„An Corona kann ich null Positives abgewinnen“
Corona ist ein schwieriges Thema, wie ich sehr schnell bemerkt habe – es spaltet Leute und lässt viel Meinungsfreiraum. Aber ich habe mich gefragt, ob Corona nicht auch etwas Positives abzugewinnen ist – zum Beispiel mehr Ruhe im Leben – und habe mich deshalb unter den Passanten in der Künzelsauer Innenstadt umgehört. Es ist warm an diesem Morgen, viele Menschen sind in der Hauptstraße unterwegs, bummeln und genießen die Sonne nach dem verregneten Mai. Auf meine Frage nach dem, was sie aus der Corona-Krise mitnehmen für ihr Leben, gibt es meist zuerst Gelächter und dann ein Abwinken. Es zeigt sich schnell, dass das Negative überwiegt und es für die Menschen kaum etwas Positives gibt. Außerdem: Offene Antworten waren nur zu bekommen, wenn die Namen der Befragten nicht veröffentlicht werden. Deshalb bleiben diese anonym.
„Es spaltet nur die Bevölkerung“
„Die ganzen Sachen rund um Corona nerven mich“, sagt eine 72-Jährige. Sie findet es „ätzend“, dass die Bevölkerung nicht richtig aufgeklärt und durch die vielen Medien Panik verbreitet wurde. „Diese Panik habe ich gar nicht an mich herangelassen, das hätte mich sonst heruntergezogen. Angst frisst die Energie.“ Erschwerend kam für die Künzelsauerin auch noch hinzu, dass es keine konstanten Vorschriften seitens der Regierung gegeben habe. Auch das Maskentragen war für sie ein negativer Punkt in der ganzen Corona-Zeit. „Maskentragen ist schädlich für den Körper, man atmet sein eigenes Gift wieder und wieder ein.“ Dem Impfen kann sie auch nichts Positives abgewinnen. „Es spaltet nur die Bevölkerung und das noch mehr, als dass diese schon ist, denn die Geimpften bekommen Narrenfreiheit und das finde ich nicht gut.“
„Da macht das doch alles keinen Spaß“
Geimpft sind dagegen schon die beiden Ingelfinger, welche es sich auf einer Bank gemütlich gemacht haben. Für die Rentner ist besonders das nicht spontan sein können ein negativer Punkt in Corona-Zeiten. „Viele Aktivitäten für uns sind nicht möglich und wenn dann doch etwas geöffnet ist, wie zum Beispiel das Schwimmbad, dann muss man sich anmelden, eine Maske tragen, bis man im Becken ist, und dann hat man noch eine Zeitbeschränkung. Da macht das doch alles keinen Spaß“, meint der 72-Jährige. Am meisten leiden aber gar nicht die Rentner unter dem Ganzen, sondern die Kinder. Da sind sie beide einer Meinung. „Die Gestraften sind die Kinder, da hat man Verständnis, wenn es von Jugendlichen zu Aufruhr diesbezüglich kommt.“
„Corona ist dafür da, die Alten aus dem Weg zu räumen“
Eine 79-Jährige sieht die Alten als die Gestraften: „Corona ist dafür da, die Alten aus dem Weg zu räumen.“ Sie würden zu viel kosten und mit der Panik, die gemacht wurde, bekomme man die Leute immer. Die Alten würden viel Fernsehen schauen und Radio hören, deswegen hätten sie viel Berührung mit den Medien gehabt und die Panik wurde von den Medien groß gemacht. „Man hat immer nur die richtige Formulierung gebraucht, die man mit Corona gefunden hat, um die Alten aus dem Weg zu räumen, schließlich kosten die Geld. Jetzt ist es Corona, davor war es die Schweinepest und so weiter. An Corona kann ich null Positives abgewinnen, nicht einmal, dass es jetzt die Impfung gibt. Die will ich nicht, schließlich will ich ja noch ein paar Jahre leben.“
„So sozial bin ich nicht“
„Naja, etwas wirklich Positives gab es nicht während Corona. Aber das Eingeschränkte hat mich jetzt auch nicht gestört, denn so sozial bin ich nicht, dass mir die Regeln mit den Haushalten etwas ausgemacht haben oder dass die Lokale zu waren.“ Dadurch hat sich der 48-Jährige aus Kocherstetten nicht wirklich eingeschränkt gefühlt. Jedoch waren die Ausgangssperren an den Wochenenden nicht immer passend für ihn. Auch etwas ärgerlich waren die Regelungen, wenn es dann um die Familie ging, aber dennoch habe er keine sehr lange Liste an negativen Sachen in Corona. Er hat sich kaum mit den negativen befasst.
„Man hat mehr Ruhe im Leben und kann diese auch genießen“
Mehr Positives konnte eine 68-Jährige aus Garnberg der ganzen Sache abgewinnen. „Man hat mehr Ruhe im Leben und kann diese auch genießen.“ Sie sieht auch die Schnelltests als positiv an. Sie seien zwar nervig, aber dennoch sinnvoll. Und auch die Impfung ist in ihren Augen etwas Positives, denn sie sei schon durchgeimpft, wie sie ganz stolz berichtet.
„Wir hoffen alle auf das Beste“
Anhand dieser Umfrage hat man bemerkt wie sehr Corona manche heruntergezogen hat und was die ganzen Einschränkungen mit den Leuten machen. Aber jetzt kann man so langsam wieder sagen: Es geht Berg auf. Und das ist doch positiv. Wir hoffen alle auf das Beste.
Text: Cora-Lee Pusker
