Rettungsdienste im Ländle analysiert und eine Unmenge an Daten ausgewertet. Dabei kam unter anderem heraus:

// Bei medizinischen Notfällen sind 900 Gemeinden unterversorgt

// In über 20 Prozent der Einsätze trifft der Rettungswagen später als 15 Minuten am Geschehen ein. Experten fordern laut dem SWR, dass der Rettungsdienst etwa bei schweren Unfällen, Bei Herzinfarkt oder Schlaganfall bereits nach zehn Minuten vor Ort sein müsste:

https://www.swr.de/swraktuell/bw-hilfe-im-notfall-notarzt-notfallrettung/-/id=396/did=20965982/nid=396/t0wo4p/index.html

Siehe auch GSCHWÄTZ-Berichterstattung zum Rettungsdienst und zur personellen Unterversorgung in diesem Bereich in Hohenlohe:




Steuerhinterziehung? Interne Prüfung beim DRK Hohenlohe

Es knirscht hörbar in den Mühlen des Deutschen Roten Kreuzes Kreisverband Hohenlohe (DRK). Es sind nicht nur die massiven Personalengpässe im Rettungsdienst, die das DRK beschäftigt (wir berichteten).

Im Mittelpunkt der derzeitigen internen Untersuchungen: Die Kleidercontainer des DRK. Genauer gesagt: die nicht abgeführten Steuern in diesem Rahmen.

Doch fangen wir von vorne an. Das DRK und so auch der Kreisverband Hohenlohe hat überall im Ländle Kleidercontainer. Die Bürger können hier gebrauchte Kleidung
hineinwerfen, die sie nicht mehr brauchen.
Den Rest – die Leerung und die Weiterverwertung beziehungsweise den Verkauf – erledigt im Fall der Hohenloher eine Fremdfirma, die Firma FWS. Die Kleidercontainer wurden damit praktisch outgescourct. Der DRK erhält lediglich Geld für den Inhalt der Container, also für die Spenden.

Das ist zunächst nichts Unübliches und auch nichts Verwerfliches, denn mit dem durch die Kleiderspenden erwirtschafteten Gewinn werden wiederum andere Dinge wie Essen auf Rädern und Krankentransporte finanziert. So steht es zumindest auf den DRK-Kleidercontainern.

Ähnlich verhält es sich bei anderen Sozialverbänden. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat in Baden-Württemberg die Altkleidersammmlung über die Kleidercontainer ebenfalls an eine Partnerfirma übertragen, die sich baden-württembergweit um die Leerung der Container kümmert. „Diese Partnerfirma kümmert sich auch um die Weiterverwertung, den Weiterverkauf oder die Entsorgung der gesammelten Kleidungsstücke. Saubere und zeitlos moderne Kleidung wird in Second-Hand-Geschäften verkauft, geht nach Osteuropa oder Afrika. Nicht brauchbare oder stark verschmutzte Kleidung wird recycelt oder umweltgerecht entsorgt“, so Simone Baumgartner vom ASB auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. „Mit dem Erlös finanziert der Landesverband beziehungsweise die regionalen Gliederungen soziale sowie ehrenamtliche Projekte wie den ASB Wünschewagen (von dem es in Baden-Württemberg mittlerweile zwei gibt), Erste-Hilfe-Kurse, Schulsanitätsdienste, Projekte in der Altenhilfe und vieles mehr.“ Auch die Malteser machen von dem Prinzip des Weiterverkaufs der Spenden Gebrauch.

„Die Malteser verwerten einen kleinen Teil der gesammelten Kleiderspenden selbst und geben gut erhaltene Kleidungsstücke in Kleiderkammern oder im Rahmen von „Wohlfühlmorgen für Obdachlose“ nahezu kostenlos an Bedürftige ab. Der überwiegende Teil der gesammelten Kleiderspenden geht gegen Bezahlung an kommerzielle Verwerter. Sie sortieren und verkaufen sie zum Beispiel in Afrika und Osteuropa“, so Petra Ipp-Zavazal, Leiterin Kommunikation der Region Baden-Württemberg/Diözese Rottenburg-Stuttgart der Malteser Hilfsdienste gegenüber GSCHWÄTZ.

Man muss bem DRK Hohenlohe ebenfalls unterscheiden, ob man seine gebrauchte Kleidung in die Container wirft, in der Kleiderkammer in der Geschäftsstelle in Gaisbach oder in einer der DRK-Kleiderläden in Künzelsau oder Öhringen abgibt. Die Kleidung in den Kleiderkammern und den Läden gehen zu 100 Prozent an Bedürftige in der Region, die dort für ein geringes Entgelt (80 Cent / ein Euro pro Stück) Kleidung kaufen können.
Kommen wir wieder zurück zu den Kleidercontainern. Der DRK Hohenlohe weicht in einem Punkt von anderen Sozialverbänden ab: Versteuert wurden die Gewinne, die durch den Weiterverkauf erzielt wurden, offenbar nicht. Seit es einen Wechsel in der Geschäftsführung gegeben hat, prüft nun das DRK intern, inwieweit sie hätten in diesem Punkt Steuern ans Finanzamt zahlen müssen.

Malteser und ASB versteuern die Spenden einheitlich mit 19 Prozent. In den vergangenen Jahren nahm der Landesverband des ASB durch die Kleiderspenden aus den Kleidercontainern über 100.000 Euro jährlich ein. Das sind bei 100.000 Euro immerhin 19.000 Euro Steuern an das Finanzamt. Andere DRK-Verbände in Baden-Württemberg versteuern die Spenden beim Weiterverkauf ebenfalls mit 19 Prozent. Was bedeutet das nun für den DRK Hohenlohe?
Es drohen Steuernachzahlungen im fünfstelligen Bereich. Strafzahlungen könnten hinzukommen.

Wie weit die Nicht-Abführung der Steuer zurückreicht, ist GSCHWÄTZ bislang nicht bekannt. Karl Heer war 36 Jahre DRK-Kreisgeschäftsführer – bis Juli 2017. Danach übernahm Bernd Thierer. Von DRK-Präsident und Landrat Dr. Matthias Neth lag uns bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu unserer Anfrage bezüglich den internen Prüfungen vor. Allerdings befand sich Neth eine Woche im Urlaub und hatte im Dezember einen sehr vollen Terminkalender.

// Hintergrund Steuerhinterziehung

„Wenn jemand Steuern zu zahlen hat und diese nicht zahlt, spricht man von Steuerhinterziehung
oder Steuerbetrug“, so die Staatsanwaltschaft auf GSCHWÄTZ-Nachfrage.
Über den konkreten Fall wurde allerdings nicht gesprochen.

 

Fotos // GSCHWÄTZ; ASB; Malteser




Frisch gedruckt: Unsere GSCHWÄTZ-Januar-Ausgabe

// Interne Prüfungen beim Deutschen Roten Kreuz (DRK): Was unterscheidet Malteser, ASB und diverse andere Verbände vom DRK Hohenlohe? Sie zahlen Steuern beim Verkauf von Kleiderspenden aus Altkleidercontainern. Derzeit laufen interne Untersuchungen, ob es rechtens ist, dass der DRK Hohenlohe keine Steuern diesbezüglich abführt. Was sagt der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, dazu?

// Hetzer oder Held? Dr. Andreas Eckle äussert sich im Interview zu den Vorwürfen gegen seine Person, die von Kreisräten, dem Landrat und der hiesigen Tagespresse gegen ihn erhoben wurden und sagt, warum das Krankenhaus Künzelsau nie hätte geschlossen werden dürfen

// 30 Jahre Gonzo live. Der Musiker aus Künzelsau, der weltweit Auftritte hat, öffnet uns seine Türen zu seinem Palast und hat mit uns über Tinder, Star Wars und das Wichtigste in seinem Leben gesprochen.

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„Wir sehen enorme Schwierigkeiten, die Notfallrettung aufrechtzuerhalten“

Momentan sehen wir uns einer extrem angespannten Personalsituation ausgesetzt“, so Jens Müller, Rettungsdienstleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Hohenlohe, in einem  internen Schreiben vom November 2017, das GSCHWÄTZ vorliegt. „Derzeit haben wir fünf offene Stellen im Bereich der Notfallrettung zu verzeichnen.“ Weiter heißt es: „Sollte es zu einer verstärkten Krankheitswelle kommen beziehungsweise in der kommenden Urlaubszeit sehen wir enorme Schwierigkeiten, den regulären Dienstbetrieb der Notfallrettung mit allen Rettungsmitteln aufrechtzuerhalten.“

Diese neuen Aussagen stützen die Aussagen, die Mitarbeiter gegenüber GSCHWÄTZ geäussert haben (siehe Berichterstattung in unserer November-Ausgabe).

Ansätze, die Personalsituation zu entschärfen, nennt Jens Müller in seinem Schreiben ebenso. So soll Personal von benachbarten Rettungsdienstbereichen ausgeliehen werden. Ebenso soll in Betracht gezogen werden, dass Rettungsdienstler benachbarter Standorte einen Standort oder eine Schicht hierzulande abdecken. Und: Stellenanzeigen regional und überregional sollen neue Mitarbeiter zum DRK Hohenlohe spülen.Mitarbeiter betonen indes, dass man leichter Personal halten und hinzugewinnen könne, indem man den internen Umgang mit den Mitarbeitern und dadurch auch den Ruf des DRK verbessert. Besonders in der Kritik steht nach wie vor der langjährige Kreisgeschäftsführer des DRK, Karl Heer, der Ende Juni 2017 in den Ruhestand gegangen ist. Doch auch jetzt noch gehen die Meinungen zwischen Führungsebene und Mitarbeiter in diversen Dingen auseinander, etwa bezüglich Funktionszulagen.

„Es gibt nicht nur keinen Sicherheitsbeauftragten seit Jahren, weil Herr Heer die Zulage nicht bezahlen wollte. Auch gibt es seit Jahren keine Sitzungen mehr vom Arbeitssicherheitsausschuss, obwohl der laut Betriebsrat vorgeschrieben ist“, so ein Mitarbeiter in einer E-Mail an GSCHWÄTZ. Gegenüber GSCHWÄTZ betonte Jens Müller jedoch: „Wir haben Mitarbeiter, die verschiedene personenbezogene Aufgaben- und Verantwortungsbereiche im Dienstbetrieb unserer Rettungswachen wahrnehmen und, sofern es unser geltendes Tarifrecht zulässt, auch entsprechende personenbezogene Funktionszulagen bekommen. Das sind zum Beispiel Mitarbeiter als Rettungswachenleitung, deren Stellvertreter, Praxisanleiter, Desinfektoren und so weiter, um nur einige zu nennen. Diese Mitarbeiter sind in ihrer Funktion benannt und erhalten schon immer die entsprechenden Zulagen.“ Auch die Qualität des Rettungsdienstes könnte verbessert werden, so Mitarbeiter. Denn „die für den Rettungsdienst vorgeschriebenen Pflichtfortbildungen werden häufig überhaupt nicht oder nur auf den allerletzten Drücker mit irgendwelchen Pseudoschulungen in den Dienstplan gedrückt, damit halt auf dem Papier etwas da ist. Von Qualität im Rettungsdienst kann da keine Rede sein, aber es stört hier keinen.“

Zwei Welten, zwei Ansichten? Auch der Notarzt, der nach seiner Dienstaufsichtsbeschwerde nicht mehr als freiberuflicher Notarzt beim DRK Hohenlohe eingesetzt wird (GSCHWÄTZ berichtete), äussert sich kritisch über die internen Verhaltensweisen: „Seit Jahren werden Verbesserungsvorschläge und Beschwerden der Mitarbeiter des Hohenloher Rettungsdienstes zum Nachteil der Patienten ignoriert.“
Seine Nichteinsetzung als Notarzt nach seiner Dienstaufsichtsbeschwerde ist laut Aussage des Notarztes nun als Petition vor dem Landtag Baden-Württemberg anhängig. Mitarbeiteraussagen unterstützen die schlechte interne Kommunikation: „Anderswo sind Anregungen und Vorschläge gern gesehen, nicht bei uns. Jeder soll seinen Mund halten, schaffen wie blöd und alles mittragen.“

Karl Heers Führungsstil wird in diversen E-Mails, die GSCHWÄTZ vorliegen, stark kritisiert. „Nicht nur die medizinische Ausstattung und Fahrzeuge ist veraltet, die Räume für die Mitarbeiter sind in einigen Wachen miserabel ausgestattet. Eine uralte Couchgarnitur und keine Geschirrspülmaschine, obwohl wir so viele Leute hier sind.“ Die Mitarbeiter haben kurzerhand von ihrem Geld eine Geschirrspülmaschine gekauft und angeschlossen. Als Leiter Heer dies in der Wache gesehen hat, mussten die Mitarbeiter laut eigenen Aussagen die Maschine wieder „demontieren, schließlich hätte er das Hausrecht beim DRK und sei zuvor nicht gefragt worden“. Heers Nachfolger, Bernd Thierer, habe das Anschließen der Geschirrspülmaschine nun genehmigt.

Ab 2018 verschärft sich die Personalnot, da die Entgelttarife angepasst werden und die Rettungsdienstmitarbeiter eine niedrigere Wochenarbeitsstundenzeit haben. Thierer: „Der DRK-Reformtarifvertrag hat für den Bereich Rettungsdienst nachfolgende Reduzierungen vorgegeben: Ausgangslage am 01. Januar 2016 waren 48 Wochenstunden. Reduzierung zum 01. Januar 2017 auf 47 Wochenstunden und ab 01. Januar 2018 nochmalige Reduzierung auf 46 Wochenstunden. Diese externe Vorgabe durch den Tarifvertrag für alle DRK-Rettungsdienste verstärken natürlich die ohnehin aufgrund der anderen Faktoren angespannte Personalsituation nochmalig.“
Die Reduzierung der Wochenstundenzahl soll für die Mitarbeiter eine Entlastung sein, jedoch hat der DRK dadurch noch weniger Spielraum, um seine Fahrzeuge zu besetzen. Am Ende arbeiten die Mitarbeiter nicht weniger, sondern genauso weiter wie bisher, nur bei einer letztlich noch höheren Überstundenzahl.

Bei der vorgegebenen 15-Minuten-Hilfsfrist, bis dato ein Rettungswagen spätestens vor Ort sein sollte, belegte der Hohenlohekreis 2016 unter 34 Kreisen in Baden-Württemberg mit 91,4 Prozent ohnehin schon den drittletzten Platz, auf Augenhöhe mit dem Zollernalb- und dem Main-Tauber-Kreis. Nur Heilbonn und
Karlsruhe weisen langsamere Zeiten auf. Entgegen dazu erzielt Stuttgart einen Bestwert von 96,2 Prozent.

Zweimal im Jahr informiert der DRK Kreisverband Hohenlohe in einem Rundschreiben die Bürger. Der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, verweist im aktuellen Rundschreiben auf die Verdienste Karl Heers in seiner 36-jährigen Amtszeit: „Der stetige Ausbau des Rettungsdienstes, die Einführung des ambulanten Pflegedienstes und der Tagespflege, sowie zahlreiche Baumaßnahmen, inbesondere die Erstellung des Rot-Kreuz-Zentrums in Gaisbach, werden mit seiner Person verbunden bleiben. Wir danken ihm für seine hervorragende Arbeit für unser DRK.“

// Bernd Thierer

Bernd Thierer hat am 01. Juli 2017 die Nachfolge von Karl Heer als Kreisgeschäftsführer des DRK Hohenlohe angetreten. Der 43-Jährige ist verheiratet. Der gebürtige Ulmer, der dem DRK laut eigenen Aussagen „eng verbunden“ ist, war zuvor 18 Jahre Abteilungsleiter im Personal- und Rechnungswesen des DRK.

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// Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel vom November 2017

Retter am Limit – Fahrzeuge können oft nicht ausrücken

Im Juli 2017 erreichte die Redaktion GSCHWÄTZ eine E-Mail: „Hallo. Das Thema, das wir ihnen mitteilen möchten, ist schon eine Weile her, doch wir haben uns bisher einfach nicht durchringen können, diese Informationen weiterzugeben, aus Angst vor den Konsequenzen.“

Der Inhalt der E-Mail ist brisant. Die Verfasser verweisen auf den vom Landratsamt des Hohenlohekreises organisierten Bürgerdialog am 03. Juli 2017 in der Stadthalle in Künzelsau, bei dem Landrat Dr. Matthias Neth den Bürgern erklärt hat, warum der Krankenhausstandort Künzelsau geschlossen wird. Zudem wurde dort über die Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis generell gesprochen (GSCHWÄTZ berichtete). „Unser ehemaliger Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Karl Heer, hat viele richtige Dinge dort gesagt, leider aber auch dreist gelogen. Er sagte, dass bisher noch keine Rettungsfahrzeuge wegen Personalmangel ausgefallen seien und das ist schlichtweg falsch“ (Anm. d. Redaktion: Der Rettungsdienst in Hohenlohe obliegt dem DRK Hohenlohe).

Wir haken nach und nach mehrmaligem E-Mail-Verkehr folgt ein persönliches Treffen. DRK-Mitarbeiter, die für den Rettungsdienst im Hohenlohekreis arbeiten, haben die E-Mails geschrieben. Sie möchten nicht namentlich genannt werden. Kritische Äusserungen werden innerhalb des DRK nicht gern gesehen, sagen sie und verweisen auf ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit:

Ein Facharzt für Chirurgie, der zugleich als Notarzt für das DRK Hohenlohe am Standort Künzelsau freiberuflich im Einsatz war, legte im Dezember 2016 eine offizielle Dienstaufsichtsbeschwerde ein, adressiert an Landrat Neth(die Beschwerde liegt GSCHWÄTZ vor). Es ging um einen Unfall mit fünf Verletzten auf der A6, Höhe Rasthof Hohenlohe, bei dem die DRK-Leitstelle fehlerhaft agiert habe, so die Meinung des Notarztes. Zitat aus der Beschwerde: „Somit trafen lebensgefährlich Schwerverletzte jeweils in ein unvorbereitetes Krankenhaus ein, was zu weiteren signifikanten Verzögerungen bei der Versorgung der Patienten führte. Ein weiterer Patient sollte im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen angemeldet werden. Beim Eintreffen des Rettungswagens stellte sich heraus, dass das Krankenhaus hiervon keine Kenntnis hatte und somit keine Vorbereitungen hierfür getroffen waren.“

Der Arzt, der laut eigenen Aussagen 30 Jahre Berufserfahrung hat und nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Österreich und Norwegen tätig ist, nennt in seinem Schreiben noch weitere solcher Fälle, die ähnlich schlecht von der Rettungsdienst-Leitstelle koordiniert gewesen seien: ein Busunfall mit sieben Verletzten zwischen Jagsthausen und Berlichingen am 14. November 2016; ein Verkehrsunfall mit fünf Verletzten zwischen Kupferzell und Eschental am 30. November 2016 sowie ein Waldunfall mit technisch aufwendiger Bergung am Hang am 26. November 2016 bei Ingelfingen-Bühlhof. Hier sei „keine Feuerwehr primär alarmiert und trotz Anweisung keine Schockraum-Anmeldung im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim“ erfolgt. Fazit: „Abgesehen von den bekannten Folgen der Unterfinanzierung des Rettungsdienstes und/oder der mangelhaften Umsetzung von bestehenden Finanzierungszusagen im Hohenlohekreis wie Abmeldungen von Notarzteinsatzfahrzeugen (allein 2016 über 40 mal, Stand: Ende November 2016) und veraltete, minimalistische und mängelanfällige technische Ausrüstung und Fahrzeuge, zeigen sich in den exemplarisch genannten Einsatzbeispielen signifikante Mängel in der Führung, Organisation und Anwendung einschlägiger Vorschriften und Leitlinien.“

Gotthard Wirth, erster Landesbeamter im Landratsamt des Hohenlohekreises, verwies in seiner Antwort unter anderem darauf, dass „die personelle Nichtbesetzung von Notarzteinsatzfahrzeugen“ bundesweit zu beobachten sei. „Ebenso die Entwicklung, dass insgesamt nicht mehr genügend Rettungsassistenten zur Verfügung stehen. Diese Problematik kann daher von Seiten des Hohenlohekreises kurzfristig leider nicht gelöst werden. Trotz alledem sehe ich den Hohenlohekreis in dieser Hinsicht gut aufgestellt.“

Der Kritik äußernde Notarzt wurde laut DRK-Mitarbeitern seit seiner Beschwerde nicht mehr im Hohenlohekreis eingesetzt.

Seit 2016 hat sich die Personalnot verschärft. GSCHWÄTZ liegen die Dienstpläne von Juli und August 2017 vor. Allein im August 2017 wäre das Notarztfahrzeug in Westernhausen wegen Personalmangels an 20 Tagen ausgefallen, wären nicht Kollegen eingesprungen und hätten für eine Aufwandsentschädigung gearbeitet. Zudem haben Öhringer Kollegen Dienste übernommen. So fiel das Fahrzeug „nur“ an 14 Tagen aus. Der offiziell seit 01. Juli 2017 als neuer DRK-Geschäftsführer agierende Bernd Thierer betonte aber, dass „die Versorgung jederzeit sichergestellt war“. Der Notarzt sei an diesen Tagen nicht separat mit seinem Fahrzeug an die Einsatzorte, sondern direkt im Rettungswagen mitgefahren. Das Problem, dabei sei, so Mitarbeiter, dass durch dieses so gannte „Kompaktsystem“ die Notärzte unnötig lang an einem Einsatzort gebunden seien. Es habe durchaus seinen Sinn, dass Notärzte separat in einem Notarzteinsatzfahrzeug herausfahren. Durch die dünne Personaldecke werde es aber immer schwerer, dieses Fahrzeug zu besetzen, da es nicht nur mit Notarzt, sondern mindestens mit noch einem Rettungsassistenten besetzt werden müsse.

Rettungswagen fallen laut Belegungsplan zwar weit weniger häufig aus (etwa dreimal im Juni 2017). Allerdings „fahren sie unterbesetzt“, so Mitarbeiter. Sprich: In einem Rettungswagen muss ein Rettungsassistent für die Erstversorgung mitfahren. Ansonsten ist es kein Rettungswagen mehr, sondern nur ein Krankenwagen, geeignet, um ältere Menschen zum Arzt zu fahren oder um kleinere Notfälle abzuarbeiten. Anscheinend wurden unter Karl Heer auch FSJ-ler, also junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim DRK absolviert haben, als vollwertige Rettungssanitäter gerechnet, obwohl diese keine hauptamtlichen Stellen besetzen dürfen.

Die Schließung des Krankenhaus-Standortes Künzelsau macht es den DRK-Mitarbeitern nicht einfacher: Die Fahrwege werden länger, die Fahrzeuge – und das Personal – seien dadurch länger gebunden. Die Mitarbeiter betonten überdies: „Die Leitung des Hohenloher Krankenhauses glaubt, dass künftig Patienten nach Öhringen kommen. Doch das ist ein Irrtum. Jeden Patienten, den wir transportieren, werden wir nach Schwäbisch Hall bringen. Das ist kürzer, schonender als nach Öhringen. Patienten werden sofort richtig versorgt und nicht später verlegt, weil man dies und das nicht im Haus machen kann.“

Die DRK-Mitarbeiter häufen unterdessen laut eigenen Angaben Überstunden in dreistelliger Höhe an. Ein Mitarbeiter hat gekündigt – da war er bei 500 Überstunden. Überstunden auszahlen? Dafür war Heer laut Mitarbeitern weniger zu haben. Und abfeiern werde aufgrund des Personalmangels immer schwieriger.

Seit Thierer werden Überstunden nun wieder ausbezahlt: „Die Personalsituation lässt derzeit bedauerlicherweise nahezu keinen Freizeitausgleich zu, deshalb ist die angebotene Auszahlung der Überstunden eine der Realität geschuldete Maßnahme, um etwas Entlastung bei der Besetzung der Dienste zu erreichen. Die Herausforderungen durch die sehr angespannte Personalsituation im Rettungsdienst können wir nur durch die hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität unserer Mitarbeiter erfolgreich bewältigen.“

Seit März ist laut den DRK-Mitarbeitern eine Stelle im Hohenlohekreis gänzlich unbesetzt. Ab Januar 2018 fehlen dem Hohenlohekreis fünf Rettungsassistenten beziehungsweise Notfallsanitäter, sagen die Mitarbeiter und warnen: „Im Sommer werden zwei bis drei Fahrzeuge pro Tag ausfallen, wenn kein zusätzliches Personal gefunden wird oder Mitarbeiter nicht freiwillig einspringen.“

Den Mitarbeiterengpass begründet Thierer unter anderem mit dem Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes 2014. „Die zweijährige Ausbildung der Rettungsassistenten wurde durch die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter abgelöst. Durch die längere Ausbildungszeit fehlt ein ganzer Jahrgang neu ausgebildeter Mitarbeiter. Vor diesem Problem steht nicht nur das DRK Hohenlohe, sondern alle Rettungsdienstbereiche im Bundesgebiet.“ Mitarbeiter betonten indes, dass es – wie auch in den Nachbarkreisen – durchaus Möglichkeiten gäbe, um den DRK Hohenlohe als Arbeitgeber attraktiver zu machen: „Die meisten sehen einfach keine Perspektiven, keine Aufstiegsmöglichkeiten. Engagement wird nicht gewürdigt“, erzählt ein Mitarbeiter. Es werde etwa keine Funktionszulage bezahlt. Wenn jemand zum Beispiel das Amt des Sicherheitsbeauftragten übernimmt, stehen ihm laut Tarifvertrag 80 Euro Funktionszulage zu. Es gibt daher derzeit keinen Sicherheitsbeauftragten. Gespräche darüber mit Heer, aber auch mit Jens Müller, dem Rettungsdienstleiter in Künzelsau, hätten nichts gebracht. Auch der Notarzt sieht Verbesserungsbedarf: „Beschwerden der Mitarbeiter wurden ganz bewusst ignoriert“, erinnert er sich. Das frustriere. Müller weist die Vorwürfe zurück: „Mitarbeiter als Rettungswachenleitung, deren Stellvertreter, Praxisanleiter, Desinfektoren, um nur einige zu nennen, sind in ihrer Funktion benannt und erhalten schon immer die entsprechenden Zulagen.“ Die DRK-Mitarbeiter hoffen nun auf den neuen Chef und betonen gegenüber GSCHWÄTZ, dass dieser nichts für die ganze Misere könne.

INFO // NOTFALLSANITÄTER UND NOTÄRZTE
Die Ausbildung zum Rettungsassistenten gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitär. Der Notfallsanitäter hat erweiterte Kompetenzen und muss den Patienten beispielsweise erforderliche Medikamente verabreichen. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Atemnot und schweren Verkehrsunfällen – also bei lebensbedrohlichen Maßnahmen – werden Notärzte hinzugerufen. Ein Notfallsanitäter verdient zwischen 1.900 und 2.100 Euro netto. Hinzu kommen Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit.




Öhringen: Flüchtlings-Experiment abgebrochen

Wie viel Integration ist nötig?, fragen wir in unserer Dezemberausgabe. Und haben uns auf ein Experiment eingelassen: Mit einer Burka bekleidet haben wir uns  in die Öhringer Innenstadt begeben, um zu sehen, was passiert. Was dann geschehen ist,  hat all unsere Befürchtungen übertroffen.

+ Faktencheck Flüchtlinge auf dem Land: Alle Zahlen, wie viele Flüchtlinge in den Hohenlohekreis gekommen, wie viele in Lohn und Brot sind und wieviel Geld jährlich in die Flüchtlingshilfe fließt sowie Meinungen von Bürgern: Wie funktioniert Integration?

Weitere Themen:

// Wie geht es weiter mit dem Krankenhaus Hohenlohe? Gab und gibt es Kommunikationsprobleme? Klinikchef Jürgen Schopf stellte sich unseren kritischen Fragen im Interview

// Wir stellen den lokalen Verein miteinander vor, der Kinder in der Region unterstützt

// Notfallrettung wackelt immer mehr: DRK warnt vor einer düsteren Zukunft. 2018 Zuspitzung der Lage

// Er war kein Heiliger. Martin Luthers Herrenjahre

u.v.m.

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Maulkorb für Rettungsdienstmitarbeiter

Seit Freitag, den 27. Oktober 2017, gibt es unsere November-Ausgabe in gedruckter Form zu kaufen. Der Aufmascher: Rettungsdienst am Limit. Warum Fahrzeuge im Hohenlohekreis nicht oder nur bedingt einsatzbereit ausrücken können. Fast zur selben Zeit erhielten Rettungsdienstmitarbeiter des DRK (Deutschen Roten Kreuzes) Hohenlohekreis eine interne E-Mail von Ihrem neuen Chef, Kreisgeschäftsführer Bernd Thierer. Darin werden die Mitarbeiter explizit darauf hingewiesen, den Umgang mit der Presse zu meiden und auf ihre Schweigepflicht hingewiesen.

In unserer Analyse über den Rettungsdienst im Hohenlohekreis in unserer aktuellen gedruckten Ausgabe bemängen Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter unter anderem die dünne Personaldecke, die hohe Überstundenzahl und „signifikante Mängel in der Führung, Organisation und Anwendung einschlägiger Vorschriften und Leitlinien“. Besonders in der Kritik steht dabei Karl Heer, der bis vor kurzem Kreisgeschäftsführer des DRK war: „Unser ehemaliger Kreisgeschäftsführer (…)  hat viele richtige Dinge dort gesagt, leider aber auch dreist gelogen. Er sagte, dass bisher noch keine Rettungsfahrzeuge wegen Personalmangel ausgefallen seien und das ist schlichtweg falsch“, sagen Mitarbeiter.