„Immer weniger Ärzt:innen führen Abbrüche durch“
Der 28. September 2021 wurde zum Safe-Abortion-Day erklärt. Es ist ein historisches Datum, denn an diesem Tag vor 150 Jahren wurde der §218 ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Seitdem sind Schwangerschaftsabbrüche prinzipiell strafbar, wenn nicht eine der dort genannten Ausnahmen zutrifft.
„Immer weniger Ärztinnen und Ärzte führen Abbrüche durch“
Die Recherchegruppe CORRECTIV will sich ein Bild darüber machen, welchen Hürden und Schwierigkeiten sich Frauen, stellen müssen, die mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch konfrontiert sind. CORRECTIV schreibt: „Wer in Deutschland eine Schwangerschaft abbrechen will, steht vor vielen Hürden: Es ist schwer, verlässliche Informationen zu bekommen. Immer weniger Ärztinnen und Ärzte führen Abbrüche durch. Ungewollt Schwangere werden bei ihrer Entscheidung oft unter Druck gesetzt.“
Unsichere Rechtslage für Ärzt:innen
Auch Ärzt:innen wird es schwer gemacht, Abtreibungen durchzuführen: Der §219a StGB wird von Gerichten gerne so ausgelegt, dass schon die sachliche Mitteilung beispielsweise auf einer Praxishomepage, dass die Praxis Schwangerschaftsabbrüche durchführt, eine strafbare „Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft“ sein soll. Eine Ärztin aus Gießen, Kristina Hänel, wurde vom OLG Frankfurt Anfang des Jahres rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt.
Lange Wege zu Klinik oder Praxis
„Sichere Schwangerschaftsabbrüche sind für ungewollt Schwangere lebenswichtig. Doch immer weniger Ärztinnen und Ärzte in Deutschland führen Abtreibungen durch. Schon jetzt müssen ungewollt Schwangere lange Wege zur Klinik oder Praxis und längere Wartezeiten bis zu einer Abtreibung in Kauf nehmen – eine finanzielle, psychische und physische Belastung.“, schreibt CORRECTIV.
CORRECTIV.Lokal startet Anonyme Umfrage im Netz
CORRECTIV sucht daher zum Beginn seiner Recherche Menschen, die von ihrem Schwangerschaftsabbruch und den Hürden erzählen, die sie dabei erlebt haben. Dafür hat CORRECTIV.Lokal eine anonyme Umfrage entwickelt, die unter http://correctiv.org/dein-abbruch erreichbar ist. Die Befragung aller Krankenhäuser mit gynäkologischer Station ist ein weiterer Rechercheansatz, den CORRECTIV verfolgt.
Die Befragung zu Erfahrungen mit Schwangerschaftsabbrüchen ist Teil einer Recherchekooperation zwischen CORRECTIV.Lokal und GSCHWÄTZ. GSCHWÄTZ wird über die Ergebnisse der Recherche berichten.
Text: Matthias Lauterer