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Deutlicher Anstieg bei den Krankmeldungen

Festspiele SHA Absage

Man hört und liest immer wieder von hohen Krankenständen in Industriebetrieben, Krankenhäusern oder Verwaltungen. Einige Folgen des hohen Krankenstandes können unmittelbar erfahren werden. Beispielsweise hat die Postfiliale in Künzelsau ihre Öffnungszeiten krankheitsbedingt eingeschränkt. Versandhändler weisen darauf hin, dass sich Paketzustellungen wegen der Krankheitssituation im Zustellbereich verspäten können. Und ganz aktuell fallen krankheitsbedingt mehrere Aufführungen der Schwäbisch-Haller Festspiele aus.

Bei den Heilbronner SLK-Kliniken fehlen derzeit krankheitsbedingt fast 400 Mitarbeiter:innen von insgesamt etwa 5.500: „Wir müssen ständig die Dienstpläne anpassen, holen teilweise Mitarbeiter, die eigentlich frei haben“, berichtet Marlies Kepp, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei den SLK-Kliniken. Sie kann potentielle Patienten aber beruhigen: „Sie werden behandelt“. Andererseits berichtet sie auch davon, dass geplante Operationen schon abgesagt wurden.

Krankenkasse DAK hat Daten analysiert

Die Krankenkasse DAK hat die Krankschreibungen von 280.000 DAK-Versicherten in Baden-Württemberg analysiert und kommt zu dem Ergebnis: Im ersten Halbjahr 2022 hatte Baden-Württemberg den höchsten Krankenstand seit Beginn der Pandemie. Mit 3,9 Prozent liegt er 0,9 Prozentpunkte über dem Vorjahreszeitraum. Das erscheint wenig, bedeutet aber einen Anstieg der Krankheitstage um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es waren also an jedem Tag des Halbjahrs von 1.000 Beschäftigten 39 krankgeschrieben – nach 30 im ersten Halbjahr 2021. Auch die Anzahl der arbeitsunfähigen Beschäftigten hat sich erhöht: „Mehr als ein Drittel hatte bis einschließlich Juni mindestens eine Krankschreibung. Zum Vergleich: 2021 musste sich bis zum Ende des ersten Halbjahrs nur etwa ein Viertel wenigstens einmal krankschreiben lassen.“

Starker Anstieg bei Corona-bedingten Fehlzeiten    

Baden-Württemberg liegt bei Corona über dem Bundesdurchschnitt

„Parallel zu der schrittweisen Lockerung der Corona-Einschränkungen im März 2022 konnte sich eine ausgeprägte Erkältungs- und Grippewelle entwickeln“, kommentiert Siegfried Euerle, Landeschef der DAK-Gesundheit Baden-Württemberg, die Ergebnisse. Diese Erkältungswelle sei von einer hochansteckenden Omikron-Variante begleitet worden, die so viel Arbeitsausfall bewirkt habe wie keine Variante zuvor. „Die Omikron-Welle hat im Südwesten für 40 Prozent mehr Corona-Fehltage gesorgt wie in Hamburg oder Bremen.“ Baden-Württemberg liege damit über dem bundesweiten Durchschnitt von 64 Fehltagen je 100 Versicherte. „Deshalb fordern wir, dass die Krankschreibung per Telefon zu einer dauerhaften Lösung wird, um die Ansteckungsgefahr in den Arztpraxen zu reduzieren. Unmittelbar nach der politischen Sommerpause muss für eine Dauerlösung die gesetzliche Grundlage geschaffen werden“, so Euerle.

DAK-Statistik ist nicht repräsentativ – aber aussagekräftig

Die Mitgliederstruktur der DAK unterscheidet sich sicherlich von der Struktur bei anderen Krankenkassen, man muss daher bei der Betrachtung dieser Auswertung immer beachten, dass die Situation im Detail bei anderen gesetzlichen oder privaten Krankenkassen anders sein kann.

Auswertung nach Berufsgruppen zeigt deutliche Unterschiede

Trotzdem sind die weiteren Aussagen der DAK signifikant und beachtenswert, insbesondere was die Verteilung auf Berufsgruppen angeht: „Nach Berufsgruppen betrachtet fehlten Beschäftigte in Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen besonders häufig mit einer Krankschreibung bei der Arbeit. Sie hatten im ersten Halbjahr 2022 im Durchschnitt 953 Fehltage je 100 Versicherte. Eher wenig Arbeitsausfall gab es in Berufen der Unternehmensführung und -organisation mit 494 Fehltagen je 100 Versicherte. Einen besonders großen Anstieg hatten die Beschäftigten in medizinischen Gesundheitsberufen. Die Zahl der Fehltage ging auf 843 Tage je 100 Versicherte hoch – nach 595 Tagen im ersten Halbjahr 2021.“ Diese Zahlen stimmen gut mit den Zahlen überein, die die SLK-Kliniken genannt haben.

Auch regional große Unterschiede

Die bisher genannten Zahlen bezogen sich auf die 280.000 baden-württembergischen DAK-Versicherten. Bundesweit sind mehr als 2 Millionen Menschen bei der DAK versichert. „Während in Mecklenburg-Vorpommern im ersten Halbjahr 2022 fast 92 Fehltage je 100 Versicherte mit Corona begründet wurden, waren es in Nordrhein-Westfalen mit knapp 46 Tagen nur halb so viele. Thüringen und Brandenburg belegten mit 88 und 86 Corona-Fehltagen je 100 Versicherte die Plätze zwei und drei der Statistik. Das Bundesland im Westen mit dem höchsten coronabedingten Arbeitsausfall war Bayern. Es gab im Freistaat mit 84 Fehltagen im ersten Halbjahr je 100 Versicherte 38 Tage mehr als in Nordrhein-Westfalen und 16 Tage mehr als im Nachbarbundesland Baden-Württemberg (68 Corona-Fehltage). Den geringsten Arbeitsausfall wegen Corona verzeichneten Beschäftigte in Bremen und Hamburg mit jeweils rund 41 Tagen.“

Keine Ursachenforschung

Die Auswertung der DAK stellt nur fest, was sie aus ihren vorliegenden Daten herauslesen kann. Eine sozial- oder gesundheitspolitische Aussage macht die DAK – abgesehen von der oben zitierten Forderung – nicht, genausowenig geht sie auf mögliche Gründe für den Anstieg der Krankheitstage ein.

Text: Matthias Lauterer unter Verwendung einer Pressemitteilung der DAK