Es ist Dienstagvormittag, der 17. März 2020. Stefan Neumann kommt gerade von einer Sondersitzung des Leitungsstabes zum Coronavirus‘. Sie würden sich nun fast täglich treffen, erklärt der Bürgermeister von Künzelsau. „Bislang waren wir im Beobachtungsmodus, jetzt sind wir im Krisenmodus“ angesichts der steigenden Zahlen an Infizierten im Hohenlohekreis. Der Rathauschef wirkt dennoch ruhig und gelassen. Wir wohlen von ihm wissen: Wie gut ist Künzelsau vorbereitet auf das, was nun kommen könnte?
Neumann: „Wir haben uns relativ früh entschieden, hier eher restriktiv vorgehen, wir waren früh dran mit der Absage von Veranstaltungen.“
Tatsächlich hat Künzelsau früher als andere Städte und Gemeinden Veranstaltungen, die in den kommenden Wochen angestanden wären, abgesagt, so auch die Einwohnerversammlung, die eigentlich direkt nach den Faschingsferien hätte stattfinden sollen.
GSCHWÄTZ: Wie sehen Sie die Rolle der Stadtverwaltung in der kommenden Zeit?
Neumann: Es gibt ja nun diverse Verordnungen des Landes, unter anderem was Restaurants und Geschäfte betrifft. (Anm. d. Red.: Mehr Informationen zu den Schließungen am Beispiel Bruchsal: https://www.wochenblatt-reporter.de/bruchsal/c-lokales/zum-schutz-vor-dem-coronavirus-schliessen-spielplaetze-und-geschaefte_a180844) Unsere Aufgabe ist es: Wie können wir vor Ort beraten und unterstützen? Wir versuchen, den Draht zu den Unternehmen und Gewerbetreibenden zu halten. Wir als Stadtverwaltung sind arbeitsfähig. Wir schichten. Wir wollen Ansprechpartner sein für Fragen, die sich nun auftun.
GSCHWÄTZ: Haben sich schon Gewerbetreibende aus Sorge, wie es nun weitergeht, an Sie gewandt?
Neumann: Ja, manche Gewerbetreibende haben mir gegenüber schon Existenzängste geäussert. Und das kann man auch verstehen. Wir als Stadt sind ja auch Vermieter und Pächter und wir machen uns Gedanken, wie wir da helfen können. Unser Ziel muss ja sein, dass diese Läden wieder öffnen können, dass es diese Läden danach noch gibt.
GSCHWÄTZ: Als eines der wenigen Rathäuser haben Sie noch geöffnet. Welche konkreten Hygienemaßnahmen gibt es für Besucher und -mitarbeiter?
Neumann: Es gibt natürlich verschärfte Hygieneregeln, das beinhaltet auch das Desinfizieren der Hände.
GSCHWÄTZ: Sitzen Sie schon mit Atemschutzmaske und Schutzhandschuhen im Büro?
Neumann (lacht): Nein. Ich halte nichts davon, dass jeder jetzt mit Atemschutzmaske und Schutzhandschuhen vor die Tür geht. Wir nehmen die Lage ernst, aber übertriebene Panikmache ist nicht angesagt. Wenn jeder die Regeln beachtet, kann man was tun. Wir haben gestern morgen beraten, ob wir Spielplätze schließen oder nicht. Nun kam die Botschaft, dass die Spielplätze geschlossen werden müssen.
GSCHWÄTZ: Sie sind selbst dreifacher Familienvater. Wie gehen Sie und Ihre Frau privat mit der Situation um?
Neumann: Man bleibt zu Hause, im Garten oder auf der Straße vor dem Haus, man schraubt die sozialen Kontakte herunter. Das ist anstrengend, aber es wird noch viel anstrengender werden.
GSCHWÄTZ: Wie lange, schätzen Sie, könnten diese Maßnahmen dauern?
Neumann: Das wird bis Ostern noch ein Stück anziehen mit den Fällen. Wir hoffen, dass diese Eindämmungsmaßnahmen Wirkung zeigen. Und dann streben wir an, nach Ostern das öffentliche Leben wieder in Gang zu setzen. Alle Regelungen dienen dazu, die Eindämmung zu verlangsamen. Jeder sollte die Lage ernst nehmen. Bezüglich Veranstaltungen werden wir auch im Mai nichts Größeres machen. Wir planen derzeit auch keine Veranstaltungen. Das wird uns noch eine ganze Weile begleiten.
GSCHWÄTZ: Wie oft sind Sie angesichts der Ausbreitung des Coronavirus‘ in Kontakt mit dem Landratsamt?
Neumann: Bedarfsbezogen, wir sind in direktem Austausch, teilweise mehrmals am Tag. Das funktioniert auch sehr gut. Ich glaube, die Mitarbeiter des Landratsamtes leisten richtig gute Arbeit hinsichtlich der Kommunikaton und Information.
GSCHWÄTZ: Sind Sie auch mit Ärzten vor Ort in Kontakt? Bürger haben uns berichtet, dass sie mehrere Stunden versucht haben, ihren Hausarzt telefonisch zu erreichen.
Neumann: Die Allgemeinmediziner werden, glaube ich, ziemlich überrannt, zusätzlich zu der normalen Grippewelle. Man hat ja derzeit auch ein hohes Gefühl der Unsicherheit, wenn man Husten oder Schnupfen hat. Aber man muss einfach Geduld haben, bis man durchkommt. Hier leistet jeder sein Möglichstes.