Das Crailsheimer Unternehmen `ingenia – digitale Netze´ wollte in Gaisbach mittels Richtfunk „das Internet dorthin bringen, wo kein Glasfaser liegt und das für andere Anbieter auch nicht lukrativ erscheint“. (Wir berichteten in unserer Ausgabe Dezember 2019). Einige Interessenten waren bei der Infoveranstaltung im November anwesend, viele machten sich Hoffnung auf einen schnellen Internetanschluss.
Ablehnung durch die Stadtverwaltung
Ingenia ist für ihr Angebot darauf angewiesen, Funkanlagen auf öffentlichem Grund errichten zu dürfen. „Wir brauchen von der Stadt Künzelsau keine Bandbreite sondern Infrastruktur – also vorzugsweise den Wasserturm und ein städtisches Grundstück südlich von Gaisbach“, schreibt Sascha Nagel von ingenia auf eine GSCHWÄTZ-Anfrage. Doch die Signale der Stadtverwaltung Künzelsau fielen alles andere als positiv aus. So schrieb Sascha Nagel bereits im Februar 2020: „Leider sind die Meldungen im Moment nicht positiv. Wir haben bei der Stadtverwaltung angefragt, ob wir den Wasserturm anmieten dürfen. Dieser wäre aufgrund der Lage und Höhe ein idealer Standort. Von dort haben wir am 5.2.2020 leider eine Ablehnung erhalten. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass die weitere Nutzung des Wasserturms offen ist.“
Stadt bevorzugt Kabelversorung
Laut Elke Sturm von der Stadtverwaltung Künzelsau sagte diese deshalb Nein zur Nutzung des Wasserturms, weil momentan „noch nicht klar ist, ob und gegebenenfalls wann dort eine Sanierung durchgeführt wird“. Diese Information hätten die Mitarbeiter der KünWerke auch der Firma ingenia gegeben. Außerdem setze die Stadt Künzelsau beim Ausbau der Internetversorgung auf Kabelversorgung vor Funktechnologie, wie aus einer Stellungnahme der Stadtverwaltung an das Unternehmen ingenia hervorgeht. Weiter hieß es, die Stadt Künzelsau wolle ihr Netz 2021 europaweit neu ausschreiben, dann könne sich ingenia ja bewerben. Der E-Mail-Verkehr zwischen Stadtverwaltung und ingenia liegt GSCHWÄTZ in Auszügen vor.
Keine öffentlichen Grundstücke vermieten
Sascha Nagel dagegen erklärt: „Wir habe dann gefragt, ob es andere Standorte auf dem Betriebsgrundstück oder anderen öffentlichen Grundstücken geben könnte. Auf unser direktes Nachfragen hin kam dann leider die Aussage, dass man keinerlei öffentliche Grundstücke zur Errichtung von Funkstationen an uns vermieten möchte. Man möchte keine Konkurrenzsituation zur NeckarCom schaffen“. Er glaubt, dass ingenia den Wasserturm nicht erhalten hätte, egal welche künftige Nutzung hierfür vorgesehen wäre.
Breitband-Infrastruktur für alle Anbieter nutzbar
Die Stadtverwaltung Künzelsau dagegen schreibt, dass die Anfrage von ingenia noch in der Prüfung sei. „Grundsätzlich haben aber alle Anbieter – wie auch die Firma Ingenia – die Möglichkeit, die vorhandene Breitband-Infrastruktur in Künzelsau und den Stadtteilen barrierefrei zu nutzen“, so Elke Sturm weiter. Das wäre im Digitalnetz-Gesetz geregelt, der Open Access-Verpflichtung. So könnte auch ingenia allen Einwohner in ganz Künzelsau, also nicht nur den Gaisbachern, ein Breitbandangebot machen. Allerdings müsste sich das Unternehmen dazu mit der Neckarcom (jetzt NetCom) abstimmen.
Jährlich 400.000 Euro für Breitbandausbau
Die Firma NetCom bietet laut Stadtverwaltung seit 2012 „in den angeschlossenen Ortsteilen momentan nahezu flächendeckende Versorgung mit bis zu 50 Mbit/s beziehungsweise bis zu 100 Mbit/s“ an. In einigen Ortsteilen und Gewerbegebieten seien bereits die Glasfaserleitungen bis in die Häuser und Grundstücke gelegt worden. Rund drei Millionen Euro habe die Stadt seither für den Breitbandausbau investiert und in den kommenden Jahren wären jährlich weitere 400.000 Euro eingeplant. „Die Stadtverwaltung Künzelsau baut die Breitbandversorgung (Glasfaser) auch weiterhin sukzessive im gesamten Stadtgebiet aus“, so Elke Sturm weiter. Betreiber des Glasfasernetzes sei NetCom. Wenn Straßenbaumaßnahmen stattfinden, verlege die Stadt Leerrohre für Breitband und Glasfaser mit. Wie dem Schreiben der Stadtverwaltung an die Firma ingenia zu entnehmen ist, wurde im Rahmen einer Fragerunde an alle Ortschaftsräte zudem festgestellt, dass bisher nur ganz vereinzelt von Gaisbacher Bürgern (Teilorte eingeschlossen) der Wunsch nach einer leistungsstarken Internetversorgung an das Gremium herangetragen wurde.
Projekt liegt auf Eis
Letztendlich fürchtet Sascha Nagel, dass ingenia hier nicht weiterkommen wird und das Projekt Gaisbach nicht umsetzbar sei trotz der positiven Resonanz und dem großen Interesse der Bevölkerung. Man habe auch eine Anfrage an die Firma Würth gestellt. Doch selbst eine Gestattung von dort helfe nicht weiter, da von dort aus nur ein Teil des Gebietes erreicht werden könne. Zudem komme man zum Unternehmen Würth auch wieder nur per Funk und dazu bräuchte ingenia wiederum ein kommunales Grundstück bei der Schule. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: „Wir sind offen für Anregungen aus der Bevölkerung, wie dieses Projekt doch noch umgesetzt werden kann“, so Sascha Nagel. Aktuell aber habe ingenia das Projekt auf Eis gelegt.

Bei home office kann eine schlechte Internetverbindung ein großes Ärgernis sein.