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Hohenlohe: Mitarbeiter/Personal in 8 Altenheimen infiziert – Krankenhaus Öhringen eventuell bald an Kapazitätsgrenze

Nein. Das ist kein Aprilscherz gewesen. Eine auf den 01. April 2020 datierte Pressemitteilung des Landratsamtes sagt: Es gib nun Quarantänemaßnahmen in fünf weiteren Pflegeheimen. Damit wären insgesamt acht Heime derzeit von dem Coronavirus im Hohenlohekreis betroffen. Nach positiven Tests dürfen Bewohner die Heime bis auf Weiteres nicht mehr verlassen. Auch Mitarbeiter sind positiv getestet worden.

Da die Heimbewohner zur Risikogruppe zählen und pro Heim mehrere Dutzend Betroffene zusammenkommen, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, dass die Kapazitäten im Krankenhaus Öhringen an seine Grenze kommt – insbesondere auf der Intensivstation. Schon jetzt werden Corona-Patienten nach Heilbronn oder nach Ludwigsburg weiterverlegt.

Alle Bewohner sowie die MMitarbeiter gelten damit bis auf Weiteres als sogenannte Kontaktpersonen der Kategorie 1. Für die Bewohner bedeutet das, dass sie das Gelände nicht mehr verlassen sowie keinen Besuch empfangen dürfen. Die Mitarbeiter der Heime gehören zur Gruppe der systemrelevanten Berufe und dürfen weiterarbeiten, solange sie keine Krankheitssymptome haben. Währenddessen muss stets eine persönliche Schutzausrüstung getragen werden. In der restlichen Zeit müssen sich die Mitarbeiter zuhause isolieren.
Mitarbeiter und Bewohner werden täglich auf die typischen COVID-19-Symptome beobachtet und gegebenenfalls getestet. Eine pauschale Testung aller Mitarbeiter und Bewohner findet somit nicht statt.

Das Landratsamt nennt die Namen der betroffenen Seniorenheime nicht: „Die Nennung der Häuser obliegt den jeweiligen Betreibern“, heißt es in der Pressemitteilung. Eine Veröffentlichung der Namen würde es allerdings erleichtern, weitere mögliche Kontaktpersonen zu ermitteln.




Alle Abfälle von Corona-Infizierten sollen in die Restmülltonne

Abfallentsorgung bei privaten Haushalten mit Corona-infizierten Patienten oder Patienten unter Quarantäne

Hohenlohekreis: Das Corona-Virus macht auch vor der Abfallentsorgung nicht halt. Deshalb hat das Umweltministerium Baden-Württemberg in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut Hygienemaßnahmen veröffentlicht. Entsprechend dieser Hygienemaßnahmen gibt die Abfallwirtschaft Hohenlohekreis folgende Informationen zur Entsorgung von Abfällen aus privaten Haushalten mit Corona-infizierten Patienten:

Alle Abfälle, die in diesen Haushalten entsorgt werden müssen, gehören in die Restmülltonne (schwarze Tonne), z.B.: Wertstoffe wie Altpapier und Verpackungen und häusliche Bioabfälle (Küchenabfälle); Materialien, die zum Abdecken von Mund oder Nase im Zuge der Husten- und Nies-Etikette verwendet wurden; Taschentücher, Aufwischtücher; Einwegwäsche und Hygieneartikel (z. B. Windeln); Schutzkleidung und Abfälle aus Desinfektionsmaßnahmen.

Damit sich Mitarbeiter nicht anstecken

Damit ist die Pflicht zur Mülltrennung bei diesen Haushalten weitgehend aufgehoben. „Diese Maßnahmen sind wichtig. Zum eigenen Schutz, aber auch zum Schutz der Müllwerker, um die Ansteckungsgefahr bei kontaminierten Abfällen soweit es geht zu reduzieren“, so die Betriebsleiterin der Abfallwirtschaft Silvia Fritsch.

Bei der Entsorgung von kontaminierten Abfällen über die Restmülltonne sind folgende Vorsichtsmaßnahmen zu berücksichtigen:

• Spitze oder scharfe Gegenstände (z. B. Spritzen und Skalpelle) müssen in stich- und bruchfesten Einwegbehältnissen gesammelt und fest verschlossen werden

• Geringe Mengen an flüssigen Abfällen sind mit ausreichend saugfähigem Material in Verbindung zu bringen, um die Tropffreiheit zu gewährleisten. Größere Mengen an flüssigen Abfällen dürfen nicht über die Restmülltonne entsorgt werden

• Alle Abfälle sind in stabilen Müllsäcken zu sammeln, die nach Befüllung mit diesem beispielsweise durch Verknoten fest zu verschließen sind

• Die Müllsäcke sind direkt in die Abfalltonnen oder Container zu geben und dürfen nicht daneben gestellt werden. Sind die Abfalltonnen oder Container bereits gefüllt, ist eine gesicherte Lagerung bis zur nächsten Abholung an einem möglichst kühlen Ort vorzunehmen (z.B. Keller).

Weitere Informationen stehen auf der Homepage der Abfallwirtschaft http://www.abfallwirtschaft-hohenlohekreis.deund sind in der Abfall App eingepflegt. Sie ist immer aktuell und steht in den gängigen App-Stores unter dem Namen „Abfallinfo HOK“ kostenlos zum Download zur Verfügung. Gerne berät das Team der Service-Hotline telefonisch unter 07940 18-555.

Quelle: Pressemitteilung der Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises




Hohenlohe: Coronafälle im Altenheim – Bewohner dürfen Gelände nicht mehr verlassen

Nach positiven Tests dürfen Bewohner das Heim bis auf Weiteres nicht mehr verlassen

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat für ein Pflegeheim in Zweiflingen-Orendelsall die häusliche Absonderung der Bewohner und Mitarbeiter angeordnet. Hintergrund sind positive Testergebnisse auf das Coronavirus unter Mitarbeitern und Bewohnern des Pflegeheims. Das meldet das Landratsamt des Hohenlohekreises am Samstag, den 29. März 2020.

Gelände nicht mehr verlassen

Alle Bewohner sowie die Mitarbeiter gelten damit bis auf Weiteres als sogenannte Kontaktpersonen der Kategorie 1.
Für die Bewohner bedeutet das, dass sie das Gelände nicht mehr verlassen sowie keinen Besuch empfangen dürfen. Die Mitarbeiter des Heims gehören zur Gruppe der systemrelevanten Berufe und dürfen weiterarbeiten, solange sie keine Krankheitssymptome haben. Währenddessen muss stets eine persönliche Schutzausrüstung getragen werden. In der restlichen Zeit müssen sich die Mitarbeiter zuhause isolieren.

Mitarbeiter und Bewohner werden täglich auf die typischen COVID-19-Symptome beobachtet und gegebenenfalls getestet, so das Landratsamt. Pauschale Testungen aller Mitarbeiter werden damit nicht vorgenommen.  „Ziel ist es, Bewohner und Mitarbeiter des Pflegeheims bestmöglich zu schützen und gleichzeitig den Betrieb weiterhin aufrecht zu erhalten“, so die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Antje Haack-Erdmann.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises vom 28.02.2020




Hohenlohe / Corona – Warum die Zahl in Wahrheit signifikant höher ist – Ärztliche Diagnosen fließen nicht in offizielle Statistik ein

Man wundert sich dieser Tage schon ein wenig. Denn der Graben zwischen den offiziellen Coronazahlen im Hohenlohekreis und der Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, wird immer größer.

Eine neue geschaffene Isolierstation im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau mit dreimal so viel Betten wie in Kupferzell, der Hilferuf des Landrats Dr. Matthias Neth nach mehr Schutzmasken und medizinischem Personal. Und demgegenüber aktuell aber offiziell „lediglich“ 350 bestätigte Coronainfizierte im Kreis (Sozialministerium Baden-Württemberg, Stand: 27. März 2020, 16 Uhr https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/corona-karte-baden-wuerttemberg/). 

Das klingt zuerst nach nicht wirklich vielen Fällen bei rund 120.000 Einwohnern. Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

  1. Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, also 50 weniger. In einer Woche könnte man so schnelle eine vierstellige Zahl im Hohenlohekreis erreichen. Der exponentielle Anstieg (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen den Infizierten in Baden-Württemberg. So liegt die Zahl der Infizierten derzeit bei 9.729 Fälle), einen Tag zuvor war die Zahl 8.441 Fälle. Das bedeutet einen Anstieg um rund 1.300 Fälle innerhalb von 24 Stunden).
  2. Es werden längst nicht alle Coronainfizierten bei der offiziellen Statistik erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders. Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelte, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach wurde nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen  „stillen“ aktiven Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken. Das größte Problem bei der offiziellen Zahlenstatistik ist aber: Es finden derzeit weit weniger Coronatestungen statt. Als im März 2020 der Abstrich-Drive-In in Belzhag eröffnet wurde, testeten Ärzte bis zu 200 Menschen täglich. Ziemlich schnell, noch bevor der Monat um war, gingen die Teststäbchen fürs Labor zur Neige. Fortan sollten die Ärzte vermehrt klinische Diagnosen durchführen, vom Landratsamt wurde diese Methode als genauso gut empfunden. Das Problem: Diese klinischen Diagnosen fließen nicht in die offizielle Corona-Statistik ein. Das bestätigte uns sowohl das Landratsamt des Hohenlohekreises als auch das Sozialministerium Baden-Württemberg in einem Schreiben auf Nachfrage gegenüber GSCHWÄTZ. Das Landratsamt verwies dabei auf die Vorgaben das Robert-Koch-Instituts hinsichtlich der Erstellung der Statistik. Daher ist es falsch zu glauben, dass die Zahl der Coronainfizierten weniger stark steigt, da die Statistik bislang nur die rückläufigen Labordiagnosen berücksichtigt und nicht die ärztlichen Diagnosen.
  3. Aber auch ärztliche Diagnosen sind derzeit nicht so leicht zu bekommen. Denn: Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/03/27/arzt-und-oder-personal-infiziert-11-bis-15-arztpraxen-in-hohenlohe-mussten-bereits-schliessen/). Dies macht es diversen Menschen es noch schwerer, einen Arzt für eine Diagnose zu konsultieren. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.
  4. Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises selbst hat Wochen später erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier unmöglich sei.
  5. Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung). Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat, ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung derzeit nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal derzeit noch unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. 
  6. Man verdreifacht nicht mal einfach so die Isolierplätze in einem Landkreis, wenn es nicht erforderlich wäre beziehungsweise wenn man nicht die Annahme hegt, dass sich die Zahl der Infizierten weiter erhöhen wird.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen. Aber dafür muss der Kreis jetzt alle nur erdenklichen Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.

 

 




Wegen Engpass 10.000 Schutzmasken für den Hohenlohekreis geliefert

Das Landratsamt Hohenlohekreis hat am Freitag, den 17. März 2020, mehrere Pakete Schutzmasken an die Diakoniestation Öhringen überreicht. Die Aktion war Teil mehrerer Übergaben von insgesamt 10.000 gespendeten Schutzmasken an verschiedene Institutionen im Kreis. Landrat Dr. Matthias Neth ist dankbar über die hohe Spendenbereitschaft: „Dass der Aufruf der Kreisverwaltung große Erfolge zeigt, beweist wieder einmal: Hohenlohe hält zusammen.“ Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Auch für Zahnärzte, Physiotherapeuten sowie weitere Organisationen wie DRK und Feuerwehr werden einige dieser Masken zur Verfügung gestellt.

Insbesondere Schutzmasken waren in den vergangenen Tagen in vielen Einrichtungen Mangelware geworden, weshalb die Spende von 10.000 Schutzmasken bei den Betroffenen für große Erleichterung sorgte. Sabine Waldmann, Dekanin und Vorstand der Diakoniestation Öhringen e. V., freut sich: „Durch Ihre Mithilfe können wir unsere Mitarbeiter ausreichend schützen und so die bestmögliche Versorgung aller Patienten gewährleisten“. Nachdem ein Teil der Masken am Donnerstag an das Hohenloher Krankenhaus und die niedergelassenen Ärzte geliefert wurde, erhielten am Freitag die Altenheime und ambulanten Pflegedienste im Hohenlohekreis weitere Schutzmasken. Auch für Zahnärzte, Physiotherapeuten sowie weitere Organisationen wie DRK und Feuerwehr werden einige dieser Masken zur Verfügung gestellt.

Das Landratsamt Hohenlohekreis freut sich weiterhin über Spenden.

Wer Masken, Schutzkleidung oder Handschuhe spenden kann, wird gebeten, sich mit dem Gesundheitsamt unter corona-spenden@hohenlohekreis.de in Verbindung zu setzen, damit die Anlieferung organisiert werden kann. Offene Pakete können leider nicht angenommen werden.

Anfang dieser Woche haben sich Landrat Dr. Matthias Neth, der Vorsitzende der Innovationsregion Hohenlohe Thomas Philippiak und der Ärztliche Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, Dr. Werner Reinosch, in einem gemeinsamen Brief an die Betriebe, Firmen, Unternehmen und Privatpersonen im Hohenlohekreis gewandt und um Unterstützung auf der Suche nach Schutzausrüstung gebeten. Der gemeinsame Spendenaufruf für die Gesundheitseinrichtungen im Kreis war nötig geworden, weil sich durch steigende Fallzahlen ein Engpass an Schutzausrüstung abgezeichnet hat.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises




Arzt und/oder Personal infiziert: 11 bis 15 Arztpraxen in Hohenlohe mussten bereits schließen

Nachdem diverse Mitarbeiter des Hohenloher Krankenhauses an dem Coronavirus erkrankt sind (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/03/27/oehringen-auch-krankenhauspersonal-infiziert-landratsamt-sucht-medizinisches-fachpersonal-kontaktpersonen-duerfen-weiterhin-arbeiten/), gibt es mittlerweile auch zahlreiche Arztpraxen im Hohenlohekreis, die geschlossen sind oder geschlossen waren, weil Ärzte und/oder Mitarbeiter den Coronavirus haben beziehungsweise hatten. So sollen in den vergangenen 14 Tagen zwischen elf und 15 Praxen davon betroffen gewesen sein.

Ärzte und/oder Mitarbeiter, die das Virus haben, dürfen nicht mehr weiterarbeiten, sondern müssen in Quarantäne. Bei Gemeinschaftspraxen werden in der Regel bei einem Coronafall in dieser Praxis alle darin arbeitenden Ärzte und Mitarbeiter ebenfalls getestet. Bei einem Negativbescheid, dürfen die anderen Ärzte wie gehabt die Praxis weiterführen. Nach 14 Tagen beziehungsweise wenn die Symptome abgeklungen sind, darf der Arzt und/oder das medizinische Personal wieder weiterarbeiten.




„Jetzt zählt jedes Bett“ – Aufrüstung des Krankenhausgebäudes in Künzelsau – Dr. Andreas Kühn, Chefarzt im HK, im großen Interview

„Schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden“

Dr. Andreas Kühn ist noch bis 01. April 2020 Chefarzt und stellvertretender ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus (HK). Er ist Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Zusätzlich ist er derzeit noch der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Hohenlohe und Vorsitzender der Ärzteschaft Künzelsau. Dr. Andreas Kühn wurde am 04.11.1969  geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwölf und 14 Jahren. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann sprach mit Dr. Kühn über die Corona-Pandemie.

Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden

GSCHWÄTZ: Herr Kühn, angesichts der Coronapandemie und der bezeichnenden Lage im so genannten Hotspot Hohenlohe – Könnten Sie sich vorstellen, nicht ab 01. April 2020 das Krankenhaus zu verlassen, sondern noch länger in dieser Krise als Arzt für das HK zu arbeiten?

Kühn: Ich bin Intensivmediziner und Anästhesist. Das sind genau die Menschen, die man jetzt braucht. Wenn man mich braucht, bin ich auch da in so einer angespannten Situation. Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden.

GSCHWÄTZ: Ärzte aus dem Hohenlohekreis nehmen derzeit die Abstriche der Verdachtsfälle in der Abstrichstelle in Belzhag.

Kühn: Hausärzte von hier sind in Belzhag, die sich in ihrer eigenen Praxis frei machen für einige Stunden im stetigen Wechsel. Die kassenärztliche Vereinigung stellt eine medizinische Fachangestellte und man kann noch selbst eine Kraft zur Unterstützung aus der eigenen Praxis mitbringen. Eventuell bleibt dann die Praxis währenddessen zu, wenn man keine Gemeinschaftspraxis hat.

Ganzkörperschutzoverall anstatt „Norovirenkittelchen“

GSCHWÄTZ: Haben Sie selbst auch schon Abstriche vorgenommen? Wenn ja, hat man als Arzt Angst, sich anzustecken? Immerhin sind ja schon einige Ärzte erkrankt.

Kühn: Ich habe Abstriche gemacht, als die Abstrichstelle noch am Gesundheitsamt war, aber Angst vor einer Ansteckung habe ich nicht wirklich, denn ich weiß, wie man sich professionell schützt. Ich hatte einen weißen Ganzkörpervollschutzoverall (kein „Norovirenkittelchen“), Kategorie 3, an, eine Maske (FFP3–Mundschutz) und ein großes Schutzvisier, doppelte Handschuhe, so war alles geschützt, auch der Hals, da guckt kein bisschen Haut raus. Aber es ist unangenehm, damit zu arbeiten, weil es ist heiß darunter ist.

Bergamo ist in seiner Größe vergleichbar mit dem Hohenlohekreis

GSCHWÄTZ: Ihre Schmerztherapie-Praxis hat weiterhin geöffnet, weil ihre Patienten angewiesen sind auf die Behandlungen und Medikamente. Was tun sie, um dabei volle Wartezimmer zu vermeiden?

Kühn: Ich biete jetzt Videosprechstunden an und schicke Rezepte per Post. Darüber hinaus bestelle ich die Menschen einzeln in meine Praxis und lasse kein Wartezimmer volllaufen. Ich arbeite immer mit Handschuhen und Mundschutz, meine Angestellten tragen auch Mundschutz und Handschuhe im Umgang mit Patienten. Viele sagen derzeit aber auch ihre Termine ab aus Angst, sich anzustecken. Meine Frau ist Gynäkologin, in diesem Bereich verschieben gerade auch viele ihre Vorsorgetermine. Aber natürlich kann es dann passieren, dass wir nach der Krise einen Rattenschwanz aufzuarbeiten haben.

GSCHWÄTZ: Keiner von uns hat eine derartige Ausnahmesituation, eine Pandemie, jemals erlebt. Unter- oder übertreiben wir dabei in unserem Tun?

Kühn: Wenn uns so etwas passiert wie in Bergamo, das eine vergleichbare Größe wie der Hohenlohekreis aufweist, wenn man die Einwohnerzahl von 120.000 betrachtet, mit aktuell 800 und bald vermutlich 1.000 Toten, dann kämen wir bald an eine Letalitätsrate [Anm. d. Red.: Sterberate] von einem Prozent auf die Gesamtbevölkerung (nicht nur der Infizierten). Wenn man das auf Gesamtdeutschland überträgt mit rund 82 Millionen Einwohnern, dann wären das 820.000 Tote. Nicht zu vergessen: Die Intensivstationen in Bergamo sind sehr gut ausgestattet un ganz abgesehen davon, dass der Höhepunkt hier noch nicht erreicht ist.

„Uns entgehen die ganzen Symptomlosen“, die nicht getestet werden

GSCHWÄTZ: Hat Deutschland zu spät reagiert?

Kühn: In Südkorea werden nicht nur Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch äußerlich gesunde Menschen und darunter waren einige positiv Getestete. Uns entgehen die ganzen Symptomlosen und dadurch verbreitet sich der Virus weiter. Wer sowieso schon Grippesymptome aufweist, geht in der Regel nicht mehr so auf die Straße und steckt andere an, wie jemand, der sich gesund fühlt, aber Corona hat.

GSCHWÄTZ: Durch den Engpass an Teststäbchen werden derzeit auch nicht mal mehr alle mit Symptomen getestet und den Ärzten obliegt es, hier eine korrekte klinischeDiagnose zu treffen. Ein schier unmögliches Unterfangen, oder?

Kühn: Es ist ganz einfach: Wenn jemand derzeit Grippesymptome hat, muss er zu Hause in Quarantäne bleiben. Dann meldet der Arzt ihn als möglichen Coronaverdacht. Der Abstrich wird nur noch gemacht, wenn er ins Krankenhaus muss und er dadurch in Kontakt mit anderen Menschen kommt.

Stichwort Krankenhaus Künzelsau: „Jetzt zählt jedes Bett“

GSCHWÄTZ: Das Krankenhaus Künzelsau wurde am 15. November 2019 geschlossen. Kurz darauf breitete sich in China die Corona-Epidemie rasant aus. Anfang 2020 traf es auch Deutschland. Aus einer Epidemie wurde eine Pandemie. Wie viele Krankenhausbetten entgehen uns derzeit durch das Sparen im Krankenhaussystem in den vergangenen Jahren?

Kühn: Vor der Krise war die Aussage von dem baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha, dass man von 5,5 auf 4,4 Krankenhausbetten auf 1.000 Einwohner reduzieren wolle. Im Vergleich: Japan hat 13,9 Betten auf 1.000 Einwohner, also rund dreimal so viel. In Hohenlohe gab es bereits vor der Schließung lediglich 2,5 Krankenhausbetten, nach der Schließung des Krankenhauses Künzelsau waren es noch 1,7 Betten auf 1.000 Einwohner. Jetzt zählt jedes Bett und besonders die Intensivbetten mit Beatmung bei den schweren Corona-Verläufen.

GSCHWÄTZ: Wie ist der Hohenlohekreis hier derzeit aufgestellt?

Kühn: In Öhringen gibt es 12 Beatmungsplätze pro 110.000 Einwohner – wenn man die Narkosegeräte noch mit dazu zählt. Der Bundesdurchschnitt liegt hier rund dreimal so hoch bei 34 Beatmungsplätzen pro 100.000 Einwohner. Man darf dabei auch nicht vergessen: Jedes der 140 Betten im Künzelsauer Krankenhaus hätte Sauerstoffversorgung gehabt für die leichteren Fälle. Aber das jetzt auf die Schnelle wieder hochzuziehen, wird sehr schwierig werden. Jetzt sieht man mal, was passiert, wenn man auf viele Jahre das Gesundheitswesen auf Effizienz trimmt. Das reicht halt für eine Pandemie nicht.

„Entweder es gibt eine schnelle Durschseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das in die Länge und kriegen bestmögliche Versorgungsbedingungen hin

GSCHWÄTZ: Was denken Sie, wie lange die Pandemie uns in Atem halten wird?

Kühn: Entweder es gibt eine schnelle Durchseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das dementsprechend in die Länge und kriegen bestmögliche Bedingungen für die Versorgung hin, das dauert dann zwar auch dementsprechend länger, aber es werden weniger sterben. Also daher bitte ich jeden, zu Hause bleiben, damit die Kapazitäten ausreichen, damit alle bei Bedarf eine ausreichende Beatmungstherapie bekommen.

GSCHWÄTZ: Eine Herausforderung auch für die Ärzte.

KÜHN: Das sind schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden und vor denen wir Angst haben. Was macht man beispielsweise, wenn die Intensivstation voll ist mit Menschen über 80 Jahren und dann kommt ein 40-Jähriger, der ebenfalls beatmet werden muss?

Wie konnte Hohenlohe Corona-Hotspot werden?

GSCHWÄTZ: Hohenlohe ist der Corona-Hotspot in Deutschland mit den offiziell am meisten Infizierten pro Kopf, geht man von der offiziellen Zahl aus. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Kühn: Man weiß mittlerweile anhand von diversen Beispielen, dass sich viele bei öffentlichen Veranstaltungen angesteckt haben. Daraus kann man schließen, dass man sich ziemlich schnell und leicht anstecken kann mit dem Virus. Zur Zeit des Rebenglühens Anfang März 2020 hat man diesen Virus in Hohenlohe noch nicht so richtig ernst genommen.

„Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann“

GSCHWÄTZ: Wie gehen Sie privat mit der Krise um?

Kühn: Ich gehe persönlich nicht mehr einkaufen im Supermarkt, nur noch im Monat einmal, dann aber kaufe ich viel. Ein guter Tipp aus meiner Zeit, als ich in Kalkutta als Medizinstudent war, beherzigen wir jetzt auch wieder: schälen, kochen oder wegwerfen. Sprich: Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann.

Herr Kühn, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Seit Anfang dieser Woche rüstet das THW das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau auf. Foto: GSCHWÄTZ vom 26.03.2020

Anbei veröffentlichen wir die aktuellen Corona-Zahlen des Sozialministeriums Baden-Württemberg (26. März 2020). Derzeit gibt es offiziell 8.441 Fälle und 76 Todesopfer. 302 Coronafälle weist der Hohenlohekreis dabei auf:




Öhringen: Auch Krankenhauspersonal infiziert – Landratsamt sucht medizinisches Fachpersonal – Kontaktpersonen dürfen weiterhin arbeiten

Auch Mitarbeiter des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen sind mit dem Coronavirus infiziert. Das bestätigte das Landratsamt des Hohenlohekreises aufgrund einer GSCHWÄTZ-Anfrage am Mittwoch, den 25. März 2020. Die betroffenen positiv getesteten Mitarbeiter arbeiten nicht weiter, sondern befänden sich in Quarantäne, erklärt Sascha Sprenger, Pressesprecher des Landratsamtes, und versichert: „Der Ausfall wird kompensiert“.

Landratsamt: „Pandemie wird noch länger andauern“

Am gestrigen Donnerstag, den 26. März 2020 startete das Landratsamt nun einen Aufruf, dass sie medizinisches Personal benötigen, da „die Pandemie noch länger andauern wird“.

Der Hohenlohekreis bittet die Bevölkerung in Zeiten der Corona-Krise erneut um Hilfe. Da die Pandemie noch länger andauern wird, sei es wahrscheinlich, dass die Fachkräfte, die jetzt bereits im Einsatz sind, Unterstützung brauchen werden. Deshalb ruft die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung medizinisches Personal dazu auf, sich zu melden, um bei Bedarf helfen zu können.

Vorerst gehe es darum, dass die Daten der Hilfeanbietenden gespeichert werden. Der Aufruf richtet sich an jeden, der über medizinische oder pflegerische Fachkenntnisse verfügt, aber derzeit nicht im Gesundheitssektor arbeitet. Besonders Ärzte, Pflegekräfte, pharmazeutisch-technische Assistentinnen (PTA) oder medizinisch-technische Assistentinnen (MTA) im Ruhestand, in Elternzeit, im Studium oder in Ausbildung sind gesucht. Auch wer zum Beispiel eine Rettungssanitäterausbildung hat oder anderweitig etwas beitragen will, sei herzlich willkommen, so das Landratsamt. „Wir freuen uns über alle Freiwilligenmeldungen von Personen mit medizinischer/pflegerischer Ausbildung. Gesucht wird breitgefächert, beispielsweise vom ehemaligem Zivildienstleistenden mit Rettungshelferausbildung bis zum Herzchirurgen im Ruhestand“, so Landrat Dr. Matthias Neth.

Wie funktioniert es?

Kontakt: Gesundheitsamt des Hohenlohekreises. E-Mail: cv-medhilfe@hohenlohekreis.de oder telefonisch unter 07940 18-385 (erreichbar montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr).

Robert-Koch-Institut rät laut dem Landratsamt zu dieser Vorgehensweise

Um den hohen Bedarf an Fachkräften für die Versorgung von Covid-19-Patienten zu gewährleisten, ist man auf die Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. Die Empfehlung, das Personal im medizinischen Bereich aufzustocken, stammt vom Robert-Koch-Institut (RKI). Bei jeder freiwilligen Meldung, so betont es das Landratsamt, wird darauf geachtet, dass ältere Fachkräfte nicht einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesdetzt werden. Bei jedem Fall wird vorher geprüft, ob und wie die- oder derjenige eingesetzt werden kann.

Sonderregelungen für Kontaktpersonen aus bestimmten Berufsgruppen

In einer weiteren Pressemitteilung von Donnerstag, den 26. März 2020, erlässt der Hohenlohekreis nun Sonderregelungen für Kontaktpersonen in „systemrelevanten“ Berufen.

Die aktuellen Allgemeinverordnungen der Landkreisverwaltung regeln, dass infizierte Personen sowie deren direkte Kontaktpersonen in häusliche Absonderung, sprich Quarantäne, müssen. Das heißt jedoch nicht, dass jede Kontaktperson auch infiziert ist, sondern es handelt sich um eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, betont das Landratsamt in der Pressemitteilung.

Um die dringend benötigte Versorgungsinfrastruktur aufrechterhalten zu können, lockerte das Landratsamt diese Bestimmungen für bestimmte Berufe.

Konkret bedeutet das, dass Kontaktpersonen von diesen Berufsgruppen zur Arbeit erscheinen dürfen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie folgende Verhaltensregeln dringend beachten und einhalten:

– Kontinuierliches Arbeiten mit Mund-Nasen-Schutz.
– Tägliche Selbstbeobachtung und Dokumentation bis zu 14 Tage nach dem Kontakt mit der infizierten Person.
– Beim Auftreten von Symptomen wird die betroffene Person sofort getestet und muss bis zum Testergebnis in häusliche Absonderung. Eine Arbeitstätigkeit ist dann nicht mehr erlaubt.
– Wenn der Test positiv ausfällt, gelten die gleichen Regelungen wie bei allen Infizierten.

Diese Regelungen können jedoch nur funktionieren, wenn während der Arbeit der direkte Kontakt jeglicher Art auf ein Minimum reduziert wird, insbesondere bei Besprechungen.

„Um die Versorgung wichtiger Dienstleistungen aufrechterhalten zu können, ist es unumgänglich, Quarantäneanordnungen, die für die Allgemeinbevölkerung gelten, für Personengruppen bestimmter Berufe anzupassen, um Personalengpässe in kritischen Bereichen zu vermeiden“, erläutert die Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Antje Haack-Erdmann.

Dies gilt für folgende Bereiche:

– die in den §§ 2 bis 8 der BSI-Kritisverordnung (BSI-KritisV) bestimmten Sektoren Energie, Wasser, Ernährung, Informationstechnik und Telekommunikation, Gesundheit, Finanz- und Versicherungswesen, Transport und Verkehr,
– die gesamte Infrastruktur zur medizinischen und pflegerischen Versorgung einschließlich der zur Aufrechterhaltung dieser Versorgung notwendigen Unterstützungsbereiche, der Altenpflege und der ambulanten Pflegedienste, auch soweit sie über die Bestimmung des Sektors Gesundheit in § 6 BSI-KritisV hinausgeht,
– Regierung und Verwaltung, Parlament, Justizeinrichtungen, Justizvollzugs- und Abschiebungshaftvollzugseinrichtungen sowie notwendige Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge und Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, vollziehbar Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern, soweit Beschäftigte von ihrem Dienstherrn unabkömmlich gestellt werden,
– Polizei und Feuerwehr (auch Freiwillige) sowie Notfall- /Rettungswesen einschließlich Katastrophenschutz,
– Rundfunk und Presse,
– Beschäftigte der Betreiber bzw. Unternehmen für den öffentlichen Nahverkehr und den Schienenpersonenverkehr sowie Beschäftigte der lokalen Busunternehmen, sofern sie im Linienverkehr eingesetzt werden und Taxifahrerinnen und Taxifahrer,
– die Straßenbetriebe und Straßenmeistereien sowie
– das Bestattungswesen

Quelle: Pressemitteilungen des Landratsamtes des Hohenlohekreises vom 26.03.2020




Künzelsauer Krankenhaus: Vor 2 Wochen noch ein klares Nein der BBT-Gruppe – Nun erfolgt eine Kehrtwende um 180 Grad

Was kann einem Landkreis peinlicheres passieren, als ein Krankenhaus trotz wochenlanger Proteste der Bevölkerung zu schließen, um es nur vier Monate später wieder zu öffnen (sicher, es ist derzeit „nur“ eine Isolierstation, aber wer weiß heutzutage schon, was morgen daraus wird? Hier scheinen sich jedenfalls die Spielregeln ständig zu ändern)? Hinzu kommt, dass ausgerechnet dieser Landkreis derzeit im Fokus Deutschlands als Corona-Hotspot steht. Beides Schlagzeilen, über die der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth vermutlich nicht besonders amused ist.

Not amused

Vielleicht schaffen wir es aber auch bald, den Hotspot-Thron wieder zu verlassen, es gibt ja derzeit im Hohenlohekreis sowieso nur noch eine begrenzte Zahl an Teststäbchen, mit denen man testen kann, wer nun Corona hat und wer nicht.  Jeder, der grippeähnliche Symptome hat, wird derzeit angehalten, einfach mal Zuhause bleiben und wenn es schlimmer wird, sich wieder zu melden. Soweit von der Krisenfront im Hohenlohischen.

Als wir rund vor zwei Wochen bei der BBT-Gruppe – wir erinnern uns, die mit dem wohlklingenden Namen ,Barmherzigen Brüder‘ – gefragt haben, ob das Künzelsauer Krankenhausgebäude im Zuge der Coronapandemie möglicherweise genutzt wird – besteht also eventuell auch nur die geringste Chance – erhielten wir ein klares Nein. Ohne Begründung. Und nun, zwei Wochen später, die Kehrtwende um 180 Grad. So weit zur Weitsicht von Krankenhausträgern in gesundheitsbedingten Krisenzeiten.

Wir erinnern uns: Kleine Krankenhäuser sind zu teuer und zu ineffizient

Die Pandemie ist keine Frage verheerend, kein Spaß und mit Sicherheit hat sie keiner kommen sehen zu einer Zeit, als die Bundes- und/oder Landesregierungen (wer weiß das schon so genau, keiner will es gewesen sein) die Krankenhausschließungen  mit der Axt quer durch Deutschland geschlagen haben. In zahlreichen Landkreisen gab es Proteste wie in Künzelsau. Kleine Krankenhäuser seien zu teuer, zu ineffizient. Manfred Lucha, der Sozialminister in Baden-Württemberg, gab die Marschrichtung vor, zahlreiche Landräte folgten und verwiesen stets auf „die da oben“. Eines aber schienen die meisten von ihnen vergessen zu haben:

Auf einmal sind problemlos Milliarden da

Das Sozialsystem Deutschlands ist kein Wirtschaftsgut, sondern ein Grundrecht, dieses es nicht zu bemessen gilt mit dem spitzen Bleistift eines Finanzministers – zumal – hoppla, auf einmal problemlos Milliarden da sind, die nun an die Wirtschaft angesichts der drohenden Krise ohne Probleme seitens der Regierung ausgeschüttet werden können, weil – so erklärt es die Regierung in Berlin – der Staatssäckel gut gefüllt sei, weil man ja gut gewirtschaftet habe. Genau. Unter anderem beim Gesundheitssystem. In Katastrophen-Szenarien zeigen sich die wahren Helden und das sind die Menschen, die dieses Gesundheitssystem jetzt und bereits seit Jahren unter erschwerten Bedingungen am Leben erhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nur bei einem „danke“ an alle nun helfenden Hände – Rettungsdienstler, Ärzte, Krankenschwestern, Pflegemitarbeiter und viele andere mehr – bleibt, sondern dass zumindest einer als Sieger aus dieser Pandemie hervorgeht:

das deutsche Gesundheitssystem und alle, die es stützen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

 




Landratsamt sagt: Corona-Isolierstation im Künzelsauer Krankenhausgebäude für gesunde & kranke Menschen gleichermaßen gedacht

Nun ist es amtlich, was GSCHWÄTZ Anfang dieser Woche veröffentlicht hat: Die Landkreisverwaltung hat sich entschieden, im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau eine Isolierstation einzurichten. Am heutigen Donnerstag, den 26. März 2020, nun hierzu auch eine offizielle Pressemitteilung.

Die Isolierstation kann, so das Landratsamt, für folgende Fälle genutzt werden:

1. Menschen mit schwachen Krankheitsanzeichen, die nicht zuhause leben können, weil dort Risikogruppen mit Ihnen leben.
2. Gesunde Menschen, die von kranken Familienmitgliedern getrennt werden sollen.
3. Klassische Verdachtspersonen, d.h. z.B. Personen, die aus dem Ausland einreisen, können in der Isolierstation zwei Wochen leben, bis klar ist, dass sie keine Infektion haben.
4. Risikogruppen, wie z.B. alte oder immunschwache Menschen, die von den Familienmitgliedern getrennt untergebracht werden sollen.
5. Mitglieder von systemrelevanten Berufen, die vorsorglich isoliert leben sollen.
6. Menschen, die aus dem Krankenhaus mit noch schwachen Symptomen entlassen werden.

Offen lässt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung, wie gesunde Menschen aus Risikogruppen innerhalb des Gebäudes strikt getrennt werden von Coronapatienten, um Ansteckungen zu vermeiden. Zumal sich dort vermutlich jeder frei bewegen kann.

Die BBT-Gruppe hat noch vor rund zwei Wochen auf GSCHWÄTZ-Nachfrage ein klares „Nein“ geantwortet bei der Frage, ob das eheamlige Künzelsauer Krankenhaus im Rahmen der Corona-Pandemie genutzt werden könnte. https://www.gschwaetz.de/2020/03/10/coronavirus-quarantaenestation-in-kupferzell-krankenhaus-kuenzelsau-kommt-nicht-als-quarantaenestation-in-betracht/

Nun also der Umschwung, nachdem der Hohenlohekreis mit steigenden Coronazahlen zum deutschlandweiten Hotspot avanciert ist.

Die Hohenloher Krankenhaus GmbH habe in den vergangenen Wochen überprüft, inwiefern kurzfristig weitere Krankenhausplätze geschaffen werden können, erklärt das Landratsamt die Meinungsänderung. Für Coronapatienten mit einem schweren Krankheitsverlauf stünde jedoch nach wie vor das Öhringer Krankenhaus an erster Anlaufstelle. Denn: „Insbesondere für Menschen, die beatmet werden müssen, ist es nicht sinnvoll, diese im Hohenlohekreis außerhalb des Öhringer Krankenhauses unterzubringen. Denn nur im Krankenhaus Öhringen sind die medizinischen Geräte und die medizinischen Fachleute vor Ort.“

Aufnahme erfolgt freiwillig – medizinisches Personal werde es nicht geben

Daher handelt es sich, betont das Landratsamt, „beim ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau um eine reine Isoliereinrichtung, eine medizinische Versorgung wird nicht angeboten. Die Aufnahme in der Isolierstation erfolgt freiwillig. Das Essen der Bewohner werde vom DRK Hohenlohekreis gestellt. Warum aber hat man die Isolierstation nicht in Kupferzell belassen? „Ein Vorteil gegenüber der Isolierstation in der Akademie Kupferzell ist, dass die Zimmer im ehemaligen Krankenhaus Nasszellen haben und die dort lebenden Personen somit ihre Zimmer nicht verlassen müssen“, erklärt das Landratsamt.

Aber es gäbe noch einen weiteren Grund: „Aus den Krankenhausentlassberichten von bisherigen Patienten ist ersichtlich, dass viele Infizierte aus dem Krankenhaus entlassen werden können, auch wenn noch leichte Krankheitssymptome und eine Virusausscheidung vorliegen. Diese Personen können dann, falls eine häusliche Unterbringung nicht sinnvoll ist, in der Isolierstation bis zur vollständigen Genesung bleiben. Dadurch können Krankhausbetten für schwerer erkrankte Personen freigehalten werden.“

Das Technische Hilfswerk Künzelsau werde, so das Landratsamt, die Isolierstation im Krankenhaus Künzelsau mit Materialien, die noch aus der Flüchtlingskrise zur Verfügung stehen, herrichten.

Ab nächster Woche startklar

Die Nutzung des Gebäudes wurde mit der Stadt Künzelsau abgestimmt. Die Isolierstation könnte somit ab Anfang nächster Woche in Betrieb gehen. Platz für über 50 Personen steht dann bereit.
Landrat Dr. Neth und die BBT-Gruppe haben dem Land Baden-Württemberg auch frühzeitig angeboten, dass das ehemalige Künzelsauer Krankenhaus für landeseigene Nutzungen zur Verfügung steht. Auch der Bundeswehr sei das Gebäude zum Gebrauch angeboten worden. Vor zwei Tagen allerdings wusste die dafür zuständige Bundeswehr in Stuttgart noch nichts davon (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/?s=bundeswehr ). Das Land und der Bund würden derzeit noch prüfen, ob sie das Krankenhausgebäude nutzen möchten. Falls diese Prüfung positiv verlaufe, könnte sich der Hohenlohekreis vorstellen, „die Räumlichkeiten dann anderen Trägern zu übergeben“. Die BBT-Gruppe als Mehrheitseigner erwähnt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung nicht.