1

Dieses Wochenende: Coronaimpfungen ohne Termin möglich

Im Kreisimpfzentrum des Hohenlohekreises in Öhringen stehen momentan noch rund 1.000 freie Impftermine für das Wochenende vom 2. bis 4. Juli 2021 zur Verfügung. Zum Einsatz kommen die Impfstoffe von BioNTech und AstraZeneca. Termine können wie gewohnt über die Hotline 116 117 oder online unter www.impfterminservice.de gebucht werden.

AstraZeneca und Biontech

Wer bisher keinen Termin gebucht hat oder sich kurzfristig zur Erstimpfung entschließt, kann am Samstag, 3. Juli, und Sonntag, 4. Juli, jeweils zwischen 14 Uhr und 19 Uhr in das Kreisimpfzentrum Öhringen kommen und sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen. Eine Anmeldung vorab ist nicht notwendig. Mitgebracht werden muss lediglich ein Lichtbildausweis, eine Versichertenkarte sowie sofern vorhanden Impfausweis und Medikamentenplan. Das Tragen einer FFP2-Maske ist verpflichtend.

 




„Zum Glück haben Herr Neth und Herr Spieles gesagt: ‚Natürlich‘“

Kupferzell – die schöne 6000-Seelen-Gemeinde an der Kupfer, die letztes Jahr als Corona-Hotspot galt, steht weiterhin im Rampenlicht. Dieses Mal geht es um die Ergebnisse der Studie zur Bildung von Antikörpern nach einer COVID-19-Erkrankung und deren Langzeitfolgen, Corona-Monitoring genannt. Bei einer Informationsveranstaltung am vergangenen Samstag versammeln sich der Kupferzeller Bürgermeister Christoph Spieles und Abgeordnete des hiesigen Landtags um Dr. Julia Strandmark vom RKI, die die Feldleitung des Corona-Monitorings übernimmt.

RKI: „Das bricht alle Rekorde“

„Wir wurden hier in Kupferzell mit offenen Armen willkommen geheißen, was unsere Arbeit natürlich ungemein erleichtert“, erzählt Strandmark und lobt die hohe Partizipation der Kupferzeller an der Studie: „Im Mai 2020 sind wir hier in Kupferzell angekommen und haben ungefähr 2500 EinwohnerInnen zur Studie eingeladen. Davon haben mehr als 2000 einen Termin gebucht und an unserer Studie teilgenommen. Das bricht alle Rekorde, die wir bisher an Teilnahmebereitschaft erlebt haben.“

Erste RKI-Studie ermittelt hohe Dunkelziffer

Im Rahmen der ersten der drei Studien seien sowohl Rachenabstriche genommen worden, „um aktive Infektionen zu messen“, als auch Blutproben, „um Antikörper im Blut nachzuweisen“. Das Untersuchen von gesunden Menschen diene dem Zweck, so Strandmark, anhand der Immunreaktion abschätzen zu können, wie viele der Studienteilnehmer zu diesem Zeitpunkt schon mit dem Virus in Kontakt gekommen seien. Das seien im Rahmen der ersten Erhebung 12% gewesen. Durch die Testung der asymptomatischen Studienteilnehmer habe sich, nach Angabe Strandmarks, die Inzidenz in Kupferzell versechsfacht.

In der zweiten Studie geht es um Antikörper

Im Oktober 2020 sei der zweite Feldversuch in Kupferzell gestartet worden. „Zu diesem zweiten Teil der Studie haben wir nun alle Personen eingeladen, die entweder Antikörper im Blut oder einen positiven PCR-Test hatten“, erklärt Strandmark. „Das waren 289 Teilnehmer. Davon haben 271 mitgemacht. Dadurch, dass wir noch einmal Proben von den gleichen Personen wie im Mai genommen haben, können wir nun Aussagen über den Verlauf der Antikörperdichte treffen. Was mich persönlich sehr gefreut hat ist, dass 80% der Menschen, die bei der ersten Erhebung im Mai Antikörper im Blut hatten, diese sechs Monate später im Oktober immer noch hatten.“ Des Weiteren habe sich das RKI mit der Frage beschäftigt, ob tatsächlich die Antikörper im Blut bei der Immunabwehr des Coronavirus die primäre Rolle spielten, oder ob auch die zelluläre Immunantwort, also die T-Zellen, relevant seien. Analog dazu habe man sich mit der durch die Impfung initiierten Immunität beschäftigt.

Dritte Studie beschäftigt sich mit Langzeitfolgen

„Die letzte Frage, der wir uns in dieser Studie gestellt haben, ist die nach ‚Long COVID‘, also nach den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Um diese besser verstehen zu können haben wir noch einmal nachgefragt, ob wir denn nicht ein drittes Mal in Kupferzell vorbeikommen dürften. Zum Glück haben Herr Neth und Herr Spieles gesagt: ‚Natürlich‘. Deswegen sind wir jetzt seit zwei Wochen wieder hier.“ Strandmark zieht ein positives Resümee der Untersuchungen, die nun vorerst beendet seien. Zum Ende des Sommers gebe es allerdings zusätzlich ausführliche Befragungen, um sich erneut mit dem Thema „Langzeitfolgen“ auseinanderzusetzen.

Text: Priscilla Dekorsi

 




Fast jedes dritte Kind leidet unter psychischen Auffälligkeiten

Die neue Sozialdezernentin im Landratsamt Hohenlohe, Elke Schöll, hat auf der letzten Kreistagssitzung am Montag, den 21. Juni 2021, einen Vortrag über „Familien und Corona – Wege aus der Krise“ mit Informationen aus dem Jugendamt gehalten. Sie beleuchtete darin vor allem die Auswirkungen der Pandemie auf Familien. GSCHWÄTZ stellt Auszüge daraus vor.

Demnach habe sich im Bereich der ambulanten Hilfen der Anteil der sozialpädagogischen Familienhilfe von 67 Fällen im Jahr 2019 auf 88 im Jahr 2020 gesteigert. Steigerungen gab es auch beim Erziehungsbestand (von 37 auf 42 Fälle) sowie bei der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (103 auf 11 Fälle).

Bei weit über der Hälfte der Inobhutnahmen, die im Juni bis Dezember 2020 stattgefunden haben, hat Corona teilweise oder maßgeblich beigetragen – nämlich bei 57,1 Prozent der Fälle.

Screenshot: GSCHWÄTZ

Die Anzahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen steigt seit Jahren – im Jahr 2020 auf 214 Fälle. Das sind 66 mehr als im Jahr davor. Die meisten dieser Fälle – nämlich 51 – wurden von der Polizei, Gerichten oder staatlichen Stellen gemeldet. In 16,8 Prozent aller Fälle von Kindeswohlgefährdung, die von Juni bis Dezember 2020 gemeldet wurden, spielte Corona eine Rolle.

Screenshot: GSCHWÄTZ

In zehn Prozent der in 2020 überprüften Fälle lag eine Kindeswohlgefährdung vor, was einem Rückgang von sechs Prozent entspricht. Bei 34 war diese Gefahr latent (plus 14 Prozent), bei ebenso vielen Fällen gab es zwar keine Kindeswohlgefährdung aber Hilfebedarf (minus elf Prozent). Bei fast einem Viertel – immerhin 22 Prozent der überprüften Fälle – lag keine Kindeswohlgefährdung vor und es gab auch keinen Hilfebedarf.

Screenshot: GSCHWÄTZ

Die meisten der betroffenen Kinder – nämlich 88 – waren im Alter von sechs bis unter 14 Jahren. Besonders betroffen waren zudem die Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil – zu 43 Prozent – im Vergleich mit 39 Prozent, bei denen die Eltern zusammenlebten.

Wie Elke Schöll weiter ausführte, ergab die bundesweite Copsy-Studie – eine Längsschnittstudie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf – dass fast jedes dritte Kind unter psychischen Auffälligkeiten leidet. Außerdem fühlten sich vier von fünf Kindern und Jugendlichen durch die Corona-Pandemie belastet. In Familien, wo es bereits vor Corona Strukturen gab und sie sich wohl und aufgehoben fühlten, seien die Kinder gut durch die Krise gekommen.

Die Familien sehen sich in der Krise mit zunehmender Überforderung und Überlastung der Erziehungsberechtigten konfrontiert. Jugendliche werden in ihren Entwicklungsaufgaben behindert, Bewegungsmangel und familiäre Konflikte nahmen zu. Die Ernährungsweise sowie der Umgang mit Medien waren zusätzliche Herausforderungen in den Familien.

Weitere Probleme ergaben sich für die Familien durch das Homeschooling – beispielsweise durch Wegfall der stabilen Strukturen – das auch Auswirkungen auf schulische und die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hatte. Am Übergang von Schule zu Beruf gab es nicht nur erhebliche Schwierigkeiten hinsichtlich der Berufsorientierung. Die Abschlussschüler:innen befürchteten auch, den Stempel eines Corona-Abschlusses im Schuljahr 2019/2020 und 2020/2021 zu bekommen und sie hatten die Sorge vor Problemen bei der Lehrstellensuche.

Text: Sonja Bossert




Aspirin gefährlicher als die Corona-Impfung?

Den Markennamen Aspirin kennt jeder und nahezu jeder wird schon eines der Acetylsalicylsäurehaltigen Medikamente, die es unter den verschiedensten Namen gibt, schon einmal eingenommen haben. Es ist ein bewährtes Medikament, einfach einzunehmen und wird von der Industrie intensiv beworben. Außerdem ist es rezeptfrei erhältlich, trotz der Marketinganstrengungen der Industrie sehr billig und hilft gegen viele Zipperlein: Man nimmt es gerne bei Kopf- und Gliederschmerzen unterschiedlichster Herkunft oder bei leichten fiebrigen Erkrankungen. Die Industrie empfiehlt es unter ärztlicher Kontrolle auch als Blutverdünner zur Vorbeugung von Herzinfarkten. Und der Wirkstoff wird zwar inzwischen in großen Mengen industriell hergestellt, kommt aber ursprünglich aus der Natur: schon früh kauten Menschen Weidenrinde gegen Schmerzen.

Beliebtes Medikament mit einer langen Liste von Nebenwirkungen

Wenn man sich allerdings die Liste der Nebenwirkungen von ASS-Medikamenten, die im Beipackzettel gelistet sind, genauer anschaut, kann einem Angst und Bange werden, dort steht:

Häufig: 

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen.

Gelegentlich

  • Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautreaktionen.

Selten

  • schwerwiegende Blutungen wie z.B. Hirnblutungen, besonders bei Patienten mit nicht eingestelltem Bluthochdruck und/oder gleichzeitiger Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln (Antikoagulantien), die in Einzelfällen möglicherweise lebensbedrohlich sein können.
  • Magen-Darmblutungen, die sehr selten zu einer Eisenmangelanämie führen können. Bei Auftreten von schwarzem Stuhl oder blutigem Erbrechen, Zeichen einer schweren Magenblutung, müssen Sie sofort den Arzt benachrichtigen.
  • Magen-Darmgeschwüre, die sehr selten zu einem Durchbruch führen können.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Atemwege, des Magen-Darm-Bereichs und des Herz-Kreislauf-Systems, vor allem bei Asthmatikern. Folgende Krankheitsmerkmale können auftreten: z. B. Blutdruckabfall, Anfälle von Atemnot, Entzündungen der Nasenschleimhaut, verstopfte Nase, allergischer Schock, Schwellungen von Gesicht, Zunge und Kehlkopf (Quincke-Ödem).
  • Überempfindlichkeitsreaktionen wie schwere Hautreaktionen (bis hin zu schweren fieberhaft verlaufenden Hautausschlägen mit Schleimhautbeteiligung [Erythema exsudativum multiforme]).
  • Magen-Darm-Entzündungen.

Sehr selten

  • Erhöhungen der Leberwerte.

Kaum jemand ist sich bewußt, was das genau bedeutet, so sehr wird dieser  Medikamentengruppe vertraut. Dabei bedeutet

Sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10
Häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100
Gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000
Selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000
Sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000

Also erleiden bei längerer Einnahme von ASS-Medikamenten 1 bis 10 Behandelte von 10.000 schwerwiegende Blutungen wie zum Beispiel Hirnblutungen, Magen-Darmgeschwüre, Magen-Darm-Entzündungen oder einen allergischen Schock. Alles das sind schwerwiegende gesundheitliche Ereignisse, die eine ärztliche Behandlung unumgänglich machen und die ohne ärztliche Behandlung sogar zum Tod führen können.

Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts zu den COVID-19-Impfstoffen

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat am 10. Juni 2021 seinen aktuellen Sicherheitsbericht zu den COVID-19-Impfstoffen vorgestellt. Der Bericht bezieht sich auf 50.541.084 Impfungen mit den bekannten Covid-19-Impfstoffen, die bis zum 31.05.2021 durchgeführt wurden. Über 50 Millionen – das ist für Statistiker eine sehr große Stichprobe, aus der sich hochsignifikante Schlüsse ziehen lassen. Laut PEI wurden rund 79.000 Meldungen über unerwünschte Reaktionen erfasst, also betrug die Melderate 1,6 pro 1.000 Impfdosen – das sind 0,16 Prozent und entspricht der Klassifizierung „Gelegentlich“. In 8.134 Verdachtsfällen wurden schwerwiegende unerwünschte Reaktionen gemeldet. „Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden oder Reaktionen, die als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden“. Das sind etwa 0,2 pro 1.000 Impfdosen, entsprechend 0,02 Prozent, was im Beipackzettel der Klasse „Selten“ entspricht.

Zahlen enthalten auch Verdachtsfälle von Nebenwirkungen

Die Zahlen, die das PEI veröffentlicht, sind eher vorsichtig: In diesen Zahlen enthalten sind neben anerkannten Nebenwirkungen und Komplikationen, die sich auf die Impfung kausal zurückführen lassen auch Verdachtsfälle von Nebenwirkungen enthalten, also Meldungen, bei denen noch geprüft wird, ob ein Zusammenhang zwischen Symptom und Impfung besteht.
Als schwerwiegendste Komplikationen bezeichnet das PEI diverse Thrombosen und neuerdings Myokarditis oder Perimyokarditis, das sind Entzündungen im Bereich des Herzmuskels. Über die Symptome dieser Komplikationen wird inzwischen im Vorfeld der Impfung aufgeklärt. Die Behandlung beider Krankheitsbilder ist, sofern der Patient seinen Körper beobachtet und frühzeitig einen Arzt aufsucht, sehr gut möglich – ähnlich wie die „seltenen“ Nebenwirkungen der ASS-Medikamente.

Todesfälle nach der Impfung

Gerne werden Todesfälle nach der Impfung hauptsächlich von Impfgegnern in die Diskussion geworfen. Diese Zahl ist äußerst sensibel, das PEI schreibt dazu: „Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden 873 Todesfälle (0,0024 % der geimpften Personen) in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung bei Personen im Alter von 24 bis 102 Jahren gemeldet. Der Median des Alters betrug 81 Jahre, das mittlere Alter 77 Jahre. (…) Bei der überwiegenden Mehrzahl der verstorbenen Personen bestanden multiple Vorerkrankungen, wie z. B. Karzinome, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen und arteriosklerotische Veränderungen, die vermutlich todesursächlich waren. Ein jüngerer Patient verstarb (…) vermutlich an den Folgen seines Drogenkonsums“. Laut dieser Aussage war also die Hälfte der Verstorbenen 81 Jahre alt oder älter.

Eine Frage, die das PEI in diesem Bericht nicht stellt und daher auch nicht beantwortet, ist die Frage, mit wievielen Todesfällen man ohne Impfung im betrachteten Zeitraum und mit der Altersstruktur der Verstorbenen hätte rechnen müssen. Diese Zahl wäre bei einer Stichprobe von 50 Millionen Impfungen eine interessante Aussage, die der zu beobachtenden Panikmache möglicherweise die Grundlage nehmen könnte.

Unterschied zwischen persönlichem Schicksal und statistischen Daten

Es besteht selbstverständlich ein Unterschied zwischen den hier dargestellten trockenen statistischen Daten und dem Leid der von den Nebenwirkungen der Impfung betroffenen Personen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Schaden davonzutragen, gering ist – für einen betroffenen Menschen und seine Angehörigen bedeutet das einen Einschnitt in ihr bisheriges Leben. Und dass eseinzelne Fälle gibt, ist bekannt.

Keine Panikmache und keine Verharmlosung

Dieser Beitrag mit seiner reißerischen Überschrift soll weder Angst vor der Einnahme von ASS-Medikamenten schüren noch soll er die vorhandenen Nebenwirkungen der COVID-19-Impfung verharmlosen. Er soll vielmehr verdeutlichen, wie leicht sich Zahlen zu Ungeheuern entwickeln können, wenn man sie aus dem Kontext gerissen interpretiert. Und man kann im „real-life“ nicht wirklich entscheiden, ob jetzt ASS oder die Impfung gefährlicher sind: Die allermeisten Menschen werden die genannten Nebenwirkungen nämlich niemals bemerken.

Der komplette Sicherheitsbericht des PEI ist 35 Seiten lang, er enthält auch Daten darüber, wie die Nebenwirkungen auf die verschiedenen Impfstoffe verteilt sind und kann hier auf den Seiten des PEI heruntergeladen werden.

Text: Matthias Lauterer

 

 




Corona-Schnellteststation am Alten Rathaus in Künzelsau schließt

Die Inzidenz liegt seit Tagen stabil unter der Marke von 35 und in vielen Bereichen sind darum keine Schnelltests mehr erforderlich. Das macht sich auch in den kommunalen Testzentren und -stationen bemerkbar. Dort ist die Nachfrage nach Tests massiv gesunken. Deswegen passt die Stadtverwaltung Künzelsau das Testangebot und die Öffnungszeiten der Testzentren an. Das geht aus einer Meldung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Nur mit Terminvereinbarung

Ab Freitag 25. Juni 2021 ist die Schnellteststation in der Innenstadt beim Alten Rathaus geschlossen. Das Corona-Schnelltestzentrum bleibt weiterhin in Betrieb. Es können Termine für kostenlose Schnelltests zu folgenden Zeiten vereinbart werden: Montag bis Sonntag 9 bis 11 Uhr; Montag, Mittwoch und Freitag 18 bis 20 Uhr. Eine Anmeldung ist online möglich über folgendes Termin-Buchungsportal: www.apo-schnelltest.de/testcenter-kuenzelsau .

Wer sich testen lassen möchte, muss eine FFP2-Maske tragen, symptomfrei sein und einen Ausweis dabeihaben. Es wird darum gebeten, die Anmeldebestätigung ausgedruckt zum Termin mitzubringen. Anmeldungen von Personen ohne Internetzugang werden bei der Stadtverwaltung Künzelsau entgegengenommen: Montag bis Freitag von 8.30 bis 18.30 Uhr, Samstag von 9 bis 13 Uhr, Telefon 07940 129-0.

 

 




Delta-Variante nun offiziell im Hohenlohekreis eingetroffen

Am Donnerstag, den 24. Juni 2021, ist im Hohenlohekreis erstmals ein Fall mit der zuerst in Indien entdeckten Delta-Variante des Coronavirus nachgewiesen worden. Das geht aus einer Meldung des Landratsamtes hervor.

Bislang sind für diesen Fall jedoch keine engen Kontaktpersonen im Hohenlohekreis identifiziert worden, für die eine Quarantäne hätte verfügt werden müssen.

Welcher Impfstoff schützt am besten gegen Delta?

Astrazeneca: Schutz liegt nut bei 66 Prozent

Eine vollständige Impfung mit der Vakzine von Astrazeneca soll zu etwa 60 Prozent vor symptomatischen Erkrankungen schützen. Der Schutz hatte bei der Alpha-Variante bei etwa 66 Prozent gelegen. Krankenhausaufenthalte infolge einer Infektion mit der Delta-Variante soll auch Astrazeneca zu rund 92 Prozent verhindern können. Das geht aus einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland hervor. Weiter heitßt es darin: „Allerdings scheint der Impfschutz gegen die Delta-Variante erst später einzutreten: So war laut PHE bei beiden Impfstoffen nach der ersten Impfdosis nur ein etwa 33-prozentiger Schutz erreicht worden. Der Schutz vor der Alpha-Variante hatte der Behörde zufolge nach nur einer Impfdosis 50 Prozent betragen. Die PHE forderte Geimpfte daher auf, nicht zu lange mit der zweiten Impfdosis abzuwarten, wenn sie zu dieser eingeladen werden.“

Unklar sei jedoch, wie lange der Impfschutz gegen die Delta-Variante anhält. Da sich in Laborversuchen gezeigt hatte, dass Geimpfte weniger Antikörper gegen diese Variante bilden, lässt die Schutzwirkung womöglich schneller wieder nach.

Biontech: Schutz bei 88 Prozent

Laut der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) können symptomatische Erkrankungen durch eine Impfung mit der Vakzine von Biontech/Pfizer zu etwa 88 Prozent verhindert werden und Krankenhausaufenthalte zu 96 Prozent. Zum Vergleich: Symptomatische Erkrankungen durch die zuletzt in Großbritannien vorherrschende Alpha-Variante B.1.1.7 waren zu etwa 93 Prozent verhindert worden.

Die Wirksamkeit der Vakzine von Moderna und Johnson&Johnson in Hinsicht auf die neuartige Mutante muss noch untersucht werden.  Das berichten sowohl das Redaktionsnetzwerk Deutschland als auch die Morgenpost.

Der oberste medizinische Berater von US-Präsident Joe Biden, Anthony Fauci, zeigte sich aber kürzlich in einem Interview mit der „Washington Post“ optimistisch. Gerade das Präparat von Moderna, das auf derselben mRNA-Technologie aufgebaut wie das Biontech-Vakzin, sollte einen ähnlichen Schutz bieten, erklärte der Immunologe.

 

 




Coronavirusmutante „Delta“ soll im Hohenlohekreis angekommen sein

Laut GSCHWÄTZ-Informationen soll die Delta-Variante im Hohenlohekreis angekommen sein und es ein oder mehrere Bürger:innen geben, die sich mit der Delta-Variante des Coronavirus‘ infiziert haben könnten beziehungsweise im Verdacht stehen, sich infiziert zu haben.

Schulklasse wurde aus dem Präsenzunterricht genommen

Das Landratsamt des Hohenlohekreises äussert sich auf GSCHWÄTZ-Nachfrage wie folgt: „Es gibt Stand heute keinen Fall im Hohenlohekreis, bei der die so genannte Delta-Variante nachgewiesen wurde. Lediglich hat eine Schule in Künzelsau als Vorsichtsmaßnahme eine Klasse aus dem Präsenzunterricht genommen.“

Mit der Delta-Variante infizierte Menschen stecken laut Informationen der Tagesschau mehr Menschen an. Laborversuche deuten außerdem auf eine stärkere Vermehrung der Viren im Körper hin.

Schutz nur noch bei 34 Prozent

Zweitens schützen die Corona-Impfungen offenbar nicht ganz so gut vor dieser Mutante. Vor allem nach der ersten Impfung ist der Schutz wohl deutlich verringert. Eine noch nicht gegengeprüfte britische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Schutz dann nur noch bei knapp 34 anstatt rund 51 Prozent liegt.

Nach der zweiten Dosis sei der Unterschied geringer, aber immer noch vorhanden: Anstatt zu rund 93 Prozent schützt das Mittel von BioNTech/Pfizer noch zu etwa 88 Prozent. Der AstraZeneca-Impfstoff schützt demnach noch zu rund 60 anstatt 66 Prozent.

Bislang keine Daten, ob Geimpfte das Virus dennoch verbreiten können beziehungsweise einen besseren Schutz vor schweren Verläufen haben

Keine Daten gibt es bisher dazu, ob neben dem Schutz vor einer Erkrankung auch die Wirksamkeit vor einer Übertragung oder vor schweren Verläufen reduziert ist.

 




Jeder Fünfte ist vollständig geimpft

Laut Angaben des Sozialministeriums Baden-Württemberg (Stand 06. Juni 2021) sind 43,6% der Bürger:innen des Hohenlohekreises einmal geimpft. Ungefähr die Hälfte dieser Personen ist vollständig geimpft, genau: 20,6% der Bevölkerung. Insgesamt meldet das Sozialministerium, dass 72.454 Impfdosen verabreicht wurden. In ganz Baden-Würtemberg waren am 6. Juni 2021 20,5% der Menschen zweifach geimpft, der Hohenlohekreis liegt also im baden-württembergischen Durchschnitt.

Etwa 2/3 der Impfungen im Kreisimpfzentrum

Das Landratsamt Hohenlohekreis teilt mit, dass (Stand 11. Juni 2021) 53.594 Dosen im Impfzentrum verimpft wurden, damit hat das KIZ etwa 2/3 der Impfungen im Hohenlohekreis vorgenommen. Der Rest wurde durch Hausärzte oder bei Impfaktionen in Betrieben verimpft.

Im KIZ hauptsächlich Biontech verimpft

Mit Abstand der meistverimpfte Impfstoff im Kreisimpfzentrum des Hohenlohekreises stammt von Biontech: 39.464 Dosen stehen 13.212 Dosen AstraZeneca und 918 Dosen Johnson&Johnson gegenüber. Der Impfstoff von Moderna wurde im KIZ gar nicht verwendet.

Altersstruktur der vollständig geimpften Personen

Die Altersstruktur der bereits vollständig geimpften Personen gibt das Landratsamt wie folgt an:

Altersgruppe 10-19 20-29 30-39 40-49 50-59 60-69 70-79 80-
Anteil 2% 10% 12% 13% 19% 17% 12% 16%

10% der im KIZ zweimal geimpften Menschen sind also zwischen 20 und 29 Jahre alt. Die Altersverteilung bei den Hausärzten und sonstigen Impfstellen kann anders aussehen. Eine gewisse Unsicherheit bei den Daten ergibt sich durch „Impfpendler“, also Hohenloher:innen die in anderen Kreisen geimpft wurden oder Menschen aus anderen Kreisen, die in Hohenlohe geimpft wurden. Diese Zahlen werden allerdings nicht erfaßt.

Impfnebenwirkungen und Impfschäden

Erfaßt wird aber die Zahl der Menschen, die wegen Impfnebenwirkungen oder gar -schäden ärztlich behandelt werden. Diese Daten werden an das Gesundheitsamt weitergeleitet und fließen von dort in die bundesweite Erfassung ein. Das Landratsamt sagt: „Die Schwelle zur Meldung wird dabei sehr niedrig angesetzt, es werden beispielsweise auch kurzzeitige Kreislaufschwächen gemeldet.“ Bis zum 8. Juni 2021 wurden aus dem Hohenlohekreis 53 Fälle gemeldet, das bedeutet, dass etwa 0,75 Promille der Geimpften so starke Nebenwirkungen empfinden, dass sie einen Arzt aufsuchen.

Text: Matthias Lauterer

 

 




„Die Ärzte haben meiner Familie keine Hoffnung mehr gemacht“

Der Impfmotor in Deutschland hat, trotz allem Stottern, an Fahrt aufgenommen. Immer mehr Menschen haben ihren ersten Piks erhalten, viele sogar schon den zweiten. Stolz zeigen auch Prominente ihren Oberarm mit dem Pflaster nach der Impfung vor. Viele Menschen klagen in den Tagen danach über grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Für die meisten ist der Spuk nach einem oder mehreren Tagen vorbei und sie können wieder ihrem Tagewerk nachgehen – begleitet von dem erhebenden Gedanken, nun vor Corona geschützt zu sein.

Impfung ist keine Kleinigkeit

Dass diese Impfung durchaus keine Kleinigkeit ist und es nicht immer so einfach abläuft, zeigt die 54. Sitzung der Stiftung Corona Ausschuss vom 28. Mai 2021, die auf dem Youtube-Kanal und der Homepage der Stiftung abrufbar ist. Hier berichtet eine Frau, die sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca hat impfen lassen und von der Impfung schwere Gesundheitsschäden davongetragen hat, von ihren Erfahrungen. Jetzt lebt sie mit einem „von einem Labor bestätigten Impfschaden“, wie sie selbst sagt.

„Ein schlechtes Gefühl auf dem Weg ins Impfzentrum“

Ramona Klüglein wollte „mit gutem Beispiel vorangehen“ und außerdem sei es „von Arbeitgeberseite gern gesehen worden“, begründet sie ihre Motivation zur Impfung. Es hätte eine gewisse Erwartungshaltung, aber keinen Druck gegeben. Doch schon auf dem Weg ins Impfzentrum habe sie „ein schlechtes Gefühl“ gehabt. Nach der Impfung am 10. März 2021 hatte die junge Mutter zunächst die üblichen Nebenwirkungen wie Schüttelfrost und Fieber: „Es ging mir nicht gut und ich lag zwei Tage flach.“ Allerdings hätte sie sich nichts dabei gedacht und nach zwei Tagen sei es ihr auch wieder besser gegangen, sodass sie eine Woche lang normal zur Arbeit gegangen sei. „Am Sonntag hat’s dann langsam angefangen“, blickt die Frau zurück. „Ich hatte Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.“ Doch auch hier habe sie nichts weiter dabei gedacht, auf einen Magen-Darm-Infekt getippt, von dem auch der Hausarzt ausgegangen sei. „Eine richtige Diagnose hätte der gar nicht stellen können, denn dafür braucht man CT und alles drum und dran“, merkt sie noch an.

„Ich lag vier Tage im Koma“

„Es wurde von Tag zu Tag schlimmer und nach vier Tagen haben wir den Notarzt gerufen“, erinnert sich die Patientin. Mit Verdacht auf Mesenterialvenenthrombosen sei sie ins Krankenhaus eingeliefert worden: „Die Lebervene war zu, die Milz und die Nieren waren betroffen. Der Dünndarm war so stark betroffen, dass sie den rausnehmen mussten. Ich habe jetzt nur noch 50 Zentimeter von vorher 3,50 Meter.“ Mehrere Notoperationen seien nötig gewesen, vier Tage lag sie im Koma, insgesamt elf Tage auf der Intensivstation, und war auch an der Beatmung angeschlossen. Erinnern könne sie sich an diese Zeit nicht mehr, sie wisse nur noch,“dass ich sehr stark halluziniert habe“. Es habe sehr schlecht um sie gestanden: „Die Ärzte haben meiner Familie keine Hoffnung mehr gemacht. Die haben gesagt, macht euch bitte aufs Schlimmste gefasst, wir wissen nicht, ob sie es schafft.“

Blutverdünner, damit sich die Thrombosen nicht wieder bilden

Sie müsse nun regelmäßig zum Hausarzt, der ihre Werte kontrolliert, und Blutverdünner nehmen, damit sich die Thrombosen nicht wieder bilden. Wie lange das so bleibe, wisse allerdings noch niemand. „Ein CT ist momentan nicht geplant, ab und zu wird mal ein Ultraschall gemacht, weil ich durch die ganzen Therapien, die das Krankenhaus mit mir gemacht hat, auch Nebenwirkungen habe“, erzählt Ramona Klüglein. „Die haben eine Lyse-Therapie gemacht, das heißt, die sind durch die Leber in die Adern rein. Dadurch hat sich da ein Riesen-Hämatom gebildet und auch eine Verkapselung. Das muss alles auch erst heilen.“

„Es ist momentan noch alles sehr vage“

Jetzt sei sie erst einmal über den Berg – allerdings bleiben Langzeitfolgen: „Womit ich jetzt mein ganzes Leben lang zu kämpfen haben werde, ist zu gucken, dass ich die ganzen Vitamine und Nährstoffe aufnehme, die mein Körper braucht.“ Das laufe alles über den Dünndarm, von dem sie nur noch ein kurzes Stück habe. „Es ist momentan noch alles sehr vage. Man kann noch nicht feststellen, ob ich einen Vitamin- und Nährstoffmangel habe. Das zeigt sich immer erst verzögert, relativ spät. Das wird auf jeden Fall engmaschig kontrolliert.“ Teilweise habe sie auch noch starke Schmerzen – geht aber davon aus, dass das „momentan überwiegend die nach-operativen Schmerzen sind, weil sie ja doch schon in mir rumgewühlt haben“. Sie hoffe, dass keine Schmerzen bleiben, „aber das kann mir halt auch niemand sagen. Es weiß ja niemand.“

Auswirkungen im Alltag

Der Impfschaden hat auch ganz praktische Auswirkungen auf ihren Alltag: „Ich muss mit dem Zucker aufpassen, ich muss mit dem Salz aufpassen. Ich soll momentan keine Lactose, keine Geschmacksverstärker und keine Fertigprodukte, dafür aber ballaststoffarm essen.“ alles müsse sie sich selbst zubereiten, ihre Nahrung solle weich gekocht sein und nicht zu stark gewürzt. Außerdem müsse sie jeden Bissen ausgiebig kauen. „Es ist eine Herausforderung, zucker- und salzfrei zu kochen, weil das überall drin ist“, erzählt sie. Zwei bis drei Stunden gehen täglich fürs Kochen drauf. Außerdem sollen die Portionen klein und auf fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag verteilt sein: „Das ist ein wahnsinniger Aufwand. Da kann ich nie mehr 40 Stunden arbeiten.“

„Überlegt euch das mit Impfen gut“

Heute würde Ramona Klüglein die Impfung nicht mehr machen: „Ich bin in solchen Beziehungen eigentlich eher ein ängstlicher Typ und wenn das jemand so zu mir gesagt hätte, also das was ich jetzt weiß, dann hätte ich die Impfung nicht durchgezogen.“ Aber es sei ihre Entscheidung gewesen, sich impfen zu lassen, und „das ist jetzt einfach so“. Sie hat deshalb einen „Appell an alle: Bitte überlegt euch das mit dem Impfen gut.“

Stiftung Corona Ausschuss

Die Stiftung Corona Ausschuss wurde im vergangenen Jahr in Berlin von vier Rechtsanwält:innen gegründet (https://corona-ausschuss.de/). Sie will die Beschränkungen, die die Bundes- und Landesregierungen während der Corona-Pandemie verhängt haben, untersuchen und welche Auswirkungen diese auf die Menschen in unserem Land haben. Das soll mittels live übertragener, mehrstündiger Online-Sitzungen geschehen. Außerdem sollen Experten aus Wissenschaft und Praxis die Arbeit der Stiftung begleiten und unterstützen.

Text: Sonja Bossert




Pandemie, welche Pandemie?

Monatelang saßen (und sitzen immernoch, etwa die Schüler:innen der weiterführenden Schulen, die erstmal nur in den Wechselunterricht dürfen und diese Woche teilweise daher noch zu Hause sind) Grundschüler:innen zu Hause im homeschooling mit teilweise nicht mal einer Stunde Videounterricht am Tag, kommen nun zurück in die Klassenzimmer und starten teilweise direkt mit Tests und Klassenarbeiten über Dinge, die sie sich teilweise zu Hause aneignen mussten. Das geht gar nicht. Warum nicht?

Das geht gar nicht. Warum nicht?

Nun, zum einen mussten sich Schüler:innen in der dritten Corona-Homeschooling-Welle, teilweise Dinge autark zu Hause erarbeiten. Denn nicht jedes Elternteil hat die Möglichkeit, home office über Monate zu machen, sondern es soll Eltern eben, die müssen irgendwo hinfahren zum Arbeiten, während ihre Kinder zu Hause alleine homeschooling machen. Es war auch politisch immer viel in den Medien die Rede davon, dass solche Familien benachteiligt sind, die in diesen nun 1,5 Jahren ihren Kindern kein adäquates Lernumfeld zu Hause bieten können, weil sie schlichtweg keine Wahl haben. Manche Kinder haben zu Hause nicht mal ein eigenes Zimmer, um in Ruhe lernen zu können.

Das Kultusministerium reduzierte zwar die Anzahl der Arbeiten, tut aber weiterhin so, als ob man nach dem Zuhauseunterricht einfach nahtlos weitermachen könnte

Zum anderen gab es, auch wenn es das baden-württembergische Kultusministerium ein wenig anders sieht, vor allem an den Grundschulen teilweise keinen adäquaten Videounterricht, den man mit dem qualitativen und quantitativen Lernen im Klassenzimmer annäherend gleichsetzen kann. Wer Glück hatte, der hatte jeden Tag ein oder zwei Stunden digitalen Unterricht als Grundschüler:in. Wer Pech hatte, gar keinen. Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Jeder Landkreis, jede Schule, jeder Lehrer:in hat hier sein eigenes Süppchen gekocht. Wenn man sich jetzt nicht fragt, ob der deutsche Föderalismus abgeschafft gehört, wann dann?

Jede Schule, jeder Lehrer:innen hat im digitalen Unterricht sein eigenes Süppchen gekocht

Unterschiedlicher vorbereitet könnten die Schüler:innen nicht in die Klassenzimmern gehen. Und da braucht man kein Pädagoge zu sein, sondern da reicht einfacher Menschenverstand, um nach 1,5 Pandemiejahren zu sagen: Lasst uns die Schüler:innen doch erst einmal wieder freundlich und fröhlich willkommen heißen, lasst Sie uns mit Wiederholungen erst einmal abholen an ihrem Wissensstand, lasst uns erst einmal mit ihnen über Corona und die teils schwere Zeit sprechen. Das wäre jetzt wichtig und richtig. Aber es gibt manche Lehrer:innen, diehaben schon jetzt den Klassenarbeitsplan für die nächsten zwei Monate fertig zusammengezimmert. Nicht nur in den Hauptfächern, sondern selbstverständlich auch in allen Blümchenfächern, allen voran Religion. Alles andere scheint erstmal zweitrangig.

Schützt endlich die Schüler:innen

Mit dem Fingerzeig zum Kultusministerium heißt es dann: „Ja, aber wir müssen doch noch mindestens eine Arbeit pro Fach schreiben, bevor das Schuljahr endet.“ Sagen wir einmal so: Es muss in Deutschland eigentlich Unterricht im Klassenzimmer erfolgen, zu Hause unterrichten war verboten. Das hat man durch die Coronapandemie über den Haufen geworfen – wie so vieles mehr. Da kann man jetzt, wo es wieder auf Kosten der Schüler:innen geht, doch auch auf die Coronapandemie verweisen und zum Kultusministerium sagen: Das geht so nicht. Das können wir unseren Schüler:innen nicht zumuten. Lasst sie erstmal wieder ankommen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann