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Ist das noch Presse oder kann das weg?

GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann erläutert in Ihrem Video-Kommentar, warum GSCHWÄTZ nicht politisch rechts steht, nur weil das Magazin Pressemitteilungen der AfD veröffentlicht – ebenso wenig wie sie nicht automatisch Grün wählen, nur weil sie über Fridays-for-future-Demos berichten.

Anlass ihres Kommentars waren unter andere die zahlreichen Posts von Facebook-Followern nach der Veröffentlichung einer Pressemitteilung von Anton Baron, AfD-Landtagsabgeordneter des Hohenlohekreises. Ein User mit dem Facebook-Namen Alexandros di Martino schrieb etwa: „Ist das hier eigentlich eine Werbeseite für die AFD? Im Impressum steht überparteilich und unabhängig, das scheint aber nicht so.“

Seid ihr AfD-GSCHWÄTZ?

Hartmann nahm die Kommentare in Facebook zum Anlass, selbst einen Kommentar zu verfassen und erläuterte darin unter anderem, wie GSCHWÄTZ selektiert, was veröffentlicht wird. Gleichzeitig betonte Hartmann aber auch: „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo Journalisten beziehungsweise Verlage sich in Deutschland fragen: „Kann ich das veröffentlichen, ohne in eine bestimmte politische Ecke gedrückt werden? Die Konsequenz: Nachrichten werden nicht veröffentlicht, die man eigentlich für relevant hält. Hartmann vermutet: „Die Angst ist bei vielen zu groß, damit einen Imageschaden heraufzubeschwören.“ Daher werde weitestgehend veröffentlicht, was weder polarisiere noch Widersprüche heraufbeschwöre. Am beliebtesten: Pressemitteilungen der Bundes-, Landes- und der jeweiligen Kreisregierungen. Zu schnell würden heutzutage Journalisten aufgrund ihrer Berichterstattung abgestempelt werden, sobald sie die Mainstream-Berichterstattung verlassen. Insbesondere im Lokaljournalismus fehle der Mut für Neues, so Hartmann.

Nur weil man etwas veröffentlicht, ist das nicht automatisch die Meinung des Journalisten

Aber nicht nur die Journalisten und die Verlage, auch die Leser oder Follower trügen ihren Teil dazu bei, dass sich Journalisten immer seltener mit Themen beschäftigen, die polarisieren. „Eine Veröffentlichung von Inhalten bedeutet nicht gleichzeitig, dass wir das, was wir veröffentlichen gut oder schlecht finden. Wir wollen damit in erster Linie informieren und veröffentlichen, was derzeit relevant für viele in der Bevölkerung ist. Aber einige Leser beziehungsweise Follower scheinen dies nicht unterscheiden zu können oder zu wollen und setzen eine Veröffentlichung damit gleich, was ein Journalist gut findet.“ Wenn man eine Meinung äußere, dann lediglich in Form eines separat ausgewiesenen Kommentares, betont Hartmann.

Bezüglich politischer Berichterstattung ist es nach Hartmann wichtig, dass die Presse transparent mache, wofür jede Partei, jeder Politiker stehe.

Angst davor, was passiert, wenn man kritische Themen veröffentlicht

Der Redaktion GSCHWÄTZ ist es bei ihrer Berichterstattung wichtig, auch Meinungen von Minderheiten zu veröffentlichen und auch kritisch hinter die Kulissen sozialer Bereiche zu schauen: Wie schaut es aus in der Gesundheitsversorgung vor Ort aus, wie sind die Arbeitsbedingungen in den Senioreneinrichtungen, wie beim Rettungsdienst?

Wie frei ist die Presse in Deutschland noch? Wie schnell wird man auch als Journalist in eine Ecke gedrückt, fragt sich Dr. Sandra Hartmann und ist besorgt, denn wenn eine Presse nicht mehr frei agiert und es an Mut fehlt, das zu veröffentlichen, was relevant ist, steht nicht nur die Pressefreiheit auf wackligen Beinen, sondern die Demokratie. Denn eine Demokratie bemisst sich unter anderem an einer freien und einer frei agierenden Presse.

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Von Washington bis Künzelsau

In der aktuellen April-Ausgabe des Magazines Blickpunkt (Medienmagazin des Deutschen Journalisten-Verbandes Baden-Württemberg) sprach Susann Mathis unter anderem mit unserer Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann darüber, worauf es beim Journalismus heute ankommt.

 

Mathis schreibt: „Wenn man an Künzelsau denkt, so man es denn überhaupt tut, denkt man an weltweit operierende Unternehmen, allen voran an die Würth-Gruppe (Umsatz: 12,7 Milliarden Euro). In Künzelsau sitzen auch die Berner SE (Umsatz 1,06 Milliarden Euro), und bekannt ist auch Deutschlands erster Jeans-Hersteller Mustang; aus Künzelsau kommt auch der ESA-Astronaut Alexander Gerst. […] „Für [Künzelsau] gibt es gerade mal eine Tageszeitung, die Hohenloher Zeitung, die zur Heilbronner Stimme gehört. Die Stadt ist damit eines der vielen Ein-Zeitungsgebiete. Das will Hartmann verbessern. […] Der Anspruch lautet: Exklusive journalistische Geschichten rund ums Kocher- und Jagsttal, geschrieben von einer unabhängigen Redaktion, verpflichtet zu kritischem Hintergrund-Journalismus. Sie wollen nicht aufgrund von Pressemitteilungen oder Anlässen berichten, sondern die Themen selber suchen, und sie sind „weder ein Sprachrohr der Deutschen Presseagentur (dpa) noch ein Amtsblatt für die Politik“ […] GSCHWÄTZ möchte auch denjenigen eine Stimme geben, die ansonsten nicht gehört werden. […].“ Von den Bürgern wird das offensichtlich angenommen. Nachdem das Magazin einen kritischen Kommentar über die Schließung des örtlichen Krankenhauses veröffentlicht hat, wenden sich Bürger, aber auch Ärzte und Kreisräte mit ihren Informationen an die Redaktion.“ Hartmann ist überzeugt: „Nur ein kritischer Journalismus, der auch den Bürger zu Wort kommen lässt, der ihn genauso ernst nimmt wie jeden Politiker und nicht von einer „Oben-herab-Lupe“ berichtet, wird seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren.“

 

// Angefangen hatte alles vor etwas mehr als einem Jahr mit der Krankenhaus-Debatte //

 

„Angefangen hatte alles mit einem kleinen Hinweis: Das Magazin hatte erfahren, dass die Feuerwehr besorgt darüber war, wie Brandopfer in der Region in Zukunft versorgt werden könnten.“ Die Feuerwehr demonstrierte für den Erhalt und wurde danach angehalten, dies künftig zu unterlassen, so berichteten es Quellen dem Magazin GSCHWÄTZ. „Vom Landrat erhalten sie daraufhin die knappe Ansage, das Verbot entspreche nicht der Wahrheit und sie sollten eine Berichtigung veröffentlichen. […] Was macht ein kleines Magazin ohne Rechtsabteilung in so einem Fall? Sie schreiben sowohl, dass der Landrat in seiner Stellungsnahme das Verbot abstreitet, als auch, dass die Quellen weiterhin zu ihrer Aussage stehen. […]“

Auch die Dezember-Ausgabe 2017 mit dem Titelthema: Armut in der Kreisstadt und in den Städten und Gemeinden im Kocher- und Jagsttal findet Erwähnung. Fazit: „Von gerade mal der Hälfte der Bürgermeister erhalten sie inhaltliche Antworten, die auch das Engagement der Gemeinden widerspiegeln.“

 

// Lokaljournalismus: nichts für Harmoniesüchtige //

 

Manche Fragen bleiben unbeantwortet von örtlichen Entscheidungsträgern. Beispielsweise, so Hartmann, „wollten und wollen wir bis heute wissen, wie teuer das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers war“, dass damals den Kreistag des Hohenlohekreises beraten hatte hinsichtlich der Zukunft des Hohenloher Krankenhauses. „Immerhin geht es um Steuergelder. Wir haben bis heute keine Auskunft erhalten.“

Hartmanns Resümee: „Ursprünglich sollte es ein leichtes, freches, buntes Magazin sein, aber mittlerweile, nach nur so kurzer Zeit, sind wir hochpolitisch.“

Das Fazit von Susann Mathis: „[…] Machen wir uns nichts vor: Im Lokaljournalismus wird harte Arbeit geleistet. Man begegnet den immer gleichen Entscheidungsträgern, jeden Tag. Auch seiner Leserschaft kann man nicht aus dem Weg gehen. Beide Aspekte des Lokaljournalismus sind nichts für Harmoniesüchtige.“

 

Fotos // Screenshot des Artikels im Blickpunkt, April 2018.

 

Original-Text // https://www.djv-bawue.de/app/download/10018806094/BP1-2018-web.pdf%3Ft%3D1522319144+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de