1

Zu wenig Blutkonserven

Eine Patientin des Diak in Schwäbisch Hall hat vor ein paar Wochen eine Bluttransfusion gebraucht. Vorrätig hatte das Diak die passende Blutgruppe nicht, weswegen sie bestellt werden musste. Zwei Tage zogen ins Land. Dann traf die bestellte Bluttransfusion ein.

Was vor Corona schon prekär war, wird nun zu einem Dauerthema: fehlende Blutkonserven für Menschen, die auf Bluttransfusionen angewiesen sind.

Während in der Coronazeit viele Blutspendeaktionen nicht mehr stattfinden konnten, regiert nun fast schon das Prinzip: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Aber auch das Deutsche Rote Kreuz selbst (DRK) scheint ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Aktiv werben sie um neue Fördermitglieder. Auf der Internetseite der Stadt Mulfingen ist noch immer ein Aufruf von August zu sehen. Darin heißt es:

DRK braucht ebenfalls dringend eine Spritze – eine Finanzspritze

„Als größte Hilfsorganisation haben wir sicher und zuverlässig für die Menschen in Notlagen da zu sein. Dies gelingt uns durch hauptamtliche Mitarbeiter, aber im notwendigen Umfang nur durch die vielen unermüdlichen ehrenamtlichen
Helfer im Kreisverband. Insbesondere diese profitieren von der verlässlichen Unterstützung unserer Fördermitglieder. Dies ermöglicht dem Kreisverband erst die Schulung und Ausrüstung der ehrenamtlichen Helfer. Auch die umfangreiche
Jugendarbeit im Jugendrotkreuz wäre ohne die Beiträge der Fördermitglieder nicht denkbar. Auch in der Zukunft stehen wieder viele Aufgaben und umfangreiche Herausforderungen für den Kreisverband an.
Mit einer Fördermitgliedschaft helfen Sie uns zu helfen!“

Der DRK möchte an den Haustüren im Hohenlohekreis für eine Fördermitgliedschaft werben, das heißt, man unterstützt das DRK finanziell mit einem bestimmten Betrag:

„Ab dem 1. August findet im Hohenlohekreis eine Haustürwerbung und auch in dem Gebiet Ihrer Gemeinde eine Aktion zur Gewinnung von Fördermitgliedern statt. Werber werden im Namen des Kreisverbands unterwegs sein und besuchen alle
Haushalte. Wenn also die jungen Frauen und Männer vor Ihrer Tür stehen, handelt es sich um eine seriöse Aktion im Namen des DRK. Die Werber sind eindeutig erkennbar. Sie tragen DRK-Kleidung und führen einen Ausweis mit Stempel des
DRK-Kreisverbands mit sich. Die Daten der neuen Mitglieder werden gesichert über ein Tablet aufgenommen. Bargeld – und Sachspenden dürfen nicht entgegengenommen werden.

Rückfragen und Informationen unter Telefon 07940/9225-21 oder E-Mail: senta.weiss@drk-hohenlohe.d




Marianne und Siegfried Weber Stiftung spendet 10.000 Euro für Demenzarbeit des DRK

Der DRK Kreisverband Hohenlohe hat im Dezember 2021 eine Spende in Höhe von 10.000 Euro von der „Marianne und Siegfried Weber Stiftung“ erhalten, vertreten durch Marianne Weber, Inhaberin und Geschäftsführerin der Weber Blechtechnik Niedernhall und MWN Niedernhall. Die Spende soll im Bereich der sozialen Dienste für die Demenzarbeit, in den Betreuungsgruppen und der DRK-Tagespflege für die aktivierenden Beschäftigungen, Bastelarbeiten und in der Männerwerkstatt verwendet werden.

Diagnose Demenz bedeutet: ratlos, hilflos, ausgeliefert zu sein

Rund 100 betroffene pflegende Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen werden seit 14 Jahren jährlich in der DRK-Demenzberatungsstelle in Hohenlohe über die Volkskrankheit Demenz informiert. Bei keiner anderen Krankheit sind Angehörige und Umfeld so mit betroffen wie bei Demenzerkrankungen. Diagnose Demenz bedeutet ratlos, hilflos, ausgeliefert zu sein, so oder ähnlich beschreiben Angehörige ihre Gefühle. In dieser Situation steht die Beratungsstelle den Angehörigen und Betroffenen zu Seite. Sorgen finden ein offenes Ohr. Eine in der Demenzarbeit qualifizierte und erfahrene Mitarbeiterin steht als Gesprächspartnern kostenfrei zur Verfügung. Neben Beratung und Begleitung können Angehörige an Schulungen teilnehmen. Wöchentlich stattfindende Betreuungsgruppen zur Anregung in Gemeinschaft und Entlastung der Angehörigen in Westernhausen, Gaisbach und Öhringen stützen sowie der häusliche Unterstützungsdienst, wenn die betroffene Person die Häuslichkeit nicht mehr verlassen kann. Ein weiteres entlastendes Angebot ist eine Tagespflege fünf Tage die Woche.

Die „Marianne und Siegfried Weber Stiftung“ unterstützt soziale Einrichtungen und wohltätige Zwecke in der Region Hohenlohe

Marianne Weber kennt die Situation sowohl von an Demenz erkrankten Menschen und pflegende Angehörige durch eigene frühere Betroffenheit nur zu gut. Sie selbst hat ihren Mann 15 Jahre gepflegt, der nach einer Borreliose-Infektion krank geworden war. Dies parallel zu Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin. Die Erkrankung verlief in der späten Phase wie eine Demenz. Die 2014 von Marianne Weber gegründete „Marianne und Siegfried Weber Stiftung“ wurde gegründet, um soziale Einrichtungen und wohltätige Zwecke in der Region Hohenlohe zu unterstützen. Weiterhin unterstützt die Stiftung schulische Projekte, den Tafelladen, krebskranke Kinder, den Tierschutzverein und Menschen in sozialer Not.

Pressemeldung DRK




Frisch gedruckt: Unsere GSCHWÄTZ-Januar-Ausgabe

// Interne Prüfungen beim Deutschen Roten Kreuz (DRK): Was unterscheidet Malteser, ASB und diverse andere Verbände vom DRK Hohenlohe? Sie zahlen Steuern beim Verkauf von Kleiderspenden aus Altkleidercontainern. Derzeit laufen interne Untersuchungen, ob es rechtens ist, dass der DRK Hohenlohe keine Steuern diesbezüglich abführt. Was sagt der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, dazu?

// Hetzer oder Held? Dr. Andreas Eckle äussert sich im Interview zu den Vorwürfen gegen seine Person, die von Kreisräten, dem Landrat und der hiesigen Tagespresse gegen ihn erhoben wurden und sagt, warum das Krankenhaus Künzelsau nie hätte geschlossen werden dürfen

// 30 Jahre Gonzo live. Der Musiker aus Künzelsau, der weltweit Auftritte hat, öffnet uns seine Türen zu seinem Palast und hat mit uns über Tinder, Star Wars und das Wichtigste in seinem Leben gesprochen.

Ab heute überall zu kaufen: Unsere frisch gedruckte GSCHWÄTZ-Januar-Ausgabe // Mehr wissen // Wir lieben unser Ländle //




„Wir sehen enorme Schwierigkeiten, die Notfallrettung aufrechtzuerhalten“

Momentan sehen wir uns einer extrem angespannten Personalsituation ausgesetzt“, so Jens Müller, Rettungsdienstleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Hohenlohe, in einem  internen Schreiben vom November 2017, das GSCHWÄTZ vorliegt. „Derzeit haben wir fünf offene Stellen im Bereich der Notfallrettung zu verzeichnen.“ Weiter heißt es: „Sollte es zu einer verstärkten Krankheitswelle kommen beziehungsweise in der kommenden Urlaubszeit sehen wir enorme Schwierigkeiten, den regulären Dienstbetrieb der Notfallrettung mit allen Rettungsmitteln aufrechtzuerhalten.“

Diese neuen Aussagen stützen die Aussagen, die Mitarbeiter gegenüber GSCHWÄTZ geäussert haben (siehe Berichterstattung in unserer November-Ausgabe).

Ansätze, die Personalsituation zu entschärfen, nennt Jens Müller in seinem Schreiben ebenso. So soll Personal von benachbarten Rettungsdienstbereichen ausgeliehen werden. Ebenso soll in Betracht gezogen werden, dass Rettungsdienstler benachbarter Standorte einen Standort oder eine Schicht hierzulande abdecken. Und: Stellenanzeigen regional und überregional sollen neue Mitarbeiter zum DRK Hohenlohe spülen.Mitarbeiter betonen indes, dass man leichter Personal halten und hinzugewinnen könne, indem man den internen Umgang mit den Mitarbeitern und dadurch auch den Ruf des DRK verbessert. Besonders in der Kritik steht nach wie vor der langjährige Kreisgeschäftsführer des DRK, Karl Heer, der Ende Juni 2017 in den Ruhestand gegangen ist. Doch auch jetzt noch gehen die Meinungen zwischen Führungsebene und Mitarbeiter in diversen Dingen auseinander, etwa bezüglich Funktionszulagen.

„Es gibt nicht nur keinen Sicherheitsbeauftragten seit Jahren, weil Herr Heer die Zulage nicht bezahlen wollte. Auch gibt es seit Jahren keine Sitzungen mehr vom Arbeitssicherheitsausschuss, obwohl der laut Betriebsrat vorgeschrieben ist“, so ein Mitarbeiter in einer E-Mail an GSCHWÄTZ. Gegenüber GSCHWÄTZ betonte Jens Müller jedoch: „Wir haben Mitarbeiter, die verschiedene personenbezogene Aufgaben- und Verantwortungsbereiche im Dienstbetrieb unserer Rettungswachen wahrnehmen und, sofern es unser geltendes Tarifrecht zulässt, auch entsprechende personenbezogene Funktionszulagen bekommen. Das sind zum Beispiel Mitarbeiter als Rettungswachenleitung, deren Stellvertreter, Praxisanleiter, Desinfektoren und so weiter, um nur einige zu nennen. Diese Mitarbeiter sind in ihrer Funktion benannt und erhalten schon immer die entsprechenden Zulagen.“ Auch die Qualität des Rettungsdienstes könnte verbessert werden, so Mitarbeiter. Denn „die für den Rettungsdienst vorgeschriebenen Pflichtfortbildungen werden häufig überhaupt nicht oder nur auf den allerletzten Drücker mit irgendwelchen Pseudoschulungen in den Dienstplan gedrückt, damit halt auf dem Papier etwas da ist. Von Qualität im Rettungsdienst kann da keine Rede sein, aber es stört hier keinen.“

Zwei Welten, zwei Ansichten? Auch der Notarzt, der nach seiner Dienstaufsichtsbeschwerde nicht mehr als freiberuflicher Notarzt beim DRK Hohenlohe eingesetzt wird (GSCHWÄTZ berichtete), äussert sich kritisch über die internen Verhaltensweisen: „Seit Jahren werden Verbesserungsvorschläge und Beschwerden der Mitarbeiter des Hohenloher Rettungsdienstes zum Nachteil der Patienten ignoriert.“
Seine Nichteinsetzung als Notarzt nach seiner Dienstaufsichtsbeschwerde ist laut Aussage des Notarztes nun als Petition vor dem Landtag Baden-Württemberg anhängig. Mitarbeiteraussagen unterstützen die schlechte interne Kommunikation: „Anderswo sind Anregungen und Vorschläge gern gesehen, nicht bei uns. Jeder soll seinen Mund halten, schaffen wie blöd und alles mittragen.“

Karl Heers Führungsstil wird in diversen E-Mails, die GSCHWÄTZ vorliegen, stark kritisiert. „Nicht nur die medizinische Ausstattung und Fahrzeuge ist veraltet, die Räume für die Mitarbeiter sind in einigen Wachen miserabel ausgestattet. Eine uralte Couchgarnitur und keine Geschirrspülmaschine, obwohl wir so viele Leute hier sind.“ Die Mitarbeiter haben kurzerhand von ihrem Geld eine Geschirrspülmaschine gekauft und angeschlossen. Als Leiter Heer dies in der Wache gesehen hat, mussten die Mitarbeiter laut eigenen Aussagen die Maschine wieder „demontieren, schließlich hätte er das Hausrecht beim DRK und sei zuvor nicht gefragt worden“. Heers Nachfolger, Bernd Thierer, habe das Anschließen der Geschirrspülmaschine nun genehmigt.

Ab 2018 verschärft sich die Personalnot, da die Entgelttarife angepasst werden und die Rettungsdienstmitarbeiter eine niedrigere Wochenarbeitsstundenzeit haben. Thierer: „Der DRK-Reformtarifvertrag hat für den Bereich Rettungsdienst nachfolgende Reduzierungen vorgegeben: Ausgangslage am 01. Januar 2016 waren 48 Wochenstunden. Reduzierung zum 01. Januar 2017 auf 47 Wochenstunden und ab 01. Januar 2018 nochmalige Reduzierung auf 46 Wochenstunden. Diese externe Vorgabe durch den Tarifvertrag für alle DRK-Rettungsdienste verstärken natürlich die ohnehin aufgrund der anderen Faktoren angespannte Personalsituation nochmalig.“
Die Reduzierung der Wochenstundenzahl soll für die Mitarbeiter eine Entlastung sein, jedoch hat der DRK dadurch noch weniger Spielraum, um seine Fahrzeuge zu besetzen. Am Ende arbeiten die Mitarbeiter nicht weniger, sondern genauso weiter wie bisher, nur bei einer letztlich noch höheren Überstundenzahl.

Bei der vorgegebenen 15-Minuten-Hilfsfrist, bis dato ein Rettungswagen spätestens vor Ort sein sollte, belegte der Hohenlohekreis 2016 unter 34 Kreisen in Baden-Württemberg mit 91,4 Prozent ohnehin schon den drittletzten Platz, auf Augenhöhe mit dem Zollernalb- und dem Main-Tauber-Kreis. Nur Heilbonn und
Karlsruhe weisen langsamere Zeiten auf. Entgegen dazu erzielt Stuttgart einen Bestwert von 96,2 Prozent.

Zweimal im Jahr informiert der DRK Kreisverband Hohenlohe in einem Rundschreiben die Bürger. Der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, verweist im aktuellen Rundschreiben auf die Verdienste Karl Heers in seiner 36-jährigen Amtszeit: „Der stetige Ausbau des Rettungsdienstes, die Einführung des ambulanten Pflegedienstes und der Tagespflege, sowie zahlreiche Baumaßnahmen, inbesondere die Erstellung des Rot-Kreuz-Zentrums in Gaisbach, werden mit seiner Person verbunden bleiben. Wir danken ihm für seine hervorragende Arbeit für unser DRK.“

// Bernd Thierer

Bernd Thierer hat am 01. Juli 2017 die Nachfolge von Karl Heer als Kreisgeschäftsführer des DRK Hohenlohe angetreten. Der 43-Jährige ist verheiratet. Der gebürtige Ulmer, der dem DRK laut eigenen Aussagen „eng verbunden“ ist, war zuvor 18 Jahre Abteilungsleiter im Personal- und Rechnungswesen des DRK.

_____________________________________________________________________________________________________________________________________

// Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel vom November 2017

Retter am Limit – Fahrzeuge können oft nicht ausrücken

Im Juli 2017 erreichte die Redaktion GSCHWÄTZ eine E-Mail: „Hallo. Das Thema, das wir ihnen mitteilen möchten, ist schon eine Weile her, doch wir haben uns bisher einfach nicht durchringen können, diese Informationen weiterzugeben, aus Angst vor den Konsequenzen.“

Der Inhalt der E-Mail ist brisant. Die Verfasser verweisen auf den vom Landratsamt des Hohenlohekreises organisierten Bürgerdialog am 03. Juli 2017 in der Stadthalle in Künzelsau, bei dem Landrat Dr. Matthias Neth den Bürgern erklärt hat, warum der Krankenhausstandort Künzelsau geschlossen wird. Zudem wurde dort über die Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis generell gesprochen (GSCHWÄTZ berichtete). „Unser ehemaliger Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Karl Heer, hat viele richtige Dinge dort gesagt, leider aber auch dreist gelogen. Er sagte, dass bisher noch keine Rettungsfahrzeuge wegen Personalmangel ausgefallen seien und das ist schlichtweg falsch“ (Anm. d. Redaktion: Der Rettungsdienst in Hohenlohe obliegt dem DRK Hohenlohe).

Wir haken nach und nach mehrmaligem E-Mail-Verkehr folgt ein persönliches Treffen. DRK-Mitarbeiter, die für den Rettungsdienst im Hohenlohekreis arbeiten, haben die E-Mails geschrieben. Sie möchten nicht namentlich genannt werden. Kritische Äusserungen werden innerhalb des DRK nicht gern gesehen, sagen sie und verweisen auf ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit:

Ein Facharzt für Chirurgie, der zugleich als Notarzt für das DRK Hohenlohe am Standort Künzelsau freiberuflich im Einsatz war, legte im Dezember 2016 eine offizielle Dienstaufsichtsbeschwerde ein, adressiert an Landrat Neth(die Beschwerde liegt GSCHWÄTZ vor). Es ging um einen Unfall mit fünf Verletzten auf der A6, Höhe Rasthof Hohenlohe, bei dem die DRK-Leitstelle fehlerhaft agiert habe, so die Meinung des Notarztes. Zitat aus der Beschwerde: „Somit trafen lebensgefährlich Schwerverletzte jeweils in ein unvorbereitetes Krankenhaus ein, was zu weiteren signifikanten Verzögerungen bei der Versorgung der Patienten führte. Ein weiterer Patient sollte im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen angemeldet werden. Beim Eintreffen des Rettungswagens stellte sich heraus, dass das Krankenhaus hiervon keine Kenntnis hatte und somit keine Vorbereitungen hierfür getroffen waren.“

Der Arzt, der laut eigenen Aussagen 30 Jahre Berufserfahrung hat und nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Österreich und Norwegen tätig ist, nennt in seinem Schreiben noch weitere solcher Fälle, die ähnlich schlecht von der Rettungsdienst-Leitstelle koordiniert gewesen seien: ein Busunfall mit sieben Verletzten zwischen Jagsthausen und Berlichingen am 14. November 2016; ein Verkehrsunfall mit fünf Verletzten zwischen Kupferzell und Eschental am 30. November 2016 sowie ein Waldunfall mit technisch aufwendiger Bergung am Hang am 26. November 2016 bei Ingelfingen-Bühlhof. Hier sei „keine Feuerwehr primär alarmiert und trotz Anweisung keine Schockraum-Anmeldung im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim“ erfolgt. Fazit: „Abgesehen von den bekannten Folgen der Unterfinanzierung des Rettungsdienstes und/oder der mangelhaften Umsetzung von bestehenden Finanzierungszusagen im Hohenlohekreis wie Abmeldungen von Notarzteinsatzfahrzeugen (allein 2016 über 40 mal, Stand: Ende November 2016) und veraltete, minimalistische und mängelanfällige technische Ausrüstung und Fahrzeuge, zeigen sich in den exemplarisch genannten Einsatzbeispielen signifikante Mängel in der Führung, Organisation und Anwendung einschlägiger Vorschriften und Leitlinien.“

Gotthard Wirth, erster Landesbeamter im Landratsamt des Hohenlohekreises, verwies in seiner Antwort unter anderem darauf, dass „die personelle Nichtbesetzung von Notarzteinsatzfahrzeugen“ bundesweit zu beobachten sei. „Ebenso die Entwicklung, dass insgesamt nicht mehr genügend Rettungsassistenten zur Verfügung stehen. Diese Problematik kann daher von Seiten des Hohenlohekreises kurzfristig leider nicht gelöst werden. Trotz alledem sehe ich den Hohenlohekreis in dieser Hinsicht gut aufgestellt.“

Der Kritik äußernde Notarzt wurde laut DRK-Mitarbeitern seit seiner Beschwerde nicht mehr im Hohenlohekreis eingesetzt.

Seit 2016 hat sich die Personalnot verschärft. GSCHWÄTZ liegen die Dienstpläne von Juli und August 2017 vor. Allein im August 2017 wäre das Notarztfahrzeug in Westernhausen wegen Personalmangels an 20 Tagen ausgefallen, wären nicht Kollegen eingesprungen und hätten für eine Aufwandsentschädigung gearbeitet. Zudem haben Öhringer Kollegen Dienste übernommen. So fiel das Fahrzeug „nur“ an 14 Tagen aus. Der offiziell seit 01. Juli 2017 als neuer DRK-Geschäftsführer agierende Bernd Thierer betonte aber, dass „die Versorgung jederzeit sichergestellt war“. Der Notarzt sei an diesen Tagen nicht separat mit seinem Fahrzeug an die Einsatzorte, sondern direkt im Rettungswagen mitgefahren. Das Problem, dabei sei, so Mitarbeiter, dass durch dieses so gannte „Kompaktsystem“ die Notärzte unnötig lang an einem Einsatzort gebunden seien. Es habe durchaus seinen Sinn, dass Notärzte separat in einem Notarzteinsatzfahrzeug herausfahren. Durch die dünne Personaldecke werde es aber immer schwerer, dieses Fahrzeug zu besetzen, da es nicht nur mit Notarzt, sondern mindestens mit noch einem Rettungsassistenten besetzt werden müsse.

Rettungswagen fallen laut Belegungsplan zwar weit weniger häufig aus (etwa dreimal im Juni 2017). Allerdings „fahren sie unterbesetzt“, so Mitarbeiter. Sprich: In einem Rettungswagen muss ein Rettungsassistent für die Erstversorgung mitfahren. Ansonsten ist es kein Rettungswagen mehr, sondern nur ein Krankenwagen, geeignet, um ältere Menschen zum Arzt zu fahren oder um kleinere Notfälle abzuarbeiten. Anscheinend wurden unter Karl Heer auch FSJ-ler, also junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim DRK absolviert haben, als vollwertige Rettungssanitäter gerechnet, obwohl diese keine hauptamtlichen Stellen besetzen dürfen.

Die Schließung des Krankenhaus-Standortes Künzelsau macht es den DRK-Mitarbeitern nicht einfacher: Die Fahrwege werden länger, die Fahrzeuge – und das Personal – seien dadurch länger gebunden. Die Mitarbeiter betonten überdies: „Die Leitung des Hohenloher Krankenhauses glaubt, dass künftig Patienten nach Öhringen kommen. Doch das ist ein Irrtum. Jeden Patienten, den wir transportieren, werden wir nach Schwäbisch Hall bringen. Das ist kürzer, schonender als nach Öhringen. Patienten werden sofort richtig versorgt und nicht später verlegt, weil man dies und das nicht im Haus machen kann.“

Die DRK-Mitarbeiter häufen unterdessen laut eigenen Angaben Überstunden in dreistelliger Höhe an. Ein Mitarbeiter hat gekündigt – da war er bei 500 Überstunden. Überstunden auszahlen? Dafür war Heer laut Mitarbeitern weniger zu haben. Und abfeiern werde aufgrund des Personalmangels immer schwieriger.

Seit Thierer werden Überstunden nun wieder ausbezahlt: „Die Personalsituation lässt derzeit bedauerlicherweise nahezu keinen Freizeitausgleich zu, deshalb ist die angebotene Auszahlung der Überstunden eine der Realität geschuldete Maßnahme, um etwas Entlastung bei der Besetzung der Dienste zu erreichen. Die Herausforderungen durch die sehr angespannte Personalsituation im Rettungsdienst können wir nur durch die hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität unserer Mitarbeiter erfolgreich bewältigen.“

Seit März ist laut den DRK-Mitarbeitern eine Stelle im Hohenlohekreis gänzlich unbesetzt. Ab Januar 2018 fehlen dem Hohenlohekreis fünf Rettungsassistenten beziehungsweise Notfallsanitäter, sagen die Mitarbeiter und warnen: „Im Sommer werden zwei bis drei Fahrzeuge pro Tag ausfallen, wenn kein zusätzliches Personal gefunden wird oder Mitarbeiter nicht freiwillig einspringen.“

Den Mitarbeiterengpass begründet Thierer unter anderem mit dem Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes 2014. „Die zweijährige Ausbildung der Rettungsassistenten wurde durch die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter abgelöst. Durch die längere Ausbildungszeit fehlt ein ganzer Jahrgang neu ausgebildeter Mitarbeiter. Vor diesem Problem steht nicht nur das DRK Hohenlohe, sondern alle Rettungsdienstbereiche im Bundesgebiet.“ Mitarbeiter betonten indes, dass es – wie auch in den Nachbarkreisen – durchaus Möglichkeiten gäbe, um den DRK Hohenlohe als Arbeitgeber attraktiver zu machen: „Die meisten sehen einfach keine Perspektiven, keine Aufstiegsmöglichkeiten. Engagement wird nicht gewürdigt“, erzählt ein Mitarbeiter. Es werde etwa keine Funktionszulage bezahlt. Wenn jemand zum Beispiel das Amt des Sicherheitsbeauftragten übernimmt, stehen ihm laut Tarifvertrag 80 Euro Funktionszulage zu. Es gibt daher derzeit keinen Sicherheitsbeauftragten. Gespräche darüber mit Heer, aber auch mit Jens Müller, dem Rettungsdienstleiter in Künzelsau, hätten nichts gebracht. Auch der Notarzt sieht Verbesserungsbedarf: „Beschwerden der Mitarbeiter wurden ganz bewusst ignoriert“, erinnert er sich. Das frustriere. Müller weist die Vorwürfe zurück: „Mitarbeiter als Rettungswachenleitung, deren Stellvertreter, Praxisanleiter, Desinfektoren, um nur einige zu nennen, sind in ihrer Funktion benannt und erhalten schon immer die entsprechenden Zulagen.“ Die DRK-Mitarbeiter hoffen nun auf den neuen Chef und betonen gegenüber GSCHWÄTZ, dass dieser nichts für die ganze Misere könne.

INFO // NOTFALLSANITÄTER UND NOTÄRZTE
Die Ausbildung zum Rettungsassistenten gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitär. Der Notfallsanitäter hat erweiterte Kompetenzen und muss den Patienten beispielsweise erforderliche Medikamente verabreichen. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Atemnot und schweren Verkehrsunfällen – also bei lebensbedrohlichen Maßnahmen – werden Notärzte hinzugerufen. Ein Notfallsanitäter verdient zwischen 1.900 und 2.100 Euro netto. Hinzu kommen Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit.