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Weihnachtsimpfaktionen

Vom 20. bis 23. Dezember 2021 bietet die Schmerzpraxis Dr. Kühn, Burgallee 57 in Künzelsau – Schloss Stetten vier Impfaktionen an:
Montag, 20., Dienstag, 21. und Mittwoch, 22. Dezember 2021 von 7.30 bis 16.30 Uhr. Und auch noch einen Tag vor Heiligabend kann man sich noch impfen lassen – am Donnerstag, 23. Dezember 2021 von 7.30 bis 12.00 Uhr.

Terminbuchung nötig

Eine Terminbuchung ist erforderlich und ab Samstag, 18. Dezember 2021 online möglich:
https://www.terminland.eu/dranbleiben-impfen-in-kuenzelsau/

Es werden Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen mit Biontech und Moderna angeboten: Personen U 30 werden derzeit mit Biontech, Personen Ü 30 mit Moderna geimpft. Die letzte Entscheidung treffen die Ärztin oder der Arzt in der Praxis.

Eine FFP2-Maske ist erforderlich. Ein Impfpass und ein amtliches Ausweisdokument müssen mitgebracht werden.

Bei dieser Aktion können keine Kinder unter 12 Jahren geimpft werden

Wichtiger Hinweis:
Impfungen für Personen unter zwölf Jahren sind noch nicht möglich.

Auf der städtischen Homepage werden die Angebote laufend aktualisiert: www.kuenzelsau.de/corona.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau




Familie von Stetten: „Wir müssen das Krankenhaus durch irgendetwas ersetzen“

Ein neues Gebäude steht markant am Eingang von Schloß Stetten. So ganz fertig ist es zumindest im Außenbereich noch nicht, an vielen Stellen ragen noch Kabel aus dem Erdreich und Bauarbeiter sind noch am Werk. Betritt man das Gebäude, fühlt man sich wie in einem Hotel – ein geschwungener Empfangstresen, dezente und ruhige Farben, dazu passender Blumenschmuck. Fast ist man geneigt, die Bar zu suchen. Aber Menschen in typisch medizinischer Kleidung, weiße Hosen und hellgrüne Shirts, zerstören den Traum und machen klar, dass man sich in einer Arztpraxis befindet.

Wie im Hotel

Die in Künzelsau bekannten Ärzte Professor Christoph A. Karle und Dr. Andreas Kühn haben sich entschlossen, ihre bisherigen Wirkungsstätten in Künzelsau und am Hohenloher Krankenhaus aufzugeben und unter dem Namen „PraeMedicum“ hier eine Praxisgemeinschaft mit einem neuen Konzept in Zusammenarbeit mit der Familie von Stetten zu verwirklichen.

Dr. Andreas Kühn stand GSCHWÄTZ-Reporter Matthias Lauterer für ein Gespräch zur Verfügung.

Schmerztherapie, was ist das eigentlich?

Dr. Kühn war bis 31. März 2020 am Hohenloher Krankenhaus als Chefarzt der Anästhesie tätig und betreute in Künzelsau Schmerzpatienten in seiner Schmerzambulanz. Als Facharzt für Intensivmedizin und Notfallmedizin ist Dr. Kühn einer der „leitenden Notärzte“ im Hohenlohekreis und koordiniert Rettungseinsätze bei Großlagen.

Als Schmerztherapeut unterstützt er Patienten mit chronischen Schmerzen, unter anderem bei Krebs, Kopf- oder Rückenschmerz. Schmerztherapie bedeutet nicht nur Verabreichung von Medikamenten, auch Physiotherapie oder Akupunktur sind Bestandteil der Therapie. Und da chronische Schmerzen psychisch hervorgerufen werden können und umgekehrt Auswirkungen auf die Psyche haben, ist Psychosomatik eines der medizinischen Fachgebiete, die für die Schmerztherapie große Bedeutung haben.

Familie von Stetten: „Wir müssen das Krankenhaus durch irgendetwas ersetzen“

„Die Familie von Stetten hat gesagt, wir müssen das Krankenhaus durch irgendwas ersetzen“, beschreibt Dr. Kühn die Ursprünge der Idee des neuen Ärztehauses auf Schloss Stetten, das nur einen Steinwurf von der Kreisstadt Künzelsau entfernt ist, wo vor nicht allzu langer Zeit ihr Krankenhaus geschlossen wurde (wir berichteten) . „Praxis Plus“ nennt er das Konzept, das er und Professor Karle umsetzen wollen: Keine Akutklinik, aber ein Praxenangebot mit mehreren Spezialisten, die zusammenarbeiten. Ein kleiner OP-Saal soll Operateuren die Möglichkeit bieten, Operationen durchführen zu können, Kühn spricht hier Orthopäden und Augenärzte an, kann sich aber auch andere Fachgebiete vorstellen. Ein kleiner Bettenbereich soll es ermöglichen, nicht nur ambulante Operationen durchzuführen, sondern Patienten auch nach einer Operation ein paar Tage zu beobachten.

Auch Operationen möglich

Kühn spricht davon, es sei „erklärte Politik der Bundesregierung, kleine Krankenhäuser zu schließen“ – und dadurch seien im Hohenlohekreis die Wege ins Krankenhaus sehr weit geworden. Das Konzept der neuen Praxisgemeinschaft will dem entgegenwirken: „Intersektorale Versorgung“ nennen Gesetzgeber und die kassenärztliche Bundesvereinigung derartige Konzepte und viele Ansätze werden derzeit erprobt. Oft sind die Träger solcher Konzepte Krankenhäuser, die ihr Portfolio erweitern und neue Einnahmequellen erschließen wollen, seltener niedergelassene Ärzte. Noch ist nicht klar, wie sich die Krankenkassen eine „intersektorale Versorgung“ vorstellen können, viele Fragen sind noch ungeklärt. Das bietet aber auch Chancen: Ungeklärt ist beispielsweise, ob die angedachte kurzstationäre Behandlung von den gesetzlichen Kassen übernommen wird. Aber Kühn sagt: „Das Ziel ist, dass die Krankenkassen sagen: Ihr seid billiger als ein Krankenhaus.“ Beispielsweise benötigen stationäre Schmerzpatienten in der Regel kein mit medizinischer Infrastrukutur ausgestattetes Krankenzimmer, ein Ansatz zur Senkung der Kosten, wie er auf Schloß Stetten umgesetzt wird.

Im Großen und Ganzen erinnert das Konzept doch sehr an eine Poliklinik:  „Das ist auch das, was wir machen wollen“, nickt Kühn.

Generell kritisiert er die rein marktwirtschaftliche Orientierung des Gesundheitssystems, das den Patienten als einen Kunden betrachtet: „Ein Kunde ist ein Objekt der Wertschöpfung – ein Patient ist einfach nur krank.“

Praxen offen für Kassenpatienten

Er legt Wert darauf, dass die Praxen der Praxisgemeinschaft sowohl für Privat- als auch für Kassenpatienten offenstehen.

„Es geht um Versorgungsqualität, nicht um Konkurrenz.“

Sieht er die neue Praxis als Konkurrenz zum Hohenloher Krankenhaus? Unter der Maske ist sein Gesichtsausdruck nicht zu erkennen, als er sagt: „Ich wäre eine Konkurrenz zu einem Krankenhaus in Künzelsau. Es gibt so viele Patienten, die froh sind, wenn es überhaupt eine Versorgung gibt. Es geht um Versorgungsqualität, nicht um Konkurrenz.“

In Zukunft möchte er weitere Spezialisten in der Praxisgemeinschaft sehen, eine Praxis für Physiotherapie wird auf jeden Fall bald einziehen.

Die Grenzen der derzeitigen Ausbaustufe des Konzepts sieht Kühn deutlich: „Sie können nicht nachts um drei mit einer Schnittwunde zu uns kommen.“ Die Frage, ob der Krankenwagen einen Herzinfarkt in die kardiologische Praxis bringen wird, beantwortet er mit „vielleicht irgendwann“.

Text: Matthias Lauterer

Der Eingangsbereich erinnert an eine Hotelrezeption.

Dr. Andreas Kühn in seinem neuen Sprechzimmer. Foto: GSCHWÄTZ

Auf der Tafel ist noch Platz für weitere Praxen. Foto: GSCHWÄTZ




HK-Chefarzt kritisiert Isolierstation in Künzelsau scharf: „Ich kann nur davor warnen, Gesunde und Kranke zusammenzulegen“ – „Absolut fahrlässig“

Dr. Andreas Kühn, der noch bis 01. April 2020 als Chefarzt am Hohenloher Krankenhaus (HK) gearbeitet hat, kritisiert gegenüber der Redaktion GSCHWÄTZ die Nutzung der Isolierstation scharf. Laut dem Landratsamt soll die Isolierstation sowohl für Gesunde als auch für Kranke gleichermaßen gedacht sein (sir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/03/26/landratsamt-sagt-corona-isolierstation-im-kuenzelsauer-krankenhausgebaeude-fuer-gesunde-kranke-menschen-gleichermassen-gedacht/

Kühn warnt davor, als Gesunder in die Isolierstation zu gehen

„Ich kann nur davor warnen, Gesunde und Kranke zusammenzulegen.“ Wie erfolge hier eine optimal nötige Trennung?, fragt sich der Chefarzt – zumal kein medizinisches Fachpersonal vor Ort sei, ausser Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuz als Ansprechpartner.

 „Absolut fahrlässig“

Diese Vorgehensweise sei „absolut fahrlässig – insbesondere gegenüber gesunden Menschen, die Risikogruppen angehören.

Ärzte seien nicht gefragt worden

Die Ärzte im Hohenlohekreises seien – seinem Wissenstand nach – nicht gefragt worden, ob diese Art einer Isolierstation sinnvoll sei.

Er könne sich auch nicht vorstellen, „welcher Arzt so etwas empfohlen haben könnte“.




„Jetzt zählt jedes Bett“ – Aufrüstung des Krankenhausgebäudes in Künzelsau – Dr. Andreas Kühn, Chefarzt im HK, im großen Interview

„Schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden“

Dr. Andreas Kühn ist noch bis 01. April 2020 Chefarzt und stellvertretender ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus (HK). Er ist Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Zusätzlich ist er derzeit noch der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Hohenlohe und Vorsitzender der Ärzteschaft Künzelsau. Dr. Andreas Kühn wurde am 04.11.1969  geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwölf und 14 Jahren. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann sprach mit Dr. Kühn über die Corona-Pandemie.

Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden

GSCHWÄTZ: Herr Kühn, angesichts der Coronapandemie und der bezeichnenden Lage im so genannten Hotspot Hohenlohe – Könnten Sie sich vorstellen, nicht ab 01. April 2020 das Krankenhaus zu verlassen, sondern noch länger in dieser Krise als Arzt für das HK zu arbeiten?

Kühn: Ich bin Intensivmediziner und Anästhesist. Das sind genau die Menschen, die man jetzt braucht. Wenn man mich braucht, bin ich auch da in so einer angespannten Situation. Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden.

GSCHWÄTZ: Ärzte aus dem Hohenlohekreis nehmen derzeit die Abstriche der Verdachtsfälle in der Abstrichstelle in Belzhag.

Kühn: Hausärzte von hier sind in Belzhag, die sich in ihrer eigenen Praxis frei machen für einige Stunden im stetigen Wechsel. Die kassenärztliche Vereinigung stellt eine medizinische Fachangestellte und man kann noch selbst eine Kraft zur Unterstützung aus der eigenen Praxis mitbringen. Eventuell bleibt dann die Praxis währenddessen zu, wenn man keine Gemeinschaftspraxis hat.

Ganzkörperschutzoverall anstatt „Norovirenkittelchen“

GSCHWÄTZ: Haben Sie selbst auch schon Abstriche vorgenommen? Wenn ja, hat man als Arzt Angst, sich anzustecken? Immerhin sind ja schon einige Ärzte erkrankt.

Kühn: Ich habe Abstriche gemacht, als die Abstrichstelle noch am Gesundheitsamt war, aber Angst vor einer Ansteckung habe ich nicht wirklich, denn ich weiß, wie man sich professionell schützt. Ich hatte einen weißen Ganzkörpervollschutzoverall (kein „Norovirenkittelchen“), Kategorie 3, an, eine Maske (FFP3–Mundschutz) und ein großes Schutzvisier, doppelte Handschuhe, so war alles geschützt, auch der Hals, da guckt kein bisschen Haut raus. Aber es ist unangenehm, damit zu arbeiten, weil es ist heiß darunter ist.

Bergamo ist in seiner Größe vergleichbar mit dem Hohenlohekreis

GSCHWÄTZ: Ihre Schmerztherapie-Praxis hat weiterhin geöffnet, weil ihre Patienten angewiesen sind auf die Behandlungen und Medikamente. Was tun sie, um dabei volle Wartezimmer zu vermeiden?

Kühn: Ich biete jetzt Videosprechstunden an und schicke Rezepte per Post. Darüber hinaus bestelle ich die Menschen einzeln in meine Praxis und lasse kein Wartezimmer volllaufen. Ich arbeite immer mit Handschuhen und Mundschutz, meine Angestellten tragen auch Mundschutz und Handschuhe im Umgang mit Patienten. Viele sagen derzeit aber auch ihre Termine ab aus Angst, sich anzustecken. Meine Frau ist Gynäkologin, in diesem Bereich verschieben gerade auch viele ihre Vorsorgetermine. Aber natürlich kann es dann passieren, dass wir nach der Krise einen Rattenschwanz aufzuarbeiten haben.

GSCHWÄTZ: Keiner von uns hat eine derartige Ausnahmesituation, eine Pandemie, jemals erlebt. Unter- oder übertreiben wir dabei in unserem Tun?

Kühn: Wenn uns so etwas passiert wie in Bergamo, das eine vergleichbare Größe wie der Hohenlohekreis aufweist, wenn man die Einwohnerzahl von 120.000 betrachtet, mit aktuell 800 und bald vermutlich 1.000 Toten, dann kämen wir bald an eine Letalitätsrate [Anm. d. Red.: Sterberate] von einem Prozent auf die Gesamtbevölkerung (nicht nur der Infizierten). Wenn man das auf Gesamtdeutschland überträgt mit rund 82 Millionen Einwohnern, dann wären das 820.000 Tote. Nicht zu vergessen: Die Intensivstationen in Bergamo sind sehr gut ausgestattet un ganz abgesehen davon, dass der Höhepunkt hier noch nicht erreicht ist.

„Uns entgehen die ganzen Symptomlosen“, die nicht getestet werden

GSCHWÄTZ: Hat Deutschland zu spät reagiert?

Kühn: In Südkorea werden nicht nur Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch äußerlich gesunde Menschen und darunter waren einige positiv Getestete. Uns entgehen die ganzen Symptomlosen und dadurch verbreitet sich der Virus weiter. Wer sowieso schon Grippesymptome aufweist, geht in der Regel nicht mehr so auf die Straße und steckt andere an, wie jemand, der sich gesund fühlt, aber Corona hat.

GSCHWÄTZ: Durch den Engpass an Teststäbchen werden derzeit auch nicht mal mehr alle mit Symptomen getestet und den Ärzten obliegt es, hier eine korrekte klinischeDiagnose zu treffen. Ein schier unmögliches Unterfangen, oder?

Kühn: Es ist ganz einfach: Wenn jemand derzeit Grippesymptome hat, muss er zu Hause in Quarantäne bleiben. Dann meldet der Arzt ihn als möglichen Coronaverdacht. Der Abstrich wird nur noch gemacht, wenn er ins Krankenhaus muss und er dadurch in Kontakt mit anderen Menschen kommt.

Stichwort Krankenhaus Künzelsau: „Jetzt zählt jedes Bett“

GSCHWÄTZ: Das Krankenhaus Künzelsau wurde am 15. November 2019 geschlossen. Kurz darauf breitete sich in China die Corona-Epidemie rasant aus. Anfang 2020 traf es auch Deutschland. Aus einer Epidemie wurde eine Pandemie. Wie viele Krankenhausbetten entgehen uns derzeit durch das Sparen im Krankenhaussystem in den vergangenen Jahren?

Kühn: Vor der Krise war die Aussage von dem baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha, dass man von 5,5 auf 4,4 Krankenhausbetten auf 1.000 Einwohner reduzieren wolle. Im Vergleich: Japan hat 13,9 Betten auf 1.000 Einwohner, also rund dreimal so viel. In Hohenlohe gab es bereits vor der Schließung lediglich 2,5 Krankenhausbetten, nach der Schließung des Krankenhauses Künzelsau waren es noch 1,7 Betten auf 1.000 Einwohner. Jetzt zählt jedes Bett und besonders die Intensivbetten mit Beatmung bei den schweren Corona-Verläufen.

GSCHWÄTZ: Wie ist der Hohenlohekreis hier derzeit aufgestellt?

Kühn: In Öhringen gibt es 12 Beatmungsplätze pro 110.000 Einwohner – wenn man die Narkosegeräte noch mit dazu zählt. Der Bundesdurchschnitt liegt hier rund dreimal so hoch bei 34 Beatmungsplätzen pro 100.000 Einwohner. Man darf dabei auch nicht vergessen: Jedes der 140 Betten im Künzelsauer Krankenhaus hätte Sauerstoffversorgung gehabt für die leichteren Fälle. Aber das jetzt auf die Schnelle wieder hochzuziehen, wird sehr schwierig werden. Jetzt sieht man mal, was passiert, wenn man auf viele Jahre das Gesundheitswesen auf Effizienz trimmt. Das reicht halt für eine Pandemie nicht.

„Entweder es gibt eine schnelle Durschseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das in die Länge und kriegen bestmögliche Versorgungsbedingungen hin

GSCHWÄTZ: Was denken Sie, wie lange die Pandemie uns in Atem halten wird?

Kühn: Entweder es gibt eine schnelle Durchseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das dementsprechend in die Länge und kriegen bestmögliche Bedingungen für die Versorgung hin, das dauert dann zwar auch dementsprechend länger, aber es werden weniger sterben. Also daher bitte ich jeden, zu Hause bleiben, damit die Kapazitäten ausreichen, damit alle bei Bedarf eine ausreichende Beatmungstherapie bekommen.

GSCHWÄTZ: Eine Herausforderung auch für die Ärzte.

KÜHN: Das sind schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden und vor denen wir Angst haben. Was macht man beispielsweise, wenn die Intensivstation voll ist mit Menschen über 80 Jahren und dann kommt ein 40-Jähriger, der ebenfalls beatmet werden muss?

Wie konnte Hohenlohe Corona-Hotspot werden?

GSCHWÄTZ: Hohenlohe ist der Corona-Hotspot in Deutschland mit den offiziell am meisten Infizierten pro Kopf, geht man von der offiziellen Zahl aus. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Kühn: Man weiß mittlerweile anhand von diversen Beispielen, dass sich viele bei öffentlichen Veranstaltungen angesteckt haben. Daraus kann man schließen, dass man sich ziemlich schnell und leicht anstecken kann mit dem Virus. Zur Zeit des Rebenglühens Anfang März 2020 hat man diesen Virus in Hohenlohe noch nicht so richtig ernst genommen.

„Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann“

GSCHWÄTZ: Wie gehen Sie privat mit der Krise um?

Kühn: Ich gehe persönlich nicht mehr einkaufen im Supermarkt, nur noch im Monat einmal, dann aber kaufe ich viel. Ein guter Tipp aus meiner Zeit, als ich in Kalkutta als Medizinstudent war, beherzigen wir jetzt auch wieder: schälen, kochen oder wegwerfen. Sprich: Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann.

Herr Kühn, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Seit Anfang dieser Woche rüstet das THW das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau auf. Foto: GSCHWÄTZ vom 26.03.2020

Anbei veröffentlichen wir die aktuellen Corona-Zahlen des Sozialministeriums Baden-Württemberg (26. März 2020). Derzeit gibt es offiziell 8.441 Fälle und 76 Todesopfer. 302 Coronafälle weist der Hohenlohekreis dabei auf: