Mindestens 22.000 Euro für vier Übernachtungen?
Ein Ticket für das weltweit einzigartige, von einem Milliardär initiierten Weltwirtschaftsforums in Davos kostete die Wirtschaftsteilnehmer:innen in diesem Jahr mittlerweile rund 250.000 Euro. Teilweise haben Milliardäre daher ihren Besuch in diesem Jahr abgesagt. Die Preise lagen vor Corona noch bei rund 70.000 Euro. Politiker:inen und Presse haben auf Einladung freien Eintritt. Hier liegt bereits das Problem: Es ist ein Treffen eines kleinen Kreises der Mächtigen und Reichen, der über den grundsätzlichen weltweiten Wirtschaftskurs berät. Die Stimmen des Großteils der Welt sind hier nicht vertreten. Es handelt sich dabei aber lediglich um Diskussionen, Workshops, Vier-Augen-Gespräche. Es wird hier nichts entschieden. Man kann jedoch herauslesen, wohin es für die führenden Wirtschaftsnationen gehen soll.
Es ging wie immer um eines: Wachstum
In einer Diskussionsrunde mit Wirtschaftsminister Robert Habeck ging es immer wieder um „more trade, more investments, more green trade, more green investments“. Interessant, dass Robert Habeck sich hier für grüne Projekt einsetzte, hatte die grün regierte Bundesregierung doch erst am vergangenen Wochenende gemeinsam mit der Polizei und dem Energieriesen RWE das kleine Dorf Lützerath räumen lassen für ein neues Braunkohlewerk, das definitiv alles andere als „grün“ ist (wir berichteten).
Weniger Gas-Abhängigkeit von Russland. Auch stand schnell der Schuldige für alle derzeitigen Krisen fest: Russland und die vorangegangene Bundesregierung. Man wolle zudem nicht wirtschaftlich in Europa abgehängt werden von China und den Vereinigten Staaten. Es geht wie immer um eines: Wachstum. Obwohl der Klimawandel deutlich aufgezeigt hat, dass man langsam am Ende des globalen Wachstums angekommen ist. Habeck bewies hier feinstes Deutsch-Englisch:
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck diskutiert beim Weltwirtschaftsforum in Davos – YouTube
Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer und Greta Thunberg vor Ort
Der amerikanische Präsident Joe Biden wird in diesem Jahr nicht teilnehmen, dafür die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer und Greta Thunberg, die sich dafür einsetzen, dass die führenden Nationen mehr für den Klimaschutz tun. Hier treffen sich WWF-Manager, Coca-Cola-Manager, Goldman-Sachsmanager, um sich mit führende Politiker:innen über den weiteren Wirtschaftskurs auszutauschen und natürlich – um darauf Einfluss zu nehmen.
Fünf Tage lang, noch bis Freitag, den 20. Januar 2023, tagen die Reichten und Mächtigen aus der Wirtschaft und der politischen Elite noch, um sich auszutauschen über Wirtschaftskrisen wie die derzeit drohende Rezension, Wirtschaftswachstum, den Klimawandel, Corona und auch die soziale Ungleichheit, die es in immer mehr Ländern gibt.
Mehr Empathiefähigkeit entwickeln
Um sich einzufühlen in das Leben von ärmeren Menschen oder in Menschen, die extreme Situationen durchstehen mussten, wie etwas ukrainische Flüchtlinge (nur unweit des Davoser Treffens in teuren Hotels befinden sich auch Flüchtlingsunterkünfte), gibt es in Davos auch Workshops, um zu erleben, wie es ist, mit Essensrationen umgehen zu müssen, Gefangenschaft, Flucht & Folterandrohungen. Die Reichen sollen sich dadurch später besser in diese Menschen einfühlen können. Es klingt schon fast ein wenig zynisch. Brauchen manche Menschen für Empathiefähigkeit erstmal einen Workshop?
Horrende Übernachtungskosten
Der Spiegel hatte unter anderem von horrenden Übernachtungskosten berichtet. Für vier Übernachtungen soll man unter 22.000 Euro nichts finden. Aktuell findet man Übernachtungspreise, die etwas moderater sind und sich bei rund 1.000 Euro pro Nacht für eine Zwei-Sterne-Pension bewegen. Auch wenn die Bundesregierung kein Wort darüber verliert, so ist doch klar, dass dieses Meet-and-Greet in Davos den deutschen Steuerzahler hinsichtlich der Kosten für die deutsche Delegation sich sicher im sechsstelligen Bereich bewegt.
Ein sehr moderner kritischer Film über das Treffen der Reichen und Mächtigen, die „angeblich die Welt besser machen möchten“, hat der Standard unlängst produziert: Vor Ort in Davos: Wo Welten aufeinandertreffen – Wirtschaft – derStandard.de › Wirtschaft