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Landratsamt sagt: Wir haben frühzeitig reagiert & alle Veranstaltungen abgesagt“ – Wir haben nachgeschaut & festgestellt: Stimmt nicht ganz

Der Hohenlohekreis ist einer der Hot-Spots Deutschland, was die Infiziertenzahlen betrifft. Unter anderem bei Veranstaltungen wie dem Rebenglühen Anfang März 2020 in Bretzfeld, bei einer kirchlichen Veranstaltung in Kupferzell beziehungsweise bei einem Kinderkleidebasar in Untermünkheim haben einige Infizierte wiederum andere angesteckt.

Landrat Dr. Matthias Neth selbst weist nun in einem Informationsschreiben vom 21. März 2020 daraufhin, dass der Hohenlohekreis frühzeitig auf die Corona-Pandemie reagiert und Veranstaltungen frühzeitig abgesagt habe: „Bereits Ende Februar 2020 hat das Landratsamt Hohenlohekreis als einer der ersten Landkreise alle eigenen Veranstaltungen abgesagt, die Bevölkerung durch Pressemitteilungen und auf der Homepage informiert, die Veranstalter und Gemeinden entsprechend beraten und sich auf eine Verschärfung der Corona Lage vorbereitet. Leider war zum damaligen Zeitpunkt in der Breite der Gesellschaft die Akzeptanz für Einschränkungen kaum gegeben.“

Neth: „Leider war zum damaligen Zeitpunkt in der Breite der Gesellschaft die Akzeptanz für Einschränkungen kaum gegeben.“

Schaut man sich jedoch die Veröffentlichungen des Landratsamtes an, stimmt das so nicht ganz. So gab es seitens des Landratsamtes noch Ende Februar 2020 Ankündigungen zu anstehenden Altpapiersammlungen, auch Veranstaltungen wie „Tag der Archive“ wurden noch angekündigt, die ebenfalls für März vorgesehen waren. Am 28.02.2020 wurde noch ein Workshop angekündigt namens „Essen wie die Großen“, der am 19. März 2020 durchgeführt werden sollte, sowie ein Fachtag Direktvermarktung, der für den 24. März 2020 geplant war. Das dem Landratsamt unterstellte Landwirtschaftsamt hat eine öffentliche Veranstaltung angekündigt, die Mitte März 2020 gewesen wäre und zwar am 02. März 2020 – am selben Tag hat die Stadtverwaltung Künzelsau bereits ihren Einwohnerabend wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Die Pressemitteilung der Ankündigung des Frauentages des Gesundheitsamtes wurde jedoch ebenfalls am 02. März vom Landratsamt zurückgezogen mit dem Verweis darauf, dass die Veranstaltung leider abgesagt werden müsse, „da durch die Vorbereitungen auf einen möglichen Ausbruch des Corona-Virus die Kapazitäten des Gesundheitsamts derzeit vollständig gebunden sind“.

Die erste Pressemitteilung mit näheren Informationen über den Coronavirus im Hohenlohekreis veröffentlichte das Landratsamt am 02. März 2020. Aber auch in dieser langen Pressemitteilung hat das Landratsamt nicht empfohlen, dementsprechende öffentliche Veranstaltungen abzusagen.

https://www.hohenlohekreis.de/index.php?id=291?&id=291?&no_cache=1&publish[id]=1113092&publish[start]=

Dennoch bleibt festzuhalten, dass das Landratsamt seitdem fast täglich Informationen über den Coronavirus, unter anderem auch die erfassten Zahlen hierzu, veröffentlicht hat. Mittlerweile hat es das Zahlenzepter an das Regierungspräsidium in Stuttgart weitergegeben, das nun die Zahlen für alle Kreise in Baden-Württemberg veröffentlicht. Aktuell gib es laut dem Sozialministerium Baden-Württemberg offiziell 6.043 Infizierte in Baden-Württemberg (Stand: 24. März 2020; 15 Uhr), im Hohenlohekreis sind es 278 offiziell registrierte Fälle. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer und einer exponentiell https://de.wikipedia.org/wiki/Exponentielles_Wachstum#/media/Datei:Exponential.svg steigenden Zahl an Fällen aus.

https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/infektionsschutz-hygiene/informationen-zu-coronavirus/

 




„Wir möchten unsere Mitarbeiter vor einer Infektion schützen“ – Würth & Lidl nehmen Stellung zu Corona

Corona ist das beherrschende Thema in diesen Wochen. Doch nicht nur der Alltag der Menschen ist dadurch massiv eingeschränkt. Wir haben bei den Firmen Würth und Lidl nachgefragt, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, um dem Virus zu begegnen.

Würth-Mitarbeiter im Homeoffice

„In der Zentrale der Adolf Würth GmbH & Co. KG in Künzelsau-Gaisbach haben wir weitreichende Maßnahmen eingeleitet, um unsere Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen“, schreibt Denis Bernlöhr von der Würth-Unternehmenskommunikation auf die GSCHWÄTZ-Anfrage. So arbeite dort, wo es technisch und betrieblich möglich ist, ein wesentlicher Teil der Mitarbeiter bis auf weiteres im Homeoffice. „So möchten wir nicht nur unsere Mitarbeiter vor einer Infektion schützen, sondern auch Eltern entlasten, die durch geschlossene Schulen und Kitas ein Betreuungsproblem bekommen“, so Bernlöhr weiter.

„Wir haben den Abteilungen feste Zeitfenster zugeteilt“

Im Betriebsrestaurant gebe es keine Selbstbedienung mehr an den einzelnen Theken. Die Gerichte werden von den Köchen ausgegeben, ebenso werden Besteck und Servietten von einem Mitarbeiter mit Handschuhen an die Kollegen verteilt. Dazu der Würth-Mann: „Wir haben den Abteilungen feste Zeitfenster für das Mittagessen zugeteilt, um den Kontakt mit anderen Kollegen möglichst gering zu halten“.

„Unsere Mitarbeiter begegnen sich beim Schichtwechsel nicht mehr“

Doch auch in der Würth-Logistik gibt es Veränderungen: Die Schichtzeiten seien so angepasst worden, „dass sich unsere Mitarbeiter beim Schichtwechsel nicht mehr begegnen“. So werde versucht, die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten. Hinzu komme: Fahrer von Speditionen aus Risikogebieten dürfen die Würth- Logistikgebäude derzeit nicht betreten. „Die notwendigen Papiere werden von unseren Mitarbeitern zum Fahrer gebracht“, schreibt Denis Bernlöhr weiter. „Zum Schutz tragen unsere Mitarbeiter Handschuhe, die regelmäßig gewechselt werden.“ Luftfrachtsendungen und andere Lieferungen aus Risikoländern wie China oder Italien würden außerdem mit besonderer Vorsicht behandelt und blieben zunächst für sieben Tage im Wareneingang liegen. Handele es sich um größere Sendungen, würden diese in einem separaten Lager untergebracht. „Auch unsere Mitarbeiter im Wareneingang tragen Handschuhe und sind angehalten, die empfohlenen Hygienemaßnahmen unbedingt einzuhalten“, so Bernlöhr.

„Wir sensibilisieren unsere Mitarbeiter“

Das Neckarsulmer Handelsunternehmen Lidl orientiert sich hinsichtlich des Coronavirus an den Angaben des Robert-Koch-Instituts. „Aktuell sensibilisieren wir unsere Mitarbeiter zur Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften und zu rechtzeitiger medizinischer Konsulation im Falle von Krankheitssymptomen“, schreibt Melanie Pöter von der Pressestelle Lidl Deutschland. Zudem werde darauf geachtet, dass die Lidl-Filialen mit ausreichend Desinfektionsmitteln ausgestattet seien, sodass Mitarbeiter zwischendurch ihre Hände desinfizieren könnten. „Falls sich ein Mitarbeiter infizieren würde, setzen wir in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden um“, schreibt Pöter weiter.

 




Schulleiter ohne Schüler – Ein Besuch in der Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen – Keine Nachfrage bei geplanter Notfallbetreuung

Es ist sehr still an der Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen. Keine Schüler rennen über die Gänge, keine Lehrer eilen in die Klassenzimmer, kein Laut ist zu hören. Die Schule hat aufgrund des Corona-Virus‘ wie alle anderen Schulen in Baden-Württemberg geschlossen. Lediglich Schulleiter Johannes Dirnberger und die Schulsekretärin sind abwechselnd vor Ort. Das Lehrerkollegium ist von Zuhause aus aktiv. Eine eigentlich geplante Notfallbetreuung gibt es nicht im Haus – die wurde laut dem Schulleiter nicht nachgefragt.

Fernwartung: „Wie bekommen den Unterricht hin?“

„Wir sind da ganz ruhig reinmarschiert“, erklärt Johannes Dirnberger. Die Schule habe mit einer Schließung gerechnet und sei sehr gut vorbereitet gewesen. „Das Lehrerkollegium hat das gut gemacht.“ Lediglich über den Zeitpunkt der Schulschließungen durch die Landesregierung sei er unglücklich. „Besser wäre gewesen, das vormittags und nicht nachmittags um 14 Uhr bekanntzugeben“, kritisiert er. Die Reaktion der Eltern und Schüler? „Ich habe in den vergangenen Tagen viele Rückmeldungen erhalten, dass Eltern von zuhause aus arbeiten, Stunden reduziert haben, frei nehmen oder Überstunden abbauen, um die Betreuung sicherzustellen“, sagt der Schulleiter.

Die Eltern versuchen mit Überstundenabbau und home Office das Ganze irgendwie zu managen

Die Großeltern gehörten ja zur Risikogruppe und sollten deshalb nicht mehr so oft mit ihren Enkeln zusammenkommen. Und natürlich hätte sich mancher Schüler über die vermeintlichen Zusatzferien gefreut. Es sei aber allen klar gewesen, dass sie auch Zuhause arbeiten müssten. Man habe frühzeitig mit der Schließung gerechnet. Viele Lehrkräfte der privaten Gemeinschaftsschule wohnen im Main-Tauber-Kreis. „Dort hatten einige Schulen teilweise bereits über eine Woche geschlossen“, berichtet der Schulleiter weiter. Aufgrund dessen hätten sie sich gefragt, was sie selbst tun würden in so einer Situation. Also wurde ein Notfallplan erstellt und täglich weitergeschrieben. Die Schüler nahmen bereits ab Mittwoch jeden Tag ihre Schulsachen mit nach Hause, um sie am nächsten Morgen wieder mitzubringen. „Wir sind jeden Nachmittag nach Hause, als wenn am nächsten Morgen keine Schule mehr wäre“, erzählt Dirnberger. Deshalb konnten Kinder und Lehrer bereits ab dem 16. März zuhause bleiben.

Beim Lernen zu Hause zeigt sich, wie schnell das Internet ist

Jetzt erhalten die 234 Schüler in den Klassen fünf bis zehn ihre Aufgaben über den Schulserver Iserv. Für Kinder, die keinen Internet-Zugang haben – auch das gibt es – geht das Ganze per Whatsapp. Seit vier Jahren bekommen die Schüler der Gemeinschaftsschule ab Klasse sechs leihweise einen Laptop. „Wir nutzen Iserv sowieso, die Schüler sind das also gewohnt“, erklärt der Schulleiter. Lediglich mit den Fünftklässlern habe man den Umgang damit noch üben müssen.

Nun gelte es, auch neuen Stoff zu lernen

Nun werde der Stoff der jeweiligen Fächer weitergeführt. Man könne ja nicht drei Wochen lang nur Wiederholungen machen. So würde zwar Zeit verloren gehen, aber keine drei ganze Wochen. Zusätzlich haben die Lehrer Zugriff auf einen schulinternen Server, auf dem alles Schulorganisatorische hinterlegt ist. „So kann jeder Lehrer auf die Kontaktdaten seiner Schüler zugreifen“, sagt der Schulleiter. Denn mancher Schüler bräuchte durchaus auch mal eine Extra-Aufforderung, sich an seine Aufgaben zu setzen.

„Die Situation ist recht spannend“

„Die Situation ist recht spannend“, findet der Schulleiter. „Auch wir lernen ständig dazu.“ Jeden Morgen bis spätestens acht Uhr müssen die täglichen Aufgaben für die Kinder online sein. Im Moment wird überlegt, ob es nicht besser wäre, das bereits bis um 18 Uhr am Vortag zu erledigen. Die Kinder bekommen ein Zeitlimit gesetzt, bis wann die Aufgaben erledigt und die Lösungen an den jeweiligen Lehrer zurückgeschickt sein müssen. In den Fächern Sport, Kunst und Musik gibt es nun Theorie statt praktischer Anwendungen. Für zusätzliche Erklärungen des Stoffes geben die Lehrer ihren Schülern Links zu Videos auf Youtube oder die Homepage simple club.

Allerdings müssten die Eltern dahinterstehen und sich von ihren Kindern zeigen lassen, was an Aufgaben ansteht. Jeder Schüler hatte bereits vor Corona ein Lerntagebuch, in das er die Aufgaben und Termine einträgt. Auch die Eltern bekommen darüber einen Überblick. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Eltern“, sagt Dirnberger. Die erhielten bereits vorher Informationen über Elternbriefe. „Wie kriegen wir den Unterricht hin?“, sei eher die Frage gewesen. Nun gehe es mehr um Kleinigkeiten: Braucht es mehr Erklärungen, machen wir zu viel oder zu wenig? „Das sind aber Feinjustierungen“, ist er überzeugt.

Die Abschlussklasse sei unruhig, so der Schulleiter

Doch was macht ein Schulleiter in einer Schule ohne Kinder und Lehrer? Johannes Dirnberger ist täglich von acht bis zwölf Uhr vor Ort und hat auch so gut zu tun. In der Zeit ist die Schule gesichert für Publikum geöffnet, das Telefon klingelt häufig. „Am Montag mussten noch Fragen zu Organisatorischem abgeklärt, die Facebook-Seite der Schule eingerichtet und ein Elternbrief verschickt werden“, erklärt er. Eine Familie aus einer Nachbargemeinde war in Quarantäne und brauchte einen neuen Termin für die Schulanmeldung eines Kindes. Ein anderes Kind hat das Ladekabel für seinen Laptop in der Schule vergessen.

Dirnberger hat es im Foyer bereitgelegt, damit die Familie es abholen kann ohne direkten Kontakt zu ihm oder der Sekretärin. Außerdem brennt dem Schulleiter die Frage unter den Nägeln, was mit der Abschlussklasse passieren wird. Gleich nach den Osterferien waren die Prüfungen der Zehntklässler angesetzt, bis dahin sollte auch deren Jahresleistung eingereicht sein. Jetzt fallen durch die Schulschließung etliche Klassenarbeiten aus. „Die Zehntklässer sind unruhig“, berichtet Dirnberger. „Viele waren am Montag noch hier im Haus, weil sie wissen wollten, wie es für sie nun weitergeht.“ Ein Gedanke war, die Schüler in Kleingruppen kommen zu lassen, damit die ihre Arbeiten weit auseinandergesetzt in der Sporthalle schreiben können. Eventuell komme aber auch eine Präsentation oder ein Portfolio infrage. Letztendlich müsse diese Entscheidung aber das Kultusministerium in Stuttgart treffen.

 

 

Der leere Eingangsbereich der Bischof-von-Lipp-Schule. Foto: GSCHWÄTZ

Schulleiter Johannes Dirnberger im leeren Foyer. Foto: GSCHWÄTZ




Schöntal: Bürgermeisterwahl per Briefwahl

Am Sonntag, den 10. Mai 2020, wählen die Bürger in Schöntal einen neuen Bürgermeister. Laut Auskunft von Noch-Bürgermeisterin Patrizia Filz auf eine GSCHWÄTZ-Presseanfrage soll diese Wahl trotz Corona-Krise wie geplant stattfinden (Stand 24. März 2020). Die Wahl werde so vorbereitet, dass im Rahmen der rechtlichen Vorgaben des Kommunalwahlrechts 100 Prozent der Wähler Briefwahl machen könnten. Ob und wenn ja weitere Hygienemaßnahmen in 48 Tagen erforderlich sein werden, sei heute noch nicht absehbar.

Die Bewerberfrist für die Bürgermeisterwahl endet am Dienstag, den 14. April 2020, um 18 Uhr. Bisheriger Bewerber ist Joachim Scholz, er war ehemals Bürgermeister in Steinheim. Scholz hat bereits für das Amt des Oberbürgermeisters in Neckarsulm kandidiert, allerdings ohne Erfolg. Patrizia Filz tritt bei der Wahl nicht mehr an.




Corona-Quarantänestation: Abbau in Kupferzell, Aufbau im Krankenhaus Künzelsau – Bundeswehr bislang nicht involviert

Laut Quellen aus Kupferzell wird derzeit die Quarantänestation in der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell abgebaut und im Krankenhaus Künzelsau wieder aufgebaut.

Die Quarantänestation in der Akademie in Kupferzell beherbergt aktuell 17 Einzelzimmer, die Anzahl der Betten in Künzelsau ist bislang nicht bekannt. Der Aufbau der Station in Künzelsau soll Quellenangaben zu Folge durch das THW unterstützt werden.

Bei einer Isolierung wird durch räumliche Trennung eine Übertragung von Krankheitserregern vorgebeugt. Unter dem Begriff Quarantäne, der derzeit viel gebraucht wird, ist eine vorübergehende Isolierung zu verstehen.

In Kupferzell waren bislang laut dem Landratsamt des Hohenlohekreises die Infizierten untergebracht, für die eine häusliche Quarantäne nicht möglich war.

Positiv getestete Personen müssen sich 14 Tage häuslich isolieren. Auch direkte Kontaktpersonen und Menschen, die im selben Haushalt leben von positiv getesteten Personen müssen sich für 14 Tage häuslich isolieren.

Bundeswehr bislang nicht involviert

Das Landratsamt äußerte sich laut einem Bericht der Heilbronner Stimme dahingehend, dass die Bundeswehr hinsichtlich des ehemaligen Künzelsauer Krankenhausgebäudes eine medizinische Infrastruktur aufbauen könnte.

Tatsächlich gibt es diese Möglichkeit, bei der Bundeswehr eine dementsprechende Hilfe zu beantragen. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Amtshilfeersuchen. Laut dem Oberstabsfeldwebel Harald Dettenborn von der Pressestelle der Bundeswehr in Stuttgart liegt ein solches Amtshilfeersuchen vom Landratsamt des Hohenlohekreises allerdings bislang nicht vor.

Von heute auf morgen 1.000 Fälle mehr

Laut dem Sozialministerium Baden-Württemberg (Stand: 24. März 2020, 15 Uhr): gibt es in Baden Württemberg derzeit offiziell 5.333 Corona-Erkrankte, seit 23. März sind somit 1.000 Fälle dazu gekommen. Bisher sind 31 Menschen an dem Virus Covid 19 in Baden-Württemberg gestorben. Der Hohenlohekreis ist vom Coronavirus besonders betroffen, 257 Menschen sind derzeit nachweislich mit dem Virus infiziert. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/uebersicht-infektionen-und-todesfaelle-in-baden-wuerttemberg/

Die Ausbreitung des Coronavirus verläuft exponentiell. Das heißt zu Beginn sind die Fallzahlen überschaubar und steigen zunächst nur langsam an, doch nach einer gewissen Zeit nimmt dieser Prozess an Fahrt auf und die Zahlen steigen drastisch.

Eine Stellungnahme seitens des Landratsamtes zur neuen Nutzung des ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau steht derzeit noch aus.

Text: Carla Mosel

 

 




Ingelfingen: Gemeinderatssitzung findet statt

Die für den heutigen Dienstag, den 24. März 2020, geplante öffentliche Gemeinderatssitzung in Ingelfingen findet laut Auskunft der Stadtverwaltung auf eine GSCHWÄTZ-Anfrage statt. Sie beginnt um 19 Uhr in der Gemeindehalle. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Bausachen, die Verabschiedung der Haushaltssatzung und des Haushaltsplanes für das Jahr 2020 mit Wirtschaftsplan der Stadtwerke 2020 und der mehrjährigen Finanzplanung sowie die Erneuerung der Kanalisation und Wasserleitung in der Hermuthausener Hauptstraße.

Stadtoberamtsrätin Heidrun Weiß wird zur Standesbeamtin bestellt. Außerdem wird über die Annahme von Spenden beraten sowie nicht öffentlich gefasste Beschlüsse bekanntgegeben.

Quelle: Stadt Ingelfingen




Öhringer Woche wird abgesagt

Wie in den letzten Tagen und Wochen bereits abzusehen war, fällt auch die Öhringer Woche der aktuellen Situation zum Opfer. Laut einer Pressemitteilung wird die Woche, die mit vielen Aktionen und Events vom Donnerstag, den 23. April 2020, bis Sonntag, den 03. Mai 2020, in der Innenstadt, im Ö-Center und im Steinsfeldle geplant war, vom Handels- und Gewerbeverein Öhringen (HGV) abgesagt. „Wir finden es natürlich sehr schade, dass die Öhringer Woche in diesem Jahr nicht stattfinden kann und leiden mit unseren Mitgliedern, die es aktuell sehr schwer haben. Angesichts der derzeitigen Lage hat für uns die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter allerdings oberste Priorität. Wir unterstützen daher wo wir können, um die weitere Ausbreitung zu verlangsamen“, so Petra Häffner, Vorstand des Handels- und Gewerbevereins, laut der Mitteilung.

Unter die Absagen fallen der Kindernachmittag am Donnerstag, den 23. April, die Night of Music am Freitag, den 24. April, Grüner Samstag mit Frühlings- und Bauernmarkt am 25. April, der Verkaufsoffene Sonntag mit Mobilitätstag am 26. April, das Streetfood Festival am Ö-Center vom 25. bis 26. April, das Fest „Ums alte Rathaus“ ebenfalls vom 25. bis 26. April sowie der Öhringer Stadtlauf am Sonntag, den 03. Mai. 

Sobald sich die Situation wieder entspannt hat, will der HGV über einen Ersatztermin sprechen und die vielen Aktionen und Events nachholen.

Quelle: Stadtverwaltung Öhringen




Erste Corona-Patienten im Krankenhaus Öhringen – „Bei HK, aber auch in allen Krankenhäusern in der Region werden harte Wochen auf uns zukommen“

Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK) hat alle Vorbereitungen für eine große Erkranktenzahl getroffen und Quarantänestationen errichtet“, versichert Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth in einem Informationsschreiben vom 21. März 2020. Corona-Patienten seien schon stationär aufgenommen. „Ich habe größten Respekt vor der Leistung der Mitarbeiter bei der Hohenloher Krankenhaus gGmbH und danke von Herzen für das Engagement“, so der Landrat. „Es werden bei der HK aber auch in allen Krankenhäusern in der Region und im Land harte Wochen auf uns zukommen.“

BBT-Gruppe schafft in Öhringen zusätzliche Beatmungsplätze

Ute Emig-Lange von der BBT-Gruppe, dem Mehrheitseigner der HK, erklärt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Im Hohenloher Krankenhaus Öhringen haben wir zusätzliche Intensivkapazitäten geschaffen. Im Regelfall verfügen wir über sieben Intensivplätze, diese haben wir nun auf insgesamt zwölf Intensivplätze mit Beatmungskapazität aufstocken können. Dazu kommen zwei weitere Beatmungsgeräte, die wir zum Beispiel für andere Notfall-Operationen und Kaiserschnitte bereithalten. Denn wir müssen auch alle nicht infektiösen Patienten weiter versorgen.“ Auf die Frage, ob es noch genügend Schutzausstattung sowie Teststäbchen gäbe, bejahte Ute Emig-Lange dies für die Krankenhäuser und Altenheime der BBT-Gruppe.

Ausgangspunkt unserer Fragestellung war die Beobachtung, dass Mitarbeiter am Empfang noch Mitte März 2020 keine Schutzkleidung wie etwa Mundschutz trugen (wir berichteten). Es wurde daher darüber spekuliert, inwieweit das HK keine Schutzkleidung mehr hat. https://www.gschwaetz.de/2020/03/17/oehringer-krankenhaus-in-corona-zeiten-keine-spur-von-aufregung/

Offiziell 257 Infizierte im Hohenlohekreis

Laut dem Sozialminisiterium hat der Hohenlohekreis derzeit offiziell gelistet 257 Infizierte (Stand 23. März 2020). Das sind 25 Infizierte mehr als am Vortag und bedeutet eine Steigerung um rund 10 Prozent. Aktuell werden angesichts der Knappheit der Teststäbchen nicht mehr alle Coronaverdachtsfälle getestet, sondern von Ärzten diagnostizert als möglicher Coronainfizierter. Die Zahlen werden dadurch noch weniger exakt sein als bislang. In Baden-Württemberg insgesamt stieg die Zahl der offiziell registrierten Infizierten auf 5.333.

https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/infektionsschutz-hygiene/informationen-zu-coronavirus/




Corona Hotspot Hohenlohe – Was ist schiefgelaufen?

Festleskultur, zu wenig Tests, zu viele „stille“ Träger

Der Hohenlohekreis gelangte in den vergangenen Wochen zu deutschlandweiter Berühmtheit. Und das diesmal nicht durch den Schraubenmilliardär Reinhold Würth und sein Imperium mit der Schaltzentrale in Künzelsau-Gaisbach, sondern mit einem Virus, das sich rasant weltweit ausgebreitet hat.

Der Hohenlohekreis ist ähnlich wie Bergamo in Italien und das Elsaß in Frankreich als Hotspot von Coronainfizierten in den Medien genannt worden. So viele Infizierte umgerechnet auf die Einwohnerzahl gibt es derzeit nirgends sonst in Deutschland. Doch wie konnte es soweit kommen? Was ist schiefgelaufen in diesem kleinen Kreis im Norden Baden-Württembergs mit seinen rund 120.000 Einwohnern? Ein Kreis, der so ländlich geprägt und gleichzeitig so wirtschaftsstark ist wie kaum ein anderer.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befand sich noch im Winterschlaf

Drehen wir die Zeit ein paar Wochen zurück. Wir schreiben Mitte Februar 2020. Während in China die Zahl der an Covid-19 erkrankten Fälle und auch die Todesrate sprunghaft in die Höhe schießt, schwadroniert der Bundesgesundheitsminister und damals noch potenzielle Kanzlerkandidat Jens Spahn darüber, dass er mit der CDU bei der nächsten Wahl die 30-Prozent-Hürde knacken möchte. Kein Wort zu Corona. Wir haben darüber am 14. Februar 2020 einen Kommentar mit dem Titel veröffentlicht: „Der Coronavirus kommt und ihr seid noch beim Karneval – Die Unfähigkeit der regierenden Politiker“.

Air China fliegt weiter

Air China fliegt weiter und wird noch lange weiterfliegen – aus wirtschaftlichen Gründen, wie der Münchner Merkur berichtet. Die ersten Meldungen aus dem Bundesland Bayern kommen hereingeflattert, Mitarbeiter der Firma Webasto haben sich infiziert mit dem neuartigen Coronavirus, dem man den Namen Covid-19 geben wird. Menschen, die aus China angeflogen kommen, müssen einen Fragebogen ausfüllen, auf dem sie ankreuzen, ob sie Kontakt mit Coronainfizierten hatten und damit in 14-tägige Quarantäne müssen. Das erinnert ein wenig an den Fragebogen der Vereinigten Staaten, wenn man einreist à la : Sind Sie Terrorist?

Noch Anfang März Veranstaltungsankündigungen des Landratsamtes

Es gibt zunächst kaum offizielle und einheitliche Informationsschreiben über das Virus, die Symptome, den Verbreitungsweg (wir berichteten in unserer Märzausgabe 2020). Daher kann es sich auch zunächst ungeniert in Deutschland ausbreiten. Noch Ende Februar und Anfang März 2020 veröffentlicht das Landratsamt des Hohenlohekreises Pressemitteilungen mit der Ankündigung öffentlicher Veranstaltungen, die teilweise für den 19. März 2020 terminiert sind. Am 02. März 2020, nur wenige Tage nach dem Ende der Faschingsferien, ändert sich alles. Die Stadt Künzelsau sagt alle öffentlichen Veranstaltungen, auch die Einwohnerversammlung ab.

Die offizielle Zahl des Hohenlohekreises beläuft sich anfangs noch auf Null

Das Landratsamt berichtet fortan fast täglich über die Zahl der Coronainfizierten im Hohenlohekreis, deren Zahl sich zunächst auf Null beläuft. Ein Koordinierungsstab wird gebildet, das Landratsamt verweist darauf, dass öffentliche Veranstaltungen dazu beitragen können, dass sich der Virus schneller verbreitet. Der erste offiziell als corona-positiv bestätigte Fall veröffentlichte das Landratsamt am 05. März 2020.

Aber es gibt Veranstaltungen, die nicht abgesagt werden in einem Landkreis, der geprägt ist von der Vereins- und Festleskultur, vom Ehrenamt und Zusammenhalt. Das Rebenglühen in Bretzfeld mit rund 10.000 Teilnehmern findet von 06. bis 08. März 2020 statt. Am Samstag, den 07. März 2020, gab es einen Kleinkindkleiderbasar in der Weinbrennerhalle in Untermünkheim. Am 01. März 2020 gab es noch Konzert mit mehreren Posaunenchören in einer kleinen Kirche im Ort Kupferzell. So berichtet es das Nachrichtenmagazin Focus online. Auch in Pfedelbach gibt es noch diverse Veranstaltungen, unter anderem der Weltgebetstag in Pfedelbach-Untersteinbach am 06. März 2020 sowie die Hohenlohe Rallye am 07. März 2020 – alles Städte und Gemeinden, die später zu so genannten Hotspots mutierten sollen – also wo es besonders viele Covid-Infizierte geben wird.

10. März 2020. Es gib 16 offiziell registrierte Coronafälle im Hohenlohekreis. In Kupferzell lässt das Landratsamt unter anderem durch das Technische Hilfswerk (THW) vorsorglich eine Quarantänestation in der Akademie für Landwirtschaft einrichten. Die 17 Betten sollen für Menschen sein, die sich nach einer Corona-Diagnose nicht zu Hause isolierten können oder wollen, um andere anzustecken. In der Pressemitteilung des Landratsamtes hierzu heißt es: „Das Robert Koch-Institut beurteilt die Gefährdungssituation für die Bevölkerung als mäßig.“Das wird sich kurze Zeit später ändern.

15. März 2020. „In den kommenden Tagen rechnet der Hohenlohekreis mit einem weiteren Anstieg der bestätigten Coronavirus-Fälle im Hohenlohekreis sowie der Verdachtsfälle“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Daher hat das Landratsamt in Zusammenarbeit mit dem THW Pfedelbach nun die Möglichkeit einer so genannten „Drive-in-Abstrichstelle“ in Belzhag bei Kupferzell geschaffen. Die Abstrichstelle wird von Ärzten der kassenärztlichen Vereinigung gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz betrieben. Ähnliche Stellen gibt es bereits in anderen Landkreisen. Das THW Künzelsau unterstützt die Umsetzung des Projekts ab Betriebsbeginn. Die Abstrichstelle beim Gesundheitsamt in Künzelsau wird ihren Betrieb einstellen.

Das Prozedere: Die Menschen, die grippeähnliche Symptome und dann noch typische Covid-Symptome haben wie trockener Husten und Atemnot, sollen sich beim Hausarzt melden. Dieser überweist sie an die Drive-In-Abstrichstelle. Erst mit dieser Überweisung wird der Abstrich in Belzhag vorgenommen.

Kein telefonisches Durchkommen bei den Hausärzten, Tage später Tests, Tage später das Ergebnis.

An dieser Stelle ergeben sich gleich mehrere Probleme: Bei den Hausärzten ist zu dieser Zeit kaum mehr ein telefonisches Durchkommen. Viele Einwohner berichten uns, dass es vom Verdacht bis zur Diagnose mehrere Tage vergehen. In dieser Zeit können wiederum andere Personen angesteckt werden, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine Quarantäneregulungen für diese Verdachtsfälle gibt.

17. März 2020. Der Hohenlohekreis meldet den ersten Corona-Todesfall.

18. März 2020. Nach Bayern und zahlreichen anderen Bundesländern schließt nun auch Baden-Württemberg alle Schulen und Kindergärten. Bereits Tage zuvor schloss das Ganerben-Gymnasium und die Anne-Sophie -Schule, weil sie Covid-Verdachtsfälle hatte. Die Ergebnisse lassen auf sich warten.
Zur gleichen Zeit schließen fast alle Rathäuser ihre Pforten für die Öffentlichkeit und sind fortan lediglich über E-Mail oder eingeschränkt telefonisch zu erreichen.

Niedernhalls Stadtverwaltung setzt ein Zeichen und lässt nur noch eine begrenzte Zahl an Kunden in die Supermärkte und Drogerien vor Ort. In der Kreisstadt Künzelsau gibt es in den Supermärkten in Künzelsau auch Anfang April noch keine Einlassbeschränkungen. Teilweise stauen sich die Kundenschlangen im Kaufland, weil nur zwei Kassen offen sind. Auch bei den Schutzmasken ist Niedernhalls Stadtverwaltung Vorreiter und veröffentlicht Anfang April 2020 ein Schreiben, indem die Bevölkerung gebeten wird, mitzuhelfen, 4.000 Masken herzustellen.

Lange Schlangen an den Supermarktkassen, auch als alle Alarmzeichen schon leuchten

Es gibt landesweite Kontaktsperren. Mehr als zwei Personen dürfen sich nicht mehr zu Zusammenkünften treffen – ausgenommen Familien. Bayern geht mit der meisten Anzahl an Infizierten einen Sonderweg und führt Ausgangssperren ein. Auch in Baden-Württemberg werden die Menschen angehalten, nur noch zwecks Arbeit und zum Enkaufen das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Derweil haben die Krankenhäuser in und um den Hohenlohekreis die ersten Covid-Patienten, die
wegen starken Atemwegsproblemen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

HK-Chefarzt kritisiert Vorgehen des Landratsamtes massiv

Trotz eines klaren „Neins“ der BBT-Gruppe, des Mehrheitseigners der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK), gegenüber GSCHWÄTZ zwei Wochen zuvor, wird das Krankenhaus Künzelsau Ende März 2020 vom THW für Coronazwecke reaktiviert.Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha bekundet angesichts der Coronapandemie nun, dass auch ehemalige Krankenhausgebäude wieder genutzt werden könnten. Erst rund vier Monate zuvor, am 15. November 2020, wurde es auch federführend unter Lucha geschlossen, weil es laut dem Landkreis und dem Land Baden-Württemberg zu kostenintensiv war. Aber: Es soll nur als Isolierstation dienen, ohne medizinisches Fachpersonal und ohne Sauerstoffversorgung für Patienten mit Atemwegsproblemen. Dr. Andreas Kühn, bis 01. April 2020, Chefarzt am HK, kritisiert scharf, dass laut dem Landratsamt sowohl gesunde Risikogruppen als auch kranke Menschen mit leichten Symptomen in der Isolierstation untergebracht werden. Dieses Vorgehen sei „absolut fahrlässig“. Kühn warnt öffentlich davor, als Gesunder in die Isolierstation zu gehen, da die Ansteckungsgefahr zu groß sei.

Ärzte im Hohenlohekreis schlagen Alarm

Hohenlohe: Viele Jahre wurde an den Krankenhausmitarbeitern gespart – Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter noch gegen Arbeitsverträge

Am 22. März 2020 meldet das Landratsamt die offizielle Zahl von 350 Infizierten.

Landrat Dr. Matthias Neth ruft öffentlich nach Spenden von Schutzkleidung wie Schutzmasken auf. Zusätzlich werde medizinisches Personal benötigt. Woran derzeit keiner mehr denkt: Noch Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter des seit vier Monaten geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau gegen die HK vor, weil sie wesentlich schlechtere Arbeitsverträge angeboten bekommen haben https://www.gschwaetz.de/2020/02/06/keinen-lohn-keine-krankenversicherung-mehr-2-mitarbeiterinnen-verklagen-hk/

Auch medizinisches Personal muss man sich eben leisten können. Vor der Seuche konnte der Hohenlohekreis es nur noch eingeschränkt. Und jetzt?

Vor den Hilfsrufen des Landrats hat er noch zwei Videos veröffentlicht, in welchen er unter anderem die Bvölkerung dazu aufruft, zu Hause zu bleiben, um die Schwachen und Alten zu schützen. Es gehe „um Leben und Tod“.

Es gehe um Leben und Tod

Teile der Hohenloher Bevölkerung sind irritiert angesichts der relativ niedrigen offiziellen Zahl an Infizierten auf der einen und den Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, auf der anderen Seite.

Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, zwei Tage später über 400. Bei einerm derartigen Wachstum ist der Sprung zu einer vier- oder gar fünfstelligen Zahl nicht mehr weit.

Der exponentielle Anstieg der Infektionszahlen, vor dem zahlreiche Experten warnen (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen der Infizierten in Baden-Württemberg. Ende März 2020 wächst die Zahl der Coronafälle pro Tag vierstellig. Am 28. März 2020 sind es fast 11.000 offiziell erfasste Coronafälle im Ländle – Tendenz weiter stark steigend. Vier Wochen zuvor waren es noch eine Handvoll.

Zahlreiche Coronainfizierte werden nicht erfasst

Das Problem bei dieser Statistik ist: Es werden längst nicht alle Coronainfizierte erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders.

Die gefährlichsten Verbreiter, nämlich Infizierte ohne Symptome, werden nicht getestet

Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelt, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach oder eine pauschale Testung aller Besucher einer Veranstaltung mit Coronainfzierten wurde bislang nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen „stillen“, weil symptomlosen Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken.

Nichtsdestotrotz testen die Hausärzte im Hohenlohekreis zuerst im Gesundheitsamt in Künzelsau, dann an einer provisorisch eingerichteten so genannten Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag im März 2020 zahlreiche Menschen mit Teststäbchen, an einem Tag nicht selten zwischen 100 und 200. Das Problem: Diese Teststäbchen sind mittlerweile nur noch in begrenzter Anzahl vorhanden. Ein deutschlandweites Problem. Getestet werden daher in der Regel nur noch „Härtefälle“ mit schwerem Verlauf, die ins Krankenhaus müssen und man vorher abklären muss, ob sie eine starke Grippe oder Corona haben, um im Krankenhaus nicht wieder andere zu infizieren.
Bereits in der letzten Märzwoche finden wesentlich weniger Testungen statt, teils nur noch 16 pro Tag. Damit einhergehend steigt auch die offizielle Zahl von Coronainfizierten im Hohenlohekreis weniger stark an. Denn: Nur die mittels Teststäbchen im Labor getesteten Infizierten fließen in die offizielle Coronastatistik mit ein.

Diese so genannten klinischen Diagnosen der Ärzte fließen aber nicht in die offizielle Zahlenstatistik des Landratsamtes mit ein. 

Zweistellige Zahl an Arztpraxen musste schließen

Hinzu kommt: Eine ärztliche Diagnose ist gar nicht mehr so einfach zu bekommen. Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat seit Mitte März 2020 in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.

Das Problem mit der nachträglichen Ermittlung aller Kontaktpersonen.

Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises hat erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier schier unmöglich sei. Diese öffentliche Erklärung erfolgte allerdings erst über zwei Wochen nach der eigentlichen Veranstaltung.

Was bedeutet eine steigende Zahl an Infizierten für die Krankenhäuser im Hohenlohekreis und im Umland?

Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung), die man bei schweren Coronaverläufen braucht. Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat (maximal 12 sind laut Aussagen von hiesigen Ärzten möglich), ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung bereits nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal in Öhringen unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. Ein vollkommen separates Haus wie etwa in Schwäbisch Hall gibt es für Coronapatienten in Öhringen nicht.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen.

Aber dafür muss der Kreis jetzt alle Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall, gewappnet zu sein.

Besonders bitter: Weder das Landratsamt des Hohenlohekreises noch das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg haben bislang gegenüber der Presse (Stand: 30.03.2020) auch auf mehrfache Nachfrage hin keine Zahlen über die klinischen, also die ärztlichen Corona-Diagnosen veröffentlicht. Dann hätte man vermutlich ein wesentlich realistischeres Bild hinsichtlich der Anzahl der Infizierten. Die offiziell über das Labor positiv getesteten Infizierten liegt laut dem Landratsamt bei 453 Infizierten im Hohenlohekreis (Stand: 30.03.3030).

 




Zu wenig Schutzkleidung in Hohenloher Gesundheitseinrichtungen – Landrat ersucht Firmen & Privatpersonen um Hilfe

Krankenhäuser, Altenheime, Arztpraxen – hier arbeiten und sind Menschen, die sich derzeit ganz besonders schützen müssen, unter anderem mit speziellen Schutzmasken und Handschuhen. In einem Offenen Brief wenden sich der Landrat Dr. Matthias Neth, Thomas Philippiak (der Vorsitzende der Innovationsregion Hohenlohe) und der Ärztliche Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, Dr. Werner Reinosch, an die Betriebe, Firmen Unternehmen und Privatpersonen im Hohenlohekreis, und haben um Unterstützung gebeten.

„Derzeit erreicht uns eine Vielzahl an Anfragen von Gesundheitseinrichtungen, denen es an Schutzausrüstung mangelt“, schreiben die Unterzeichner. Die Unterzeichner des Offenen Briefes  sprechen den Mitarbeitern in den Gesundheitseinrichtungen wie Arztpraxen, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, Praxen für Physiotherapie und anderen ihren Dank und Anerkennung aus und betonen zugleich: „Oberste Priorität hat der Schutz der Mitarbeiter, um eine bestmögliche Versorgung der Coronavirus-Patienten zu gewährleisten und Risikogruppen vor einer Coronavirus-Erkrankung zu schützen“, so die Unterzeichner.

Bei steigenden Fallzahlen zeichne sich ein zunehmender Engpass an Atemschutzmasken und medizinischer Schutzkleidung sowie Nitril-Handschuhen ab, da bereits georderte Lieferungen auf dem Transportweg hängen bleiben und sich verzögern. Um diesen Engpass zu überbrücken, werden dringend Spenden benötigt.

Wer Masken, Schutzkleidung oder Handschuhe beisteuern kann, soll sich mit dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises unter CV-PSA@hohenlohekreis.de oder telefonisch unter 07940 18-309 in Verbindung setzen.

Die Unterzeichner hoffen, dass Gesundheitseinrichtungen durch die Mithilfe der Hohenloher Unternehmen, Betriebe und Firmen und Privatpersonen dringend benötigte Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt werden kann, die in den Betrieben, so die Unterzeichner, „aufgrund der Corona-bedingten Produktionsausfälle derzeit nicht benötigt wird“.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises