Keine Kontrollen, keine Quarantäne – Corona-Kreuzfahrtler Bernd Wuttke berichtet über seine Wiedereinreise nach Deutschland – „Nicht vertretbar“
Rund 2.700 Passagiere und rund 1.000 Besetzungsmitglieder befanden sich Mitte März 2020 auf einer Kreuzfahrt in der südlichen Karibik mit dem Kreuzfahrtschrift Costa Magica. Einer der Passagiere war Bernd Wuttke aus Oberlauterbach. Doch die Reise fand ein jähes Ende, als die ersten Coronainfizierten (Passagiere wie auch Besatzung) auf dem Kreuzfahrtschiff gemeldet wurden. Auch Bernd Wuttke wurde infiziert mit dem Virus. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit dem Maschinenbauer am Telefon gesprochen.
„Es wurden Durchsagen gemacht“
Wie erfuhren die Passagiere von den ersten Coronainfizierten an Bord? „Es wurden Durchsagen gemacht.“ Auf ihren Kajüten mussten die Passagiere zwar nicht bleiben, erklärt Wuttke, aber öffentlichen Bereiche wie Bars seien geschlossen worden. Allgemein habe eine große Unsicherheit unter den Touristen geherrscht, wie es nun weitergeht. Es habe auch Tumulte und Unruhen an Bord gegeben, weil der Informationsfluss relativ dürftig gewesen sei, berichtete der 56-Jährige.
Die Kreuzfahrt mit der Costa Magica sollte eigentlich 14 Tage gehen, wurde aber nach zehn Tagen abgebrochen. Dann erfolgte der Rückflug der Passagiere. Wuttke wurde mit Air Belgium zurückgeflogen nach Frankfurt am Main. An Bord befanden sich laut Wuttke nur Passagiere des Kreuzfahrtschiffes.
In Frankfurt angekommen, kamen mehrere Ärzte an Bord der Maschine und fragten, ob es jemandem schlecht gehe oder Coronasymptome habe. Die, die sich daraufhin gemeldet haben, seien mitgenommen worden zur weiteren Untersuchung. Der Rest sei ganz normal ausgestiegen und mit einem, so Wuttke „überfüllten Shuttlebus“ zur Gepäckabfertigungshalle gefahren worden. Dor hätten sie wie alle anderen Reisenden auch an den Gepäckbändern ihre Koffer abgeholt und seien nach Hause gegangen – entweder mit dem Taxi oder den öffentlichen Nahverkehrsmitteln oder anderweitig. Es gab keine separaten Ausgänge, um sie von Touristen von anderen Flugzeugen zu trennen.
Es habe laut Wuttke auch weder pauschalen (Fieber-)Testungen für alle Passagiere des Kreuzfahrtschiffes gegeben, als sie in Deutschland angekommen seien – noch Quarantäneanordnungen bei der Einreise. Für Wuttke völlig unverständlich, da die Gefahr groß ist, dass man dadurch weitere Personen ansteckt. Lediglich der Rat sei ihnen mit auf den Weg gegeben worden, dass man, sobald man Symptome habe, beim Hausarzt vorstellig werden solle. „Wir sind sehr, sehr enttäuscht“, wie das gelaufen sei, sagt Wuttke heute rückblickend. „Das war für uns eigentlich nicht vertretbar.“ Er und auch einige, mit denen Wuttke bis heute Kontakt hält, haben nach ein paar Tagen in Deutschland tatsächlich Corona-Symptome bekommen.
Er sei daraufhin zum Hausarzt gegangen und auch getestet worden. Das Ergebnis: positiv. Drei Wochen hat er grippeartige Symptome. Nun ist er wieder gesund, sagt er.
Das Reisen aufgeben möchte er aber deswegen noch lange nicht. zumal die Reisegesellschaft sehr kulant gewesen sei und den Passagieren Gutscheine über den vollen Reisepreis (bei ihm 2.100 Euro) ausgestellt habe. Zudem hätten sie an Bord ein Bordguthaben ausgestellt bekommen über 300 Euro, als die Landgänge nicht mehr möglich gewesen waren.

Öffentliche Einrichtungen wie Bars wurden nach den ersten Coronafällen geschlossen. Foto: privat

Auf diesem Kreuzfahrtschiff war Bernd Wuttke. Foto: privat

Landgänge wie hier waren den Passagieren irgendwann nicht mehr gestattet. Foto: privat


Das Schiff durfte an mehreren Häfen nicht mehr anlegen. Foto: privat

Mit einer Maschine von Air Belgium ging es zurück nach Deutschland. Foto: privat