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„Wir fordern das sofortige Ende dieses Krieges“

Anbei veröffentlichen wir erste Fotos von der Demo in Künzelsau am Freitag, den 18. März 2022 für Frieden und Freiheit in der Ukraine. Es fanden sich zirka 100 bis 200 Teilnehmer:innen (eigene Schätzung) auf den Wertwiesen ein. Die Polizei war ebenfalls mit mehreren Fahrzeugen vor Ort. Unter anderem Dekanatsjugendseelsorger Gerold Traub und Ingo Kuhbach vom katholischen Dekanat Hohenlohe hielten Reden.

Eine ausführliche Berichterstattung mit Videos und den einzelnen Reden folgt in Kürze.

Die meisten Teilnehmer:innen trugen Mundschutz. Foto: GSCHWÄTZ

Auch die Polizei war mit mehreren Fahrzeugen vor Ort. Foto: GSCHWÄTZ

Musikalische Einlage. Foto: GSCHWÄTZ

Demo für den Frieden

100 bis 200 Teilnehmer versammelten sich an den Wertwiesen. Foto: GSCHWÄTZ

Fridays for future stellten ihre Planungen für den Weltklimatag hintenan und demonstrieren für Frieden, Freiheit und Demokratie in der Ukraine. Foto: GSCHWÄTZ

Demo am Freitag, den 18. März 2022 in Künzelsau.

Demoteilnehmer. Foto: GSCHWÄTZ

Viele ältere Mitbürger:innen, Student:innen und Mütter mit ihren Kindern waren vor Ort. Foto: GSCHWÄTZ

Demo am Freitag, den 18. März 2022 in Künzelsau für Frieden und Freiheit in der Ukraine. Foto: GSCHWÄTZ

Demo am Freitag, den 18. März 2022 in Künzelsau für Frieden und Freiheit in der Ukraine. Foto: GSCHWÄTZ

Demo am Freitag, den 18. März 2022 in Künzelsau für Frieden und Freiheit in der Ukraine. Foto: GSCHWÄTZ

Demo am Freitag, den 18. März 2022 in Künzelsau für Frieden und Freiheit in der Ukraine. Foto: GSCHWÄTZ




Kein Ansprechpartner, unangemeldet, eventuell instrumentalisiert von Reichsbürgern

Der SPD-Politiker und Künzelsauer Gemeinderat Hans-Jürgen Saknus hat eine klare Meinung zu den Montagsspaziergängern.

In einer Demokratie dürfe jeder seine Meinung äussern, auch protestieren dürfe man, aber dann solle dies auch in einem dementsprechenden rechtlichen Rahmen geschehen. Saknus kritisiert im Wesentlichen, dass die Montagsspaziergänge vielerorts  – so wie in Künzelsau (in Bretzfeld sind die Spaziergänge wiederum angemeldet) – unangemeldet gemacht werden und es damit weder einen Ansprechpartner gibt, noch klar ist, welcher konkrete Zweck damit verfolgt werde [Anm. d. Red.: Versammlungen und Demonstrationen sind in Deutschland grundsätzlich erlaubt, unterliegen jedoch einer Anmeldepflicht].

Zudem befürchte er, dass sich etwa Reichsbürger dartige Ansammlungen zu Nutze machen könnten, um die Bürger:innen für ihre Zwecke zu intrumentalisieren beziehungsweise zu beeinflussen. Saknus ist Gründer des Aktionsbündnisses „Künzelsau für Menschlichkeit“.

An der für heute anscheinend geplanten Gegendemonstration in Künzelsau wird Saknus laut eigenen Aussagen aber nicht teilnehmen.




Es geht sehr wohl um die Grundrechte

In seiner Zornesrede vor wenigen Tagen hat unser GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer die Meinung vertreten, dass es bei den Querdenker-Demo in Stuttgart am Karsamstag nicht um die Grundrechte geht. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Sandra Hartmann sieht das anders. Ein Gegenkommentar.

Etwas Enttäuschung schwebt schon im Raum

Es geht sehr wohl um die Grundrechte, wenn eine fünfstellige Zahl an Bürgern allein in Stuttgart demonstriert. Und viele demonstrieren hier nicht gegen das Coronavirus, ein Mitdemonstrieren bedeutet auch nicht gleichzeitig, dass man ein Coronaleugner ist. Es gibt viele Bürger, die sich mittlerweile einfach nur besorgt über die massive Beschneidung der Grundrechte zeigen. Und wie kann man das besser zum Ausdruck bringen als in einer Demo? Ich bezweifle, dass auch nicht alle, die dort waren, einfach die Coronaregeln missachtet haben. Es wird wie so oft gewesen sein: Die Presse vor Ort lichtet die im negativen Sinne exemplarisch besten Fälle von Bürgern ab, die keine Maske tragen und sich nicht an Abstandsgebote halten. Es gibt aber auch genügend Demonstranten, die am Rande stehen, sich an die Regeln halten, die an Corona glauben, die aber (manche) Verordnungen hinterfragen und die nach einem Jahr Lockdown mit Pausen einfach ausgebrannt sind. Finanzielle Sorgen kommen hinzu und eine ernüchternde Enttäuschung schwebt schon im Raum, dass nach über einem Jahr mit diesen strikten Maßnahmenpaketen die Zahlen nicht besser sind.

Die nächste Lockdownstufe

Die nächste Stufe des Lockdowns wären dann flächendeckende ganztägige Ausgangssperren für alle. Und selbst dann würde sich das Virus weiterverbreiten. Bei der Arbeit, in den Kindergärten. Freiwillige oder verpflichtende Tests vor Ort müssten eigentlich bereits zu Hause durchgeführt werden, um mit dem Virus nicht spazieren zu gehen. Aber zu Hause, so die Angst mancher Stadtverwaltung, werde vielleicht nicht richtig getestet. Während Künzelsau etwa die Selbsttests für die Schüler:innen den Eltern mit nach Hause gibt, sollen die Kitakinder im Kindergarten in Niedernhall regelmäßig vor Ort im Kindergarten getestet werden.

Man dürfte schon etwas mehr Vertrauen in die Bürger:innen haben

Ein bisschen mehr Eigenverantwortung sollte man den Bürger:innen aber schon zutrauen. Denn je mehr ich selbst daran mitbestimmen, je mehr man selbst Teil der Lösung eines Problems sein kann, desto mehr sind die Menschen auch bereit dazu. Wenn man alles nur verordnet bekommt und fast keine Entscheidung darüber selbst treffen kann, stellt sich automatisch irgendwann eine Abwehrhaltung bei einer nicht zu unterschätzenden Zahl ein, insbesondere dann, wenn  man merkt, dass die verordneten Maßnahmen nicht zum Erfolg führen.

Damit käme der Brückenlockdown einem Dauerlockdown gleich

Deshalb wäre es am wichtigsten, besser zu erklären, warum man die Maßnahme X nun eingeführt hat und nicht Alternative B oder C. Die Bürger sind mündig, aber sie wollen mitgenommen werden, glaubwürdig mitgenommen werden – von einer nicht-korrupten Regierung. Man denke nur an den Maskenskandal der CDU, der bislang zu kaum einer Konsequenz geführt hat. Auch das nun von Armin Laschet in den Raum geworfene Wort des „Brückenlockdowns“ ist an Euphemismus kaum zu überbieten, meint er damit nicht etwa, ein Brückenlockdown über die Feiertage, sondern ein Brückenlockdown, bis mehr beziehungsweise die meisten Menschen geimpft. Unkonkreter geht es eigentlich kaum mehr, was auch nicht gerade förderlich für die Motivation der Bürger:innen ist. Damit käme der Brückenlockdown einem Dauerlockdown gleich.

Eine Perspektive geben sieht anders aus.




Autokorso durch Heilbronn: „Friedensfahrt für unsere Grundrechte und sofortige Beendigung des Lockdowns“

Im Rahmen einer angemeldeten Versammlung „Friedensfahrt für unsere Grundrechte und sofortige Beendigung des Lockdowns“ versammelten sich am Sonntag ab 14 Uhr insgesamt 53 Fahrzeuge mit rund 160 Demonstranten in der Hafenstraße in Heilbronn. Das geht aus einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn hervor. Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort, um den Aufzug mit eigentlich 200 angemeldeten Fahrzeugen sicher durch den Straßenverkehr zu geleiten. Gegen 14.30 Uhr begaben sich die Demonstrationsteilnehmer mit ihren 53 Fahrzeugen auf die zugewiesene Strecke. Die Versammlung verlief störungsfrei. Es kam zu keinen Verstößen gegen die Auflagen. Durch den Autokorso kam es in Heilbronn von 14.30 Uhr bis 16.15 Uhr vereinzelt geringe Verkehrsbeeinträchtigungen.

20 neue Coronafälle

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat am Samstag, 27. Februar 2021, insgesamt 20 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Am heutigen Sonntag wurden keine weiteren laborbestätigten Fälle gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 79,0 pro 100.000 Einwohner. Das geht aus einer Meldung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Neuer Rekord im Kreisimpfzentrum

Das Kreisimpfzentrum (KIZ) Öhringen hatte auch an diesem Wochenende von Freitag bis Sonntag geöffnet. Insgesamt wurden an diesen drei Tagen rund 1.600 Erst- und Zweitimpfungen mit den Impfstoffen von Biontech und AstraZeneca durchgeführt.

Online vorab alles ausfüllen

Es wird weiterhin aufgrund der höheren Taktung im Kreisimpfzentrum auf die Vorabregistrierung hingewiesen, die jeder Impfling vor seinem Termin online durchführen kann, da dadurch sehr viel Zeit vor Ort eingespart werden könne. Über die Seite www.impfen-bw.de gelangen Bürger:innen, die bereits einen Impftermin erhalten haben, auf eine Seite, auf der sie ihre persönlichen Daten erfassen können sowie einen kurzen Fragenkatalog zum Gesundheitszustand ausfüllen können. Diese Daten werden nur auf dem eigenen Rechner gespeichert. Nachdem die Felder zu den persönlichen Daten und zur Anamnese ausgefüllt wurden, sollte der Laufzettel mit dem QR-Code auf einem DIN-A4 Blatt ausgedruckt oder als PDF-Datei gespeichert werden. Dieser muss ausgedruckt oder digital auf einem Smartphone oder Tablet zum vereinbartem Impftermin im Impfzentrum mitgebracht werden.

 

 




„Wir landen irgendwann in einer Coronadiktatur“

„Maskenverweigerer in den Knast“, einsame Kinder sind gesund“, „horcht den Medien“, „impfen iszt Nächstenliebe“, „gehorcht“, „melde deinen Nächsten wie dich selbst“, „Meinungsfreiheit wird überbewertet“ – steht auf den Schildern, die die Demonstranten umhängen haben. Sie sind alle gekleidet in weißen Anzügen mit weißen Masken. Die Gesichter sind nicht zu erkennen. Eine weibliche Stimme ertönt vom Band mit dem immergleichen Soundtrack: „Spahn erhöre uns“ und „erschießt die Maskenverweigerer“. Zum Gleichklang der Stimme laufen die Demonstranten wie Zombies durch die Innenstadt in Bad Mergentheim – aneinandergehalten von einem Seil mit dem Hinweis: 1,5m – was dem derzeit empfohlenen Coronasicherheitsabstand entspricht.

Die Zuschauer applaudierten nach der Vorstellung.

Hochgeladen hat das Video „Afd Archive“. Die Demo war am 08. Januar 2021. Eine Künstlergruppe aus Heidelberg hat diese Darbietung gemacht, um, so eine Sprecherin, „die drastischen Coronamaßnahmen durch Übertreibung zu kritisieren, um zu zeigen, wohin das alles führen kann. Wir landen irgendwann in einer Coronadiktatur.“




„Ich bemerke bei den Kindern einen fast schon devoten Gehorsam“

Mit warmen Worten wurde eine Künzelsauer Lehrerin am 25. Juli 2020 auf der Bühne der Querdenken-Demonstration in Crailsheim begrüßt. Es war nicht ihre erste Querdenken-Rede (Zitate aus der Rede sind in kursiv). Ihr Thema: Wie Corona das schulische Leben verändert hat. Wir haben bei der Lehrerin nachgefragt, ob sie diese Themen nach wie vor so kritisch sieht, wie sie es damals formuliert hat. Sie wollte sich jedoch nicht dazu äußern, da sie negative Konsequenzen in ihrem beruflichen Umfeld befürchtet. Anbei veröffentlichen wir daher lediglich die wichtigsten Textpassagen mit redaktionellen Anmerkungen von unserer Seite.

Chilliges Nichtstun

Zu Beginn der Rede zeichnet sie ein idealisiertes Bild von der Normalität des Schulalltags: Fröhlichkeit, Lachen, chilliges Nichtstun, aber auch schmunzelnde Mißbilligung

In der Pause schlichten die Lehrer Streitereien, ziehen Schüler aus den Ecken, die dort heimlich rauchen oder scheuchen Mädchen raus, die zu fünft in einer Toilettenkabine sitzen.

Im Wesentlichen herrscht aber Gemeinschft und Harmonie:

Dazwischen wird Fußball gespielt, gefangen, geschubst, aus einer Flasche getrunken und vom gleichen Pausenbrot abgebissen. 

Damit ist der Anker gesetzt, dieses Bild wird dem Zuhörer bis ans Ende der Rede im Gedächtnis bleiben.

Jetztzeit als fast dystopischer Kontrast

Ganz im Gegensatz dazu der Lehralltag im Juli 2020, als Corona ziemlich eingedämmt war. Ein geradezu dystopischer Zustand wird heraufbeschworen, beginnend schon am frühen Morgen ist die heile Schulwelt neuerdings geprägt von Verboten und Zwängen:

Morgens kurz vor 8 Uhr, ungefähr die Hälfte der Schüler sind anwesend, der Rest beginnt erst in der zweiten Schicht ab 10 Uhr. Die Schüler betreten nacheinander mit Maske das Gebäude und folgen dem Einbahnstraßensystem in das Klassenzimmer. Dort wird ausgiebig Hände gewaschen. Anleitungen hierzu hängen über jedem Waschbecken. Im Unterricht sitzen die Schüler an Einzeltischen mit 1,50 Meter Abstand. Gruppen- oder Partnerarbeit ist verboten, die Schüler müssen immer allein arbeiten.

Schlimm seien die fehlende Motivation der Schüler, leider von extern aufgedrängt und daher nicht beeinflußbar, sowie Kollegen, die konspirativ die Coronaregeln zu umgehen versuchen:

Das ist aber alles nicht dramatisch, da alle Schüler in das nächste Schuljahr versetzt werden. Da die Schüler dies bereits frühzeitig wussten, ist die Motivation, noch etwas zu arbeiten, sehr gering und sinkt mit jedem Tag weiter.

Pausen in denen alle zusammen sind, gibt es nicht mehr, der Lehrer entscheidet das individuell. Auch hier gilt das Einbahnstraßensystem und die Maske. Findige Kollegen verabreden sich heimlich mit anderen Kollegen, um zufällig gemeinsam Pause zu machen, so dass sich auch getrennte Klassen wieder sehen können.

Bereits bis hier eine harte Gegenüberstellung – sie macht ihren Zuhörern klar, dass niemand unter Coronabedingungen lernen oder lehren will. Aber es kommt noch eine Steigerung:

Über außerschulische Aktionen muss man gar nicht sprechen: Das gibt es nicht mehr. Damit gehen natürlich auch Jugendherbergen und Reiseveranstalter, die sich auf Klassenreisen spezialisiert haben, zugrunde und die Abschlussfeiern für die Abgangsklassen – ich verwende hier mal das Wort bizarr: Eltern und Schüler dürfen maximal zu dritt erst nach vorheriger Anmeldung teilnehmen. Sie haben zugewiesene Sitzplätze, das Gebäude darf nur mit Maske betreten, diese am Platz abgenommen werden. Es folgt eine kurze Rede, dann ganz schnell die Zeugnisübergabe, natürlich nicht direkt in die Hand des Schülers, sondern auf eine Ablage, wo es weggenommen werden muss. Kreative Schulen machen dass zb mit einer Pizzaschaufel. 

Nach Ende der Veranstaltung darf keiner bleiben, denn dann kommt das Desinfektionsteam, um alle Flächen zu reinigen und das dauert einige Zeit. Nicht länger als 30 Minuten, denn dann kommt die nächste Gruppe dran.

Reisebüros, die sich nicht auf Klassenreisen spezialisiert haben, leiden übrigens auch. Und noch schlimmer – nicht einmal vor dem Klassenfoto macht der Virus halt, mit kaum überhörbarem Sarkasmus folgt eine letzte Steigerung:

Ein Klassenfoto zum bestandenen Abschluss, wie es immer war, wird es wohl nicht geben. Wobei auch da manche Schulen äußerst kreativ sind. Wie wäre es mit einem Maskenfoto oder – um den Abstand zu gewähren – Kreise oder Ringe auf dem Boden, in denen die Kinder stehen müssen. Natürlich kann da nur die Hälfte der Klasse aufs Bild, aber in schwierigen Zeiten wie diesen muss man eben Opfer bringen.

Die Dystopie ist perfekt, die Rednerein hat ihr Ziel erreicht: Das Publikum ist regelrecht schockiert über die Zustände in den Schulen. Jetzt noch ein Fallbeispiel und dann kann man übergangslos wie aus dem Lehrbuch zu den verschwörungstheoretischen Folgerungen übergehen:

Hier sei nur ein Beispiel aus der Nähe von Bruchsal genannt, wo eine Grundschullehrerin positiv getestet wurde und und zwei Klassen mit 46 Schülern in Quarantäne müssen. Die Begründung hierfür ist: Die Kinder seien zu der Lehrerin Kontaktpersonen ersten Grades gewesen, das heißt mindestens 15 Minuten mit positiv getesteter Person in Kontakt ohne 1,50 Meter fünfzig Abstand und Maske, bedeutet konkret: alle 46 Kinder sind Kontaktpersonen ersten Grades. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, dass in einer Grundschulklasse mit mehr als 20 Schülern jedes dieser Kinder direkten Kontakt zur Lehrerin hatte.

Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse

In Grundschulen gab es tatsächlich keine Maskenpflicht, das bedeutet aber auch, dass jeder Huster die Viren eines infizierten und infektiösen Schülers über mehrere Meter in den Klassenraum trägt. Der „direkte Kontakt“ ist gar nicht notwendig, wissenschaftliche Untersuchungen über die Reichweite gibt es genug, auch verständliche Simulationen der Ausbreitung von Tröpfchen und Aerosolen haben wir genügend gesehen. Auch im Juli war das schon bekannt, denn bereits im März sagte mir ein Künzelsauer Arzt: „Wenn Sie sich im Bus auf die Rückbank setzen und husten, dann hats der ganze Bus.“ Hier findet also eine explizite Leugnung der Gefahren statt.

Argumentation, wie man sie von Verschwörungstheoretikern kennt

Vielleicht ist dies ein etwas seltsamer Einzelfall, vielleicht wird hier aber auch versucht, durch Erhöhung der Testungen ein Szenario zu schaffen, um erneute Schulschließungen durchsetzen zu können – und das alles auf dem Rücken der Kinder, die sich widerstandslos fügen müssen.

Hier ist dann der Beginn des verschwörungstheoretischen Ansatzes: Zu Beginn ein Fallbeispiel, das nur ein paar Angaben zu wenig enthält, um es zu recherchieren. Danach wird ein Szenario, das der Rednerin als Horrorszenario erscheint, in den Raum gestellt (übrigens ohne zu begründen, warum dies überhaupt ein Horrorszenario sein soll) und dann unterstellt die Rednerin einer unpersönlichen und anonymen höheren Macht, dass diese genau dieses Horrorszenario herbeiführen will. Der Vorwurf, dass dies alles auf dem Rücken der Kinder geschieht, ist wirkmächtig. Er ist gleichzeitig ein wenig absurd, schiebt die Rednerin doch auch immer das Wohl der Kinder vor. Die ungenannte Macht würde die eventuellen Schulschließungen sicherlich auch mit dem Wohl der Kinder begründen.

Auf beiden Seiten: Kinder als Mitel zum Zweck

Dass die Rednerin die Logik der im Juli umlaufenden Informationen über die vom Kultusministerium geplanten Maßnahmen nicht versteht, kann man ihr nicht vorwerfen. Zu widersprüchlich waren einige der Äußerungen. Und der Ministerpräsident und die Kultusministerin machten damals wirklich den Eindruck, dass sie nicht miteinander sprechen, sondern nur unkoordiniert mit der Presse. Was aber folgt, ist die Unterstellung, dass dies ein bewußt eingesetztes Mittel zu Verunsicherung der Bevölkerung sei:

aber mit der Aufhebung der Abstandsregel in den Klassen erhöht sich auch wieder die Chance, irgendwo positive Fälle zu finden und die entsprechend Betroffenen in die Isolation zu schicken. Keiner soll sich sicher fühlen, wie war das nochmal mit der zweiten Welle?

Zweiter klassischer Ansatz der Verschwörungstheoretiker: Der böse Staat arbeitet gegen das Volk. Bei Trump ist es der „Deep State“, gegen den jeder anzugehen hat, hier ist es die Landesregierung: Denn eine in böswilliger Absicht gegen die Bevölkerung handelnde Regierung rechtfertigt jede Aktion, so der nicht ausgesprochene, aber in den Zuhörern sicherlich getriggerte Argumentationsstrang.

2 Coronatests für jeden Lehrer

Auch dass die Landesregierung jedem Lehrer und jeder Lehrerin zwei kostenlose Coronatests zur Verfügung stellen wollte, wird als perfide Maßnahme zur künstlichen Erzeugung der zweiten Welle gewertet:

Um die Schulbediensteten zu beruhigen, gibt es von August bis September zwei kostenfreie Coronatests für alle und ich kann mir gut vorstellen, dass viele diese in Anspruch nehmen – und schon ist sie da, die zweite Welle. Oder sie kommt erst im späten Herbst, wenn sonst immer die Erkältungszeit ansteht und es ganz normal ist, dass einige erkranken und auch wieder gesund werden. Aber auch hier wird man durch gezieltes Testen in Schulen fündig werden und Corona aufstöbern.

Die Rednerin beschreibt anschließend völlig korrekt drei Szenarien, wie der Schulbetrieb nach den Ferien denkbar wäre:

Szenario 1: Regelbetrieb, der mit begleitenden Hygienemaßnahmen wie beispielsweise regelmäßiges Lüften sowie dem Tragen von Mund-Nasenschutzmasken in den Pausen und auf den Gängen flankiert wird-

Szenario 2: Rollierendes system: Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht

Szenario 3: Fernunterricht aufgrund temporärer lokaler, regionaler oder überregionaler Schulschließungen.

Sie stellt dann fest:

Es dürfte jedem klar sein, dass unter solchen Umständen kein regulärer Schulbetrieb stattfinden kann.

Nein, das ist überhaupt nicht klar. Warum sollte ein Präsenzunterricht mit Lüften und einigen Hygienemaßnahemen kein „regulärer Schulbetrieb“ sein? Es ist sicher nicht derselbe Schulbetrieb wie in der Vergangenheit. Auch ein Fernunterricht kann „regulär“ sein, wenn die technischen und pädagogischen Voraussetzungen erfüllt sind, Australien kann hier als Vorbild dienen. Dass beide Voraussetzungen trotz der Warnungen vor einer zweiten Welle von den Verantwortlichen nicht geschaffen wurden, steht auf einem anderen Blatt. Wenn sie mit

Wohl auch um möglichen Klagen vorzubeugen, hat Kultusministerin Eisenmann daher für das kommende Schuljahr die Aussetzung der Schulpflicht angeordnet.

fortfährt, erreicht und erregt sie damit Ihr Publikum. Das ändert aber nichts daran, dass diese Aussage schlicht falsch ist. Nicht die Schulpflicht ist ausgesetzt, sondern die Präsenzpflicht. Und die Schulen sind sogar in die Pflicht genommen, auch einen Unterricht für diejenigen Schüler anzubieten, die nicht zur Schule kommen. Schulpflicht und Anwesenheitspflicht sind zwei verschieden Dinge. Das Demo-Publikum war jedenfalls entsetzt und brachte das Entsetzen wie gewünscht auch zum Ausdruck.

Behauptungen werden zu Fakten erklärt

Das sind die Fakten. 

sagt sie und erklärt damit die vorhergehenden Falschinformationen, Umdeutungen und Unterstellungen schnurstracks zur unumstößlichen  Wahrheit. Sie manifestiert ihr Gedankengebäude und schließt jeden Widerspruch aus. Und das ist die Vollendung der verschwörungstheoretischen Argumentation. Wer hier als Zuhörer noch argumentativ mitgeht, hat keine Chance mehr auf ein Entkommen.  Das sicherlich ein wenig vorgeprägte Publikum widersprach nicht.

Sozialkonfomes Verhalten wird angeprangert

Ich bemerke, die Schüler haben sich verändert. Ich bin erschrocken, mit welcher Selbstverständlichkeit das Maskentragen im Schulgebäude akzeptiert wird und wie verzweifelt manche Schüler sind, wenn sie mal ihre Maske vergessen haben.

Dass sich Kinder in einer Krise verändern, ist erwartbar. Jeder von uns hat sich in irgendeiner Form der Krise angepaßt. Vielleicht haben die Schüler verstanden, welchen Nutzen eine Schutzmaske hat. Ganz so schwierig ist das nicht zu verstehen, dass Masken sowohl die Menge der eventuell verbreiteten Viren als auch deren Reichweite beträchtlich vermindern. Wenn man das verstanden hat, trägt man die Maske aus Verantwortlichkeit gegenüber seinem Nachbarn.

Ich bemerke zum einen bei den Kindern einen fast schon devoten Gehorsam und auch eine Art Denunziantentum, besonders bei jüngeren Kindern. Viele sind extrem verunsichert, kommen mir vor wie ferngesteuert, zeigen kaum noch eigenen Antrieb, erwarten ständig Vorgaben des Lehrers. Zudem sinkt die Motivation vieler Schüler beträchtlich.

Die Unsicherheit mag daher kommen, dass die Vorbilder der Kinder – unter anderem die Lehrer – uneinheitlich handeln und sich teilweise über gesellschaftliche Regeln hinwegsetzen. Nur eine Minderheit, wie die Rednerin betrübt feststellt:

Ich kenne zum Glück einige Kollegen, die ähnliche Ansichten haben wie ich und die nicht länger schweigen wollen und können. Dennoch ist das leider eine verschwindende Minderheit. Die meisten setzen die Anordnung um, ohne kritisch zu hinterfragen und sich zu überlegen, welche Schäden die Kinder davontragen.

Aber sie zeigen damit, wie wenig ihnen Regeln wert sind … aber HALT:

Kinder brauchen die Interaktion mit einer festen Bezugsperson. Sie brauchen Regeln und Struktur, um zu wachsen. Sie brauchen den Lehrer als Vertrauensperson, der sie unterstützt und begleitet. 

Wenn Kinder Regeln brauchen, dann sollten ihnen diese Regeln vorgelebt werden, in einer Schulgemeinschaft dadurch, dass sich die Lehrerschaft auf gewisse Grundregeln und Erziehungsziele einigt und jeder Lehrer diese Ziele selbstverständlich verfolgt. Wenn einzelne Lehrer dies nicht tun, dann werden die Schüler unsicher und verlieren ihr Selbstbewußtsein. Die Rettung ist dann die Flucht zu einer Vertrauensperson, der sie ihre Verwirrung schildern. Und das wird dann dieses „Denunziantentum“ sein.

Mehrere Studien, unter anderem die COACTIV Studie aus dem Jahr 2009 belegen klar, dass der wichtigste Garant für erfolgreiches Lernen ein intaktes Lehrer-Schüler-Verhältnis ist. Kinder brauchen die Interaktion mit einer festen Bezugsperson. Sie brauchen Regeln und Struktur, um zu wachsen. Sie brauchen den Lehrer als Vertrauensperson, der sie unterstützt und begleitet.Was sie nicht brauchen, ist ein Leben in Isolation, fern von ihren Klassenkameraden und ihren Lehrern, vor einem Endgerät, das ihnen Arbeitsblätter ausdruckt oder Videos vorführt.

Das Leben in Isolation brauchen wir alle nicht. Und dass Corona die Schülergeneration prägen wird, ist klar, wie jede Generation durch ihre Umgebung geprägt wird. Aber ein Leben in selbstbestimmter Isolation ist sicherlich für eine Zeitlang lebenswerter als ein fremdbestimmtes Leben auf der Intensivstation. Im Juli war die Situation nicht so schlimm wie heute: Heute sollten mehr als 250 Coronatote pro Tag Mahnung genug sein.

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung. Es ist ein Menschenrecht, das bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 verankert ist und in einer Reihe verbindlicher Übereinkommen wie etwa der UN-Kinderrechtskonvention garantiert wird. Es ist ein elementares Recht, weil es die Grundlage für Teilhabe und Chancengerechtigkeit schafft. Dieses Recht ist momentan für viele Kinder, gerade auch solche aus ärmeren Familien, ausgesetzt. So genannter Digital- und Fernunterricht, auch Homeschooling genannt, soll jetzt die Lösung der Zukunft sein.

Zunächst einmal war und ist auch heute noch der Fernunterricht in den derzeit ausprobierten Formen nur eine Notlösung für den Moment. Ob er sich als Lösung der Zukunft durchsetzen kann, ist zu diskutieren. Forderungen, auch politischer Parteien, die alles digitalisieren wollen, stehen im Raum. Die Gegenposition ist ebenfalls medial stark präsent und die Diskussion läuft. Die Voraussetzungen für flächendeckenden Fernunterricht sind bisher auf mehreren Ebenen nicht geschaffen. Corona bietet allerdings die Chance, die eine oder andere Voraussetzung zu schaffen und die Diskussion über leistungsfähige Konzepte für den Fernunterricht in Gang zu  bringen. Die Rednerin unterstellt implizit, dass die Bildungsgerechtigkeit vor Corona vorhanden war. Dem stehen Forschungsergebnisse gegenüber, denen zufolge der Schulerfolg auch von der Finanzkraft der Eltern abhängig ist.

Vor einigen Jahren  haben wir, damals ausgelöst von Minister Friedrich, eine gesellschaftliche Diskussion um das „Supergrundrecht“ Sicherheit miterlebt und haben gelernt, dass es ein derartiges „Supergrundrecht“ in unserem Staatsverständnis nicht gibt. Auch das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist also kein Supergrundrecht, warum sollte also das Recht auf Bildung höherwertig als das Recht auf Leben sein? Hier konkurrieren tatsächlich zwei Grundrechte, aber in einem echten Notfall, wie Corona einer ist, kann man das Recht auf Bildung eher ein Jahr zurückstellen als das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

Berechtigterweise stelle ich mir hier die Frage: Wozu braucht es denn noch eine klassische Schule und den klassischen Lehrer?

Diese Frage stellt sich auch Gunter Dueck in seinem Buch „Lean Brain Management“. Er kommt tatsächlich zu dem Schluß, dass es möglich sein könnte, Inhalte durch wenige „Brains“ festzulegen und aufzuarbeiten und durch fachlich deutlich weniger qualifizierte Lehrer als heute vermitteln zu lassen. Er nimmt aber nicht Stellung dazu, ob das ein empfehlenswertes Ergebnis ist.

Mehrere Studien, unter anderem die COACTIV Studie aus dem Jahr 2009 belegen klar, dass der wichtigste Garant für erfolgreiches Lernen ein intaktes Lehrer-Schüler-Verhältnis ist. Kinder brauchen die Interaktion mit einer festen Bezugsperson. Sie brauchen Regeln und Struktur, um zu wachsen. Sie brauchen den Lehrer als Vertrauensperson, der sie unterstützt und begleitet.

Eine COACTIV-Studie von 2009 konnten wir bei unseren Recherchen nicht finden, möglicherweise liegt hier eine falsche Quellenangabe der Rednerin vor. Es gibt eine COACTIV-Studie aus 2003/2004, die sich aber selber als „Pisa-Test für Mathematiklehrer“ bezeichnet und einen anderen Schwerpunkt hatte.

Gegen Ende Ihrer Rede führt sie die losen Enden wieder zusammen und unterstellt wieder politische Absichten hinter Corona.

Dass Schüler und Lehrer als Versuchskaninchen für die bildungspolitische Forschung missbraucht werden, ist nicht neu. Mich erschrecken allerdings die Dimensionen, mit denen das geschieht. Besondere Sorgen bereitet mir dabei die anstehende Maskenpflicht ab dem kommenden Schuljahr. Diese ist meines Erachtens nicht nur sinnfrei und unlogisch, sondern auch eine politische Gängelung, damit ja niemand denken sollte, die Gefahr einer Pandemie sei vorbei.

Zu guter Letzt besinnt sie sich darauf, dass die anfangs angesprochene anonyme Macht möglicherweise ihr eigener Dienstherr sein könnte und legt Wert auf die Feststellung:

Als ich Lehrerin wurde, habe ich einen Eid auf das Grundgesetz geleistet und zwar, dieses zu achten und zu schützen, besonders in Krisenzeiten. Hinter dieser Treuepflicht stehe ich zu 100 Prozent.

Nicht dass der Dienstherr vielleicht noch reagiert.

Text: Matthias Lauterer




Wie gefährlich sind die Querdenker?

Am Sonntag, den 13. Dezember 2020, kam Querdenken-Gründer Michael Ballweg auf die Querdenken-Demo nach Öhringen und hat mit Priscilla Dekorsi über die Ziele von Querdenken gesprochen, über mögliche rechtsradikale Tendenzen und warum er die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr als Rechtsstaat empfindet (wir berichteten).

„Ballweg fordert die sofortige Aufhebung aller Coronamaßnahmen“

Zunächst einmal, betonte Ballweg, stehe er für Frieden und Freiheit. Dann aber wurde Ballweg schnell konkreter. Das Ziel der Querdenker-Demos sei die sofortige Aufhebung der Coronamaßnahmen und die „sofortige Einschränkung aller Grundrechte“. Wie er selbst zu Corona steht, ob er – ähnlich wie Sonja Erdmann von den Öhringer Querdenkern glaubt, Corona sei „keine Krankheit“, sondern nur „ein Konstrukt“ zur vermeintlichen staatlichen Gängelung der Bürger oder ob Ballweg die Coronamaßnahmen lediglich als zu hart betrachtet, darauf wird in dem Interview nicht näher eingegangen. Auch nicht, inwieweit er hinter Äußerungen wie „Masken können Hirnschäden zur Folge haben“ von einem Vater (unlängst ebenfalls in Öhringen auf einer Demo postuliert,wir berichteten) steht. Hier sollten und müssten die Organisatoren den Sprechern, die auf die Querdenkerbühne treten, nahe legen, zumindest die Quellen zu nennen, auf die sie sich bei derartigen Behauptungen beziehen.

„Deutschland kein demokratischer Rechtsstaat mehr“

Ballweg will sich in Öhringen denn auch weniger in Details verlieren, er hat jedoch eine eindeutige Meinung zur Bundesrepublik Deutschland: „Wenn so viele Grundrechte eingeschränkt sind, können wir im Moment nicht mehr von einem demokratischen Rechtsstaat sprechen. Auch insbesondere, wenn politische Gegner so diffamiert werden.“ In der Tat wurden seit dem zweiten Weltkrieg noch nie so viele Grundrechte eingeschränkt wie im Laufe der Coronapandemie. Die Freiheit, wann und wo auch immer hingehen zu wollen zum Beispiel (etwa nachts unterwegs zu sein), Treffen mit Freunden und Verwandten, oder die Ladenöffnungszeiten – um nur einige Beispiele zu nennen.

„Wir haben es nicht geschafft, den Skinhead zu einem Nicht-Skinhead zu machen“

Nichtsdestotrotz geht er auch kritisch mit seiner Querdenken-Initiative um, etwa wenn es um Äußerungen von Querdenken-Rednern geht, die ihr heutiges Leid mit dem Leid von der NS-Zeit gleichsetzen (wir berichteten): „Ich würde auf die historischen Vergleiche verzichten, um eben auch keine Angriffsfläche zu bieten. Und es wird sich sowieso erst in zwei, drei Jahren zeigen, ob die Vergleiche gerechtfertigt waren oder nicht.“ Zum Thema Rechtsradikale in den Querdenker-Reihen hat der ehemalige Unternehmer ebenfalls eine klare Meinung: „Ich selbst bin auf dem Dorf groß geworden. Wir hatten immer so eine Runde, wo wir abends an einem Brunnen ein Bier getrunken haben und da war auch immer ein Skinhead dabei. Wir haben es nicht geschafft, den Skinhead zu einem nicht Skinhead zu machen. Er hat es aber auch nicht geschafft, an den Tisch noch einem zum Skinhead zu machen. Und deshalb ist es wichtig: Ja, es gibt vielleicht diese Position, aber eine Demonstration ist eben auch eine Demonstration ohne Eintrittskarte und ohne Eingangskontrolle. Auch ohne Gedankenkontrolle übrigens. Und ich denke, es ist wichtig, dass man miteinander redet, statt übereinander und dann auch die Positionen austauscht. Ich rede mit allen, die friedlich für eine freiheitlich demokratische Grundordnung stehen. Und dieser Dialog ist wichtig, weil sobald ich anfange, Menschen auszugrenzen, habe ich auch das Risiko, dass die Positionen extremer werden.“

Demo ohne Eintrittskarte

Ballweg skizziert während des Interviews noch einmal seinen Weg nach – vom Unternehmer zum Coronamaßnahmen-Gegner. Er ist ein ruhiger Redner, unscheinbar im Aussehen und Auftritt und möchte, so sagt er, „dass Kinder in einem Erziehungssystem leben, in welchem sie nicht erzogen werden, gewissen Systemen zu folgen, sondern wo sie ihrer Bestimmung folgen können. Wo wir auch respektvoll mit unserer Natur umgehen und auch die Kraft der Natur nutzen, um uns selber gesund zu halten.“

Ballweg kritisiert dabei den blinden, systemtreuen Gehorsam. Das ist auch vollkommen richtig. Wer möchte wieder in einer Zeit leben, in dem nur noch gleichgeschaltetes Denken erlaubt ist? Dennoch sind seine Aussagen teilweise, weil nicht immer beleg- und nachvollziehbar – wie auch die Aussagen von so manch einem anderen Querdenken-Redner – mit Vorsicht zu genießen. Aber so ist es nicht nur mit Querdenken-Rednern, auch so manche Aussage eines Politikers darf man nicht immer für bare Münze nehmen. Was ist heutzutage noch Fakt oder Fake? Vor allem in Coronazeiten ändern sich die Fakten täglich.

Löschung von Querdenker-Videos von youtube – GSCHWÄTZ ebenfalls betroffen

Wie gefährlich sind die Querdenker? Sicherlich ist es richtig, ständig kritisch zu hinterfragen, inwieweit die massiven Grundrechtseinschnitte gerechtfertigt sind. Wichtig ist auch, nach der Pandemie diese Grundrechte wieder in vollem Umfang und so schnell wie möglich einzufordern. Dafür dürfen, sollen und müssen Bürger demonstrieren und ihre Meinung äussern. Das gehört zu einer lebendigen Demokratie. Bedenklich ist in diesem Zuge die Löschung von youtube-QuerdenkerAccounts, wie Ballweg in Öhringen angedeutet hat. Vor wenigen Tagen wurde ein von der Redaktion GSCHWÄTZ auf youtube hochgeladenes Video über eine Querdenken-Demo in Öhringen ebenfalls von youtube entfernt. Youtube gab als Grund an, dass hier medizinische Falschinformationen verbreitet würden. Unter anderem hatte ein Vater auf der Demo davon gesprochen, dass das Maskentragen bei Kindern nicht nur zu Konzentrationsproblemen führen, sondern auch schwere Hirnschäden verursachen könne. Aber berechtigt das zur Sperrung eines Videos? Wo endet die Meinungs- und Pressefreiheit?, das ist die große Frage.

Auf der einen staatliche Seite Eingriffe in Grundrechte, auf der anderen Seite Coronaleugner

Auf der anderen Seite ist es gefährlich, wenn eine mittlerweile so große Initiative der Querdenker Corona nicht als Krankheit, als reale Pandemie anerkennen würde, sondern als „Konstrukt“. Das wäre ein Schlag ins Gesicht für jede/n Arzt/Ärztin, für jede Krankenschwester, jeden Pfleger und jede/n Bürger:in, die/der diese Krankheit schon einmal hatte. Auch hier müsste Ballweg daher klar Stellung beziehen. Andererseits bleibt aber auch die Frage: Darf nicht jeder seine Meinung äußern, auch wenn sie falsch ist?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 




„Wir haben es mit staatlicher Kindesmisshandlung zu tun“

„Wir sind eins, wir sind alle zusammen, wir gehören zusammen – wir sind eins. Eine Erde, eine Menschheit, eine Schöpfung, ein großer Geist“, tönte es am Sonntag, den 06. Dezember 2020, auf dem Öhringer Marktplatz. Es ist das Eröffnungslied der Versammlungen der Ortsgruppe Querdenken-794. Die Veranstaltung am Nikolaustag stand unter den Leitsprüchen „Selbstdenken – Freidenken – Freisein“ und „Wir lassen unser Licht erstrahlen in der Dunkelheit“. Auf jeder Einladung der Gruppe steht: „Wir sind eine friedliche und freundliche Zusammenkunft von Menschen! Wir sind achtsam mit allen Lebewesen!“

„Wirklich einen neuen Weg beschreiten“

Zu Beginn der Demo hob Veranstalterin Sonja Erdmann den Sinn des Advents hervor: „In der Adventszeit bereiten sich die Christen auf die Ankunft Jesu vor. Es war ursprünglich eine Zeit des Fastens und der Buße. Buße hat nichts mit Büßen zu tun, Buße bedeutet Umkehr, dass wir uns selbst anschauen und schauen, was in uns ist, was nicht in Ordnung ist, was wir in Ordnung bringen sollten und natürlich auch das Gute in uns erkennen. Es geht darum, das Licht in uns selbst anzuzünden und mit dieser Umkehr wirklich einen neuen Weg zu beschreiten.“

Friedvolle, besinnliche Stimmung

Die Stimmung war ähnlich friedvoll und besinnlich wie die Eingangsrede von Erdmann. Viele Familien waren mit ihren Kindern vor Ort und hatten Laternen mitgebracht. Die meisten Leute hatten ein Lächeln auf dem Gesicht. Bei den Liedern, Mantras und Meditationen, die Veranstalterin, Redner und auch Besucher auf der Bühne vortrugen, schlossen einige Menschen die Augen. Das musikalische Programm war so vielfältig wie die Redebeiträge: Weihnachtslieder, jüdische Friedenslieder, Mantras, Kirtans und afrikanische Musik treffen auf Bürger, Gewerkschafter und Aktivisten aus aller Welt.

„Man sieht den Kindern nichts an“

Gast an diesem Tag war Tobias Loose von der Initiative „Eltern für Aufklärung“. Er betonte: „Viele Eltern interessieren sich weder für die gesundheitlichen Schäden noch für die psychischen Schäden, die das Tragen einer Maske bei Kindern anrichtet. (…) Sauerstoffmangel, Kohlendioxid-Überkonzentration, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Gehirnschäden, verfrühte Demenz – Schäden, die erst nach einigen Jahren zutage treten werden. Auch psychische Schäden gehen mit dem Maskentragen einher: Die soziale Kommunikation wird unterbunden und die Aggression steigt. Im gleichgeschalteten Deutschland werden diese Probleme von vielen etablierten Journalisten natürlich bestritten, als unbegründete Gerüchte abgetan und gleichwohl mit dem Argument ‚Man sieht den Kindern doch nichts an‘ belegt. Das ist richtig. Man sieht den Kindern nichts an. Kinder passen sich an, ordnen sich unter und erdulden sehr viel Leid, ohne etwas zu sagen. Das ist bekannt aus vielen Fällen von Kindesmisshandlung, die in Deutschland stattfinden. Jetzt haben wir es mit einer staatlichen Kindesmisshandlung für alle Kinder zu tun. Die einzigen, die die Kinder schützen können, das seid ihr. Das sind die Eltern.“

Die Quellen, auf die sich Tobias Loose bezieht, nennt er nicht.

„Mein kleiner Widerstand“

„Hallo, ich bin Daniela“, stellte sich eine junge Frau mit einer Kerze in der Hand vor. „Ich bin jetzt schon öfter hier nach Öhringen gekommen, weil es mir einfach unheimlich guttut, hier einmal Leute zu sehen, die sich nicht hinter einer Maske verstecken, die lächeln, die einfach keine Angst haben. Ich setze sonst auch meine Maske auf, aber nur, weil die Menschen so Angst haben. Ich traue mich ja gar nicht mehr an die Menschen heran und ich finde es so schade. Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen andere, wir brauchen auch Körperkontakt, deswegen auch mein Button mit der Aufschrift „Umarmbar“. Das ist das einzige, das ich nie wegmache. Ich ziehe meine Maske brav auf, wenn ich irgendwo einkaufen gehe, aber der Button ist mein kleiner Widerstand, um einfach zu sagen: ‚Nur, weil Ihr so Angst habt, deshalb nehme ich Rücksicht.‘ Vor dem Virus habe ich keinerlei Angst.“

„Ich wünsche mir Verständnis“

Sabine Mack wirkte nachdenklich, als sie die Flyer am Infostand durchblätterte. Sie erzählte: „Ich bin hier, weil ich Hoffnung brauche in dieser Zeit. Nicht, weil ich jetzt furchtbar Angst vor dem Virus hätte. Ich denke mir, jeder hat selbst in der Hand, seinen Immunschutz zu stärken. Ich habe Angst, weil diese Gesellschaft total gespalten ist. Ich kann aus medizinischen Gründen keine Maske tragen und erlebe Repressalien überall, wo ich hinkomme, werde angeschrien, aus Läden geworfen. Ich brauche aber auch Lebensmittel und schaffe es oft nicht durch den ganzen Laden hindurch. Insofern wünsche ich mir ein bisschen mehr Licht in dieser Zeit. Ich wünsche mir Verständnis. Ich versuche auch, für die Menschen Verständnis zu haben, die diesen Virus als etwas Bedrohliches empfinden, aber es ist nicht nötig. Es ist überhaupt nicht nötig, vor diesem Virus große Angst zu haben. Die Zahlen sind eindeutig so, wie wenn ein ganz normaler Grippe-Virus da wäre. Es ist nicht nötig, Angst zu haben. Angst macht nur krank. Ich wünsche mir, dass wir wieder mit allen Menschen in Verbundenheit sind, Verständnis haben für Menschen, die keine Maske tragen können und natürlich auch Verständnis für diese Menschen, die Angst vor dem Virus haben. Diese Veranstaltung hier verbindet die Menschen ein Stück weit und das ist schön. Sie lässt auch diese Menschen zu Wort kommen, die das Ganze vielleicht nicht ganz so tragisch sehen und die Zahlen offen angucken. Ein Zweifel ist einfach erlaubt in dieser Zeit.“

Text: Priscilla Dekorsi

 

Demo-Organisatorin Sonja Erdmann als Nikolaus von Myra. Foto: GSCHWÄTZ

Tobias Loose von der Initiative „Eltern stehen auf“. Foto: GSCHWÄTZ

Gewerkschafter Niko aus Ludwigsburg. Foto: GSCHWÄTZ

Friedliche Stimmung: Mantras und Meditationen auf der Querdenken-Demo in Öhringen. Foto: GSCHWÄTZ

„Open Mic“: Die Öhringer nutzen das Angebot, frei auf der Bühne zu sprechen. Foto: GSCHWÄTZ




„Wir lassen unser Licht strahlen in der Dunkelheit“

Unter dem Motto „Wir lassen unser Licht strahlen in der Dunkelheit“ findet laut Pressemitteilung am Sonntag, den 06. Dezember 2020, eine Querdenken-Demo in Öhringen statt. Die angemeldete Versammlung startet um 16 Uhr auf dem Marktplatz. Es wird Rede- und Musikbeiträge geben und einen Lichterspaziergang um den Hofgartensee. Redner sind unter anderem Tobias Loose von „Eltern für Aufklärung“ sowie ein Überraschungsgast. Eigene Laternen können mitgebracht werden, Fahnen und Flaggen sollten jedoch zu Hause bleiben. Auch Hunde sind auf der Versammlungsfläche nicht erlaubt.

 




„Wir wollen Gefahr nicht bagatellisieren“

Unter dem Motto „Zusammenhalt Öhringen“ soll am Samstag, den 28. November 2020, erneut demonstriert werden. Laut Veranstalter werden dabei einige Gastredner aus unterschiedlichen, vom Lockdown betroffenen Branchen bereit sprechen. Wie bereits beim ersten Mal erfolgt der Demonstrationszug durch die Öhringer Innenstadt. Beginn ist um 14.30 Uhr auf dem Marktplatz.

„Mit dieser Demo soll allen Betroffenen – ob aus Öhringen, dem Hohenlohekreis und von außerhalb – eine Stimme gegeben werden und die Chance, gemeinsam auf diese für viele existenzgefährdenden Maßnahmen aufmerksam zu machen. Die Veranstalter wollen sich jedoch ausdrücklich von anderen Organisationen abgrenzen. Sie wollen weder die Gefahr bagatellisieren, die dieses Virus mit sich bringen kann, noch Hygienekonzepte verteufeln. Extremisten sind deshalb ausdrücklich nicht erwünscht“, so Dajana Wildt, Hauptorganisatorin von „Zusammenhalt Öhringen“, und Emely Knorr (stellvertretene Organisatorin „Zusammenhalt Öhringen“).

Die Demonstration findet unter Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen statt, damit kein Infektionsrisiko eingegangen wird.

Quelle: Pressemitteilung Zusammenhalt Öhringen