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Wochenpläne, Arbeitsblätter, Checklisten, E-Mails, WhatsApp, Cloud, drive + der eigentliche Job – Eltern am Rande des Corona-Schulwahnsinns

Das werden wohl die längsten Sommerferien aller Zeiten – zumindest für viele Lehrer. Mindestens bis zum 04. Mai 2020 sollen die Schulen in Baden-Württemberg noch geschlossen bleiben, dann sollen zunächst die Abschlussklassen an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen wieder mit dem Unterricht beginnen. Jeder redet jetzt schon über Hygiene- und Abstandsregeln, die es dann in den Bussen und Klassenzimmern einzuhalten gilt und wie das überhaupt möglich ist, diese einzuhalten bei den teilweise Hunderten von Schülern an einer Schule. Doch kaum wird über diejenigen gesprochen, die von den Schulschließungen derzeit immernoch am meisten betroffen sind: die Eltern.

Die Eltern haben bereits drei Wochen vor den Osterferien mit ihren Kindern gelernt, was das Zeug hält. Eine Mutter mit vier Kindern berichtete von 60 E-Mails mit Aufgaben, die sie teilweise erreicht habe. Dabei handelt es sich bei jedem Kind um eine andere Klassenstufe und in jeder Klasse wiederum um neue Lernmaterialien für fast jedes Unterrichtsfach. Sport, Religion. Geografie, alles soll gelernt werden. Teilweise erklären Eltern ihren Kindern Dinge, die sie sich selbst zunächst erstmal erklären müssen.Nicht jeder war in seiner Schulzeit ein Mathe-Ass oder ein Englischprofi.

Eine schier unlösbare Aufgabe für Eltern, zumal viele von ihnen parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrertätigkeit oftmals noch ihren eigentlichen Beruf in Teil- oder sogar Vollzeit parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrtätigkeit zu Hause ausüben. Man denke nur an Krankenschwestern oder Kassiererinnen, die nach einer derzeitigen 12-Stundenschicht zu Hause noch die Lehrplänge mit ihren Kindern durchgehen muss – über Wochen. 2 Jobs gleichzeitig – wie soll das gehen?

Nun also geht es in die Verlängerung dieser ehrenamtlichen Tätigkeit für mindestens drei weitere Wochen. Wie das die Eltern alles machen und schaffen sollen, sei dahingestellt. Die Lehrer, die weiterhin ihr volles Gehalt erhalten, verweisen darauf, dass sie nichts für diese Situation können. Natürlich können sie nichts für diese Situation, aber sie können in dieser Pandemiezeit eines: den Druck rausnehmen, sich auf die wesentlichen Fächer Deutsch, Mathe und Englisch konzentrieren und den Eltern und Schülern sagen: „Wir geben euch Aufgaben, aber wir wissen, wie schwer diese Situation für euch gerade ist. Daher: Auch wenn ihr diese Aufgaben nicht abarbeiten könnt mit euren Kindern, ist das nicht schlimm. Wir werden nach dieser Zeit gemeinsam den Unterrichtsstoff nachholen, notfalls mit Zusatzstunden.“

Und selbst wenn dieser Stoff nicht nachgeholt werden könnte, was soll’s? Wir leben immerhin in einer absoluten Ausnahmesituation.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann  

Lehrer spielen in Corona-Zeiten, das ist gar nicht so einfach, zumal viele Eltern oft noch ihren eigentlichen Beruf nebenher ausüben. Foto: adobe stock




Hohenlohe: Ohne medizinischen Sauerstoff werden die Patienten sofort blau – Pfleger berichtet von schockierenden Bildern

Es haben uns verschiedene Rückmeldungen von Mitarbeitern erreicht, die derzeit mit der Versorgung von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern betraut sind. Die Aussagen sind teils erschreckend und bedrückend. Auch junge Menschen werden derzeit in den Kliniken behandelt, die keine Vorerkrankungen haben.

Ein Pfleger berichtet, dass viele der Erkrankten unter Sauerstoffnot und Kurzatmigkeit leiden, nimmt man ihnen nur für kurze Zeit die Sauerstoffbrille aus der Nase, werden die Patienten sofort blau. So was habe er zuvor in dem Ausmaß noch nicht erlebt und er mache seinen Beruf schon seit mehr als 30 Jahren. Wie haben sich die Kliniken auf die Versorgung mit Covid 19 Erkrankten in der Region vorbereitet?

In Öhringen wurden zwei Stockwerke für die Behandlung von Covid-19-Patienten eingerichtet. In den letzten beiden Wochen befanden sich dort um die 30 Patienten.

Die Intensivplätze wurden von sieben Betten auf zwölf Betten erhöht. Es stehen derzeit somit 12 Intensivbetten für 120.000 Einwohner zur Verfügung.

Interne Quellen haben berichtet, dass täglich ein bis zwei intensivpflichtige Patienten mit Covid-19 an andere Standorte verlegt werden mussten, um wieder freie Plätze auf der Intensivstation zu schaffen.

Das sei derzeit noch möglich, da Häuser wie Löwenstein und Gesundbrunnen noch Kapazitäten hätten.

Weiterverlegung der Patienten an andere Krankenhäuser

Das Diak hat auf Nachfrage von uns berichtet, dass es einen Klinikgebäudetrakt reaktiviert habe, der früher als Infektkrankenhaus genutzt wurde. So konnten für die Patienten mit Covid-19 verschiedene, von einander abgetrennte Bereiche geschaffen werden.

Das Diak in Schwäbisch Hall hat 20 Intensivbetten und kann diese noch um acht weitere Plätze erweitern, wenn die jetzigen Ressourcen nicht mehr für die Behandlung ausreichen. Das Diak hat, wie anderen Kliniken auch, aufgrund des Beschlusses der Regierung und der Länder alle geplanten Operationen verschoben, um so viele Beatmungsplätze wie möglich frei zu halten. Auch das Diak betonte auf unsere Presseanfrage, dass nicht nur ältere Patienten mit Vorerkrankungen an Covid-19 erkranken, sondern auch jüngere Menschen einen schweren Krankheitsverlauf erfahren können.

Auch Klinikpersonal infiziert

Ein Anzeichen für beginnendes Lungenversagen ist Kurzatmigkeit. Steigt die Atemfrequenz eines Erwachsenen, die normalerweise 12 bis 18 Atemzüge pro Minute beträgt, auf 25, 30 oder mehr, reicht die einfache Sauerstoffbrille nicht mehr aus und der Patient muss künstlich beatmet werden.

Auch das Klinikpersonal bleibt vor einer Infektion mit Covid-19 nicht verschont. Das Diak hat mitgeteilt, dass Mitarbeiter die Symptome zeigen, sofort in häusliche Quarantäne gehen. Ärzte und Pfleger appellieren daher an die Bürger, sich auch weiterhin an die beschlossenen Maßnahmen von Bund und Land zu halten, trotz des verlängerten Osterwochenendes.

Text: Carla Mosel




„Verstorbene hochinfektiös“ – Nur noch 1 Friedhofsbläser erlaubt – Künzelsauer Bestatter berichten

Wenn systemrelevanten Berufsgruppen öffentlich gedankt wird, dann werden stets Ärzte, Pflegeberufe oder Lehrer genannt. Vom Bestattergewerbe spricht niemand, trotzdem gehört es zum systemrelevanten Bereich und auch auf diesen Beruf haben die Coronabedingten Einschränkungen und Vorschriften erhebliche Auswirkungen.

Am sichtbarsten sind die Beschränkungen bei der Trauerfeier selbst: „Die ganzen Rituale fallen weg“

Trauerhallen und Kirchen sind geschlossen, so dass die Trauerfeiern nur noch am Grab stattfinden können. Die Größe der Trauergemeinde ist eingeschränkt: Waren es bisher 10 Personen, wurde die Bestimmung kürzlich gelockert und es dürfen seit dieser Woche Angehörige der geraden Linie, deren Partner sowie weitere 5 Personen sowie der Pfarrer an der Trauerfeier teilnehmen. Der Sarg darf von den Trägern nur noch ans Grab gebracht werden, danach müssen sich die Träger entfernen Auch die Träger würden nämlich auf die Teilnehmer angerechnet, erläutert Robert Mayr vom Betattungsinstitut Dorn. Der Sarg wird erst nach der Zeremonie, wenn die Trauergemeinde nicht mehr am Grab ist, ins Grab gesenkt – der symbolische Erdwurf und das Besprengen mit Weihwasser müssen entfallen. „Die ganzen Rituale fallen weg, die Beerdigung ist auf ein Minimum reduziert“, sagt Petra Kunze von Landwehr Bestattungen aus Nagelsberg.

Offene Aufbahrung nicht erlaubt

Die üblichen Abstandsregeln sind während der Zeremonie einzuhalten. Eine offene Aufbahrung von Verstorbenen mit Covid-19 ist nicht erlaubt. Bei Verstorbenen ohne Covid-19 darf immer nur eine Person in die Aufbahrungshalle. In Künzelsau ist nur noch ein Friedhofsbläser erlaubt, der aber ebenfalls deutlichen Abstand halten muss. Der Blumenschmuck fällt eher karg aus, ist Mayr aufgefallen, da auch die Blumengeschäfte kaum Waren vorrätig hätten. Kondolenzlisten liegen nicht aus, da dann mehrere Menschen denselben Stift benutzen könnten.
Dafür sind die Bestattungsinstitute gehalten, die Daten der Besucher der Trauerfeiern aufzunehmen und diese im Bedarfsfall an die Gesundheitsämter weiterzugeben.

„Verstorbene sind hochinfektiös“

Nicht sichtbar sind die Corona-Regeln, die die Bestatter im Hintergrund beachten müssen: Ist ein Patient an Covid-19 verstorben, sind höchste Sicherheitsvorkehrungen vorgeschrieben. Mayr: „Entgegen der landläufigen Meinung sind Verstorbene hochinfektiös“, diese Verstorbenen müssten gemäß der Risikoklasse 3 der Biostoffverordnung behandelt werden: Vollschutz mit Schutzanzug und Maske ist verpflichtend. Im Normalfall sei Covid-19 auf den Todesbescheinigungen vermerkt, sagt Mayr, trotzdem frage er insbesondere bei im Heim verstorbenen „immer explizit nach Quarantänemaßnahmen im Heim“.

Über 15 Covid-Fälle schon bestattet

„10 bis 15, eher an die 15“ Covid-19-Fälle habe sein Institut bereits bestattet. Von bisher einem COVID-19 Fall berichtet Kunze: „Wir müssen die Verstorbenen genauso anfassen wie die Krankenschwester, die ihn in die Kühlung bringt“, sagt sie und beschreibt den veränderten Ablauf: „Der Verstorbene wird in eine luftdichte Plastikhülle gehüllt und danach noch vor Ort im Krankenhaus in den endgültigen Sarg gelegt und der Sarg verschlossen. Das alles muß in vollständiger Schutzkleidung geschehen.“

Mangel an Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel für Bestatter

Mayr leitet die Abteilung für materielle Ressourcen im Bestatternotfallteam der Innung und beklagt den Mangel an Schutzausrüstung und Desinfektionsmaterial. Die vorhandene Ausrüstung gehe vorrangig an medizinisches und pflegerisches Personal und die Bestatter bekämen nur, was dann noch verfügbar sei, „aber da fällt nichts runter. Wir sind systemrelevant, kriegen aber keine Schutzausrüstung“. Er berichtet von Preisen, die 10-40fach höher als bisher seien, ein Liter Desinfektionsmittel koste bis zu 70€. Petra Kunze berichtet: „Masken sind schwierig, Anzüge und Handschuhe haben wir noch“. Bestattungsunternehmen sind auf eine geringe Anzahl von infektiösen Verstorbenen vorbereitet, schließlich gebe es ja zum Beispiel auch Hepatitis-Kranke. Aber, so beklagt Mayr, „was wir früher im halben Jahr gebraucht haben, reicht im Moment für 2 Wochen“. Auch Kunze findet: „Das ist ein schwaches Zeichen. Wir hängen ganz am Ende und sind genauso gefährdet. Außer dass wir ein Schreiben haben, dass wir systemrelevant sind und auch mit Infektion arbeiten können.“

Angehörigengespräche per Telefon

Auch auf die Arbeit mit den Trauernden wirkt sich Corona aus: Schon der Kontakt mit den Hinterbliebenen hat sich verändert: Mayr berichtet bereits von Angehörigengesprächen per Telefon oder Video. Persönliche Gespräche finden wegen der Abstandsregeln nur noch mit maximal 2 Angehörigen statt. Aber auch ältere Angehörige selbst vermeiden oft den persönlichen Kontakt.

Im Großen und Ganzen sind sowohl Mayr als auch Kunze mit den behördlichen Maßnahmen einverstanden: „Es ist okay, dass die Leute zuhause bleiben sollen“, findet Kunze, schaut aber auch in die Zukunft: „Ob man das längerfristig durchsetzen kann, bezweifle ich.“ Mayr findet „es sind politisch unbequeme Entscheidungen, aber sehr verantwortungsvoll“. Er hat die Befürchtung, dass kleinere Betriebe auf der Strecke bleiben könnten: “Kleine Betriebe sind teils überfordert.“ Aber er sagt auch: „Das Chaos könnte sehr viel größer sein:“

Beide berichten, dass die Angehörigen auf die Einschränkungen sehr verständnisvoll reagieren, auch wenn eine Bestattung nicht so ablaufen kann, wie sie sich der Verstorbene gewünscht hätte.

„Da blutet einem das Herz“, sagt Mayr, wenn er den Hinterbliebenen erklären muss, dass sie ihren Angehörigen nach mehrwöchiger Kontaktsperre nicht wenigstens noch einmal aufgebahrt sehen dürfen. Und Petra Kunze berichtet von einem Angehörigen, der traurig meint: „Da wären so viele Leute gekommen. Das hat er nicht verdient, so eine kleine Beerdigung“.
Aber, so Kunze: „Wir helfen den Angehörigen, soweit es in unserer Macht steht, es geht trotz allem würdevoll“.

Text: Matthias Lauterer




Ba-Wü: Von heute auf morgen mehr als 10.000 Genesene…Wie kann das sein?

Am 08. April 2020 vermeldet die Pressestelle des Ministeriums für Soziales und Integration in Baden-Württemberg eine schier unglaubliche Zahl von Covid-Gesundeten. Im Vergleich zum Vortag seien rund 10.000 an Covid-19 erkrankte Menschen wieder gesund. Wie aber kann das sein? Handelt es sich dabei um eine Massenheilung? Mitnichten. Die Pressestelle liefert die Erklärung für den sprunghaften Anstieg gleich mit, wenn sie erklärt:

„Die hohe Differenz der Zahl der Genesenen im Vergleich zum Vortag (2.685) erklärt sich folgendermaßen: Das Landesgesundheitsamt veröffentlicht ab sofort den Schätzwert der SARS-CoV-2-Genesenen in Baden-Württemberg auf Grundlage eines heute durch das Robert Koch-Institut in Berlin angepassten Algorithmus. Hierbei werden Fälle ohne Angabe des Erkrankungsbeginns anhand des Meldedatum berücksichtigt. Diese Methodik führt zu einer deutlich besseren Abschätzung der tatsächlich Genesenen in Baden-Württemberg.“

Diese etwa nbulöse Erklärung wirft diverse Fragen auf.

1) Wie wurde denn bislang die Zahl der „Gesundeten“ gemessen?

2) Wie unterscheidet sich das bisherige Messverfahren von dem vorangegangen?

3) Warum sind die Zahlen dadurch valider, sprich, näher an der Realität dran als die bisherigen Zahlen?

4) Wie wird denn konkret die Zahl der „Gesundeten“ gemessen? Gibt es Abschlusstests? Werden die an Covid-Erkrankten automatisch als gesund registiriert, wenn sie sich nach 14 Tagen bei keinem Arzt oder Gesundheitsamt mehr vorstellig werden?

5) Wird auch die Zahl der ärztlichen Coronadiagnosen mit in diese Statistik einbezogen oder lediglich die mittels Labortest positiv auf Covid-19 Getesteten?

 

Wir haben beim Robert-Koch-Institut (RKI) nachgfragt, um diese Fragen zu klären. Das RKI betont, dass diese Zahlen, die das RKI ermittelt, ein „Angebot“ sei, das „Länder und Landkreise nutzen können“. Es handle sich bei den Zahlen um Schätzungen: „Ein genaues Datum der Genesung liegt uns für die meisten Fälle nicht vor. Daher verwenden wir einen Algorithmus zur Schätzung der Anzahl der Genesenen. Da wir den Algorithmus zur Schätzung der Genesenen so verbessert haben, dass nun alle übermittelten Fälle bei der Schätzung berücksichtigt werden können, also auch die ohne Angaben zum Erkrankungsbeginn, ist im Vergleich zu gestern ein größerer Anstieg als sonst zu verzeichnen.“ Wie dieser Algorithmus ausschaut und welche Variablen hier mit einbezogen werden, darauf ging das RKI nicht näher ein.

Text: Matthias Lauterer

 

 




Hohenlohe: Gewerkschaft fordert „Ernte-Solidarität“ und ruft auch Studenten, Rentner & Flüchtlinge zur Mithilfe auf, denn „das April-Gemüse wartet nicht“

Was auf den Feldern im Hohenlohekreis wächst, ist gefragte Ware: „Regionale Produkte stehen ohnehin hoch im Kurs. Dazu kommt noch, dass während der Corona-Pandemie frisches Obst und Gemüse sowieso stark gefragt sind – als Alternative zu den auf Vorrat gekauften Raviolidosen und Tütensuppen. Und natürlich als Rohstoff für die Lebensmittelindustrie“, sagt Mike Paul von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Stuttgart.

Allerdings hätten viele Landwirte in der Region ein Problem, das sich durch die Corona-Pandemie nochmals massiv verschärft: Es fehlen Helfer auf den Höfen, so die Agrar-Gewerkschaft IG BAU. Saisonkräfte aus Rumänien oder Bulgarien dürften wegen der Corona-Pandemie nur bedingt einreisen – zu wenige, um eine reibungslose Ernte zu garantieren.

„Jetzt geht es darum, ein neues Wort zu entdecken: ‚Ernte-Solidarität‘. Wer aus dem Hohenlohekreis zupacken kann, sollte das jetzt tun. Es ist die Chance, Geld nebenbei zu verdienen und die Zeit sinnvoll zu investieren. Spargel, Spinat, Porree … – das April-Gemüse wartet nicht“, so Mike Paul in einer Pressemitteilung Ider Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Bezirksverband Stuttgart.

Im Mai wartet noch mehr Arbeit

Dabei gehe es nicht nur um die Ernte. Es sei auch die Zeit fürs Pflanzen und Säen: Karotten, Blumenkohl, Radieschen, Zwiebeln, Kopfsalat, Kohlrabi & Co. müssten jetzt auf die Felder. Im Mai nehme die Arbeit für Pflanz- und Erntehelfer dann noch einmal deutlich zu.

„Durch die Corona-Krise ist die Landwirtschaft auf etwas angewiesen, was es schon lange nicht mehr gab: Darauf, dass alle vor Ort anpacken. Auf ein ‚Pflanzen und Ernten – zu (fast) 100 Prozent made by Hohenlohekreis‘“, sagt Paul. Allerdings dürfe das nicht um jeden Preis geschehen, warnt die Agrar-Gewerkschaft: Lohn und vor allem auch Hygienestandards seien wichtig. „Wer Schüler, Studenten oder Flüchtlinge für die Arbeit auf dem Feld anheuert, der muss sie auch fair bezahlen“, verlangt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Stuttgart. Auch in der Landwirtschaft gelte der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde.

Gewerkschaft fordert „Erschwerniszulage“

Zusätzlich fordert die IG BAU für Saisonarbeiter genauso wie für die Stammbelegschaften in Agrarbetrieben eine Erschwerniszulage. „Immerhin setzen sich die Beschäftigten in der Phase der Corona-Pandemie bei ihrer Arbeit auch einem gewissen gesundheitlichen Risiko aus“, so Mike Paul. Landwirte in der Region sollten eingearbeitete Saisonkräfte „mit einem Lohn nicht unter 11 Euro pro Stunde vom Feld gehen lassen“. Den habe auch verdient, wer ohne Vorkenntnisse komme, was die Arbeit in der Landwirtschaft angeht: „Viele werden Laien sein, die die professionellen Handgriffe erst lernen müssen. Hier brauchen beide etwas Geduld – die Helfer, aber
auch die Landwirte“, so der Gewerkschafter. „Schulen, Fachhochschulen und Unis, die geschlossen haben. Menschen in Kurzarbeit oder im Vorruhestand, die sich etwas hinzuverdienen wollen. Oder Beschäftigte, die
schon ihre Kündigung bekommen haben. Und auch Geflüchtete, die ihre Chance sehen, an Arbeit zu kommen. – Die aktuelle Situation darf nicht dazu führen, dass Menschen bei der Erntearbeit auf den Feldern über den Tisch gezogen werden“, so Mike Paul.

Für die Hygiene: Dixiklo mit Wasseranschluss am Feldrand

Aber auch die Hygiene sei bei der Arbeit auf den Feldern unerlässlich – sogar das A und O: Es komme darauf an, auch draußen das regelmäßige Händewaschen und Desinfizieren sicherzustellen. „Das bedeutet, dass die Toilette am Feldrand einen Wasseranschluss braucht. Das sonst übliche Mobil-WC reicht hier nicht. Denn ohne Wasser – kein Händewaschen“, macht Paul deutlich. Wenn Pflanz- und Erntehelfer in Unterkünften untergebracht werden, dann seien dabei Einzelzimmer notwendig. „Die Corona-Pandemie bedeutet das Aus der sonst üblichen Sammelunterkünfte. Denn dort gilt das gleiche wie auf den Feldern: Der Abstand von
mindestens 1,5 Metern ist Pflicht. Besser ist eine ganze Zollstocklänge: also 2 Meter Abstand vom Nebenmann“, erklärt der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Zudem müssten Sozial- und Sanitärräume alle zwei Tage fachmännisch gereinigt werden.

Auch tabu in Zeiten von Corona: Die Sammelfahrt von Feld zu Feld

„Was auch tabu ist: die Sammelfahrt von Feld zu Feld. Neun-Mann-Bullis dürfen nicht mehr voll besetzt zum Einsatz kommen“, sagt Mike Paul. Erntehelfer sollten möglichst alleine und mit dem eigenen Pkw, Motorroller oder Fahrrad zur Feldarbeit fahren. Dafür müsse ihnen der Landwirt eine Entschädigung bezahlen. „Die Corona-Gefahr lauert überall. Pflanz- und Erntehelfer dürfen das bei ihrem Einsatz unter freiem Himmel nicht vergessen. Es ist die Pflicht der Arbeitgeber, die Arbeitsplätze und Unterkünfte so einzurichten, dass die Hygienestandards einfach einzuhalten sind. Wer Fragen und Probleme hat, sollte sich an die IG BAU oder an das örtliche Gesundheitsamt wenden“, so Mike Paul.

Wichtige Hygieneregeln für die Arbeit in der Landwirtschaft hat die Agrar-Gewerkschaft IG BAU online gestellt: http://www.igbau.de/Ploetzlich-Erntehelfer.html

Wer sich aus dem Hohenlohekreis als Pflanz- oder Erntehelfer bewerben möchte, findet Jobs und weitere Infos unter http://www.agrarjobboerse.de. Stellenangebote gibt es auch auf dem Portal „Das Land hilft“ vom Bundeslandwirtschaftsministerium: http://www.das-land-hilft.de (weiter: „Zur Plattform“).

Quelle: Pressemitteilung der IG Bau vom 08. April 2020

Die IG Bau fordert in Coronazeiten mobile WCs am Feldrand mit Wasseranschluss. Foto: IG Bau




„Machen Sie sich durch Klopfen bemerkbar“ – In der Not werden Einzelhändler in Künzelsau erfinderisch, um ihre Waren zu verkaufen

Eine Zettelwirtschaft klebt derzeit in den Schaufenstern der kleinen Läden, Bäckereien und Metzgereien, aber auch in den Supermärkten. Alles rund um das Thema Corona: Wie viele Menschen dürfen sich derzeit noch in dem Geschäft gleichzeitig aufhalten? Welche Regeln gilt es beim Mindestabstand zu befolgen? Warum muss der Laden schließen?

GSCHWÄTZ-Reporter Matthias Lauterer hat am Karfreitag, den 10. April 2020, einen kleinen Stadtbummel unternommen und die Aushängeschilder von Künzelsau für die Nachwelt festgehalten und dabei festgestellt, was man alles doch noch bekommen kann in Coronazeiten – denn Not macht die Einzelhändler erfinderisch.

Zwar geschlossen, aber bei Lindele kann man trotzdem kleine Geschenke bestellen und abholen. Foto: GSCHWÄTZ

Tabak Brückbauer verkauft noch jeden Morgen seine Waren – allerdings durch ein Gitter. Foto: GSCHWÄTZ

Die Fahrschule Hendel musste den Fshrschulbetrieb bis auf Weiteres einstellen. Foto: GSCHWÄTZ

Die Buchhandlung Breuninger bietet einen Abholservice gegen Barzahlung an. Foto: GSCHWÄTZ

Drogerie Müller in Künzelsau hat noch geöffnet. Aber hier ist es angesichts der Enge nicht immer möglich, den Mindestabstand einzuhalten. Foto: GSCHWÄTZ

Der Gemüseladen Kletzel hat geschlossen. Foto: GSCHWÄTZ

In die Metzgerei Wilder Mann in Künzelsau dürfen nur maximal 5 Kunden gleichzeitig in den Verkaufsraum. Foto: GSCHWÄTZ

Foto Linke hat geschlossen, aber Passbilder dürfen angefertigt werden. Foto: GSCHWÄTZ

Dimi’s Gyros am Bären möchte seine Gäste wieder am 20. April 2020 bei sich begrüßen. Foto: GSCHWÄTZ

Das Asiarestaurant am Bären in Künzelsau möchte am 15. April 2020 wieder öffnen. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Das Kinderbekleidungsgeschäft Cheeky Monkey ist noch relativ jung an Jahren. Per WhatsApp kann man weiterhin Ware ordern. Foto: GSCHWÄTZ

Auch die Buchhandlung Lindenmaier & Harsch hat geschlossen. Foto: GSCHWÄTZ

Die Tafel in Künzelsau hat vorübergehend geschlossen, aber es gibt eine Notfallausgabe. Foto: GSCHWÄTZ

Take-away-Service und handgemachte Schokohasen beim Anne-Sophie-Restaurant am Schlossplatz. Foto: GSCHWÄTZ

Leere Eisdiele bei strahlendem Sonnenschein. Das hat einen traurigen Seltenheitswert. Foto: GSCHWÄTZ

Tagesessen bei der Metzgerei Schäfer gibt es auch weiterhin. Foto: GSCHWÄTZ

Bei Spielzeug Häussermann kann man online Spielzeug reservieren und vor Ort abholen. Foto: GSCHWÄTZ

Das Unterwäschegeschäft Adam & Eva bietet einen Telefon- und Bringservice der Waren an. Foto: GSCHWÄTZ

Adam & Eva in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Weber & Greisinger hat auch weiterhin geöffnet. Foto: GSCHWÄTZ

Mund- & Nasenschutz bei Weber & Greisinger. Foto: GSCHWÄTZ

Lieferservice & Gärtnerei offen: Blumen Laichinger. Foto: GSCHWÄTZ

Lieferservice & Gärtnerei offen: Blumen Laichinger. Foto: GSCHWÄTZ

Der Frisörshop am oberen Bach in Künzelsau hat geschlossen. Foto: GSCHWÄTZ

Alle Spielplätze sind derzeit gesperrt. Foto: GSCHWÄTZ

Gasse am oberen Bach in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Straßenverkauf auf Vertrauensbasis. Blumengeschäft in der Künzelsauer Hauptstraße. Foto: GSCHWÄTZ

Straßenverkauf auf Vertrauensbasis. Blumengeschäft in der Künzelsauer Hauptstraße. Foto: GSCHWÄTZ

Straßenverkauf auf Vertrauensbasis. Blumengeschäft in der Künzelsauer Hauptstraße. Foto: GSCHWÄTZ

Straßenverkauf auf Vertrauensbasis. Blumengeschäft in der Künzelsauer Hauptstraße. Foto: GSCHWÄTZ

Die Sparkasse ist von der Hauptstraße in Künzelsau weggezogen. Foto: Künzelsau

Die Sparkasse ist von der Hauptstraße in Künzelsau weggezogen. Foto: Künzelsau

Optiker dürfen noch arbeiten. Foto: GSCHWÄTZ

Optiker dürfen noch arbeiten. Foto: GSCHWÄTZ

Frisörgeschäft Kyre. Foto: GSCHWÄTZ

Frisörgeschäft Kyre. Foto: GSCHWÄTZ

Schaufenster der Bäckerei Kirchenbäck in Dörzbach. Foto: GSCHWÄTZ




„Wenn nicht alle bekannten Fälle gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem“ – Max-Planck-Wissenschaftler ahnungslos über Nichterfassung ärztlicher Diagnosen

Bisher kursierten sehr unterschiedliche Zahlen und Auswertungen zu den möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland. Viele Medien reportieren Zahlen nur, halten sich aber mit einer Bewertung oder Prognosen zurück, und das aus gutem Grund: Zu unterschiedlich sind die Datengrundlagen, die im Umlauf sind, zu oft wurden Erfassungsmethoden geändert. Allein der Vergleich zwischen den meistgenannten Zahlen des amtlichen Robert-Koch-Instituts und denen der Johns-Hopkins-Universität für Gesamtdeutschland zeigt das deutlich (Stand 09.04., 16:00): Infizierte 113.296 gegenüber 108.202, Verstorbene 2107 gegenüber 2349. Das habe etwas mit einer zeitlich verzögerten Datenerfassung und -weitergabe zu tun, wurde des Öfteren erklärend hinterhergeschoben. So viel zum Thema digitales Hinterherhinken in Deutschland.

Der Lichtblick am Ende des Tunnels ist mehr als fraglich

Am 08. April 2020 hat sich mit dem Leipziger Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften wohl erstmals ein renommiertes Institut, bei dem man von der Anwendung guter mathematischer Methodik ausgehen darf, zu Wort gemeldet und eine Prognose für die weitere Entwicklung der Infiziertenzahlen veröffentlicht.
https://www.mpg.de/14661027/corona-pandemie-analyse-prognose

// Überraschende Ergebnisse einer MPI-Studie //

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick überraschend: Die Leipziger Wissenschaftler um Professor Dr. Jürgen Jost kommen zum Ergebnis, dass die Pandemie in Deutschland bei einer Zahl von 120.000 bis 160.000 Infizierten zum Stillstand kommen könnte und sie rechnen mit 4.000 bis 5. 000 Toten. Wenn man diese Zahlen mit den oben genannten Zahlen vergleicht, dann würden ja nur noch wenige Tausend fehlen, bis der Stillstand da wäre. Man könnte  auf die Idee kommen, dass wir die Pandemie beherrschen und die schlimmste Zeit schon in den nächsten Tagen vorüber sein könnte.

Auf GSCHWÄTZ-Anfrage nach den getroffenen Annahmen im mathematischen Modell erklärt Paul Heine, Science Content Manager am Max-Planck-Institut: „Wir arbeiten mit der Annahme, dass die Wachstumsraten der gemeldeten Fälle diejenigen der tatsächlichen Fälle einigermaßen abbilden.“

Er geht also genaugenommen von zwei Annahmen aus, nämlich davon, dass es gemeldete Fälle und eine Dunkelziffer gibt und davon, dass die Wachstumsrate der gemeldeten Fälle und die Wachstumsrate der Dunkelziffer mehr oder weniger identisch sind. Es gibt aber zusätzlich eine dritte nicht unerhebliche Zahl, nämlich die der „Klinischen Diagnosen“ (ärztlichen Diagnosen), die nicht an das Robert-Koch-Insitut (RKI) gemeldet werden.

Wir wissen also im Hohenlohekreis von Infizierten, die nicht in der Dunkelziffer enthalten sind, diese werden aber nicht ans RKI weitergemeldet. Dadurch dass die Zahl der „klinisch diagnostizierten“ Fälle dem mathematischen Modell, das das MPI anwendet, durch Nichtmeldung vollständig entzogen werden, wird die Steigerungsrate der Infektionen und der Dunkelziffer systematisch unterschätzt und somit die Zahlen des Modells verfälscht.

Das Regierungspräsidium bezieht sich bei seiner Aussage auf eine „Falldefinition“ des RKI, das würde bedeuten, dass nicht nur die ärztlichen Diagnosen aus dem Hohenlohekreis, sondern aus ganz Deutschland  nicht in die RKI-Fallzahlen einbezogen werden. Daher wird die Anstiegsrate für ganz Deutschland unterschätzt.

„Wenn nicht alle bekannten Fälle auch gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem“

Paul Heine vom Max-Planck-Institut sagt: „Wenn nicht alle bekannten Fälle auch gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem, insbesondere, wenn deren Wachstumsrate höher ist.“ Die Nichterfassung wurde dem MPI gar nicht mitgeteilt: „Wir wissen allerdings nicht, inwieweit dieses Problem nur in einigen Gebieten mit sehr hohen Fallzahlen auftritt. Hier in Leipzig ist uns beispielsweise nichts davon bekannt.“

Eine weitere implizite Annahme des Modells ist also, daß zu jeder Zeit ausreichende Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen, was offenbar nicht der Fall ist.

In Baden-Württemberg werden seit rund drei Wochen Labortests häufig durch „klinische Diagnosen“ ersetzt, weil laut der Politik nicht genügend Testsets zur Verfügung stehen. Wenn aber nur eine gewisse Anzahl von Testsets täglich zur Verfügung stehen, können auch nicht mehr als diese Anzahl positiv getestete Personen gemeldet werden – in Wahrheit viel weniger, denn es gibt ja glücklicherweise auch negative Tests. Steigt die Zahl der verfügbaren Tests weniger stark als die Anzahl der Erkrankten, führt das zu einer weiteren systematischen Unterschätzung, da in diesem Fall die angenommene Dunkelziffer stärker steigt als die der getestet Infizierten. Eine weitere implizite Annahme des Modells ist also, daß zu jeder Zeit ausreichende Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen, was offenbar nicht der Fall ist. Datenbasis unsicher //

Warum erfasst das RKI die Zahlen der klinischen Diagnosen nicht  und verfälscht damit die Datenbasis derart, dass jede mathematische Prognose die Folgen der Pandemie unterschätzen muss? Die Zahlen der klinischen Diagnosen sind bekannt und deren Einbeziehung in die Statistik würde zu einer aussagekräftigeren Datenbasis führen.

Prognose der Infiziertenzahlen systematisch unterschätzt

Politisch gravierend ist, dass diese systematische Unterschätzung Wasser auf die Mühlen derer gibt, die eine möglichst schnelle Wiedereröffnung der Wirtschaft fordern, koste es, was es wolle. Und die Bundesregierung wird nächste Woche anhand dieser unterschätzenden Zahlen und vielleicht aufgrund der Studie des MPI entscheiden, ob und wie stark die verhängten Maßnahmen gelockert werden. Solange die Datenbasis aber derart unsicher ist, ist eine rationale Entscheidung unmöglich, statt auf wissenschaftlicher Grundlage wird rein politisch entschieden werden müssen.

Angela Merkel hat in der Pressekonferenz vom 09. April 2020 betont, dass es wichtig ist, die Anzahl der Neuerkrankungen pro Tag unter die Anzahl der Geheilten pro Tag zu drücken – wenn man aber die Anzahl der Neuerkrankungen systematisch untererfaßt, kann es fatal enden, wenn man sich auf diese Zahl verlässt.

Auch Zahl der Gesundeten plötzlich stark erhöht  – Das ist keine österliche Massenwunderheilung

Auf der anderen Seite weist Baden-Württemberg am 07. April 2020 noch 2.685 Geheilte aus, am 08. April 2020 nennt das Sozialministerium auf einmal sage und schreibe 12.267 Gesundete. Das ist keine österliche Massenwunderheilung sondern schlicht das Ergebnis einer neuen Erfassungsmethode: „Das Landesgesundheitsamt veröffentlicht ab sofort den Schätzwert der SARS-CoV-2-Genesenen in Baden-Württemberg auf Grundlage eines heute durch das Robert Koch-Institut in Berlin angepassten Algorithmus. Hierbei werden Fälle ohne Angabe des Erkrankungsbeginns anhand des Meldedatum berücksichtigt.“, erläutert das Sozialministerium. Das RKI sagt auf GSCHWÄTZ-Anfrage: „Das RKI schreibt niemandem etwas vor, es ist ein Angebot, das Länder und Landkreise nutzen können.“ Und weiter: „Da wir den Algorithmus zur Schätzung der Genesenen so verbessert haben, dass nun alle übermittelten Fälle bei der Schätzung berücksichtigt werden können, also auch die ohne Angaben zum Erkrankungsbeginn, ist im Vergleich zu gestern ein größerer Anstieg als sonst zu verzeichnen.“

Wasser auf die Mühlen aller, die die Wirtschaft schnell wieder ankurbeln möchten

Weitere Aussagen, warum der vorher verwendete Algorithmus die Zahl so stark unterschätzt haben soll und warum man annimmt, dass die deutlich höheren Zahlen die Wahrheit besser wiedergeben, lässt sich das RKI auch auf konkrete Nachfrage nicht entlocken.

// Zahlen von gestern sind heute Schall und Rauch //

Zahlen, auf die sich gestern noch jeder berufen hat, sind heute Schall und Rauch. Und es besteht täglich die Möglichkeit, dass morgen wieder ganz andere Zahlen gültig sein sollen. Das zeigt, wie weit wir von zuverlässigen Daten, die dann zur Grundlage wissenschaftlicher Analysen werden können, entfernt sind.

Warum die Zahlen der ärztlichen Diagnosen nicht veröffentlicht werden, bleibt ein Rätsel

Warum das Land Baden-Württemberg den Boden der rationalen Wissenschaft verlässt und die Zahlen der „klinischen Diagnosen“, die das RKI nicht haben will, weder den Forschungsinstitutionen noch der Bevölkerung transparent bekanntgibt, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Auf mehrmalige Nachfrage haben wir die Zahlen nicht erhalten und wurden an das Landratsamt des Hohenlohekreises verwiesen. Das Landratsamt verwies wiederum nach mehrmaliger Nachfrage auf das Sozialministerium (wir berichteten).

Genau so wenig nachvollziehbar ist, inwieweit man die Schätzmethode für die Gesundeten derart ändern kann, dass die Anzahl der Gesundeten über Nacht um Faktor 4 ansteigt.

Dieses Verhalten kann für viele Menschen tödliche Folgen haben, wenn sich zu viele Entscheider auf eine scheinbare Zuverlässigkeit und Korrektheit der Zahlen verlassen oder die Zahlen sogar wider eigentlich besseres Wissen für ihre eigenen politischen Ziele benutzen.

Text: Matthias Lauterer




Keine Kontrollen, keine Quarantäne – Corona-Kreuzfahrtler Bernd Wuttke berichtet über seine Wiedereinreise nach Deutschland – „Nicht vertretbar“

Rund 2.700 Passagiere und rund 1.000 Besetzungsmitglieder befanden sich Mitte März 2020 auf einer Kreuzfahrt in der südlichen Karibik mit dem Kreuzfahrtschrift Costa Magica. Einer der Passagiere war Bernd Wuttke aus Oberlauterbach. Doch die Reise fand ein jähes Ende, als die ersten Coronainfizierten (Passagiere wie auch Besatzung) auf dem Kreuzfahrtschiff gemeldet wurden. Auch Bernd Wuttke wurde infiziert mit dem Virus. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit dem Maschinenbauer am Telefon gesprochen.

„Es wurden Durchsagen gemacht“

Wie erfuhren die Passagiere von den ersten Coronainfizierten an Bord? „Es wurden Durchsagen gemacht.“ Auf ihren Kajüten mussten die Passagiere zwar nicht bleiben, erklärt Wuttke,  aber öffentlichen Bereiche wie Bars seien geschlossen worden. Allgemein habe eine große Unsicherheit unter den Touristen geherrscht, wie es nun weitergeht. Es habe auch Tumulte und Unruhen an Bord gegeben, weil der Informationsfluss relativ dürftig gewesen sei, berichtete der 56-Jährige.

Die Kreuzfahrt mit der Costa Magica sollte eigentlich 14 Tage gehen, wurde aber nach zehn Tagen abgebrochen. Dann erfolgte der Rückflug der Passagiere. Wuttke wurde mit Air Belgium zurückgeflogen nach Frankfurt am Main. An Bord befanden sich laut Wuttke nur Passagiere des Kreuzfahrtschiffes.

In Frankfurt angekommen, kamen mehrere Ärzte an Bord der Maschine und fragten, ob es jemandem schlecht gehe oder Coronasymptome habe. Die, die sich daraufhin gemeldet haben, seien mitgenommen worden zur weiteren Untersuchung. Der Rest sei ganz normal ausgestiegen und mit einem, so Wuttke „überfüllten Shuttlebus“ zur Gepäckabfertigungshalle gefahren worden. Dor hätten sie wie alle anderen Reisenden auch an den Gepäckbändern ihre Koffer abgeholt und seien nach Hause gegangen – entweder mit dem Taxi oder den öffentlichen Nahverkehrsmitteln oder anderweitig. Es gab keine separaten Ausgänge, um sie von Touristen von anderen Flugzeugen zu trennen.

Es habe laut Wuttke auch weder pauschalen (Fieber-)Testungen für alle Passagiere des Kreuzfahrtschiffes gegeben, als sie in Deutschland angekommen seien – noch Quarantäneanordnungen bei der Einreise. Für Wuttke völlig unverständlich, da die Gefahr groß ist, dass man dadurch weitere Personen ansteckt. Lediglich der Rat sei ihnen mit auf den Weg gegeben worden, dass man, sobald man Symptome habe, beim Hausarzt vorstellig werden solle. „Wir sind sehr, sehr enttäuscht“, wie das gelaufen sei, sagt Wuttke heute rückblickend. „Das war für uns eigentlich nicht vertretbar.“ Er und auch einige, mit denen Wuttke bis heute Kontakt hält, haben nach ein paar Tagen in Deutschland tatsächlich Corona-Symptome bekommen.

Er sei daraufhin zum Hausarzt gegangen und auch getestet worden. Das Ergebnis: positiv. Drei Wochen hat er grippeartige Symptome. Nun ist er wieder gesund, sagt er.

Das Reisen aufgeben möchte er aber deswegen noch lange nicht. zumal die Reisegesellschaft sehr kulant gewesen sei und den Passagieren Gutscheine über den vollen Reisepreis (bei ihm 2.100 Euro) ausgestellt habe. Zudem hätten sie an Bord ein Bordguthaben ausgestellt bekommen über 300 Euro, als die Landgänge nicht mehr möglich gewesen waren.

Öffentliche Einrichtungen wie Bars wurden nach den ersten Coronafällen geschlossen. Foto: privat

Auf diesem Kreuzfahrtschiff war Bernd Wuttke. Foto: privat

Landgänge wie hier waren den Passagieren irgendwann nicht mehr gestattet. Foto: privat

Das Schiff durfte an mehreren Häfen nicht mehr anlegen. Foto: privat

Mit einer Maschine von Air Belgium ging es zurück nach Deutschland. Foto: privat

 

 




Coronainfizierte in den Seniorenheimen in Künzelsau und Ingelfingen – Bewohner sollen sich am besten auf den jeweiligen Zimmern aufhalten

Auch in den Seniorenheimen in Ingelfingen und Künzelsau gibt es Coronainfizierte. Der Zutritt ist in beiden Heimen nur noch an Sonderfällen gestattet.

In Künzelsau soll ein Bewohner nach einem Krankenhausaufenthalt positiv auf das Coronavirus getestet worden sein.

Die Stadtverwaltung Ingelfingen verweist in Ihrem aktuellen Amtsboten darauf, dass das Seniorenheim in Ingelfigen aufgrund von Coronafällen nicht mehr zu Besuchszwecken betreten werden darf. Der Zutritt von externen Personen ist nur in Ausnahmefällen gestattet. Die Bewohner dürfen das Grundstück der Einrichtung ausser in medizinischen Notfällen nicht mehr verlassen. Es gelte, auch innerhalb des Heimes den Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Bewohnern einzuhalten und sich in der Regel auf den jeweiligen Zimmern aufzuhalten.

Infizierte sollen soweit wie möglich von anderen Bewohnern getrennt untergebracht werden, nach Möglichkeit in Einzelzimmern. Festes Pflegepersonal sei hier zuzuordnen.

Mitarbeiterdes Heimes, die keine Covid-Symptome haben, sollen auf direktem Wege nach Hause und zur Arbeit fahren. Alle Mitarbeiter sollen während der Arbeit OP-Masken tragen beziehungsweise FFP2-Masken sowie Schutzkittel, Schutzbrillen und Handschuhe bei direkter Pflege von Covid-Patienten. Mitarbeiter mit Symptomen dürfen nicht mehr arbeiten und müssen getestet werden auf Covid.

 




Hohenlohekreis: Polizei am Osterwochenende weiterhin stark präsent

In Erwartung von tollem Frühlingswetter am gesamten Osterwochenende, sind die Beamten des Polizeipräsidium Heilbronn weiterhin stark präsent, um die Einhaltung der Coronaverordnung zu überwachen. Insbesondere Badeseen und Naherholungsgebiete, stehen im Mittelpunkt der Überwachungen. Aber auch Wohngebiete und sonstige, auch kleinere Parkanlagen werden bestreift.

Aufgrund der Erfahrungen der letzten Tage ist die Polizei guter Hoffnung, dass der größte Teil der Bevölkerung weiterhin diszipliniert und verantwortungsbewusst handelt. Wer gegen die Verordnung verstößt muss jedoch mit der konsequenten Ahndung und einem unter Umständen empfindlichen Bußgeld rechnen. „Der aktuell geringe Verkehr verleitet leider den ein oder anderen aktuell es mit der Einhaltung der Geschwindigkeit nicht ganz so genau zu nehmen. Um hier entsprechend schweren Unfällen vorzubeugen werden wir einschlägige Strecken in den nächsten Tagen gezielt überwachen und die Verstöße ahnden“, so der Präsident des Polizeipräsidiums Heilbronn, Hans Becker.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn