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„Wenn der Müll bei uns aufschlägt, kann man ihn nicht mehr vermeiden“

Wenn von Deponien und Wertstoffhöfen die Rede ist, denkt man unwillkürlich an überall herumliegende Abfälle, Dreck und Gestank. Und genau so war es früher auch vielerorts der Fall. Schaut man sich einen modernen Wertstoffhoff an, dann sieht das ganz anders aus.

War früher vielleicht eher das Ziel, möglichst jeden Abfall einfach abzulagern, steht heute das Recycling im Vordergrund. Daher sind auf dem neu gebauten Wertstoffhof an der Deponie Stäffelesrain rund 20 Abwurfstellen für die unterschiedlichsten Stoffarten zu finden. „Wir sind froh, wenn die Leute gut trennen“, sagt Silvia Fritsch, Betriebsleiterin bei der Abfallwirtschaft Hohenlohe. Denn Müll, der nicht getrennt ist, darf nicht oder nur zu einem höheren Preis – abgegeben werden.

Wertsoffhof ist neu gebaut

Der neu gebaute Wertstoffhof macht es den Anlieferern sehr bequem: Die Anlieferzone ist komplett überdacht, die Container sind versenkt aufgestellt und Anlieferzone und Abholbereich sind getrennt, es kann also nicht zu gefährlichen Begegnungen kommen. Ein Manko gibt es noch:  Bei hohem Aufkommen staut sich der Verkehr auf der Zufahrtsstraße. Auch hier ist für die Anlieferer Abhilfe in Sicht: Die verlängerte Abbiegespur ist bereits im Bau und kann bald in Betrieb genommen werden. Etwas länger wird es noch dauern, bis für die Mitarbeiter:innen ein Gebäude mit Sanitär-  und Sozialräumen errichtet ist. Bis dahin müssen die Mitarbeiter:innen mit Containern vorlieb nehmen.

Müll wird bereits getrennt gesammelt

Um den Müll bereits vor Ort recyclinggerecht zu trennen, stehen für viele Arten von Abfall spezielle Container bereit. Diese Container werden von spezialisierten Unternehmen abgeholt und die Inhalte können ohne größere Probleme recycelt werden. Papier, Metallschrott, Holz aus dem Außenbereich, Möbelholz und so weiter, alles wird getrennt erfasst, um den Recyclingunternehmen einen möglichst reinen Rohstoff anbieten zu können. Beispielsweise werden Gips-Platten aus dem Innenausbau gesondert erfasst, da sie durch ihren Schwefelgehalt nicht zusammen mit Bauschutt entsorgt oder weiterverarbeitet werden können.

Für viele Abfallarten stehen spezielle Container bereit. Foto: GSCHWÄTZ

Werkstatt für Behinderte und AIH

Elektroschrott wird im Hohenlohekreis vor dem Recycling weiter getrennt. Kleinere Artikel werden in der Werkstätte für Behinderte in einzelne Stoffkomponenten getrennt, größere Einheiten wie „weiße Ware“, also Kühlschränke oder Waschmaschinen gehen zur AIH (Arbeitsloseninititive Hohenlohe), wo sie gegebenenfalls repariert und zur Weiterverwendung angeboten werden. Gerade in Elektrogeräten sind viele Wertstoffe enthalten, die unbedingt wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden sollten.

Bisher keine Schatzfunde

Ob es im Abfall auch Schätze gibt? „Nein“, lacht Fritsche, „bisher wurde kein Schatz gefunden. Aber manchmal denkt jemand, dass ein Teil doch zu schade zum Wegwerfen ist“ – auch für diese Teile gibt es einen Platz. Und tatsächlich finden sich für diese Sachen auch neue Besitzer.

Auch Hartkunststoffe können auf dem Wertstoffhof abgeliefert werden. Foto: GSCHWÄTZ

Kaum Rückflüsse

Geld verdienen lasse sich trotz der Trennung kaum, sagt Silvia Fritsch. Fast nur bei Metallschrott und Papier gebe es geringe Rückflüsse. Allerdings merke sie auch, dass Rohstoffe immer teurer würden und daher Recyclinggut höher im Kurs steht. Trotzdem sollte das erste Ziel die Müllvermeidung sein: „Es gibt viele Sachen, die für die Mülltonne produziert werden“, sagt Fritsch. Man merkt ihr deutlich an, dass sie sich über derartige Produkte ärgert. „Wenn der Müll bei uns aufschlägt, kann man ihn nicht mehr vermeiden“.

Mehr und unsachlichere Konflikte

„Es läuft gut mit den Anlieferern“, lobt Fritsch. Die meisten Privatleute würden den Abfall vorher sortieren. Aber manchmal käme es auch zu Konflikten, und „die werden mehr und unsachlicher“, hat sie bemerkt. Aber das Personal sei auch auf solche Situationen vorbereitet.

Bautätigkeit auf dem alten Deponieteil

Direkt neben dem Wertstoffhof liegt die Mülldeponie. Seit 1980 ist sie im Betrieb. Schwere Baumaschinen fahren auf der Deponie herum. Fritsch erklärt, dass der alte Teil der Deponie gerade abgedeckt wird: „Mehrere unterschiedliche Schichten werden zu Abdichtung aufgetragen, dann kommt noch eine Folie drauf.“ Und zum Schluss soll die abgedichtete Deponie begrünt werden. Ziel ist es, dass kein Oberflächenwasser in die Deponie eindringen kann und das Oberflächenwasser ohne Kontakt zu den Abfällen an der Oberfläche in die Bäche abfließen kann.

Deutlich zu sehen: die unterschiedlichen aufgebrachten Schichten. Foto: GSCHWÄTZ

Im Untergrund tut sich was

Doch auch im Untergrund der Deponie ist Bewegung: Material verrottet, es entstehen Gase. Diese Gase könnten theoretisch wie Erdgas verbrannt werden. „Wir hatten einen Gasmotor im Einsatz“, berichtet Fritsch, „aber die Gasmenge war zu gering und zu unterschiedlich zusammengesetzt“. Bis 2004 war der Gasmotor in Betrieb. Inzwischen dürfte ein Gasmotor noch weniger rentabel sein, da der Hausmüll immer weniger verrottbare Abfälle beinhaltet – der Biomüll wird im Hohenlohekreis inzwischen getrennt erfasst und verarbeitet.

Schwere Maschinen auf der Deponie. Foto: GSCHWÄTZ

Auch wenn das Depniegas nicht mehr verwertet wird, ist im Untergrund der Deponie ein umfangreiches Leitungssystem vorhanden. Wasser und Gase werden aufgefangen und kontrolliert ausgeleitet. Damit steht ein System zu Verfügung, durch das Proben genommen oder Messungen vorgenommen werden können: „Alle zwei Jahre wird vom Regierungspräsidium eine große Begehung durchgeführt“, erklärt Fritsch. Aber es werden ständig Proben genommen und analysiert – und vor allem: dokumentiert. Zwar ist die Deponie maximal für mäßig belastete Stoffe und nicht für gefährliche Stoffe zugelassen – aber sicher ist sicher.

6 Hektar neue Deponie

Der alte Deponiebereich wird versiegelt und gleichzeitig wurden 6 Hektar neue Deponiefläche angelegt, die zukünftig befüllt werden. „Das reicht für 17 bis 20 Jahre“, sagt Fritsche. Und wenn diese Deponie auch gefüllt ist? „Dann stehen am Standort weitere rund sechs Hektar zur Verfügung“.

Umweltschutz

Direkt neben der Deponie wurde auf einer Ausgleichsfläche ein Biotop angelegt, das von vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten gut angenommen wurde. Von diversen Reptilien, Schmetterlingen sowie weiteren Insekten berichtet Fritsch, nur ein Tier hat sich bisher gut versteckt: „Ausgerechnet eine Gelbbauchunke habe ich auf der Deponie noch nicht gesehen“.

Text: Matthias Lauterer