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Strafanzeige gegen übergriffigen Giganetz-„Medienberater“

Die Methoden, mit denen die von Giganetz Deutschland beauftragten „Medienberater“ zu Werke gehen, sind schon mehrfach in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Sowohl aus Künzelsau als auch aus anderen Gemeinden sind Berichte bekannt, in denen die von Giganetz beauftragten Subunternehmen mit üblen Mitteln zu Werke gehen. Nicht nur von penetranten Hausbesuchen wird berichtet, auch vom Aufbau regelrechter Drohszenarien. Werber sollen Menschen belogen haben, indem sie Ihnen erklärt haben, dass sie bei Giganetz unterschreiben müßten, damit sie überhaupt noch Internet hätten, denn die Leitungen der anderen Anbieter würden durchtrennt werden. Dass trotz Schulung technische Falschinformationen vermittelt werden, ist gegenüber den Vorwürfen fast schon zu vernachlässigen.

35% der Anschlüsse fast erreicht

In der Gemeinderatssitzung vom 28. Juni 2022 konnte Bürgermeister Stefan Neumann zwar berichten, dass das Quorum von 35%, bei dem Giganetz das Glasfasernetz für Künzelsau und die Teilorte in Eigenregie und ohne Kosten für Bürger:innen und die Stadt Künzelsau legt, fast erreicht wurde. Allerdings wurde auch berichtet, dass der Besuch des „Medienberaters“ in mindestens einem Falle derart eskaliert ist, dass ein Nachbar eingreifen mußte und ein Polizeieinsatz notwendig wurde. „Medienberater“ ist der Ausdruck, den Giganetz in der Kommunikation benutzt – von einer „Drückerkolonne“ sprach Erhard Demuth in der Gemeinderatssitzung.

Polizeiliche Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs

Die Polizei bestätigt: „Der Polizei ist im Hohenlohekreis eine Anzeige gegen einen Beauftragten der Deutschen Giganetz bekannt. Der Person wird Hausfriedensbruch vorgeworfen. Die Ermittlungen dauern noch an.“

„bis dahin eine weitere Zusammenarbeit mit diesem Team ausgeschlossen“

Auch der Deutschen Giganetz ist der Vorfall bekannt, auf GSCHWÄTZ-Anfrage bestätigt Frank Wittich-Böcker, der Unternehmenssprecher: „Die Deutsche GigaNetz hat von dem Vorfall mit einem der Vertriebsteams unseres Vertriebspartners Kenntnis erlangt.“ Der Frage, warum es weiterhin zu solchen Vorfällen kommen kann, nachdem doch nach jedem bekanntgewordenen Fall Maßnahmen getroffen wurden und man nur ausgesuchte und zuverlässige Partner einsetze, weicht Wittich-Böcker aus: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Vertriebspartner haben auch in ihrem Auftreten gegenüber Interessentinnen und Interessenten Verhaltensvorgaben. Daher dulden wir grundsätzlich kein individuelles, persönliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter von uns beauftragter Vertriebspartner gegenüber Dritten. Im konkreten Fall klären wir aktuell noch den Sachverhalt gemeinsam mit unserem Vertriebspartner und haben bis dahin eine weitere Zusammenarbeit mit diesem Team ausgeschlossen.“

Bezahlung der „Medienberater“

Auf die Frage, wie die Mitarbeiter bezahlt werden und wie hoch ggf. die Provision für einen Abschluß ist, antwortet er gar nicht. Man darf aber davon ausgehen, dass die Provision mindestens 60 Euro beträgt – das ist nämlich der Betrag, den man spart, wenn man den Vertrag nicht beim „Medienberater“ sondern im Internet abschließt. Für Menschen, die möglicherweise mit Mindestlohn oder sogar rein provisionsbasiert, also quasi-selbstständig sind, bezahlt werden, mag eine solche Provision Anreiz genug sein, die Verhaltensvorgaben nicht einzuhalten.

Text: Matthias Lauterer




„Wir sind gekommen, um zu bleiben“

Schnelles Internet für die ganze Region – das ist das Versprechen, mit dem die Deutsche Giganetz GmbH (DGN) unter anderem in der Region Hohenlohe-Franken wirbt. Sie will in den Gemeinden, wo vorab für 35 Prozent der Hausanschlüsse Verträge abgeschlossen werden, ein modernes Glasfasernetz in eigener Regie und auf eigene Kosten errichten.

Künzelsau: Werbekampagne am 1. Mai 2022 beendet

Die Werbekampagne, Giganetz nennt es „Angebotsbündelung“, in der Stadt Künzelsau ist am 1.Mai 2022 zu Ende gegangen, am 28. April meldete Giganetz auf seiner Webseite noch eine Beteiligung von 26 Prozent.

So will DGN die Kernstadt Künzelsau und die Teilorte vernetzen. Foto: DGN

Alles noch möglich

Frank Wittich-Böcker, Konzernpressesprecher der DGN und Ralf Weng, verantwortlich für das Projekt in Hohenlohe-Franken, sehen die Situation für Künzelsau trotzdem optimistisch: „Wir sind sehr zufrieden mit Künzelsau“, sagt Weng. Er berichtet davon, dass es in der Regel einen Endspurt gibt, der erst ein paar Tage später – die Webseite wird immer am Donnerstag aktualisiert – veröffentlicht wird.

Wohnungsbaugesellschaften ziehen mit

Außerdem, so kann er berichten, hätte man „mit einigen großen Wohnbaugesellschaften“ erst kürzlich eine Kooperation vereinbart: „Die Vorgehensweise ist besprochen, wir haben einen guten Weg gefunden“. Dass sich die Wohnungsbaugesellschaften gesperrt hätten, war immer wieder zu hören, das kann Weng so nicht bestätigen: „Wir haben schon im März ein Gespräch geführt und haben uns jetzt in Präsenz getroffen“. Diese Anschlüsse sind wohl noch nicht in den veröffentlichten Zahlen sichtbar.

Widerrufsfrist läuft noch

Die endgültigen Zahlen, wirft Wittich-Böcker ein, könnten ohnehin noch nicht genannt werden: „Erst müssen wir, das schreibt die Gesetzeslage vor, den Kunden eine Vertragszusammenfasung senden, danach hat der Kunde ein dreiwöchiges Widerrufsrecht“.

Verlängerung der Kampagne ist möglich

Und wenn die 35 Prozent doch nicht erreicht werden? „Dann ist immer noch eine Nachfrist möglich, in der wir nochmal kräftig die Werbetrommel rühren“. Interessenten, die den „Speed-Point“ im alten Rathaus besucht haben, berichten, dass man dort bereits von einer Fristverlängerung gesprochen habe. Das haben Weng und Wittich-Böcker allerdings nicht bestätigt. Sie sagen aber „wenn es um  100 Anschlüsse geht …“.

Nur Teilorte versorgen: nicht geplant

Einen Wermutstropfen gibt es: Sollte das 35-Prozent-Ziel in der Gesamtstadt Künzelsau verfehlt werden, aber in den bisher schlecht versorgten Teilorten erreicht werden, dann werden die Teilorte nicht getrennt von der Gesamtstadt betrachtet – zumindest wird dann das Netz dort nicht eigenwirtschaftlich und allein auf Kosten der DGN gebaut. „Wir wollen Ende 100 Prozent anbieten“. Fördermittel aus staatlichen Töpfen, die Stadt oder Kreis möglicherweise erhalten können, könnten natürlich eingebracht werden. Gefördert werden allerdings nur Gebiete, in denen bisher weniger als 30Mbit/s vorhanden sind.

Die Investoren hinter der Deutschen Giganetz GmbH

Die DGN investiert derzeit eine Menge Geld, drei Milliarden geplantes  Investitionsvolumen bundesweit bestätigt Wittich-Böcker, ohne schon größere Einnahmen zu haben – nur in wenigen Orten ist die DGN bereits online. Das läßt Fragen zu den Investoren aufkommen. Im Endeffekt steht hinter der DGN eine Investorengesellschaft, hinter der wiederum die kanadische SunLife -Versicherung steht. „Die suchen eine langfristige und planbare Rendite“, weiß Wittich-Böcker und sagt: „Wir sind gekommen, um zu bleiben“.

Kritik an den Methoden der eingesetzten Werber

Einige Bürger haben die Methoden der Werber – bei DKN werden sie „Medienberater“ genannt – kritisiert, das Thema wurde sogar im Gemeinderat auf den Tisch gebracht. Die Rede ist von Drohszenarien und Falschaussagen.

Persönliche Ansprache ist wichtig

Dazu sagt Wittich-Böcker, dass die persönliche Ansprache ganz wichtig sei und oftmals als Erinnerung daran, dass man sich das ja mal anschauen wollte, dient. „Ein großer Anteil der Verträge ist auf persönliche Ansprache zurückzuführen“. Die Medienberater sind keine DGN-Mitarbeiter, sie kommen aus einem Pool von Partnerfirmen und seien gezielt für diese Aufgabe geschult: „Diese Kapazität holen wir uns dazu.“ Bedenken wegen des Datenschutzes wollen die Vertreter der DGN ausräumen: „Die Geräte gehören der DGN, auf diesen Geräten sind keine persönlichen Daten und keine Namen, nur die Daten der Hausanschlußpunkte“.  Bei Nichtinteresse würde das auch nur im Zusammenhang mit dem Hausanschlußpunkt vermerkt und nicht mit Namen versehen, so Wittich-Böcker.

„Man muss eine schnelle Reaktion zeigen“

Bei Problemen mit dem Verhalten eines Medienberaters könne man sich jederzeit an das Unternehmen wenden. In einem Fall, der sich in Beilstein zugetragen hat, konnten die Unstimmigkeiten mit einem potentiellen Kunden umgehend bereinigt werden – sogar noch bevor ein Artikel in der dortigen Lokalzeitung veröffentlicht wurde. „Man muss eine schnelle Reaktion zeigen“, sagt Wittich-Böcker. Er weiß: „Das eigene Haus ist für die Menschen natürlich immer etwas ganz Besonderes. Daher ist das persönliche Gespräch so wichtig“.

Abwarten gefragt

Für die Bürger:innen und Unternehmer Künzelsaus, die sich auf schnelles Internet freuen, ist jetzt Abwarten angesagt, bis die Quote letztendlich feststeht.

Text: Matthias Lauterer