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„Wenn nicht alle bekannten Fälle gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem“ – Max-Planck-Wissenschaftler ahnungslos über Nichterfassung ärztlicher Diagnosen

Bisher kursierten sehr unterschiedliche Zahlen und Auswertungen zu den möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland. Viele Medien reportieren Zahlen nur, halten sich aber mit einer Bewertung oder Prognosen zurück, und das aus gutem Grund: Zu unterschiedlich sind die Datengrundlagen, die im Umlauf sind, zu oft wurden Erfassungsmethoden geändert. Allein der Vergleich zwischen den meistgenannten Zahlen des amtlichen Robert-Koch-Instituts und denen der Johns-Hopkins-Universität für Gesamtdeutschland zeigt das deutlich (Stand 09.04., 16:00): Infizierte 113.296 gegenüber 108.202, Verstorbene 2107 gegenüber 2349. Das habe etwas mit einer zeitlich verzögerten Datenerfassung und -weitergabe zu tun, wurde des Öfteren erklärend hinterhergeschoben. So viel zum Thema digitales Hinterherhinken in Deutschland.

Der Lichtblick am Ende des Tunnels ist mehr als fraglich

Am 08. April 2020 hat sich mit dem Leipziger Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften wohl erstmals ein renommiertes Institut, bei dem man von der Anwendung guter mathematischer Methodik ausgehen darf, zu Wort gemeldet und eine Prognose für die weitere Entwicklung der Infiziertenzahlen veröffentlicht.
https://www.mpg.de/14661027/corona-pandemie-analyse-prognose

// Überraschende Ergebnisse einer MPI-Studie //

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick überraschend: Die Leipziger Wissenschaftler um Professor Dr. Jürgen Jost kommen zum Ergebnis, dass die Pandemie in Deutschland bei einer Zahl von 120.000 bis 160.000 Infizierten zum Stillstand kommen könnte und sie rechnen mit 4.000 bis 5. 000 Toten. Wenn man diese Zahlen mit den oben genannten Zahlen vergleicht, dann würden ja nur noch wenige Tausend fehlen, bis der Stillstand da wäre. Man könnte  auf die Idee kommen, dass wir die Pandemie beherrschen und die schlimmste Zeit schon in den nächsten Tagen vorüber sein könnte.

Auf GSCHWÄTZ-Anfrage nach den getroffenen Annahmen im mathematischen Modell erklärt Paul Heine, Science Content Manager am Max-Planck-Institut: „Wir arbeiten mit der Annahme, dass die Wachstumsraten der gemeldeten Fälle diejenigen der tatsächlichen Fälle einigermaßen abbilden.“

Er geht also genaugenommen von zwei Annahmen aus, nämlich davon, dass es gemeldete Fälle und eine Dunkelziffer gibt und davon, dass die Wachstumsrate der gemeldeten Fälle und die Wachstumsrate der Dunkelziffer mehr oder weniger identisch sind. Es gibt aber zusätzlich eine dritte nicht unerhebliche Zahl, nämlich die der „Klinischen Diagnosen“ (ärztlichen Diagnosen), die nicht an das Robert-Koch-Insitut (RKI) gemeldet werden.

Wir wissen also im Hohenlohekreis von Infizierten, die nicht in der Dunkelziffer enthalten sind, diese werden aber nicht ans RKI weitergemeldet. Dadurch dass die Zahl der „klinisch diagnostizierten“ Fälle dem mathematischen Modell, das das MPI anwendet, durch Nichtmeldung vollständig entzogen werden, wird die Steigerungsrate der Infektionen und der Dunkelziffer systematisch unterschätzt und somit die Zahlen des Modells verfälscht.

Das Regierungspräsidium bezieht sich bei seiner Aussage auf eine „Falldefinition“ des RKI, das würde bedeuten, dass nicht nur die ärztlichen Diagnosen aus dem Hohenlohekreis, sondern aus ganz Deutschland  nicht in die RKI-Fallzahlen einbezogen werden. Daher wird die Anstiegsrate für ganz Deutschland unterschätzt.

„Wenn nicht alle bekannten Fälle auch gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem“

Paul Heine vom Max-Planck-Institut sagt: „Wenn nicht alle bekannten Fälle auch gemeldet werden, ist das selbstverständlich ein Problem, insbesondere, wenn deren Wachstumsrate höher ist.“ Die Nichterfassung wurde dem MPI gar nicht mitgeteilt: „Wir wissen allerdings nicht, inwieweit dieses Problem nur in einigen Gebieten mit sehr hohen Fallzahlen auftritt. Hier in Leipzig ist uns beispielsweise nichts davon bekannt.“

Eine weitere implizite Annahme des Modells ist also, daß zu jeder Zeit ausreichende Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen, was offenbar nicht der Fall ist.

In Baden-Württemberg werden seit rund drei Wochen Labortests häufig durch „klinische Diagnosen“ ersetzt, weil laut der Politik nicht genügend Testsets zur Verfügung stehen. Wenn aber nur eine gewisse Anzahl von Testsets täglich zur Verfügung stehen, können auch nicht mehr als diese Anzahl positiv getestete Personen gemeldet werden – in Wahrheit viel weniger, denn es gibt ja glücklicherweise auch negative Tests. Steigt die Zahl der verfügbaren Tests weniger stark als die Anzahl der Erkrankten, führt das zu einer weiteren systematischen Unterschätzung, da in diesem Fall die angenommene Dunkelziffer stärker steigt als die der getestet Infizierten. Eine weitere implizite Annahme des Modells ist also, daß zu jeder Zeit ausreichende Testmöglichkeiten zur Verfügung stehen, was offenbar nicht der Fall ist. Datenbasis unsicher //

Warum erfasst das RKI die Zahlen der klinischen Diagnosen nicht  und verfälscht damit die Datenbasis derart, dass jede mathematische Prognose die Folgen der Pandemie unterschätzen muss? Die Zahlen der klinischen Diagnosen sind bekannt und deren Einbeziehung in die Statistik würde zu einer aussagekräftigeren Datenbasis führen.

Prognose der Infiziertenzahlen systematisch unterschätzt

Politisch gravierend ist, dass diese systematische Unterschätzung Wasser auf die Mühlen derer gibt, die eine möglichst schnelle Wiedereröffnung der Wirtschaft fordern, koste es, was es wolle. Und die Bundesregierung wird nächste Woche anhand dieser unterschätzenden Zahlen und vielleicht aufgrund der Studie des MPI entscheiden, ob und wie stark die verhängten Maßnahmen gelockert werden. Solange die Datenbasis aber derart unsicher ist, ist eine rationale Entscheidung unmöglich, statt auf wissenschaftlicher Grundlage wird rein politisch entschieden werden müssen.

Angela Merkel hat in der Pressekonferenz vom 09. April 2020 betont, dass es wichtig ist, die Anzahl der Neuerkrankungen pro Tag unter die Anzahl der Geheilten pro Tag zu drücken – wenn man aber die Anzahl der Neuerkrankungen systematisch untererfaßt, kann es fatal enden, wenn man sich auf diese Zahl verlässt.

Auch Zahl der Gesundeten plötzlich stark erhöht  – Das ist keine österliche Massenwunderheilung

Auf der anderen Seite weist Baden-Württemberg am 07. April 2020 noch 2.685 Geheilte aus, am 08. April 2020 nennt das Sozialministerium auf einmal sage und schreibe 12.267 Gesundete. Das ist keine österliche Massenwunderheilung sondern schlicht das Ergebnis einer neuen Erfassungsmethode: „Das Landesgesundheitsamt veröffentlicht ab sofort den Schätzwert der SARS-CoV-2-Genesenen in Baden-Württemberg auf Grundlage eines heute durch das Robert Koch-Institut in Berlin angepassten Algorithmus. Hierbei werden Fälle ohne Angabe des Erkrankungsbeginns anhand des Meldedatum berücksichtigt.“, erläutert das Sozialministerium. Das RKI sagt auf GSCHWÄTZ-Anfrage: „Das RKI schreibt niemandem etwas vor, es ist ein Angebot, das Länder und Landkreise nutzen können.“ Und weiter: „Da wir den Algorithmus zur Schätzung der Genesenen so verbessert haben, dass nun alle übermittelten Fälle bei der Schätzung berücksichtigt werden können, also auch die ohne Angaben zum Erkrankungsbeginn, ist im Vergleich zu gestern ein größerer Anstieg als sonst zu verzeichnen.“

Wasser auf die Mühlen aller, die die Wirtschaft schnell wieder ankurbeln möchten

Weitere Aussagen, warum der vorher verwendete Algorithmus die Zahl so stark unterschätzt haben soll und warum man annimmt, dass die deutlich höheren Zahlen die Wahrheit besser wiedergeben, lässt sich das RKI auch auf konkrete Nachfrage nicht entlocken.

// Zahlen von gestern sind heute Schall und Rauch //

Zahlen, auf die sich gestern noch jeder berufen hat, sind heute Schall und Rauch. Und es besteht täglich die Möglichkeit, dass morgen wieder ganz andere Zahlen gültig sein sollen. Das zeigt, wie weit wir von zuverlässigen Daten, die dann zur Grundlage wissenschaftlicher Analysen werden können, entfernt sind.

Warum die Zahlen der ärztlichen Diagnosen nicht veröffentlicht werden, bleibt ein Rätsel

Warum das Land Baden-Württemberg den Boden der rationalen Wissenschaft verlässt und die Zahlen der „klinischen Diagnosen“, die das RKI nicht haben will, weder den Forschungsinstitutionen noch der Bevölkerung transparent bekanntgibt, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Auf mehrmalige Nachfrage haben wir die Zahlen nicht erhalten und wurden an das Landratsamt des Hohenlohekreises verwiesen. Das Landratsamt verwies wiederum nach mehrmaliger Nachfrage auf das Sozialministerium (wir berichteten).

Genau so wenig nachvollziehbar ist, inwieweit man die Schätzmethode für die Gesundeten derart ändern kann, dass die Anzahl der Gesundeten über Nacht um Faktor 4 ansteigt.

Dieses Verhalten kann für viele Menschen tödliche Folgen haben, wenn sich zu viele Entscheider auf eine scheinbare Zuverlässigkeit und Korrektheit der Zahlen verlassen oder die Zahlen sogar wider eigentlich besseres Wissen für ihre eigenen politischen Ziele benutzen.

Text: Matthias Lauterer




Keine Kontrollen, keine Quarantäne – Corona-Kreuzfahrtler Bernd Wuttke berichtet über seine Wiedereinreise nach Deutschland – „Nicht vertretbar“

Rund 2.700 Passagiere und rund 1.000 Besetzungsmitglieder befanden sich Mitte März 2020 auf einer Kreuzfahrt in der südlichen Karibik mit dem Kreuzfahrtschrift Costa Magica. Einer der Passagiere war Bernd Wuttke aus Oberlauterbach. Doch die Reise fand ein jähes Ende, als die ersten Coronainfizierten (Passagiere wie auch Besatzung) auf dem Kreuzfahrtschiff gemeldet wurden. Auch Bernd Wuttke wurde infiziert mit dem Virus. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit dem Maschinenbauer am Telefon gesprochen.

„Es wurden Durchsagen gemacht“

Wie erfuhren die Passagiere von den ersten Coronainfizierten an Bord? „Es wurden Durchsagen gemacht.“ Auf ihren Kajüten mussten die Passagiere zwar nicht bleiben, erklärt Wuttke,  aber öffentlichen Bereiche wie Bars seien geschlossen worden. Allgemein habe eine große Unsicherheit unter den Touristen geherrscht, wie es nun weitergeht. Es habe auch Tumulte und Unruhen an Bord gegeben, weil der Informationsfluss relativ dürftig gewesen sei, berichtete der 56-Jährige.

Die Kreuzfahrt mit der Costa Magica sollte eigentlich 14 Tage gehen, wurde aber nach zehn Tagen abgebrochen. Dann erfolgte der Rückflug der Passagiere. Wuttke wurde mit Air Belgium zurückgeflogen nach Frankfurt am Main. An Bord befanden sich laut Wuttke nur Passagiere des Kreuzfahrtschiffes.

In Frankfurt angekommen, kamen mehrere Ärzte an Bord der Maschine und fragten, ob es jemandem schlecht gehe oder Coronasymptome habe. Die, die sich daraufhin gemeldet haben, seien mitgenommen worden zur weiteren Untersuchung. Der Rest sei ganz normal ausgestiegen und mit einem, so Wuttke „überfüllten Shuttlebus“ zur Gepäckabfertigungshalle gefahren worden. Dor hätten sie wie alle anderen Reisenden auch an den Gepäckbändern ihre Koffer abgeholt und seien nach Hause gegangen – entweder mit dem Taxi oder den öffentlichen Nahverkehrsmitteln oder anderweitig. Es gab keine separaten Ausgänge, um sie von Touristen von anderen Flugzeugen zu trennen.

Es habe laut Wuttke auch weder pauschalen (Fieber-)Testungen für alle Passagiere des Kreuzfahrtschiffes gegeben, als sie in Deutschland angekommen seien – noch Quarantäneanordnungen bei der Einreise. Für Wuttke völlig unverständlich, da die Gefahr groß ist, dass man dadurch weitere Personen ansteckt. Lediglich der Rat sei ihnen mit auf den Weg gegeben worden, dass man, sobald man Symptome habe, beim Hausarzt vorstellig werden solle. „Wir sind sehr, sehr enttäuscht“, wie das gelaufen sei, sagt Wuttke heute rückblickend. „Das war für uns eigentlich nicht vertretbar.“ Er und auch einige, mit denen Wuttke bis heute Kontakt hält, haben nach ein paar Tagen in Deutschland tatsächlich Corona-Symptome bekommen.

Er sei daraufhin zum Hausarzt gegangen und auch getestet worden. Das Ergebnis: positiv. Drei Wochen hat er grippeartige Symptome. Nun ist er wieder gesund, sagt er.

Das Reisen aufgeben möchte er aber deswegen noch lange nicht. zumal die Reisegesellschaft sehr kulant gewesen sei und den Passagieren Gutscheine über den vollen Reisepreis (bei ihm 2.100 Euro) ausgestellt habe. Zudem hätten sie an Bord ein Bordguthaben ausgestellt bekommen über 300 Euro, als die Landgänge nicht mehr möglich gewesen waren.

Öffentliche Einrichtungen wie Bars wurden nach den ersten Coronafällen geschlossen. Foto: privat

Auf diesem Kreuzfahrtschiff war Bernd Wuttke. Foto: privat

Landgänge wie hier waren den Passagieren irgendwann nicht mehr gestattet. Foto: privat

Das Schiff durfte an mehreren Häfen nicht mehr anlegen. Foto: privat

Mit einer Maschine von Air Belgium ging es zurück nach Deutschland. Foto: privat

 

 




Coronainfizierte in den Seniorenheimen in Künzelsau und Ingelfingen – Bewohner sollen sich am besten auf den jeweiligen Zimmern aufhalten

Auch in den Seniorenheimen in Ingelfingen und Künzelsau gibt es Coronainfizierte. Der Zutritt ist in beiden Heimen nur noch an Sonderfällen gestattet.

In Künzelsau soll ein Bewohner nach einem Krankenhausaufenthalt positiv auf das Coronavirus getestet worden sein.

Die Stadtverwaltung Ingelfingen verweist in Ihrem aktuellen Amtsboten darauf, dass das Seniorenheim in Ingelfigen aufgrund von Coronafällen nicht mehr zu Besuchszwecken betreten werden darf. Der Zutritt von externen Personen ist nur in Ausnahmefällen gestattet. Die Bewohner dürfen das Grundstück der Einrichtung ausser in medizinischen Notfällen nicht mehr verlassen. Es gelte, auch innerhalb des Heimes den Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Bewohnern einzuhalten und sich in der Regel auf den jeweiligen Zimmern aufzuhalten.

Infizierte sollen soweit wie möglich von anderen Bewohnern getrennt untergebracht werden, nach Möglichkeit in Einzelzimmern. Festes Pflegepersonal sei hier zuzuordnen.

Mitarbeiterdes Heimes, die keine Covid-Symptome haben, sollen auf direktem Wege nach Hause und zur Arbeit fahren. Alle Mitarbeiter sollen während der Arbeit OP-Masken tragen beziehungsweise FFP2-Masken sowie Schutzkittel, Schutzbrillen und Handschuhe bei direkter Pflege von Covid-Patienten. Mitarbeiter mit Symptomen dürfen nicht mehr arbeiten und müssen getestet werden auf Covid.

 




Hohenlohekreis: Polizei am Osterwochenende weiterhin stark präsent

In Erwartung von tollem Frühlingswetter am gesamten Osterwochenende, sind die Beamten des Polizeipräsidium Heilbronn weiterhin stark präsent, um die Einhaltung der Coronaverordnung zu überwachen. Insbesondere Badeseen und Naherholungsgebiete, stehen im Mittelpunkt der Überwachungen. Aber auch Wohngebiete und sonstige, auch kleinere Parkanlagen werden bestreift.

Aufgrund der Erfahrungen der letzten Tage ist die Polizei guter Hoffnung, dass der größte Teil der Bevölkerung weiterhin diszipliniert und verantwortungsbewusst handelt. Wer gegen die Verordnung verstößt muss jedoch mit der konsequenten Ahndung und einem unter Umständen empfindlichen Bußgeld rechnen. „Der aktuell geringe Verkehr verleitet leider den ein oder anderen aktuell es mit der Einhaltung der Geschwindigkeit nicht ganz so genau zu nehmen. Um hier entsprechend schweren Unfällen vorzubeugen werden wir einschlägige Strecken in den nächsten Tagen gezielt überwachen und die Verstöße ahnden“, so der Präsident des Polizeipräsidiums Heilbronn, Hans Becker.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Fast 100.000 offiziell laborgeteste Infizierte in Deutschland +++ Über 20.000 in Ba-Wü +++ 590 im Hohenlohekreis (17 offizielle Tote) – Durchschnittsalter 50 Jahre

Die Corona-Zahlen steigen und steigen und steigen – trotz des Sonnenscheins, der derzeit über weite Teile Deutschlands milde Temperaturen ausschüttet. Vom 06. auf den 07. April 2020 gab es in Deutschland eine Zunahme von rund 4.000 offiziell laborbestätigten Coronafällen. Im Hohenlohekreis ist eine weitere Person verstorben, derzeit sind hier 17 offiziell an Corona verstorbene Menschen gemeldet. Das Durchschnittsalter der Betroffenen ist – auf ganz Deutschland bezogen – 50 Jahre.

Covid Lagebericht für Baden-Württemberg vom 07. April 2020. Quelle: Screenshot Sozialministerium Baden-Württemberg. Seite 1

Covid Lagebericht für Baden-Württemberg vom 07. April 2020. Quelle: Screenshot Sozialministerium Baden-Württemberg. Seite 2

Covid Lagebericht für Baden-Württemberg vom 07. April 2020. Quelle: Screenshot Sozialministerium Baden-Württemberg. Seite 3

Covid Lagebericht für Baden-Württemberg vom 07. April 2020. Quelle: Screenshot Sozialministerium Baden-Württemberg. Seite 4

Covid Lagebericht für Baden-Württemberg vom 07. April 2020. Quelle: Screenshot Sozialministerium Baden-Württemberg. Seite 5




Landratsamt empfiehlt Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit – Landfrauen nähen 1.500 Schutzmasken für Pflegeheime – Auch Niedernhaller haben ihre ersten Schutzmasken fertig

Am Dienstag, den 07. April 2020, haben die Kreislandfrauen Hohenlohe 220 selbstgenähte Masken an die Kreisverwaltung übergeben. Die Masken sollen überall dort eingesetzt werden, wo aus medizinischen Gründen keine FFP2- und FFP3-Schutzmasken notwendig seien. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor. Landrat Dr. Matthias Neth lobte das vorbildliche Engagement der Landfrauen: „Ich danke Ihnen herzlich dafür, dass Sie Ihre persönlichen Stärken zum Wohl der Gemeinschaft einbringen. Damit setzen Sie ein wichtiges Zeichen und beweisen, dass wir gemeinsam diese Krise bewältigen können.“ Rund 500 Masken wurden bereits in den vergangenen Tagen von den Landfrauen aus 43 Ortsvereinen aus dem Hohenlohekreis hergestellt. „Täglich melden sich neue Näherinnen“, sagt Tanja Maurer, Mitglied im Vorstand der Kreislandfrauen. „Wir freuen uns, dass viele Tischdecken oder Bettwäsche, aber auch Draht und Stoffe von mehreren Firmen gespendet werden.“ Bis zu 1.500 Masken sollen insgesamt gefertigt werden. Diese werden an Pflegeheime sowie an die Diakonie und an die Organisation „Öhringen Hilft“ verteilt.

Das Landratsamt Hohenlohekreis empfiehlt das Tragen einer einfachen, auch selbstgenähten, Maske in der Öffentlichkeit. Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) können durch eine Mund-Nasen-Bedeckung Tröpfchen, die man selbst beim Husten, Niesen oder Sprechen ausstößt, abgefangen werden. So schützt der Träger sein Umfeld, denn das Risiko, andere Menschen anzustecken, wird durch die Maske verringert. „Trotzdem müssen unbedingt auch weiterhin die bekannten Regeln eingehalten werden“, betont Amtsärztin Dr. Antje Haack-Erdmann. „Am wirksamsten schützen wir uns selbst und andere noch immer, indem wir häufig und gründlich Händewaschen, in den Ellenbogen husten und niesen sowie zu anderen Personen etwa zwei Meter Abstand halten.“

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat unter anderem folgende Empfehlungen für das Tragen eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes veröffentlicht:

  • Vor dem Anlegen der Maske sollten die Hände gründlich gewaschen werden.
  • Wichtig ist, dass die Maske richtig über Mund, Nase und Wangen platziert wird und möglichst eng anliegt.
  • Sobald die Maske durchfeuchtet ist, sollte sie umgehend abgenommen und ggf. ausgetauscht werden.
  • Nach Absetzen der Maske sollten die Hände gründlich gewaschen werden.
  • Masken sollten nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden.

Auch die ersten selbst genähten Schutzmasken aus Niedernhall sind fertig. Foto: privat

Hintergrund:

Die Ausbreitung des Coronavirus hat zu einem Mangel an qualifizierter Schutzausrüstung, insbesondere an FFP2- und FFP3-Schutzmasken, geführt. Diese medizinischen Spezial-Masken sollten daher den Beschäftigten der kritischen Infrastruktur, insbesondere dem medizinischen und pflegerischen Personal, vorbehalten bleiben. Als Schutz für Privatpersonen im öffentlichen Raum, wie z.B. beim Einkaufen, ist ein einfacher Mund-Nasen-Schutz, wie der selbstgenähte der Landfrauen, ausreichend.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises

 




Landratsamt meldet: Rund die Hälfte der laborgesteten Fälle (295) nach 14 Tagen keine Symptome mehr – Entlassung aus häuslicher Isolation – Neth: „Zahl der Erkrankten wird weiterhin ansteigen“

55 % der Coronainfizierten wieder aus der häuslichen Isolation entlassen

Nachdem Anfang März die erste laborbestätigte Coronainfektion im Hohenlohekreis bekannt wurde, steigt nun auch die Zahl derer, die nach der Infektion wieder gesund sind, kontinuierlich an. So sind 295 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, mittlerweile wieder aus der häuslichen Isolation entlassen (Stand 03.04.2020). Das meldet das Landratsamt des Hohenlohekreises in einer Pressemitteilung. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, sagt Landrat Dr. Matthias Neth. „Wir sollten in dieser schwierigen Zeit auch die Zahl der Genesungen sehen“, ergänzt Neth.

Wie wird die Gesundmeldung erhoben?

„Bei einer COVID-19 Erkrankung können wir von einer Krankheitsdauer von 14 Tagen ausgehen. Gemäß den RKI-Richtlinien wird auch im Hohenlohekreis bei den laborbestätigten Personen die häusliche Isolation 14 Tage nach der Probeentnahme aufgehoben, aber auch nur dann, wenn davon die letzten 48 Stunden symptomfrei waren“ erläutert Dr. Antje Haack-Erdmann das Vorgehen. Sollte dies nicht der Fall sein, gilt die häusliche Isolation so lange fort, bis mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit vorliegt. „Wir haben einzelne Fälle, die nach 14 Tagen noch nicht gesund sind. Hier ist es wichtig, dass sich diese Personen beim Hausarzt melden und erneut krankschreiben lassen.“

Inwieweit die Laborfälle automatisch gesund gemeldet werden, wenn die 14 Tage vorbei sind oder ob es einen abschließenden Abstrichtest gibt, ist nicht bekannt.

„Dass die Zahl der Erkrankten auch weiterhin ansteigen wird, darf nicht in Vergessenheit geraten. Wir müssen weiterhin alles daransetzen, die weitere Ausbreitung des Virus so gut wie möglich zu verhindern,“ appelliert der Landrat an die Bevölkerung, sich an die Maßnahmen zu halten.

Eine Veröffentlichung der aktuellen Gesundmeldungen wird laut dem Landratsamt täglich erfolgen. Die Gesundmeldungen fließen aber nicht in die Statistik der Gesamtfallzahl mit ein.

Weitere Informationen gibt es unter www.corona-im-hok.de

 




Corona-Fieberambulanz der niedergelassenen Ärzte am Öhringer Krankenhaus eröffnet

In den Räumlichkeiten des Hohenloher Krankenhauses in Öhringen hat eine Corona-Fieberambulanz den Betrieb aufgenommen. Betrieben wird sie von den niedergelassenen Hausärzten im Kreis mit Unterstützung des Landratsamtes und des Krankenhauses. „In der Fieberambulanz sollen Corona-Patienten behandelt werden können, die ein Hausarzt gesehen hat, bei denen jedoch eine weiterführende Diagnostik notwendig ist, die in der Hausarztpraxis nicht durchgeführt werden kann“, erklärt Dr. Susanne Bublitz, Vorsitzende der Kreisärzteschaft Öhringen. Dabei geht es vor allem um Röntgenbilder der Lunge sowie eine zeitnahe Blutgasanalyse. „Wir haben gesehen, dass wir gerade diese „mittelstarken“ Fälle, also die zwischen den Fällen ohne Alarmzeichen sowie den Fällen, die eine stationäre Behandlung benötigen, auf diesem Weg besser behandeln können“, erklärt Bublitz weiter. Die Behandlung erfolgt im Vollschutz durch die niedergelassenen Ärzte. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises vom 05. April 2020 hervor.

Die Entscheidung, wer in der Corona-Fieberambulanz behandelt wird, trifft ausschließlich der Hausarzt. Daher gelten für die Ambulanz folgende Regeln:

  • Sie ist ausschließlich für Patienten gedacht, die zuvor von ihrem Hausarzt untersucht wurden
  • Nur Patienten mit Termin und Anmeldung ihres Hausarztes können dort behandelt werden
  • Patienten ohne Termin werden an den Hausarzt zurücküberwiesen
  • In der Corona-Ambulanz wird kein Abstrich vorgenommen
  • In der Corona-Ambulanz werden keine Krankmeldungen ausgegeben

Unabhängig von der Einrichtung der Corona-Fieberambulanz werden schwere und leichte Corona-Fälle selbstverständlich wie zuvor weiterbehandelt, also entweder stationär oder ambulant.

„Mit der Fieberambulanz kann noch besser eingeschätzt werden, wer welche Behandlung benötigt“, freut sich Landrat Dr. Matthias Neth. „Das ist ein weiterer Baustein für eine möglichst optimale Behandlung aller Corona-Patienten im Kreis.“ Auch die Hohenloher Krankenhaus gGmbH, die die Räume zur Verfügung gestellt hat, unterstützt die Fieberambulanz: „Die gute Zusammenarbeit und der enge Austausch mit den niedergelassenen Ärzten im Kreis ist uns zum Wohle der Patienten sehr wichtig“, erklärt Dr. Werner Reinosch, ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus.  

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises

 

 

 




Ziehl-Abegg spendet der Kreisverwaltung 70 Gesichtsschutzvisiere aus dem 3D-Drucker

Am Freitag, den 03. April 2020, hat die Firma Ziehl-Abegg 70 Gesichtsschutzvisiere an den Hohenlohekreis übergeben. „Wir bewältigen die Krise gemeinsam und können uns aufeinander verlassen“, freut sich Landrat Dr. Matthias Neth. „Die Kreisverwaltung arbeitet im engen Schulterschluss mit den ansässigen Unternehmen im Kreis.“

Die Masken werden bei Ziehl-Abegg in 3D-Druckern hergestellt. „Die Idee hat eine Arbeitskollegin auf den Weg gebracht“, erklärt der Laborleiter der Firma Ziehl-Abegg, Achim Kärcher. Anschließend wurde gleich ein Testlauf gestartet. „Unsere Mitarbeiter und deren Familien leben hier – da unterstützen wir die Kreisverwaltung natürlich gerade in einer solchen Krise, wo es geht“, sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl. Die 3D-Drucker sollen auch in der kommenden Woche Masken fertigen. Der große Vorteil dieser Masken ist, dass sie Mund, Nase und auch Augen – und damit alle Schleimhäute – schützt. Der Landkreis gibt die Masken an verschiedene Hilfsorganisationen weiter.

Landrat Dr. Matthias Neth (links) gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Firma Ziehl-Abegg Peter Fenkl (Mitte) und Laborleiter Achim Kärcher (rechts) bei der Übergabe der Schutzmasken. Foto: Ziehl-Abegg

„Das Ansteckungsrisiko für die Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen muss minimiert werden“, das ist das Ziel des Künzelsauer Ventilatorenherstellers Ziehl-Abegg und hat daher Gesichtsschilde gedruckt und an Landrat Dr. Matthias Neth überreicht. Schnell und unkompliziert lief auch die Erstellung der Schutzschilde: Der Träger wird gedruckt, die Sichtscheibe ist eine Folie für einen Tageslichtprojektor, ein handelsüblicher Locher stanzt die Öffnungen, und befestigt wird mit Gummibändern. „Einfach aber wirkungsvoll“, freut sich auch Landrat Dr. Matthias Neth. 

Die Bauanleitung hatte laut Ziehl-Abegg eine Mitarbeiterin von Ziehl-Abegg am Mittwochabend, den 01. April 2020, zufällig per WhatsApp erhalten – und schon am Donnerstagvormittag schickte Ziehl-Abegg ein Foto der ersten Gesichtsschilde an den Krisenstab im Landratsamt. Als es von dort sofort grünes Licht gab, liefen beide 3-D-Drucker im Künzelsauer Entwicklungszentrum InVent an, erklärt das Künzelsauer Unternehmen in einer Pressemitteilung.

„Wir drucken seit 2010 in 3-D-Technik“, sagt Achim Kärcher, Laborleiter bei Ziehl-Abegg. Schon im Folgejahr stand der zweite 3-D-Drucker im Entwicklungszentrum. Kostenpunkt für ein Gerät: etwa 100.000 Euro. Die Schichten beim Druck betragen 0,16 Millimeter. „Das nutzen wir normalerweise zum Erstellen von Prototypen, zum Umsetzen von neuen Ideen unserer Ingenieure“, erklärt Kärcher. Ziehl-Abegg ist Technologieführer beim bionischen Design von Ventilatoren; „daher müssen wir schnell und unkompliziert neue Formen ausprobieren können“, ergänzt der Laborleiter.

„Wir sind froh, wenn wir auf diesem Weg Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen helfen können“, sagt Firmenchef Fenkl. Dabei gehört der Medizinbereich auch zum normalen Geschäftsfeld: Ziehl-Abegg baut seit Jahren große Ventilatoren sowohl für Operationssäle als auch für Quarantäne-Stationen. Das Unternehmen hat für chinesische Krankenhäuser in Wuhan, Shandong und Shenzhen, die dort binnen weniger Tage aufgebaut worden sind, spezielle Ventilatoren geliefert. Auch in Italien und anderen Ländern hat das deutsche Unternehmen das Kernequipment für Unter- beziehungsweise Überdruck in Kliniken hergestellt. Und produziert auch aktuell solche Ventilatoren in Hohenlohe und weltweit noch immer unter Hochdruck.

3-D-Druck-Gesichtsschilde von Ziehl-Abegg. Foto: Ziehl-Abegg

Über Ziehl-Abegg

Ziehl-Abegg (Künzelsau, Baden-Württemberg, Deutschland) gehört zu den laut eigenen Angaben international führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel und Antriebstechnik. Beispiele für Einsatzgebiete der Produkte sind Wärme- und Kälteanlagen oder Reinraum- und Agraranlagen. Ziehl-Abegg hat schon in den fünfziger Jahren die Basis für moderne Ventilatorenantriebe gesetzt: Außenläufermotoren, die auch noch heute weltweit Stand der Technik sind. Ein weiterer Bereich sind elektrische Motoren, die beispielsweise in Aufzügen, medizinischen Anwendungen (Computertomographen) oder Tiefsee-Unterwasserfahrzeugen für Antrieb sorgen. Das Thema Elektromobilität im Straßenverkehr wurde 2012 bei Ziehl-Abegg Automotive angesiedelt.

Das Unternehmen (alle Angaben sind bezogen auf das Jahr 2019) beschäftigt laut eigenen Angaben 2.400 Mitarbeiter in süddeutschen Produktionswerken. Weltweit arbeiten für das Unternehmen 4.300 Mitarbeiter. Diese verteilen sich global auf 16 Produktionswerke, 29 Gesellschaften und 113 Vertriebsstandorte. Die rund 30.000 Artikel werden in mehr als 100 Ländern verkauft. Der Umsatz liegt bei 633 Mio. Euro. Dreiviertel der Umsätze werden im Export erzielt.

Emil Ziehl hat die Firma 1910 in Berlin als Hersteller von Elektromotoren gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Süddeutschland verlegt. Die Ziehl-Abegg SE ist nicht börsennotiert und befindet sich in Familienbesitz.

Weitere Informationen auf http://www.ziehl-abegg.de

Quelle: Pressemitteilungen von Ziehl-Abegg und vom Landratsamt des Hohenlohekreises

Die Idee der Gesichtsschilde bekam eine Mitarbeiterin via WhatsApp. Foto: Ziehl-Abegg

 




„Heute sind wir Helden“ – und morgen? Die bewegenden Worte einer Krankenschwester aus Kupferzell

Wir haben vor einigen Tagen ein kleines Schreiben erhalten von einer Krankenschwester aus Kupferzell. Diese Zeilen haben uns zutiefst bewegt. Daher veröffentlichen wir sie mit dem Einverständnis der Urheberin an dieser Stelle ungekürzt:

Liebes Team des GSCHWÄTZ,

eine Kollegin schickte mir dieses Bild:

Es beschäftigt mich sehr. Heute sind wir die Helden, gehören zu den wichtigen Berufsgruppen, die auch dann zur Arbeit gehen, wenn sie mit später positiv getesteten Patienten Kontakt hatten und erst dann zu Hause bleiben dürfen, denn sie Krankheitszeichen haben. Die Schutzkleidung ist knapp und muss gut eingeteilt werden. Wir setzen unsere Gesundheit aufs Spiel, halten auch Abstand zu unseren nächsten Angehörigen, weil wir Angst haben, sie zu infizieren. Und wenn Corona besiegt ist? Dann sind wir wieder der größte Kostenfaktor im Krankenhausbetrieb.“

Liebe Grüße Franziska Walenski, Kupferzell