Rogge: „Und am schrillen Lachen der Nachbarin merkt man, dass es der noch dreckiger geht“
„Am schlimmsten sind jene Eltern, die bei meinen Vorträgen noch was mitschreiben. Die an meinen Lippen hängen und auf den Tipp warten. Ich gebe ihnen jetzt einen Tipp: Schreiben Sie heute Abend nichts mit. Lachen Sie! Morgen gibt es nichts mehr zu lachen. Und am schrillen Lachen der Nachbarin merkt man, dass es der noch dreckiger geht.“
Und schon lachten etwa 300 Besucher, die am Donnerstag, den 21. Februar 2019, in der Ingelfinger Stadthalle sich vom Erziehungsberater Dr. Jan-Uwe Rogge eine Antwort auf alle ihre Fragen zum Thema Pubertät erhofften. Rogge ist nicht nur erfahrener Pädagoge, sondern auch Komiker in Personalunion. Ein kurzweiliger Abend, an dem kein Elternauge trocken blieb. GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus mischte sich unter das leidgeprüfte Elternpublikum und interviewte außerdem den prominenten Erziehungsberater.
„Manche gehen hier völlig beschwingt nach Hause, wecken den Pubertierenden und sagen: ‚Du bist normal. Er hat gesagt, du bist normal.‘ Und euer Pubertierender wird sagen: ‚Was sage ich dir die ganze Zeit? Die Einzige, die hier hohl dreht bist du.‘ Und dann werden Sie sagen: ‚Er hat gesagt, dass ich auch durchdrehen darf‘.“ Und das dürfen Eltern laut Rogge auch, denn wenn „Eltern vor dem Pubertierenden stehen und sagen: ‚ Ich weiß nicht weiter! Ich dreh jetzt durch!‘, dann wissen die Pubertierenden, dass es den Eltern jetzt genauso geht wie ihnen.“
Auch, dass sich jeder schwört, niemals so zu werden wie seine Eltern, war Thema an diesem Abend: „Wie meine Eltern werde ich nie. Und dann haben Sie die süße Lisa. Lisa, 15, will auch auf das gleiche Fest wie Sie damals – weil Philipp auf diesem Fest ist. Ich sag‘ das mit Philipp nur, weil heute keiner mehr Heinz-Günter heißt. Und Lisa will bis zwei Uhr. Und Sie wollen, dass Lisa um elf Uhr zu Hause ist. Das ist immerhin schon eine Stunde später, als Sie früher heim mussten. So sind Sie. Und zur Vorbereitung auf Ihre Mutterrolle haben Sie Kurse besucht. An der Volkshochschule. Kurse wie: Wie rede ich richtig mit meinem Kind? Oder: Wie überzeuge ich mein Kind? Sie haben Yoga gemacht und wissen, dass Sie nicht schreien dürfen und ganz mittig bleiben müssen. Und auf jedes ihrer wirklich vernünftigen Argumente sagt ihre süße Lisa nur: ‚Du bist peinlich.‘ Oder: ‚Chill down, nun chill doch down‘.“
Wie oft hören Eltern zu Hause die Worte ihres Sprösslings: Die anderen dürfen, nur ich nicht. Selbst darauf kann Dr. Rogge den Eltern einen gute Antwort mit auf den Weg geben: „Dann rufen Sie da an und erfahren, dass die drei tatsächlich dürfen. Und dann kommen Sie zurück zu Ihrer Tochter und sagen: ,Du, die drei dürfen, aber du darfst immer noch nicht.‘ Da kommt Stimmung auf. Und dann kommt der nächste Teil der Prüfung, denn was macht dann so eine pubertierende Zicke? ‚Du bist gemein, Mama. Du bist nur gemein.‘ Und was macht dann eine homöopathisch geliftete Mutter? Sie sagt wimmernd: ‚Das darfst du wirklich nicht sagen. Überleg mal, was ich alles für dich mache. Ich fahr dich zur Schule, ich fahr dich zum Training, ich sag Papa nie alles und ich mach sogar deine Hausaufgaben.‘ Anstatt zu sagen: ‚Es stimmt. Vor dir steht die gemeinste Mutter von Ingelfingen und es wird Zeit, dass ich mich oute‘.“