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„Gefühlt bewegen wir uns gerade wieder Richtung Mittelalter“

1975 legten Frauen in Island ein ganzes Land lahm. Sie streikten für mehr Rechte und eine gleichberechtigte Stellung in allen Lebensbelangen – und das mit Erfolg. Das kleine Land in Europa ist weltweit an der Spitze, was Frauenrechte und Gleichberechtigung betrifft.

„Gefühlt bewegen wir uns gerade wieder Richtung Mittelalter“ – Deutschland Frauenstreik 9. März 2026

GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann: „Wir sind weit von einer gleichberechtigten Stellung in allen Lebensbelangen entfernt“

Weltweit – auch in Deutschland – streiken am 09. März 2026 nun Frauen ebenfalls mit denselben Zielen. Denn: Gefühlt dreht sich die Welt seit Corona 2020 rückwärts, Frauen verlieren zunehmend an Einfluss (politisch) beziehungsweise haben diesen Einfluss noch nie wirklich erreicht (Wirtschaft), finanziell sind sie in der Regel meistens in allen Belangen finanziell schlechter gesellt. Und da Geld auch zugleich Macht bedeutet, sind Frauen auch häufig vor Gericht im Nachteil. Hinzu kommt ein offen gelebtes mysogenes Verhalten im Alltag sowie eine Hass-Attitude in den sozialen Medien gegenüber selbstbewussten Frauen.

Männer dürfen unperfekt sein, Frauen werden häufig wegen kleiner Makel oder Fehler gesellschaftlich verrissen

Frauen werden nicht selten danach bewertet, wie perfekt sie optisch erscheinen und wie viel gesellschaftlich-soziale Normen sie erfüllen. Vollzeitberuf, Hauswirtschafterin, Kindererzieherin, Sexgöttin – alles kein Problem, oder? Wohingegen Männer noch immer unperfekt sein dürfen – optisch, in ihrem teilweise übergriffig-beleidigenden Verhalten und was ihre Ambitionen hinsichtlich einer partnerschaftlich geführten Lebensgemeinschaft betrifft.

In Ihrem aktuellen REEL erzählt GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann von 5 skurrilen aktuellen Anti-Frauen-Begebenheiten in Deutschland.




„2017 war die Hoffnung groß, dass man die Schließung noch verhindern kann“

2017 war die Hoffnung noch groß, dass man mit zahlreichen Seit 2020 wurden in Deutschland mindestens 66 Krankenhäuser geschlossen, davon 22 im Jahr 2023, und es wird von einem weiteren „Kahlschlag“ mit fast 100 bedrohten Häusern gesprochen. 

Große Sorge auf dem Land

Eine genaue Zahl für reine Landkrankenhäuser lässt sich nicht beziffern, da die Daten oft nicht zwischen städtischen und ländlichen Einrichtungen unterscheiden. 

Der Verlust der stationären Versorgung ist aber in den kommenden Jahren eine große Sorge für Kommunalpolitiker, da eine steigende Zahl von Krankenhäusern auf dem Land von Schließungen bedroht ist. 

Auch in Künzelsau gingen zahlreiche Bürger:innen damals auf die Straße, um ihr Krankenhaus zu retten

In Künzelsau gingen, wie in zahlreichen anderen Städten, zahlreiche Bürger:innen auf die Straße und demonstrierten gegen die neue Gesundheitspolitik in Baden-Württemberg unter Manne Lucha. Verhindern konnten sie die Schließung nicht. Heute tun sich zahlreiche Lücken im gesundheitlichen Versorgungssystem auf.

Fahrtwege für Rettungsdienste wesentlich länger

So sind die Fahrtwege mit den wegfallenden kleineren Versorgungshäusern für Rettungsdienste erheblich länger geworden – das bindet Fahrzeuge und das Personal, die im wahrsten Sinne dadurch länger auf der Strecke sind. Die ohnehin schon oft sehr dünnen Personaldecken in diesem Bereich werden damit weiter ausgedünnt – bei steigender Arbeitsbelastung.

Teilweise erst Monate später einen Termin

Durch den Wegfall der kleineren Krankenhäuser haben auch die ländlichen Standorte an Attraktivität für Landärzte verloren. Während diverse Praxis-Chefs in den Ruhestand gehen, gibt es oft keine Nachfolger:innen, welche die Praxis übernehmen. Praxisschließungen bedeuten aber viele Bürger:innen wieder weitere Wege bis zur nächsten Facharztpraxis und/oder teilweise monatelange Wartezeiten bei den verbliebenen Praxen.

Auch die frisch aus der Taufe gehobene Redaktion GSCHWÄTZ recherchierte und berichtete damals umfassend zu diesem Thema

Auch GSCHWÄTZ beschäftige sich während der Demos rund um das Krankenhaus rund um die Frage, wie die Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis wohl nach einer potenziellen Schließung aussehen würde. Eine der Reden  von GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann von vor 8 Jahren während einer Demo vor dem Krankenhaus gibt es hier noch einmal zu sehen:

(6) Dr Sandra Hartmann hält eine Rede auf der 30. Mittwochsdemo zum Erhalt des Krankenhauses Künzelsau – YouTube

 




„Wir demonstrieren auch für Lieschen Müller von nebenan“

Am vergangenen Samstag fuhr Michael Pekers das erste Mal mit fünf seiner geschäftlichen Fahrzeuge auf eine Demo. In Heilbronn gab es eine Kundgebung mit dem Namen: „Heilbronn steht auf.“ Dabei forderte er mit weiteren mehren hundert Teilnehmer:innen unter anderem die Zurücknahme der Mauterhöhung, der CO2-Erhöhung, der Mehrwertsteuererhöhung für Gastronomen und die Zurücknahme der Streichung der Subventionen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Pekers steht damit nicht alleine da. Rund 500 Fahrzeuge versammelten sich auf dem Festplatz der Theresienwiese.

Jährliche Mehrkosten für ihn von bis zu 25.000 Euro

Pekers ist ein Unternehmer aus dem Hohenlohekreis, war früher bei der UBK in Künzelsau aktiv, auch schon mal Bürgermeisterkandidat für Künzelsau und ist vor sechs Jahren gegen die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses eingetreten. Er hat einen Lastentaxi-Betrieb in Kupferzell mit aktuell 18 Fahrzeugen, darunter einen Lastwagen und mehrere Transporter.

Ab Juli soll es nun – neben der allgemeinen Erhöhung der Maut – auch eine Maut für 7,5-Tonner geben. Dadurch erhöhen sich seine jährlichen Kosten bei 50.000 beziehungsweise 100.000 gefahrenen Kilometern laut eigenen Aussage auf 12.500 beziehungsweise 25.000 Euro – Kosten, die Pekers dann an seine Kund:innen weitergeben werde müssen. Das bedeutet: Am Ende zahlen die Zeche die Endverbraucher:innen in den Supermärkten.

Michael Pekers

„Nicht nur die Bauern, sondern der gesamte Mittelstand leidet“

Er betont daher, dass er eigentlich nicht nur für sich auf die Straße gehe, sondern letzten Endes für Lieschen Müller von nebenan. Aber natürlich hätten er und seine Kolleg:innen dadurch auch höhere Verwaltungs- und Bürokratiekosten.  „Nicht nur die Bauern, sondern der gesamte Mittelstand leidet“, betont Pekers. Mit der Teilnahme an der Kundgebung möchte er „Flagge zeigen“.

Es gibt auch immer wieder viele humorige Plakate und Buttons zu sehen. Foto: privat

„Wir können sich das ganz normale Arbeiter und Alleinerziehende leisten?“

Aber nicht nur im beruflichen Feld, auch im Alltag findet er die explodierenden Preise erschreckend. „Wie können sich das ganz normale Arbeiter und Alleinerziehende leisten?“, fragt er sich. An die offiziellen Inflationszahlen, die derzeit bei drei und vier Prozent liegen, glaube er schon lange nicht mehr. „Die Inflation ist definitiv im zweistelligen Bereich angekommen“, dessen ist sich Pekers sicher. Und sie werde automatisch weiter steigen, da die – von der Politik beschlossenen Erhöhungen der Abgaben sowie Streichungen von Fördermitteln – Betroffenen diese Mindereinnahmen beziehungsweise Mehrausgaben an die Endkunden weitergeben werden.

Mit seinen Fahrzeugen war Pekers das erste Mal auf einer Demo. Foto: privat

Dennoch: „Alls auf die derzeitige Ampel-Regierung zu schieben, ist zu einfach“

Dennoch: „Alles auf die derzeitige Ampel-Regierung zu schieben, ist zu einfach“, sagt Pekers. Auch vor der Ampel sei politisch viel versäumt worden. Für die Parteien wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, so Pekers, zu überlegen, was sie falsch gemacht haben. Hier werde manchmal zu wenig reflektiert. Aber es gebe auch Ausnahmen.

Gemeinsam demonstrieren derzeit viele Gewerke und Branchen gegen die Regierungspolitik. Foto: privat

Ein Freund von ihm sei für die FDP politisch aktiv. Dieser habe damals als einziger gegen die allgemeine Corona-Impflicht gestimmt. Aber die meisten laufen seiner Meinung nach der Herde hinterher. Um neue Ideen in die Politik zu bekommen, wäre es sinnvoll, wenn alle Amtszeiten nach zwei Perioden für jeden Menschen enden würden. Er werde vermutlich bei den kommenden Wahlen die „alternativlose Alternative“ wählen.




Die ersten Straßenblockaden werden für Montag bereits angekündigt

Der für Montag in den sozialen Medien groß angekündigte Generalstreik (wir berichteten) wird vermutlich auch Auswirkungen auf Autofahrer fahren. Das zumindest geht aus diversen Berichten in den sozialen Medien hervor.

Danach werden Straßensperrungen angekündigt, unter anderem in Bühlertann und Obersontheim

Ob es darüber hinaus noch weitere Straßenblockaden geben wird, ist nicht bekannt. Autofahrern wird nur bedingt empfohlen, auf den öffentliche Nahverkehr auszuweichen, da unter anderem auch die Gewerkschaft der Deutschen Bahn in den kommenden Wochen erneut streiken möchte.

Hintergrund für die Proteste sind unter anderem die Finanzpolitik der aktuell regierenden Ampelkoalition sowie die Lohnpolitik unter anderem bei der Deutschen Bahn.




Greta kommt

Lützerath ist ein kleiner Weiler der Stadt Erkelenz in Nordrhein-Westfalen. Der Energieversorgungskonzern RWE plant, Lützerath vollständig abzureißen, um den Tagebau Garzweiler auszudehnen, wie schon den unmittelbar südöstlich gelegenen Nachbarort Immerath.

Klimaschützer möchten dies verhindern. Nun kam es gestern Nacht zu einem Polizeieinsatz, bei dem Polizisten versucht haben, die verbliebenen rund 200 Klimaaktivisten aus dem Gebiet herauszuholen. Polizisten holten laut der ARD gut zehn Aktivisten mit Hebebühnen aus etwa zehn Metern Höhe vom Dach einer früheren landwirtschaftlichen Halle. Dabei kam es zu heftigem Widerstand. Unter anderem hatte eine Klimaaktivistin ihre Füße in einem Autowrack einzementiert. Die in Deutschland wohl bekannteste Klimaaktivistin Luisa Neubauer zeigte sich auf Twitter schockiert von diesem nächtlichen auch gefährlichen Vorgehen der Polizei und postete dieses Foto:

Nächtliche (versuchte) Zwangsräumung der Polizisten von 11. auf 12. Januar 2023 in Lüzerath. Quelle: Twitter/Luisa Neubauer

Zugleich kündigte sie den Besuch von Greta Thunberg für Samstag, den 14. Januar 2023 an. Die weltweit bekannteste Klimaschützerin möchte an der Seite vermutlich tausender Demonstranten für den Erhalt von Lützerath und gegen einen weiteren Abbau der Braunkohle unter Tage eintreten. In Mainz sollen laut dem SWR bereits Busse geplant sein, um die Demonstranten nach Lüzerath zu fahren. 

Die Klimaschützer argumentieren dabei, dass Braunkohlekraftwerke zur Energiegewinnung weitaus mehr schädliches CO2 in die Luft blasen als andere Energiegewinnungsträger.  Zusätzlich müssen hierfür große Flächen gerodet, geräumt und schlimmstenfalls ganze Wälder abgeholzt werden, um an die Kohle unter der Erde zu gelangen. Die plädieren für ein generelles Weniger-an-Energie-Verbraucht und den Ausbau „sauberer“ Energiegewinnungsträger wie die Erneuerbaren Energien.

Experten, unter anderem in der Tagesschau, sprechen derzeit von einem „fatalen Signal“, das Deutschland hier aussendet (siehe Video). Denn: Während die Bundesregierung auf den akuten Energiemangel unter anderem wegen des Ukrainekrieges und des Russlandkonflikts hinweist und damit die geplante erhöhte Braunkohleförderung begründet, weisen Experten daraufhin, dass Braunkohleförderung keine „Brückenlösung“ sei wie Gas, die man einfach kurz hoch- und dann auch wieder herunterfahren könne. Es dauere Jahre, bis dieses geplante Werk von RWE anlaufe. Daher stellen sich viele vermutlich zu Recht die Frage: Worum es bei diesem Kohlekraftwerk eigentlich geht: Um Kohle oder um Kohle?

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Wir stehen hier für Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“

Gleich zu Beginn der von Querdenkern 799 Schwäbisch Hall angekündigten Großdemo gegen die Coronamaßnahmen, steigende Lebensmittel- und Energiepreise sowie den Ukraine-Krieg am Samstag, den 26. November 2022, auf dem zentralen Dietrich-Bonhoeffer-Platz in Schwäbisch Hall, betont Versammlungsleiter Christian Ziegler: „Wir sind eine friedliche Bewegung, in der Extremismus, Gewalt, Antisemitismus und menschenverachtendes Gedankengut keinen Platz haben. Wir reden mit allen, die friedlich und gewaltfrei agieren. Wir eröffnen einen freien und demokratischen Debattenraum. Wir stehen hier für Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Wir sind frei von jedweden Ideologien und grenzen uns ab von Aufrufen zu verfassungswidrigen Taten. Jeder ist bei uns als Mensch willkommen, egal, welche Hautfarbe, Religion, sexuelle Orientierung, Nationalität, Impfstatus oder welche politische Überzeugung er auch immer hat.“ Zudem bittet er, keine Symbole von Reichskriegsflaggen oder andere Symbole eines Deutschlands vor 1945 mitzuführen, „weil diese nicht mit unseren Zielen vereinbar sind. Wir sind die gesellschaftliche Mitte. Es ist nicht hoffnungslos. Wir selbst sind die Lösung. Wir warten nicht auf einen Retter von außen. Wir warten nicht auf eine Ursula von der Leyen, auf einen Joe Biden oder auf einen Selensky. Wir werden das angehen. Wir werden das für unsere Eltern und Kinder machen.“

Foto: Christian Ziegler von den Querdenkern Schwäbisch Hall. Foto: GSCHWÄTZ

 

Applaus von den laut Polizei rund 1.000, laut den Organisatoren rund 1.500 Demoteilnehmer:innen.

Dann zieht der Protestzug los, mit Mikrofonen, Musik und Verstärkern vom Bonhoefer-Platz in der zentralen Innenstadt Richtung B27 außen um die Kernstadt herum, um zirka 1,5 Stunden später wieder am Ausgangspunkt anzukommen.

Protestzug durch Schwäbisch Hall, unter anderem wegen explodierender Lebensmittelpreise, der Coronapolitik und des Ukraine-Krieges. Foto: GSCHWÄTZ

„Wir fordern die Beendigung jeglicher Kriegsbemühungen durch diese falsche Verbrecherregierung“

Mit deutlichen Plakaten und markigen Worten geht es beim Protestzug weiter: „Wir fordern die Beendigung jeglicher Kriegsbemühungen durch diese falsche Verbrecherregierung, bestehend aus Kinderbuchautoren, Trampolinspringerinnnen und Typen, die immer dann Demenz erleiden, wenn es um Korruptionsfragen geht“, hallt es etwas aus Lautsprechern aus einem Auto heraus von Michael Stehle.

„Achtung, Achtung. Das tödliche Virus ist in der Öffentlichkeit jetzt wieder aktiv“

Dazwischen aus Lautsprechern mechanisch klingende Stimmen, die dröhnen: „Politiker, die voll versagen, muss man in Den Haag verklagen.“ – „Für alle, die den Mut haben, für die Freiheit einzustehen.“ –  „Der Hypochonder Lauterbach hält in uns unsere Ängste wach.“ Oder, ironisch: „Achtung, Achtung. Das tödliche Virus ist in der Öffentlichkeit jetzt wieder aktiv. Gehen Sie umgehend nach Hause und schließen Sie die Tür. Vergessen Sie nicht, zu lüften.“

„Wir sind das Volk“

Menschen aller Altersklassen laufen hier vereint und halten die unterschiedlichsten Plakate in die Höhe. Bei manchen wird der NATO-Vormarsch in den vergangenen Jahrzehnten kritisiert, auf anderen die Politik und Presse im Allgemeinen. Und immer wieder: „Wir sind das Volk.“

Eine kleine Protestgruppe, darunter ist eine grüne Fahne von fridays for future zu sehen, steht etwas abseits in der Nähe der laut Polizeiangaben gegenüber GSCHWÄTZ rund 50-köpfigen Einsatzgruppe der Polizei.

Ein älterer Mann begründet seinen Gegenprotest wie folgt: „Man darf den Faschisten kein Forum bieten, wo sie ihre völkische, rassistische Ideologie verbreiten können. Die Querdenker sind nicht alle gleich, aber sie dulden, dass die Faschisten den Ton angeben können in ihren Reihen, anstatt sich konsequent davon abzugrenzen.“ Das, was Christian Ziegler zu Beginn der Demo gesagt hat, dass sie sich hier klar abgrenzen von Nazis, nimmt er ihm nicht ab. Aber den Ukrainekrieg sieht er ähnlich wie zahlreiche Teilnehmer:innen der Demo. Er ist für Friedensverhandlungen und weiß auch, hier gibt es nicht nur einen Schwarzen Peter: „Beide Seiten müssen hier zurückweichen von ihren Positionen.“

Sowohl die Demoteilnehmer:innen als auch die Gegenprotestler auf der anderen Seite wollen nur eines: Frieden für Europa

Eine Frau, ebenfalls auf der Gegendemo-Seite, erklärt, sie sei hier, weil sie dagegen protestiert, „dass hier eine ganze Menge Nazis mitlaufen: „Wenn man sich die Schilder anguckt, die sind alle standardisiert schwarz-weiß-rot. Schwarz-weiß-rot sind die Farben der Nazis gewesen. Das hier ist alles irgendwo gesteuert und wahrscheinlich von irgendeiner rechte Organisation unters Volks gebracht worden“, vermutet sie [Anm. d. Red.: Das ist uns selbst bei den Plakaten nicht aufgefallen, siehe Video der Demo] und fährt fort: „Da können noch so viele Esoteriker dabei sein und Impfgegner. Da tummeln sich auch ganz schon viele Nazis drunter.“ Ein Mann an ihrer Seite fügt hinzu: „Wir beobachten das ja schon eine ganze Weile, dass hier in Schwäbisch Hall die Montagspaziergänger schlendern. „Die meinen ja, jeder, der sich gegen Corona impfen lässt, muss verrückt sein. Corona existiert ja gar nicht. Wenn irgendwelche Todesfälle passieren, wird das einfach ignoriert.“ Hier sei es nun eine Mischung aus „ganz normalen Bürger:innen und Neonazis“, welche er bislang beobachtet habe. „Meine Befürchtung ist, dass hier Leute im großen Stil missbraucht und manipuliert werden.“ „Für Frieden und Menscherechte sind wir auch und wir sind übrigens auch das Volk“, ergänzt die Frau neben ihm schmunzelnd. Auch sie sei unzufrieden mit der aktuellen Politik: „Wenn ich viel Geld habe und das ausschütte und am Ende profitieren da mehr Wohlhabende als Bedürftige“, das gehe gar nicht.

„Die Politik, wie sie momentan läuft, geht gar nicht mehr“

Jens Lehbeck, Mitveranstalter der Großdemo sagte gegenüber GSCHWÄTZ: „Wir haben uns entschieden zu dieser Demo, weil es so einfach nicht mehr weitergehen kann. Wir müssen unser Stimme erheben. Die Politik, wie sie momentan läuft, geht gar nicht mehr. Wir müssen etwas tun, um diesen Regierungswahnsinn zu beenden.“ Sie kritisieren insbesondere die Waffenlieferungen in die Ukraine und die Coronapolitik. Auf die Frage, ob hier eine Unterwanderung von Nazis stattfindet, sagt uns Lehbeck: „Es wird ganz sicher der ein oder andere unter uns geben, der so denkt. Das können wir nie ausschließen. Aber wir selbst als Veranstalter, das gesamte Team und die Mehrheit, die hier mitläuft, hat dieses Gedankengut nicht mit an Bord. Aber die Regierung spielt uns einfach in die Taschen durch die Sanktionen, die sie macht, die keinen großen Wert haben ausser dass sich sämtliche Preise verteuern. So etwas gibt natürlich ein großes Mobilisierungspotenzial. Wir berufen uns hier auf unsere Grundrechte. Aber wir distanzieren uns von Menschen, die Gewalt provozieren und zu Straftaten ausrufen. Mit so etwas wollen wir auch nichts zu tun haben. Auf die Frage, was er sich wünsche von der Regierung, antwortet Ziegler: „Dass die Politik sieht, dass viele Teile des Volk unzufrieden ist.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Für bezahlbare Energiekosten und Friedensverhandlungen

Derzeit kursiert in WhatsApp ein Video mit dem Titel „Baden-Württemberg steht auf“, welches eine Großdemo in auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz i Schwäbisch Hall am Samstag, den 26. November 2022, ab 14 Uhr ankündigt.

In dem 47-sekündigen Video ist „“Sven aus Schwäbisch Hall“ zu sehen, Mitorganisator der Demo und der damaligen Montagsspaziergänge. „Ich so richtig die Schnauze voll“, sagt Sven. „Das Land geht den Bach runter. Wir stehen kurz vor einem üblen Krieg und keiner tut was.“ An der Demo „lassen wir es so richtig krachen und zeigen den Organisatoren mal, wo es langgeht.“ Mit diesem markigen Satz endet denn auch der Videoclip. Welche Personen oder welche Gruppe noch konkret diese Demo mitorganisiert, wird nicht gesagt.

Als „Warm up“ gibt es um 10.30 Uhr einen Autokorso unter dem Motto: „Für bezahlbare Energiekosten und Friedensverhandlungen“. Start hierfür: Kocherwiesen, Steinbacher Straße 55, Schwäbisch Hall

Quelle: privates Video

 

 

 




Müder Klimafreitag vergangene Woche in Künzelsau

Zu wenig sei bislang auch politisch getan worden und doch spüre man eine gewisse Klimamüdigkeit, musste Nicole Hegert, Mitveranstalterin der Klimademo in Künzelsau am Freitag, den 23. September 2022, feststellen mit Blick auf die eher bescheidene Anzahl an Demoteilnehmer:innen, die sich an einem sonnigen Freitagnachmittag am Alten Rathaus einfanden.

Manch ein Teilnehmer fand es schade, dass so wenig gekommen waren. Eine Teilnehmerin verwies auf die Bedeutung des Klimawandels für uns alle: „Für mich ist es eine Zukunftsfrage, eine, die uns alle angeht. Mich auch, auch wenn ich älter bin. Wir haben vor Augen, wie sich alles verändert hat in den vergangenen Monaten. Eigentlich müssten hier heute viel mehr sein. Es ist gutes Wetter. Die Schüler:innen haben Freitagnachmittags oft keinen Unterricht. Es sitzen hier viele in Cafés. Aber es interessiert offensichtlich zu wenige.“ Die neue Regierung mache ihren Job sehr gut, trotz der diversen neuen Probleme wie Ukraine-Krieg und Energiekrise. Durch die Energiekrise hoffe sie, dass auch die regenerativen Energien schneller ausgebaut werden.

Dennoch: Die Stimmung war gut, unter anderem wegen der locker-leichten Musik von der Rathausbühne.

Bildergalerie:




„Niemand möchte das, aber alle essen es“

Der 25-jährige BWL-Student Aaron Bangert hätte vermutlich vor einem Jahr nicht gedacht, dass er am Donnerstag, den 15. September 2022, als Versammlungsleiter eine Mahnwache abhalten wird vor der Metzgerei Kühnle anlässlich des Schlachthof-Skandals, den Report Mainz vor kurzem aufgedeckt hat. In dem Video (Das Video von Report Mainz gibt es hier zu sehen:REPORT MAINZ: Veterinäre schauen bei Tierschutzverstößen weg | ARD Mediathek) sind erschreckende Szenen aus dem Innenleben des Schlachthofs zu sehen, unter anderem sieht man, wie die Tiere vor der Schlachtung mit Elektroschockern traktiert werden und teilweise sehr qualvoll mittels Kehlschnitts und minutenlangem Ausbluten bei vollem Bewusstsein sterben.
Dr. Sandra Hartmann hat nur wenige Stunden vor der mittlerweile zweiten Mahnwache mit Aaron Bangert gesprochen.

Erste Demo Anfang September 2022 aufgrund des Schlachthof-Skandals um die Metzzgerei Kühnle in Backnang. Foto: privat

Tierschutzgesetz mit Füßen getreten

GSCHWÄTZ: Was erhoffen Sie sich von der nun bereits zweiten Mahnwache seit Anfang September 2022?

Bangert: Wir fordern, dass der Betrieb dauerhaft geschlossen wird, nicht auf freiwilliger Basis, wie es seit der Berichterstattung von Report Mainz der Fall ist, sondern seitens des Veterinäramts. Die Zustände, die aufgedeckt wurden, sind einfach derart grausam. Das sind Lebewesen sind. Wenn ein Tierschutzgesetz so mit Füßen getreten wird, darf der Betrieb nicht mehr öffnen.

Demonstranten fordern strafrechtliche Verfolgung

Auch eine strafrechtliche Verfolgung möchten Bangert und seine Mitstreiter bewirken, unter anderem gegen den Amtsarzt des Veterinäramtes, der nicht nur Kenntnis von den Zuständen hatte und nichts unternommen hat, sondern, im Gegenteil, auf Videoaufnahmen sieht man eben diesen Mann selbst zum Elektroschocker greifen und ihn mehrfach gegen die Tiere anwenden.

Das Video zeigt Aufnahmen von acht unterschiedlichen Tagen in dem Schlachthof. Die Rinder und Schweine werden unter anderem mit Elektroschockern zur Schlachtung getrieben.

Amtsarzt des Veterinäramtes wird zum Täter

Bangert: Aus unserer Sicht ist der Amtsarzt damit zum Täter geworden. Er müsste das eigentlich verhindern, dass so etwas passiert. Das ist ja im Prinzip die einzige Instanz im Schlachthof, der die Tierschutzrechte überwacht. Dieser Amtsarzt gehört eigentlich entlassen. Aber leider ist es so, dass im Tierschutz die Strafen sehr milde ausfallen. Es gibt theoretisch bis zu drei Jahre Haft bei Tierquälerei. In der Regel fallen die Urteile aber sehr mild aus. Aber ich hoffe, dass es von Seiten der Strafbehörden Ermittlungen gibt. Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufnimmt.

Metzgerei Kühnle hat hier eine starke Stellung in Backnang

GSCHWÄTZ: Warum wurde der Betrieb nicht längst von behördlicher Seite geschlossen?

Bangert: Aus meiner Sicht, ich bin ja auch hier aus der Region, hat die Metzgerei Kühnle hier eine sehr starke Stellung in Backnang und hat auch politischen Einfluss. Die Menschen sind sehr geschockt. Man kann kaum glauben, dass der Metzger deines Vertrauens so etwas tut. Herr Kühnle hat schlau gehandelt. Er hat nicht gewartet, bis die Behörde den Betrieb schließt. Er hat den Schlachthof selbst geschlossen ein paar Tage nach der Veröffentlichung von Report Mainz. Er ist weiterhin zu. Es deutet aber viel darauf hin, dass er weiterhin machen will.

GSCHWÄTZ: Hat er Ihrer Meinung nach kein Einsehen?

Bangert: Eher nein. Die Aufnahmen seien zusammengeschnitten aus den acht Tagen. Er betont in dem Interview mit der Backnanger Zeitung, dass er das ganze Material sichten müsste, um die Lage richtig zu beurteilen.

Kein Unterschied, ob Schwein oder Hund

Aaron Bangert ist Tierschützer und kämpft für die Rechte von Tieren. Er selbst macht keinen Unterschied zwischen einem Schwein und einem Hund und ernährt sich vegan. Privat hat er eine Hündin.

Bangert: „Ich liebe Tiere. Das sind unglaublich mitfühlende Tiere, so wertvolle Geschöpfe, um die wir uns kümmern müssen.“

„Niemand möchte das, aber alle essen es“

GSCHWÄTZ: Ist der Verbraucher mit Schuld an solchen Zuständen?

Bangert: Ja, schon. Ich zeige auch manchmal Aufnahmen anderen Menschen. Ich habe das Gefühl, dass niemand das möchte, aber alle essen es. Ich ernähre mich seit zehn Jahren vegan. Damals wurde ich noch richtig schief deswegen im Ländle angeschaut.

Termin Mahnwache Nr. 2 Schlachthof Backnang:

15.09.2022, Sulzbacher Straße 196, 71522 Backnang, 16:30 – 19:30 Uhr

Direkt vor dem Schlachthof Kühnle

Erste Demo Anfang September 2022 aufgrund des Schlachthof-Skandals um die Metzzgerei Kühnle in Backnang. Foto: privat

 

 




„Solange man redet, schießt man nicht“

Diverse lokale, politische und kirchliche Vereine hatten am Freitag, den 18. März 2022, zu einer Friedensdemo für die Ukraine nach Künzelsau gerufen. Rund 100 bis 200 Menschen (laut eigenen Schätzungen) sind diesem Ruf, teilweise mit Friedensplakaten, gefolgt.

Dekan Kuhbach tut sich schwer mit friedlicher Gegenwehr

Als Redner sprachen unter anderem Ingo Kuhbach vom katholisches Dekanat Hohenlohe und Dekanatsjugendseelsorger Gerold Traub.

Am 24. Februar 2022 [Offizieller Beginn des Ukraine-Krieges, Anm. d. Red.] dachte er, er wache in einer falschen Welt auf, erinnert sich Dekan Ingo Kuhbach. „Der Krieg von 2015 [Syrien] war damals weit weg. Dieser Krieg jetzt ist nicht mehr ganz so weit weg.“ Rund 1.000 Kilometer seien es bis zur Ukraine, „das ist nicht wirklich weit“. Viele Menschen, vor allem ältere Mitbürger:innen, hätten nun Angst. Manche Menschen hätten ihn aber auch angesprochen und gesagt: Wie wäre es, wenn die Menschen dort nicht kriegerisch antworten würden, sondern mit Blumen entgegenlaufen würden.“ Davon hält Kuhbach nicht sonderlich viel. „Ich gebe zu, ich muss da schlucken. Ich kann solche pazifistischen Gedanken durchaus irgendwie verstehen. Aber mein Verstand sagt mir auch: Wenn die Menschen wirklich so dem Aggressor begegnen würden, dann hätte die russische Propaganda Recht, die sagt, sie werden mit offenen Armen empfangen.“ Und doch denke er, in diesem „Wunschdenken“ stecke etwas, drin, was man nicht ganz beiseite schieben sollten, nämlich, den stillen Widerstand gegen Krieg anders zu leben. Wir können das jetzt hier zum Glück in Freiheit tun. In Russland und in Belarus ist das nicht so einfach möglich. Es gibt überalle gerade Friedensgebete und Kerzen. Vielleicht wäre es gut, wenn wir jeden Tag für eine kurze Zeit eine Kerze anzünden und ein Friedensgebet sprechen und somit gute Gedanken den Menschen schicken, die sich gerade einsetzen für Frieden.“

„Bringt beten überhaupt etwas?“

„Kirchen organisieren Friedensgebete und viele fragen sich: Bringt beten überhapt was?“, fragt Gerold Traub. Ganz nüchtern betrachtet „schützt mein Gebet nicht vor Bombenangriffen“, sagt Traub nüchtern. „Es verschafft Flüchtenden keine Unterkunft und mein Gebet wird auch die Meinung von Wladimir Putin nicht verändern. Hilft reden denn überhaupt was? Anna-Lena Bearbock hat, bevor es eskaliert ist, gesagt: ,Solange man redet, schießt man nicht.‘ Aber alleine durch Reden wird kein hungriger Mensch satt und auch Krankheiten verschwinden nicht aus dieser Welt. Aber die Einstellung von Gesprächspartnern zueinander kann sich verändern. Wir haben die letzten zwei Jahre auch in einem anderen Zusammenhang [Corona, Anm. d. Red.] erlebt, wie Beziehungen zerbrechen können, wenn ich nur meine eigene Wahrheit als die alleinige Wahrheit nehme. Im Gespräch können wir uns wieder annähern, obwohl wir ganz anderer Meinung sind.“ Wichtig sei es, dass man einander wieder zuhöre.

1.000 Kraniche für den Weltfrieden und ein langes, gesundes Leben

Nicola, eine Sprecherin für Fridays for future hielt die Auftaktrede, in welche sie dazu unter anderem zu einer Aktion aufrief, die auch von der Stadtverwaltung Künzelsau unterstützt wird: innerhalb der nächsten zwei Wochen 1.000 Kraniche für die Ukraine zu basteln.  „In Japan und China gelten sie als Glücksbringer, nach dem Zweiten Weltkrieg als Symbol des Friedens. Bei der Aktion falten Städte mindestens 1.000 Kraniche und schicken sie danach an die Vereinten Nationen nach Genf oder New York als Zeichen des Friedens. Warum 1.000? Nach alter japanischer Weisheit soll das falten von 1.000 Kranichen ein langes und gesundes Leben garantieren.“

Auch Spenden sammelten die Organisatoren an dieser Demo ein. Ein Teil davon soll an die Stadtverwaltung gehen, die die Spenden für die Geflüchteten hier vor Ort verwenden will. Mit einem anderen Teil soll das Deutsche Rote Kreuz unterstützt werden.

Zwischen den einzelnen Reden gab es Liedeinlagen, unter anderem Imagine von John Lennon durften die Demoteilnehmer hören.