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Professor: Pandemieeindämmung nur durch „Fortführung oder sogar eine Verschärfung der Restriktionen für ein bis zwei Monate“ möglich

Nach dem Max-Planck-Institut und der Leopoldina hat in der letzten Woche auch das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) eine Forschungsarbeit zur weiteren Entwicklung der Corona-Epidemie vorgelegt: https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete/es-ist-zu-frueh-restriktionen-zu-lockern/

Im Gegensatz zu den beiden anderen Institutionen, die sich vornehmlich auf die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Infiziertenzahlen beziehen und damit durch die bekannten Erfassungsungenauigkeiten (GSCHWÄTZ berichtete) die zukünftige Entwicklung eher unterschätzen, hat das HZI in seinen Prognosen zwei andere Datensätze berücksichtigt:
Zum einen die von den Krankenhäusern selbst gemeldete Belegung der Intensivbetten, zum anderen die Reproduktionszahl, das ist grob gesprochen die Anzahl der Personen, die ein Infizierter während seiner Krankheitsphase selber ansteckt.

Jede Entscheidung kann nun drei Szenarien auslösen

Die Analyse des HZI hat ergeben, daß die Reproduktionszahl in den letzten Wochen durch die angeordneten Maßnahmen kontinuierlich gesunken ist und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei etwa bei eins lag, das heißt, jeder Infizierte steckt eine weitere Person an. Zu Beginn der Pandemie ging man von drei bis vier Ansteckungen pro Infiziertem aus. Die Anzahl der Infizierten bleibt also im Wesentlichen konstant, das Gesundheitssystem kann die schweren Fälle weiterhin behandeln, ohne zusammenzubrechen. Seit der Veröffentlichung gibt es Hinweise darauf, daß die Reproduktionszahl nochmals leicht gesunken ist.

Das HZI sagt sehr deutlich, dass wir bei dieser Epidemie nicht nur jetzt , sondern bei jeder neuen Entscheidung am Scheidepunkt stehen, von wo aus es drei Szenarien gibt:

(A) Unkontrollierte Epidemie mit einer erheblicher Anzahl von Todesfällen und einem überlasteten Gesundheitssystem

(B) Langfristig andauernde Infektionen, die aber mit dem Gesundheitssystem bewältigt werden können

(C) Weitgehende Eindämmung der Epidemie

 „Eine Freigabe würde eine humanitäre Katastrophe bedeuten“

Würden wir jetzt radikal die Einschränkungen lockern, wie es von einigen sogar gefordert wird, kämen wir sehr schnell dazu, dass das Gesundheitssystem völlig überlastet wäre, warnt das HZI: „Stiege die zeitabhängige Reproduktionszahl des Virus wieder auf ihren Wert von vor einer Woche oder vor zehn Tagen, läge die Zahl der Intensivpatienten innerhalb weniger Monate in den Hunderttausenden und das Gesundheitssystem wäre komplett überfordert.“ Die Folgerung ist: „Eine Freigabe würde eine humanitäre Katastrophe bedeuten“

Keine Immunisierung der Bevölkerung zu erreichen

Bei einer Reproduktionszahl von ungefähr eins, wie sie durch die Maßnahmen inzwischen erreicht ist, „wären deutschlandweit auf ein ganzes Jahr dauerhaft Intensivbetten in der Größenordnung von zehntausend mit COVID-19-Patienten belegt. Laut Meyer-Hermann könne das Gesundheitssystem diese Situation gerade so verkraften, bei dieser Rate wäre jedoch nach einem Jahr nur etwa ein Prozent der Bevölkerung mit SARS-CoV-2 infiziert worden.“, so das HZI.

Professor Meyer-Hermann sagt es deutlich: „Eine Immunisierung der gesamten Bevölkerung ist unter Einhaltung der Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht zu erreichen“.
Er denkt sogar über verschärfte Restriktionen nach, um eine weitere deutliche Reduzierung der Reproduktionszahl zu erreichen: „Je weiter wir die Reproduktionszahl absenken können, desto schneller ist die Notsituation vorbei, was vielleicht sogar für strengere Maßnahmen spricht“. Dafür wäre aber laut Meyer-Hermann die Fortführung oder sogar eine Verschärfung der Restriktionen für weitere ein bis zwei Monate notwendig.

Das sind klare Worte eines Forschers, der sich unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten äußern kann.
Nach dieser Zeit wäre möglicherweise Szenario C erreicht. Damit wäre das Virus zwar nicht verschwunden, könnte aber mit klassischen Methoden verfolgt und eingedämmt werden. Die Kapazitäten und Methoden der Gesundheitsämter zur Nachverfolgung von Infektionsketten könnten bei einer Reproduktionszahl von 0,2 möglicherweise wieder ausreichen.

// Das Virus ist den Messmethoden stets zwei Wochen voraus //

Letzte Woche haben sich die Verantwortlichen aus wirtschaftlich-politischen Aspekten bewusst für das Szenario B entschieden, und das nicht einmal bundeseinheitlich: In jedem Bundsland gelten andere Bestimmungen. Die Strategie ist, den Reproduktionsfaktor bei eins oder knapp darunter zu halten bei gleichzeitiger schrittweiser Lockerung der Maßnahmen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Bleibt diese Entscheidung so bestehen und gelingt es , den Faktor bei eins zu halten, werden wir laut der Analyse des HZI dauerhaft, zumindest bis zur Entwicklung eines Impfstoffs für Gesunde oder der Einführung eines wirksamen Medikaments für Infizierte, um die 10.000 Intensivpatienten versorgen müssen.

Das Monitoring des Reproduktionsfaktors ist schwierig, da der Virus den Beobachtern stets 10 bis 14 Tage voraus ist. Das bedeutet, dass die Reproduktionszahl schnell und unbemerkt steigen könnte und wir wieder am Anfang stehen. So sieht es auch Prof. Meyer-Hermann, der bei Anne Will auf den schmalen Grat hinweist, auf dem wir uns mit der politischen Entscheidung bewegen: „“Die Kanzlerin hat es explizit gesagt: Der Spielraum ist extrem klein. Das waren ihre Worte und damit hat sie verdammt nochmal Recht. (…) Wir können nicht sagen, wir probieren mal alles aus, sondern müssen jeden Schritt genau gucken. Und der dauert zwei Wochen, bis man weiß, ob es ein Problem gibt oder nicht.“

Text: Matthias Lauterer

Mehr Informationen:

https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete/es-ist-zu-frueh-restriktionen-zu-lockern/

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.04.20053637v1.full.pdf+html

 

Professor Meyer-Hermann war kürzlich zu Gast bei Anne Will. Quelle: Screenshot




„Leider muss man sagen…“ – Klinikpersonal muss Einwegmaterialien mehrfach benutzen & sich selbst Schutzausrüstung besorgen, derweil explodieren die Preise für Schutzmasken

In Bayern soll es ab dem 27. April 2020 eine Maskenpflicht geben. https://scontent-muc2-1.xx.fbcdn.net/v/t1.15752-0/p480x480/93840246_276336166864989_8783167038957813760_n.png?_nc_cat=103&_nc_sid=b96e70&_nc_ohc=9wLGQi096K8AX_TgNSd&_nc_ht=scontent-muc2-1.xx&oh=e82e1a6ecbb5d5041ccb698a75ee5fe0&oe=5EC27107

Demnach rüstet der Freistaat als östlicher Nachbar Baden-Württembergs mit Atemschutzmasken für die Bevölkerung auf. Die Nachfrage steigt und das Angebot der Schutzausrüstung geht weiter zurück, da die Hersteller nicht mit der Produktion hinterherhinken. Bestellt man derzeit bei Trigema eine Atemschutzmaske, beträgt die Lieferzeit aktuell Mai 2020. Das dürfte nicht besser werden, sollte es auch in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg zu einer Maskenpflicht kommen.

Schon jetzt haben Altenheime, Bestattungsunternehmen und Klinikpersonal im Hohenlohekreis zu wenig Schutzausrüstung (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/15/verstorbene-hochinfektioes-nur-noch-1-friedhofsblaeser-erlaubt-kuenzelsauer-bestatter-berichten/ . Hier fehlen unter anderem hochwertige Schutzmasken, die bei einem ständigen Umgang mit Covid-Patienten dringend geboten wären. So reicht laut Experten eine normale klinische Schutzmaske nicht aus, sondern es sollten FFp2-/FFP-3-Masken, wenn nicht sogar Komplettvisiere oder ein Komplettkopfschutz getragen werden, um eine Covid-19-Ansteckung bestmöglich zu verhindern (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/14/taucherhelm-aus-stoff-hohenlohe-ingenieursteam-entwickelt-mit-hiesigen-firmen-schutzausruestung-fuer-medizinisches-personal-und-pflege-gewoehnliche-masken-nicht-ausreichend/). Firmen wie Berner und Ziehl-Abegg spenden Schutzausstattung und dennoch reicht es nicht für jeden, der sie bräuchte im Gesundheitswesen.

Eine Mitarbeiterin einer hiesigen Klinik berichtet gegenüber GSCHWÄTZ, dass Einwegmaterialien wegen eines Mangels teilweise mehrfach verwendet werden und Schutzausrüstung von den Mitarbeitern selbst organisiert werden müsse (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/19/sehr-viele-patienten-kommen-aus-dem-krankenhaus-in-oehringen-klinik-mitarbeiterin-ueber-corona-alltag-auf-der-intensivstation/ )

Brigitta H: „Leider muss man auch hier sagen, dass wir uns da zum größten Teil selbst organisiert haben, um Schutzausrüstung zu bekommen. Eine Kollegin hat durch ihren Ehemann Kontakte zu einer Firma in Düsseldorf. Sie ist dann persönlich dort hingefahren, um die Schutzausrüstung abzuholen. Das war nur durch diesen Kontakt möglich. Von den Fachkräften für Hygiene gibt es die Order, dass wir Materialien, die eigentlich zum einmaligen Gebrauch gedacht sind, mehrfach verwenden müssen. Dazu gehören auch die FFP-2-Masken, die man zum Schutz über Nase und Mund trägt. Würden wir das nicht tun, hätten wir wahrscheinlich schon lange keine Schutzkleidung mehr.

Exorbitanter Maskenverschliss – Ärzte wenden Backofenmethode an

Niedernhalls Stadtverwaltung hat bereits vor geraumer Zeit seine Bürger dazu aufgerufen, 4.000 Schutzmasken zu nähen https://www.gschwaetz.de/2020/04/07/landratsamt-empfiehlt-mund-nasen-schutz-in-der-oeffentlichkeit-landfrauen-naehen-1-500-schutzmasken-fuer-pflegeheime-auch-niedernhaller-haben-ihre-ersten-schutzmasken-fertig/, wobei die selbst genähten Schutzmasken laut Experten nicht so gut schützen wie klinische Masken. Dennoch: Wenn jeder eine Maske trägt ist der Schutz besser als gar nichts. Der Vorteil gegenüber den klinischen Einwegmasken: Selbst genähte Masken kann man waschen und mehrfach verwenden. Die FFP2/FFP3-Masken kann man ebenfalls mehrfach verwenden, da man diese einfach in den Backofen zur Virenabtötung stecken kann. Auch hiesige Ärzte wenden diese Backenofenvirenabtötigung bei ihrer Maske derzeit an, um nicht einen exorbitanten Maskenverschleiss zu haben.

Preise mal kurz verzehnfacht

Will man sich als Privatmensch noch Masken sichern, sollte man schnell sein, denn die Preise steigen derzeit drastisch. Gab es vergangene Woche bei ebay noch 100 klinische Masken für rund 10 Euro, so kostet der gleiche Pack nun zwischen 100 und 150 Euro. Die Preise haben sich damit teilweise mehr als verzehnfacht. Die hochwertigeren FFP2-/FFP3-Masken gibt es ebenfalls noch, aber hier muss man mit Preisen für 30 Euro pro Maske rechnen. Auch bei Amazon findet man noch Masken.

Screenshot Verkauf Atemschutzmaske in ebay am 18. April 2020.

 

 




„Völlig unrealistisch“ – Können Autohersteller Beatmungsgeräte bauen? – Experte der Hochschule Heilbronn spricht Klartext

Die Hochschule Heilbronn hat angesichts der Coronapendemie ein Interview mit Patrick Balve, Professor für Logistikplanung und Organisation im Studiengang Produktion und Prozessmanagement (PPM) an der Hochschule Heilbronn (HHN), über die Herstellung von Beatmungsgeräten geführt.

HHN: Professor Balve, dass statt dem Pkw nun das Beatmungsgerät am Fließband gebaut wird, ist das denkbar?

Balve: Die Idee, dass jetzt Automobilhersteller binnen weniger Tage von der Montage eines Pkw auf Beatmungsgeräte umstellen könnten, ist völlig unrealistisch. Von der Geometrie und Größe sowie vom Fertigungsprinzip her, haben solche Geräte nichts mit Pkw zu tun. Möchte man einen Montagebereich auf ein grundlegend neues Erzeugnis umstellen, so gehen locker mehrere Monate ins Land. Und dann muss natürlich auch ein hohes, der Medizintechnik angemessenes Qualitätsniveau sichergestellt werden. Das braucht genauso viel Erfahrung wie bei der Herstellung eines Pkw – und damit Zeit. Sicherlich sinnvoll ist das Angebot der Automobilhersteller, oder auch der Zulieferindustrie, qualifiziertes Personal bereit zu stellen.

„Man braucht Vorlaufzeit, um die Montage und angrenzende Bereiche neu auszurichten.“

HHN: Sie lehren im Studiengang Produktion und Prozessmanagement – sind also ein wahrer Fachmann, wenn es ums Thema Produzieren geht. Warum können etablierte Hersteller solcher Geräte nicht einfach mehr herstellen?

Balve: Selbst führende Unternehmen mit einer beherrschten und eingeschwungenen Fertigung von Beatmungsgeräten können ihre Fertigungskapazität nicht ohne weiteres verdoppeln oder gar verdreifachen. Kurzfristig ginge das natürlich mit der Stammmannschaft durch Einführen zusätzlicher Schichten unter Ausnutzung der jeweiligen Arbeitszeitregelungen. Nicht jede Fertigungsstruktur ist aber geeignet, gleichzeitig auch höhere Stückzahlen zu verkraften. Damit wären wir wieder bei dem Problem, dass man Vorlaufzeit braucht, um die Montage und angrenzende Bereiche neu auszurichten. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass wir ganze Zulieferketten auf die dann sprunghaft angestiegenen Bedarfe an Rohmaterialien, Teile und Vorkomponenten anpassen müssten. Als Ausweg könnte man zwar die Fertigung von Teilen im 3-D-Druck-Verfahren sehen – und auch dazu gibt es ja in der Region entsprechende Hilfsangebote – aber das betrifft nur ausgewählte Teile eines durchaus komplexen Beatmungsgeräts.

„Ganz ohne Nähmaschine, Betriebsmittel und entsprechende Textilien wird es nicht gehen.“

HHN: Stichwort Schutzausrüstung. Käme hier eine Produktion in Frage?

Balve: Was Firmen der Region anbieten, ist ja zunächst einmal die Bereitstellung von Atemschutz und Schutzkleidung. Beides wird aufgrund der häufig runtergefahrenen Produktion in den entsprechenden Betriebsbereichen vorübergehend nicht benötigt. Hier wird man aber nur die Mengen zu Verfügung stellen, die man in Übermaß auf Lager hat ohne dabei seine Möglichkeiten einzuschränken, in ein paar Wochen die Produktion wieder hochfahren zu können. Was die echte Herstellung von Filtermasken und Schutzkleidungen anbetrifft, da bin ich sicherlich kein Experte für, aber ganz ohne Nähmaschine, Betriebsmittel und entsprechende Textilien und Fasermaterialien wird es wohl nicht gehen, womit wir leider wieder bei der Beschaffungsproblematik wären.

Mit rund 8.400 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr stark vernetzt.

Quelle: Das Interview wurde von der Pressestelle der Hochschule Heilbronn zur Verfügung gestellt.

Patrick Balve ist Professor für Logistikplanung und Organisation im Studiengang Produktion und Prozessmanagement (PPM) an der Hochschule Heilbronn (HHN). Foto HHN

 




Ab sofort 1,99 Euro monatlich für GSCHWÄTZ – Warum?

Kennen Sie den Witz: Sagt der eine zum anderen: „Kann jeder Journalist werden?“ Antwort der andere: „Klar. Und mit diesem schönen Messerset kann auch jeder Chirurg werden.“

So einfach ist es eben dann doch nicht. Journalismus ist nicht einfach nur irgendetwas bloggen. Journalismus ist in erster Linie Handwerk. Dazu gehört zunächst die Recherche. Beim Lokaljournalismus, so wir wir ihn uns für den Hohenlohekreis auf die Fahnen geschrieben haben, sollten gute Journalisten nah am Volk sein, rausgehen, mit den Bürgern sprechen, wissen, was die Menschen bewegt, was vor Ort geschieht. Interviews mit Betroffenen jedweder Couleur führen und am Ende aus den gewonnen Eindrücken einen unabhängigen Artikel schreiben, analysieren, kommentieren anhand von Fakten – nicht durch Anzeigen verzahnt mit der Politik und/oder Wirtschaft, über die sie schreiben.

Als wir 2016 GSCHWÄTZ ins Leben gerufen haben, war dies unser Anspruch und ist es bis heute geblieben. Wir haben deshalb auf Werbepartnerschaften mit Google, lokalen Firmen und stattlichen Institutionen verzichtet. Auf unserer Internetseitseite poppen nicht unzählige Werbeanzeigen auf, wodurch man beim Lesen manchmal gar nicht mehr weiß, wo der Artikel weitergeht. Auf unserer Internetseite gibt es Lokaljournalismus pur, von hier. Unabhängig, kritisch. Alles unter der großen Frage: Was bedeutet das für mein Ländle? Wir sind da. Wir sind vor Ort. Und wir schreiben im Interesse der Menschen, die hier leben, stets auf der Suche nach der Wahrheit.

Entscheiden Sie selbst, ob Sie den Lokaljournalismus vor Ort mit 1,99 Euro monatlich unterstützen möchten, damit er auch weiterhin stark bleibt.

Wir sagen schon mal DANKE.

Ihr GSCHWÄTZ-Redaktionsteam




Bewohner dürfen ihre Zimmer wieder verlassen – Quarantänemaßnahmen in zwei Pflegeheimen aufgehoben – Nur noch 8 Pflegeheime in Quarantäne

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat die angeordneten Quarantänemaßnahmen für zwei Pflegeheime im Landkreis wieder aufgehoben, da keine Bewohner und auch keine Mitarbeiter getestet geworden oder Symptome entwickelt haben, die auf eine Erkrankung mit SARS-COV-2 hinweisen. Damit dürfen sich die Bewohner innerhalb des Heimes wieder frei bewegen. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Auch die Mitarbeiter des Heims müssen sich zuhause nicht mehr isolieren. Die für alle Heime grundsätzlich geltenden Besuchsbeschränkungen sowie verschärfte Hygienemaßnahmen bleiben bestehen.

Insgesamt stehen im Hohenlohekreis nun noch acht Pflegeheime unter Quarantäne, weil das Coronavirus entweder bei einem Bewohner oder einem Mitarbeiter nachgewiesen wurde.

Die Nennung der Häuser obliegt den jeweiligen Betreibern.

 




Corona: Was sich ab morgen in Künzelsau ändert & welche Veranstaltungen bis Juli abgesagt werden

Der Bund und die Länder haben am über das weitere Vorgehen in der Coronakrise entschieden. Es wurde beschlossen, dass die bisher geltenden Kontaktverbote zunächst bis zum 04. Mai 2020 fortgeführt werden. Es dürfen sich somit an öffentlichen Plätzen maximal zwei Personen mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern aufhalten (ausgenommen sind Familien). Die weiteren Entscheidungen wirken sich folgendermaßen auf Künzelsau aus (anbei veröffentlichen wir eine aktuelle Pressemitteilung der Stadt Künzelsau):

Notfallbetreuung für Eltern in systemrelevanten Berufen

Die Kindertageseinrichtungen und Schulen in Künzelsau bleiben weiterhin geschlossen. Es wird jedoch auch nach den Osterferien eine Notfallbetreuung für die Kinder angeboten, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Über diese, bereits seit einigen Wochen geltende Regelung hinaus, hat die Bundesregierung beschlossen, die Notfallbetreuung für weitere Kinder zu öffnen. Schüler der siebten Klasse werden in die Notfallbetreuung mit einbezogen. Darüber hinaus sollen auch Eltern, die aufgrund ihres Berufes einen bestätigten Bedarf haben, diese in Anspruch nehmen dürfen. Sobald hier eine Konkretisierung der Bundes- bzw. Landesregierung dahingehend erfolgt ist, welche Familien unter diese Erweiterung fallen, wird das örtliche Angebot in den Kindertageseinrichtungen und Schulen, sofern möglich, entsprechend ergänzt. Meldungen bei Bedarf bitte an das Sekretariat der Georg-Wagner-Schule Künzelsau, E-Mail mailto:info@gewas-kuenzelsau.de oder Telefon 07940 / 98750-0. Welche Bereiche zur kritischen Infrastruktur zählen, ist unter https://km-bw.de/,Lde/Startseite/Ablage+Einzelseiten+gemischte+Themen/FAQS+Schulschliessungen zu finden.

Die Eltern werden über facebook, die städtische und die schulischen Webseiten sowie die Kita-App auf dem Laufenden gehalten.

Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen ab 20. April 2020 wieder öffnen

Ab Montag, den 20. April 2020, dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern unter Einhaltung der Hygienevorgaben wieder öffnen. Weitere Informationen sind unter https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/infektionsschutz-hygiene/informationen-zu-coronavirus/corona-verordnung-des-landes-baden-wuerttemberg/ zu finden.

Die Mischsortimentsregelung findet hier keine Anwendung. Autohändler, Fahrradhändler, Buchhandlungen, Wein- und Spirituosenhandlungen, Bibliotheken und Archive dürfen unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche unter Einhaltung der Hygieneauflagen ab 20. April 2020 wieder öffnen. Auch der Außer-Haus-Verkauf von Gaststätten, Cafés und Eisdielen ist möglich.

Die Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe bleiben weiterhin geschlossen. Die Möglichkeit, Waren und Speisen auch bequem von zu Hause aus zu bestellen besteht weiterhin. Auch der Künzelsauer Lieferservice kann weiterhin genutzt werden. Weitere Informationen unter http://www.kuenzelsau.de/kaufdaheim.

Absage von städtischen Veranstaltungen bis Juni

Bis einschließlich 15. Juni 2020 sind aufgrund des Coronavirus alle städtischen Veranstaltungen abgesagt. „Um die Ausbreitung des Coronavirus weiter zu verlangsamen und das Ansteckungs-Risiko zu minimieren, werden alle weiteren städtischen Veranstaltungen bis 15. Juni 2020 abgesagt“, erklärt Bürgermeister Stefan Neumann. Darüber hinaus werden der Krämermarkt am 24. Juni 2020 und das Jubiläumskonzert „50 Jahre Jugendmusikschule Künzelsau“ im Burggraben Schloss Stetten am 4. Juli 2020 vorsorglich abgesagt.

Folgende Veranstaltungen sind abgesagt:

  • Kindertheater „Cyrano“ am 05. Mai 2020
  • KÜNightLive mit „Gravity“ am 06. Mai 2020
  • Gesundheitsvortrag „Koronare Herzkrankheit – Untersuchung und Behandlung“ am 07. Mai 2020
  • Konzert der Jugendmusikschule Künzelsau und Marcali am 8. Mai 2020 und der damit verbundene Marcali-Austausch
  • Künzelsauer Abend am 13. Mai 2020
  • „1. Künzelsauer Anbaden – Wir starten aktiv und mit Genuss in den Sommer“ am 16. Mai 2020
  • Akademie für gesprochenes Wort „Zur Sprache gebracht“ am 14. Mai 2020
  • Theaterabend „Faust l – Reloaded“ am 28. Mai 2020
  • KÜNightLive mit „Little Miss Martin“ am 3. Juni 2020
  • Vortrag „Zurück zum Mond! Die Orion- Antriebs- und Versorgungseinheit ESM“ am 15. Mai 2020
  • Vortrag „Aktuelle Herausforderungen – Die Mission Maurer und die Ministerkonferenz“ am 12. Juni 2020

Bereits erworbene Karten können zurückerstattet oder im Fall der KÜNightLive auf einen anderen KÜNightLive-Termin umgebucht werden. Kontakt: Stadtverwaltung Künzelsau, Stuttgarter Straße 7, 74653 Künzelsau, Kultur- und Marketingbüro Renate Kilb, Telefon 07940 129-121, E-Mail renate.kilb@kuenzelsau.de.

Die Stadtbücherei ist ab Dienstag, den 21. April 2020, wieder regulär geöffnet

Folgende städtische Einrichtungen bleiben bis auf Weiteres geschlossen:

  • Stadtmuseum
  • Weltraumausstellung
  • das Hallenbad TOLLKün
  • das Jugendzentrum und Jugendblockhaus
  • die Jugendmusikschule
  • die Volkshochschule

 




Polizei soll Bäckereien an Ostersonntag geschlossen haben

Bäckereien durften trotz der Coronapandemie bislang geöffnet bleiben – auch an den Osterfeiertagen. Rund eine Woche vor Ostern änderte die baden-württembergische Landesregierung nach heftiger Kritik  – unter anderem von der  Gewerkschaft Verdi Baden-Württemberg und dem Deutschen Gewerkschaftsbund – ihre Pläne und änderte die Landesverordnung dementsprechen. An Karfreitag und Ostersonntag sollten die Bäckereien geschlossen bleiben, lediglich am Ostermontag durften sie öffnen und ihre Waren verkaufen.

Doch nicht bei jedem Bäcker im Hohenlohekreis und im Haller Kreis kam diese Änderung an und so gab es Bäckereien, die trotz des neuen Beschlusses am Ostersonntag offen hatten. Daraufhin sei es laut einer Pressemitteilung des Hohenloher Landtagsabgeordneten Anton Baron (AfD) zu Schließungen einzelner Filialen gekommen. Ob darüber hinaus ein Bussgeld verhängt wurde und welche Bäckereien geschlossen worden sind, ist bislang nicht bekannt, soll aber derzeit in einer kleinen Anfrage an den Landtag Baden-Württembergs geklärt werden. Baron hierzu : „Gemeinsam mit meinem Haller Fraktionskollegen Udo Stein erfrage ich daher nun die Einschätzung der Landesregierung zu ihrer eigenen Kommunikation und zu dem Schaden, den diese mutmaßlich für die Betriebe in der Region und landesweit angerichtet hat. Falls ein Fehler eingestanden wird, muss dies auch eine Übernahme der dadurch verursachten Mehrkosten bedeuten.“

Unter anderem geht es in der kleinen Anfrage auch darum, wie viele Lebensmittel durch die Schließung vernichtet werden mussten.

GSCHWÄTZ hat die Polizeidirektion Heilbronn gefragt, welche Bäckereien im Hohenlohekreis am Ostersonntag von der Polizei geschlossen wurden. Laut der Polizeidirektion Heilbronn wurden zwei Bäckereien im Hohenlohekreis geschlossen. Die Verhängung von Bußgeldern ist laut der Polizei Sache des Landratsamtes. Eine Antwort des Landratsamtes, ob hier Bußgelder verhängt wurden, steht noch aus.

Bäckerei. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Derzeit Mundschutz völlig überteuert – Selbstlose Hilfe in Krautheim – Näherinnen gesucht

„Es ist eine Unverschämtheit von Händlern, die mit Angst Geld verdienen wollen“, regt sich Manuel Landwehr auf. Er betreibt in Krautheim die Firma Landwehr 3D und fertigt seit rund fünf Wochen sozusagen im Stillen sogenannte Face-Shields an. Die verteilt er dann an Ärzte, Krankenhäuser und andere Einrichtungen, die so etwas benötigen – ehrenamtlich. Erst als er an einer Tankstelle sieht, dass der Betreiber einen Mundschutz für 3,99 Euro pro Stück oder 6,99 Euro für zwei Stück verkauft, beschließt er, sein Engagement öffentlich zu machen. Denn der Einkaufspreis für ein solches Produkt liege hier bei unter drei Euro für 50 Stück.

„70 bis 100 Face-Shields stellen wir pro Tag her“

Landwehr druckt die Halterungen der Face-Shields mit seinen 3D-Druckern. Die Folie, die dann noch angebracht werden muss, kauft er zu. „Das ist mittlerweile auch nicht mehr so einfach“, sagt Marco Sturm, einer der Mitstreiter Landwehrs. „Es gibt kaum noch Folie, außerdem haben sich die Preise verdoppelt und verdreifacht.“ Tag und Nacht laufen nun die sieben Drucker im Keller von Landwehrs Haus, 45 Minuten bis zu einer Stunde dauert es, dann spuckt eine der Maschinen eine fertige Halterung aus Plastik aus. „70 bis 100 Stück können wir so pro Tag herstellen“, erklärt der Krautheimer. Herkömmliche Face-Shields sind noch zusätzlich mit Gummi unterlegt, doch darauf verzichtet er: „Ohne Gummi kann man die Face-Shields desinfizieren und so mehrmals verwenden“.

Gesucht werden Menschen, die nähen können

Vor kurzem gründete der 46-Jährige die Facebookgruppe „Hohenlohe vs. Corona“. Er sucht so vor allem Menschen, die nähen können, mit dem Ziel, zusätzlich Nase-Mund-Abdeckungen für bedürftige Menschen anzubieten – ebenfalls kostenlos. Mundschutz dürfe man dazu nicht sagen, weil die medizinisch keinerlei Schutz bieten würden, aber eine Tröpfcheninfektion abhielten. „Ich brauche vor allem Unterstützung von Menschen, die bereit sind zu nähen oder Nachbarschaftshilfe anbieten wollen“, sagt der zweifache Vater. Jede Hilfe sei willkommen. Ebenso versucht er, so in Kontakt zu kommen mit Menschen, die diese Art von Hilfe brauchen.

Stoffe aus Baumwolle

Zehn Mitstreiter hat Landwehr mittlerweile gefunden, darunter ein Näher. Der sitzt in Sinsheim und schickt seine fertigen Masken per Paketdienst nach Krautheim. „Der hat auch den Stoff gespendet“, sagt Landwehr. Der Stoff müsse zu 90 Grad waschbar und sollte deshalb am besten aus Baumwolle sein.

Ein Anschreiben soll auf das Angebot aufmerksam machen

Ein großes Problem sei, Kontakt zu den Abnehmern zu bekommen. Viele Einrichtungen und auch ältere Menschen seien nicht in den Sozialen Netzwerken präsent, bekommen so gar nichts mit von Landwehrs Angebot. „Also telefonieren wir die sozialen Ämter ab, suchen uns die Nummern von Arztpraxen aus dem Telefonbuch und rufen dort an“, sagt Landwehr. Zuerst seien die Reaktionen zurückhaltend gewesen – viele hätten Angst vor Abmahnungen. „Mittlerweile gibt es nur positive Reaktionen“, so der gelernte ITler. Zurzeit planen er und Sturm ein Anschreiben, das sie in den Arztpraxen hinterlegen können, um so auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. „Die Mitarbeiter in den Praxen arbeiten bis zum Anschlag und haben keine fünf Minuten, um uns zuzuhören“, erklärt er. „Ein Schreiben könnten sie in Ruhe lesen und sich dann melden, falls sie etwas brauchen.“

„In der Summe kommt da schon einiges zusammen.“

Inzwischen wurden über 3.000 Face-Shields und über 1.000 Savegrabber – gedruckte Teile, um Türklingen oder Lichtschalter nicht anfassen zu müssen – verteilt. Sie gingen unter anderem an diese Bad Mergentheimer Einrichtungen: die Hausarztpraxis Dres. Köber-Zahn-Knödler, die Lungenfacharztpraxis Dres. Heller-Schöne sowie das Caritas Krankenhaus. „Rund 1,30 Euro kostet die Herstellung eines Face-Shields“, sagt er. „Das ist pro Stück nicht viel, in der Summe kommt da aber schon einiges zusammen.“ Momentan finanziert Landwehr das Ganze aus seiner privaten Tasche und aus Spenden. „Erst vor kurzem hat uns ein Privatmann eine größere Summe gespendet“, erzählt er. Rund 40 Stunden pro Woche wendet er für sein Projekt auf – nebenbei fertigt er im Hauptberuf noch 3D-Drucker sowie Zubehörteile dafür. Aber er und seine Frau seien schon immer sozial engagiert gewesen.

Nachbarschaftshilfe soll auch nach Corona weitergehen

„Wir suchen noch ganz viele Menschen, die nähen können“, sagt Landwehr. Ebenso möchte er die Nachbarschaftshilfe ausbauen, um so bedürftigen Menschen die Möglichkeit zu geben, Hilfe zu bekommen – beim Einkaufen, Hund rausbringen oder sonstiges. „Das soll auch nach Corona bestehen bleiben“, plant der umtriebige Mann. Willkommen sind ihm aber auch Spenden von Firmen in Form von Stoff oder Gummibändern. Und wer will, kann sich mit einer Geldspende finanziell beteiligen. Ein Spendenkonto wird zurzeit eingerichtet.

Kontakt

Kontaktmöglichkeiten zu „Hohenlohe vs. Corona“ gibt es über Facebook unter www.facebook.com/groups/569095053960389/, auf der Homepage http://www.hohenlohe-hilft.de, per E-Mail info@hohenlohe-hilft.de, unter Telefon 06294/222 00 26 (auch Anrufbeantworter) oder per Fax 06294/222 00 27.

 

Die Halterungen der Face-Shields werden am 3D-Drucker gedruckt. Foto: GSCHWÄTZ

 

Die sieben 3D-Drucker arbeiten Tag und Nacht. Foto: GSCHWÄTZ




Berner spendet Schutzausrüstung im Wert von 10.000 Euro an Hohenloher Kreisverwaltung – „Persönliche Schutzausrüstung derzeit Mangelware“

Berner Deutschland ist der Bitte der Hohenloher Kreisverwaltung um Spenden von Schutzausrüstung gefolgt. Ware im Wert von 10.000 Euro konnte am Freitag, 17. April, stellvertretend an Landrat Dr. Matthias Neth übergeben werden. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der Albert Berner Deutschland GmbH hervor.

Beschäftigte vor Ansteckung schützen

Kliniken, Arztpraxen, ambulante und stationäre Pflegedienste, Seniorenheime oder Bestatter – sie alle stehen momentan vor der Frage, wie sie ihre Beschäftigten vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus bestmöglich schützen können. Das allein ist schon Herausforderung genug.

Extreme Verknappung

In diesen Tagen kommt jedoch noch eine weitere hinzu: Die persönliche Schutzausrüstung ist seit Wochen Mangelware – auch im Hohenlohekreis.
Dr. Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises, Thomas Philippiak, Vorsitzender der Innovationsregion Hohenlohe, und Dr. Werner Reinosch, Ärztlicher Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, hatten sich deshalb in einem gemeinsamen Brief an Hohenloher Unternehmen gewandt und um Spenden von Schutzkleidung gebeten.

„Es war vor dem Hintergrund der extremen Verknappung gar nicht so einfach, noch ein passendes Paket zu schnüren“, berichtet Joachim Kürten, Geschäftsführer der Albert Berner Deutschland GmbH. Auf dem Markt herrsche ein riesiger Wettbewerb. Der Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung sei größer denn je. „Auch wir verzeichnen seit Wochen eine immer stärkere Nachfrage. Sobald die Regale aufgefüllt sind, sind sie praktisch schon wieder leer“, so Kürten.

Neth: „Langjährige Partnerschaft mit Berner“

Als internationales Handelsunternehmen verfüge die Berner Group über ein breites und gut aufgestelltes Partnernetzwerk. Berner Deutschland, Tochterunternehmen der Berner Group, sei es deshalb gelungen, ein Paket im Wert von 10.000 Euro zu schnüren – bestehend aus Atemschutzmasken, Einweghandschuhen, Schutzanzügen und anderen Produkten der persönlichen Schutzausrüstung.

Am 17. April 2020 wurde die Spende an das Landratsamt des Hohenlohekreises übergeben werden. Landrat Dr. Matthias Neth hat es stellvertretend in Empfang genommen: „Mit Berner verbindet uns eine langjährige und sehr gute Partnerschaft, auf die wir uns auch in Krisenzeiten stets verlassen können. Wir sind extrem dankbar für dieses außerordentliche Engagement unserer Gesellschaft und unserem Landkreis gegenüber. Das ist keinesfalls selbstverständlich.“

„Soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, gehört zur DNA unserer Unternehmensgruppe – b.responsible, lautet einer unseren zentralen Werte“, betont Kürten und ergänzt: „Wir sind in der Region zu Hause. Viele unserer Mitarbeiter kommen aus Hohenlohe. Sie, ihre Familien und Freunde sind nicht nur hier beschäftigt, sondern wohnen und leben hier. Aus diesem Grund war es uns ein großes Anliegen, die Kreisverwaltung bestmöglich zu unterstützen. Gerade in schwierigen Zeiten gilt es, zusammenzustehen und Solidarität zu zeigen.“

Quelle: Pressemitteilung der Albert Berner Deutschland GmbH vom 17. April 2020




Wochenpläne, Arbeitsblätter, Checklisten, E-Mails, WhatsApp, Cloud, drive + der eigentliche Job – Eltern am Rande des Corona-Schulwahnsinns

Das werden wohl die längsten Sommerferien aller Zeiten – zumindest für viele Lehrer. Mindestens bis zum 04. Mai 2020 sollen die Schulen in Baden-Württemberg noch geschlossen bleiben, dann sollen zunächst die Abschlussklassen an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen wieder mit dem Unterricht beginnen. Jeder redet jetzt schon über Hygiene- und Abstandsregeln, die es dann in den Bussen und Klassenzimmern einzuhalten gilt und wie das überhaupt möglich ist, diese einzuhalten bei den teilweise Hunderten von Schülern an einer Schule. Doch kaum wird über diejenigen gesprochen, die von den Schulschließungen derzeit immernoch am meisten betroffen sind: die Eltern.

Die Eltern haben bereits drei Wochen vor den Osterferien mit ihren Kindern gelernt, was das Zeug hält. Eine Mutter mit vier Kindern berichtete von 60 E-Mails mit Aufgaben, die sie teilweise erreicht habe. Dabei handelt es sich bei jedem Kind um eine andere Klassenstufe und in jeder Klasse wiederum um neue Lernmaterialien für fast jedes Unterrichtsfach. Sport, Religion. Geografie, alles soll gelernt werden. Teilweise erklären Eltern ihren Kindern Dinge, die sie sich selbst zunächst erstmal erklären müssen.Nicht jeder war in seiner Schulzeit ein Mathe-Ass oder ein Englischprofi.

Eine schier unlösbare Aufgabe für Eltern, zumal viele von ihnen parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrertätigkeit oftmals noch ihren eigentlichen Beruf in Teil- oder sogar Vollzeit parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrtätigkeit zu Hause ausüben. Man denke nur an Krankenschwestern oder Kassiererinnen, die nach einer derzeitigen 12-Stundenschicht zu Hause noch die Lehrplänge mit ihren Kindern durchgehen muss – über Wochen. 2 Jobs gleichzeitig – wie soll das gehen?

Nun also geht es in die Verlängerung dieser ehrenamtlichen Tätigkeit für mindestens drei weitere Wochen. Wie das die Eltern alles machen und schaffen sollen, sei dahingestellt. Die Lehrer, die weiterhin ihr volles Gehalt erhalten, verweisen darauf, dass sie nichts für diese Situation können. Natürlich können sie nichts für diese Situation, aber sie können in dieser Pandemiezeit eines: den Druck rausnehmen, sich auf die wesentlichen Fächer Deutsch, Mathe und Englisch konzentrieren und den Eltern und Schülern sagen: „Wir geben euch Aufgaben, aber wir wissen, wie schwer diese Situation für euch gerade ist. Daher: Auch wenn ihr diese Aufgaben nicht abarbeiten könnt mit euren Kindern, ist das nicht schlimm. Wir werden nach dieser Zeit gemeinsam den Unterrichtsstoff nachholen, notfalls mit Zusatzstunden.“

Und selbst wenn dieser Stoff nicht nachgeholt werden könnte, was soll’s? Wir leben immerhin in einer absoluten Ausnahmesituation.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann  

Lehrer spielen in Corona-Zeiten, das ist gar nicht so einfach, zumal viele Eltern oft noch ihren eigentlichen Beruf nebenher ausüben. Foto: adobe stock