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Keine Corona-Neuinfektionen mehr

Laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises kam es zu keinen bestätigten Neuinfektionen in der vergangenen Woche. Abstands- und Hygieneregelungen bestehen aber dennoch weiterhin.

So seien in den vergangenen sieben Tagen sind im Hohenlohekreis keine neuen COVID-19-Infektionen aufgetreten. Der letzte positive Befund wurde laut dem Landratsamt am 2. Juni 2020 an das Landesgesundheitsamt übermittelt, sorgsames Verhalten sei jedoch weiterhin angebracht, betont das Landratsamt.

„Besonders in der aktuellen Situation ist es wichtig, nicht leichtsinnig zu werden und die geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen unbedingt weiter zu beachten“, betont Annemarie Flicker-Klein, stellvertretende Amtsleitung im Gesundheitsamt des Hohenlohekreises. „Trotzdem freuen wir uns natürlich über diese gute Nachricht und wollen den Zeitpunkt nutzen, um uns bei allen Bürgern des Hohenlohekreises zu bedanken, die durch das Befolgen der bestehenden Regeln wesentlich zum deutlichen Rückgang der Neuinfektionen beigetragen haben.“




„Weniger Gelegenheit, sich Hilfe zu holen“

Nicht raus können, niemanden treffen dürfen außerhalb der eigenen Familie und immer nur in den eigenen vier Wänden sein – was für viele eine Zumutung und Einschränkung ihres Alltags ist, kann für manche Frauen zur lebensbedrohlichen Situation werden. Nämlich dann, wenn der Partner zur Gewalttätigkeit neigt und die Frau ihm nicht ausweichen kann. Andrea Bühler vom Frauen- und Schutzhaus im Hohenlohekreis konnte bisher seit den Coronabeschränkungen noch keine „gravierenden Veränderungen“ hinsichtlich Anfragen von Frauen beim Frauenhaus feststellen. „Momentan gibt es etwas häufigere Anfragen, aber ob das ein Trend ist, weiß ich noch nicht“, sagt sie. Aber sie hält den Gedanken durchaus für realistisch.

„Häusliche Gewalt ist oft mit starker Kontrolle verbunden.“

Allerdings: Das heißt nicht unbedingt, dass es weniger Gewalt geben würde. „Häusliche Gewalt ist oft mit starker Kontrolle verbunden“, berichtet Andrea Bühler aus ihren Erfahrungen. In Zeiten von Corona seien schließlich auch Männer und Kinder zuhause, die Frauen seltener allein. So hätten sie auch weniger Gelegenheit, sich Hilfe zu holen. Deshalb rechnet die Frauenhaus-Leiterin auch damit, dass die Anfragen nach der Corona-Krise ansteigen werden.

Notfallnummer

Sind Sie Opfer von häuslicher Gewalt? Das Frauenhaus des Hohenlohekreises erreichen Sie unter Telefon 07940/58 95 4. Wenn Sie sich in einer akuten Notlage befinden, rufen Sie die Polizei unter Telefon 110. Seit 2002 gibt es das „Gewaltschutzgesetz“, danach kann dem Täter ein so genannter „Platzverweis“ erteilt werden. Der Täter darf unter anderem die Wohnung des Opfers nicht mehr betreten – auch wenn ein gemeinsamer Haushalt vorliegt. Weitere Informationen zum Gewaltschutzgesetz lesen Sie auf der Seite des Bundesjustizministeriums: https://www.gesetze-im-internet.de/gewschg/BJNR351310001.html

Kontakt: Frauen- und Kinderschutzhaus im Hohenlohekreis in Trägerschaft des Albert-Schweitzer-Kinderdorf e.V., Postfach 1157, 74641 Künzelsau, Telefon: 0 79 40 / 58 95 4, Telefax: 0 79 40 / 54 68 90
E-Mail: frauenhaus@albert-schweitzer-kinderdorf.de

http://www.frauenhaus-hohenlohe.de/

Text: Sonja Bossert

 




„Wir bedauern die Vernichtung von Lebensmitteln“

Bäckereien auch im Hohenlohekreis wurden polizeilich geschlossen, weil sie an Ostersonntag ihre Laden offen hatten, obwohl dies kurz vorher die Landesregierung aufgrund neuester Corona-Bestimmungen untersagt hat. Aus einer kleinen Anfrage von Anton Baron, AfD-Lantagsabgeordneter des Hohenlohekreises und Udo Stein, AfD-Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Schwäbisch Hall, geht nun hervor, wie viele und welche Bäckereien im Hohenlohekreis ubetroffen waren.

In ganz Baden-Württemberg kam es zu Polizeikontrollen und dementsprechenden Schließungen am Osterstonntag. Allein in Stuttgart seien laut der Landesregierung 4 Fälle bekannt, in Heilbronn 2, in Bretzfeld, Neuenstein, Öhringen und Waldenbuch ist jeweils eine betroffene Bäckerei/Konditorei.Das geht aus den Antworten des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg zu der kleinen Anfrage hervor.

Bußgelder verhängt

Zum 11. Mai 2020 wurden laut dem Wirtschaftsministerium in zwei Fällen Bußgelder in Höhe von 250 und 500 Euro verhängt. „Daneben sind weitere 35 Verfahren anhängig, die jedoch noch nicht abgeschlossen sind, so dass derzeit noch nicht absehbar ist, ob überhaupt und, wenn ja, in welcher Höhe gegebenenfalls weitere Bußgelder verhängt werden“, so Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut.

Drei Tage vor Ostersonntag kam es zu der Schließungsverordnung

Anton Baron und Udo Stein vermuten in ihrer kleinen Anfrage, dass die Bäckerein nur deshalb geöffnet hatten, weil das Öffnungsverbot relativ kurzfristig erfolgt sei und die betroffenen Bäckereien möglicherweise keine Kenntnis davon hatten.

Das Wirschaftsministerium verweist darauf, dass die Änderungsverordnung drei Tage vor Ostersonntag erfolgt ist und sieht darin ausreichend Zeit: „Die äußerst dynamische Entwicklung der Verbreitung des Coronavirus führt dazu, dass Entscheidungen der Landesregierung sehr kurzfristig gefasst und notverkündet werden müssen. Die sich ständig ändernde Sachlage erfordert dabei eine entsprechende Anpassung von Regelungen und Vorschriften. Die geänderte Rechtslage hinsichtlich der Verkaufsöffnung am Ostersonntag wurde unmittelbar nach Änderung der Corona-Verordnung und Notverkündung an die Behörden des Landes und die Gemeinden kommuniziert. Aus Sicht der Landesregierung bestand somit trotz der Kurzfristigkeit auch unter Berücksichtigung der breiten medialen Begleitung dieser Änderungen ausreichend Zeit, von der Änderung der Rechtslage Kenntnis zu erlangen“, erklärt Hoffmeister-Kraut in ihrer Antwort.

Die Landesregierung bedauere aber die Vernichtung von Nahrungsmitteln, die durch die Schließungen gegeben habe.

Welche Gründe lagen vor, dass Bäckereien und Konditoreien, die traditionell am Ostersonntag geöffnet sind und aktuell generell trotz der „Coronakrise“ als Nahrungsmittelversorger geöffnet bleiben, nun an diesem Tag schließen mussten, wohingegen sie an den anderen Tagen des Osterwochenendes ganz normal geöffnet bleiben konnten?, wollten die AfD-Abgeordneteten in ihrer kleinen Anfrage weiter wissen. Das Wirtschaftsministerium begründet ihre Entscheidung mit der Beobachtung des damaligen Einkaufsverhaltens und der damaligen Entwicklung der Versorgungslage der Bevölkerung: „Zur Wahrung des Sonn- und Feiertagsschutzes hat man die besondere Verkaufsöffnung für Karfreitag und Ostersonntag in der Corona-Verordnung wieder aufgehoben.“

Bäckerei in Kupferzell verkaufte Corona-Amerikaner. Diese Bäckerei war jedoch nicht von der polizeilichen Schließung betroffen. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




„Wesentlich weniger Kunden als vorher“

Es ist wolkig und windig an diesem Donnerstagmorgen, den 21. Mai 2020, in Künzelsau. Dennoch sind einige Menschen in den Gassen und auf der Hauptstraße von Künzelsau unterwegs. Im Außenbereich der Cafès sitzen Kunden, Kinder spielen und auf den Bänken genießen andere die spärlichen Sonnenstrahlen. An den Eingangstüren der Geschäfte weisen Plakate auf die Abstandsregeln und Maskenpflicht hin. Die Kunden, die in die Läden gehen, ziehen wie vorgeschrieben Nase-Mund-Bedeckungen auf. Doch sobald sie rauskommen, nehmen sie diese wieder ab. Nur ganz wenige Menschen bedecken auch auf den Straßen Mund und Nase. Wie ist die momentane Situation für die Künzelsauer Einzelhändler und ihre Kunden zwischen Abstandhalten und Maskentragen? GSCHWÄTZ hat sich umgehört, jedoch wollten nicht alle der Angesprochenen Auskunft geben.

„Es kommt kein Einkaufsfeeling auf“ 

Ingrid Bauer von der Landmetzgerei Bauer bedauert, dass „wesentlich weniger Kunden als vor der Corona-Krise“ in den Laden kommen. Maximal vier Personen dürften sich dort gleichzeitig aufhalten. Lediglich der Mittagstisch laufe gut, allerdings gibt es die Gerichte nur zum Mitnehmen. Insgesamt 33 Mitarbeiter hat die Landmetzgerei Bauer. Zwei der sechs Mitarbeiter in Künzelsau sind zurzeit in Kurzarbeit, in den beiden anderen Geschäftsstellen in Pfedelbach und Neuenstein wird dagegen ganz normal weitergearbeitet. „Obwohl Pfedelbach ein Hotspot war, war unser Laden dort immer gut besucht“, erzählt sie. In Künzelsau hätten sie es dagegen schon bemerkt, als die umliegenden Geschäfte noch geschlossen hatten. Die Leute würden eher in einen Laden gehen, in dem sie alles bekommen könnten, und dann schnell wieder heimgehen, so ihre Einschätzung. „Es zieht jetzt wieder an, allerdings schleppend“, so Ingrid Bauer weiter. Gefragt nach der Gesichtsmaske sagt sie: „Es muss halt sein, aber ein ganzer Tag ist schwierig“. Die Mund-Nase-Bedeckung erschwere das Sprechen und Verstehen. Dennoch hätten sie schon vor der Maskenpflicht im Laden Mund und Nase bedeckt, um sich selbst als auch die Kunden zu schützen.

„Die Leute sind entspannter und ruhiger“

Renate aus Ingelfingen – ihren vollen Namen möchte sie nicht nennen – wartet vor dem Friseurshop Ralf Poslovski. Sie hat einen Termin, auf den sie ganz schön lange warten musste – nämlich vier Wochen. Vorher sei nichts frei gewesen. Jetzt muss sie in dem Laden ihre Haare waschen lassen, das habe sie vor Corona immer zuhause erledigt. Die Kundin rechnet mit einer Preissteigerung, was sie stört. „Man hatte acht Wochen zu und jetzt sollte man eben acht Wochen von Montag bis Samstag durcharbeiten, um das Verlorene wieder aufzuholen“, meint sie. „Ich habe schließlich auch nicht mehr im Geldbeutel.“ Doch kann sie in der Corona-Krise auch etwas Positives sehen: „Ich beobachte, dass die Leute Abstand halten, insgesamt entspannter und ruhiger sind und bedachter miteinander umgehen“. So mancher lasse auch mal anderen den Vortritt. Sie hofft, das sich die Menschen in Zukunft eher darüber Gedanken machen, was nötig sei und auf was man verzichten könne.

„Die Einbußen merkt man natürlich“

Bei Blumen-Laichinger ist es noch eher ruhig. „Es kommen schon Leute“, sagt Birgit Laichinger. „Allerdings nicht mehr so viele wie vorher.“ Weil nicht klar war, ob Gärtnereien und Blumenhandlungen öffnen dürfen, hätten auch sie den Laden einige Zeit geschlossen. Die Gärtnerei in Mäusdorf hat schon früher öffnen dürfen, der Laden in Künzelsau erst etwas später. Der Start verlief stockend. „Die Einbußen merkt man natürlich“, bedauert sie. Was sie außerdem aufrege: BAGeno, Baumärkte und Discounter wie Lidl hätten weiterhin Gärtnerisches verkauft. Manche ihrer Kunden würden vergessen, Masken aufzusetzen. Andere seien ganz erstaunt, dass man auch bei ihr Mund und Nase bedecken müsse. In einem Einzelfall hatte der Kunde sogar Probleme mit dem Abstand halten. Ihn habe sie deutlich auf die Abstandsregeln hingewiesen. „Natürlich nehme auch ich die Maske mal ab, wenn sonst niemand im Laden ist“, sagt sie. Sie findet aber, „dass es Schlimmeres gibt“.

„Es läuft gut hier“

Im Erdbeerstand vom Obst- und Gemüsehof Heinrich wartet Marina Maier aus Künzelsau hinter einer Plexiglasscheibe auf Kundschaft. Sie muss keine Maske tragen, „solange die Trennung da hängt“, sagt sie. Auch die Kunden müssten an dem Stand Mund und Nase nicht bedecken, aber die Abstände einhalten. „Es läuft gut hier, eigentlich wie vorher auch“, erzählt sie weiter. Die Meinungen der Erdbeerkäufer zur Maskenpflicht sei „mal so, mal so“.

„Der Nachschub ist gerettet.“

Bei der Drogerie Müller geht es an diesem Morgen ruhig zu. „Wir hatten durchgehend offen“, erzählt eine der Verkäuferinnen. „Aber auch wir haben weniger Kunden, es geht ruhiger zu.“ Viele Leute kommen wegen Masken, Desinfektionsmittel und sonstiger Hygieneartikeln. „Da ist der Nachschub gerettet“, bemerkt sie lächelnd. Der Run aufs Toilettenpapier sei aber vorbei. Wie in jedem anderen Geschäft auch sind für jede anwesende Person zehn Quadratmeter nötig – das schließt auch das Vekaufspersonal ein. „Den Abstand können wir locker halten“, sagt die Müller-Mitarbeiterin. Lange Schlange im oder vor dem Laden häten sich noch nicht gebildet.

„Wir freuen uns über den Zulauf.“

„Am Anfang der Eröffnung war natürlich noch Alles ein bisschen seltsam, erst die Abstandsregeln und dann noch die Maskenpflicht“, so Babette Bauer vom lindele. „Aber ich muss sagen, die Kunden und auch wir haben uns schnell daran gewöhnt“. Schließlich seien es Regeln zu aller Sicherheit und die Kunden würden sich daranhalten. Mitten in dem Laden werden Masken genäht und auch verkauft, was zusätzlich viel neue Kunden gebracht habe. Doch auch sonst kämen viele Kunden – „und wir freuen uns über den Zulauf“.

„Die Maske muss man annehmen“

Im Sportivo dürfen sich wegen der Personenbegrenzung vier Personen gleichzeitig aufhalten – also zwei Kunden und zwei Verkäufer. „Manchmal stehen die Kunden außen Schlange“, sagt Mitarbeiterin Thea, die dankbar ist, dass die Kunden kommen. „Wir haben aber auch schon beobachtet, dass so mancher wieder geht, wenn es ihm zu lange dauert, und am nächsten Tag wiederkommt oder in einen unserer anderen Läden geht.“ Die meisten Kunden des Ladens sind Stammkunden, „die uns gerne unterstützen möchten“. Bereits bei der Neueröffnung seien viele da gewesen, „glücklich und geduldig“. Zwar sei es schwierig mit der Maske, ein Shopping-Gefühl zu bekommen, aber „man müsse sie annehmen“. Die Kunden würden auch nicht bummeln, sondern ganz gezielt einkaufen und den Laden schnell wieder verlassen, vor allem wenn noch andere Leute draußen warten. „Das ist aber auch vom Wetter abhängig“, sagt Thea, die momentan wie die anderen Sportivo-Mitarbeiter halbtags und in Schichten arbeitet. „Sobald die Sonne scheint, will jeder ein Sommerteilchen.“

Lindele verkauft selbst genähte Masken

Dem Lindele gehe es ganz gut in der Coronazeit, sagt Babette Bauer. „Am Anfang der Eröffnung war natürlich noch alles ein bisschen seltsam , erst die  Abstandsregeln und dann noch die Maskenpflicht, aber ich muss sagen, die Kunden und auch wir haben uns schnell  daran gewöhnt. Es sind Regeln zur aller Sicherheit und die Kunden halten sich daran. Da wir im lindele auch selbst Masken nähen und verkaufen , haben wir viel neue Kunden dazugewonnen. Und auch sonst kommen zu uns viele Kunden und wir freuen uns über den Zulauf.“

„Wir wollen es so hinkriegen, dass es für alle gut ist.“

„Die Situation ist für alle schwierig“, findet Reintraut Lindenmaier von der Buchhandlung R. Lindenmaier u. A. Harsch. Es sei anstrengend mit Maske für die Verkäufer als auch die Kundschaft. Zurzeit würden alle Mitarbeiter eine Stunde Mittagspause „zum Durchatmen“ machen. „Abends sind wir platt“, sagt die Buchhändlerin. „Manche Kunden bestellen und kommen nur schnell zum Abholen“, erzählt sie. Es komme kein Einkaufsfeeling auf. „Es hat sich viel verändert“, findet sie. Während der Schließzeit hätten sie in der Buchhandlung ganz normal weitergearbeitet. „Online ging ganz gut und telefonisch wurde auch viel bestellt“, erzählt die Buchhändlerin. Innerhalb von Künzelsau hätten sie die bestellte Ware ausgefahren. Auch jetzt noch würden sie Bestellungen von Personen, die nicht in die Buchhandlung kommen können oder wollen, per Post und mit Rechnung verschicken. Kunden ohne Mund-Nase-Bedeckung schickt Reintraut Lindenmaier wieder raus. „Manche bleiben auch draußen stehen und wir bedienen sie durch die hintere Tür“, sagt sie weiter. „Wir versuchen, es so hinzukriegen, dass es für alle gut ist.“ Doch Reintraut Lindenmaier sieht auch etwas Positives: „Vielen gehen jetzt öfter in die Natur raus“. Die Menschen würden sich ihrer Umwelt wieder bewusster werden. Dennoch fürchtet sie eine zweite Corona-Welle im Herbst, „denn im Cafè verliert man den Gedanken an Abstand und dann wird es schwierig“.

 

Text: Sonja Bossert

Solche Plakate hängen – wie hier bei Blumen-Laichinger – an allen Künzelsauer Läden und weisen auf die neuen Regeln hin. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

Am Stand von Erdbeer-Verkäuferin Marina Maier läuft es gut. Foto: GSCHWÄTZ

 

In der Buchhandlung R. Lindenmaier u. A. Harsch müssen Kunden verschiedene Ein- und Ausgänge benutzen: Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 

 

 




Arnulf von Eyb: „Das ist wirklich wichtig, denn wir alle wollen mehr über das Virus wissen“

Freude über hohe Teilnahmebereitschaft

Arnulf von Eyb informiert sich über die Corona-Studie des Robert Koch-Institutes in Kupferzell

Der Hohenloher Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb (CDU) hat sich am Mittwoch, den 27. Mai 2020, persönlich ein Bild von der Coronastudie gemacht, die das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit in Kupferzell durchführt. Dr. Julia Strandmark aus dem Studienteam des RKI informierte von Eyb und Landrat Dr. Matthias Neth über die Abläufe sowie den aktuellen Stand. Besonders erfreut zeigten sich alle Beteiligten über die hohe Bereitschaft der Kupferzeller, an der Studie teilzunehmen.

Auch Landrat Neth lobt das Engagement der Bürger

„Das ist wirklich wichtig, denn wir alle wollen mehr über das Virus wissen und vor allem darüber, was man aus dieser und weiteren Studien an sinnvollen Regeln für das tägliche Leben ableiten kann“, erklärte von Eyb. Auch Landrat Dr. Matthias Neth lobt das Engagement der Bürger im Kreis: „Wir hatten schon gehofft, dass viele Kupferzeller mitmachen und freuen uns jetzt natürlich, dass sich diese Hoffnung offenbar erfüllt. Wenn am Ende die rund 2.000 Teilnehmer zusammenkommen – und danach sieht es derzeit aus –, wäre das für die Aussagekraft der Studie perfekt.“

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises

 




„Sehr belastend“

Die Musikgruppe Keep alive hat am Donnerstag, den 21. Mai 2020, für Pfleger und Bewohner des Eduard-Knoll-Wohnzentrums für Körperbehinderte in Krautheim ein Corona-Straßenkonzert gegeben. Bei Kaiserwetter gab es international bekannte Oldies, aber auch aktuelle deutsche Lieder zu hören. Wie gut das bei den Bewohnern angekommen ist und wie die Coronaschutzmaßnahmen deren Leben und den Berufsalltag der Pfleger verändert hat, dazu hat GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus sie unter anderem befragt.

GSCHWÄTZ: „Wie hat Ihnen das Konzert von Keep alive gefallen?“

Jutta aus Krautheim: „Supergeil. Das war Abwechslung, schön, entspannend. Einfach eine andere Alternative für das tägliche Leben hier. Ich denke, da werde ich noch ne Weile dran zu knabbern haben und auch immer wieder ins Gedächtnis rufen. Mit sich tragen und in sich wirken lassen. Ruhe und entspannend. Einfach, wenn man schlechte Laune hat, an den glücklichen Moment wieder zurückdenken.“

GSCHWÄTZ: „Wie gefällt Ihnen die Musik von Keep alive?“

Carmen aus Krautheim: „Gut. Gemischt, Deutsch, Englisch finde ich sehr gut.“

GSCHWÄTZ: „Wie weit fühlen Sie sich eingeschränkt durch die Schutzmaßnahmen gegen Corona?“

Carmen: „Also bei mir geht`s. Ich bin ja hier mit meinen Freunden zusammen und mit der Familie kann ich telefonieren. Wir können ja auch noch in den Hof raus. Für mich wäre es schlimmer, wenn wir jetzt nur auf dem Zimmer sitzen würden und niemanden sehen könnten.“

GSCHWÄTZ: „Wir sehr haben damals die sehr eingeschränkten Sicherheitsmaßnahmen gegen Corona ihr persönliches Leben beeinflusst?“

Jutta: „Man durfte nicht mehr raus, man durfte nicht gerade einkaufen gehen. Wenn ich selbst unterwegs sein kann, mache ich das. Jetzt haben wir Gottseidank unsere Tagesstrukturierung und die hilft uns Bewohnern, unsere Einkäufe zu erledigen. Wir müssen hier halt das Beste daraus machen.“

Carmen: „Ich hab`s eigentlich recht locker genommen. Mich hat das nicht so betroffen.“

GSCHWÄTZ: „Sie sind zuversichtlich?“

Carmen: „Ja. Auf alle Fälle.“

GSCHWÄTZ: „Wie haben die Corona-Maßnahmen Ihr Leben als Pfleger verändert?“

Tobias, Pfleger, Eberstal: „Das hat sich so ausgewirkt, dass ich meine sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren musste, um die Bewohner hier vor Covid-19 zu schützen. Natürlich auch die psychische Situation der Bewohner durch die Ausgangsbeschränkungen hat sich nicht gerade erleichtert sondern eher verschlechtert. Dadurch wird auch die Arbeit hier anspruchsvoller. Man wird als Pfleger schon mehr belastet.“

GSCHWÄTZ: „Wie fühlt man sich, wenn man mit den Leuten doch relativ auf Distanz zu tun hat oder arbeiten muss? Wie ist das für Sie?“

Tobias: „Die intensive Betreuung, die die Langzeitbewohner auch benötigen, die fällt dadurch total unter den Tisch. Und das ist auch für mich als jemand, der den Beruf von Herzen macht, natürlich schon arg belastend, dass man sich in gewissen Situationen nicht so verhalten kann, wie man gerne würde. Schon schade gerade aber um die Bewohner zu schützen, muss man das halt noch eine gewisse Zeit durchziehen.“

GSCHWÄTZ: „Wie nehmen das die Bewohner hier auf?

Tobias: „Sie haben Verständnis dafür, dass gerade die Schutzmaßnahmen und die Vorgaben so sind, wie sie sind. Und sie hoffen im Prinzip auch einfach, dass es schnellstmöglich wieder gelockert wird, dass sie langsam wieder ihrem geregelten Alltag nachgehen können.“

GSCHWÄTZ: „Das wie vielte Mal spielt ihr hier und wie seid ihr mit den Reaktionen eurer Zuschauer und des Publikums zufrieden?“

Sebastian von Keep alive: „Wir sind jetzt das zweite Mal hier gewesen. Wir haben die letzte Weihnachtsfeier hier gespielt. Und die Reaktionen sind megageil. Wahrscheinlich eins der besten Publikum, die wir gehabt haben oder die wir haben.“

GSCHWÄTZ: Ihr kommt dann auch das dritte Mal?“

Sebastian: „Wir hoffen doch. Wir haben gerade schon ein paar Stimmen gehört. Also wahrscheinlich sind wir noch das eine oder andere Mal hier.“

GSCHWÄTZ: „Ihr wart heute Zuschauer beim Konzert. Wie haben euch die Schutzmaßnahmen vor Corona in eurem Leben eigentlich beeinflusst?“

Hanna aus Krautheim: „Zum einen, die ganzen Festle fallen aus. Die ganzen Dorffeste, die jetzt angefangen hätten um diese Zeit, und auch die Festivals fallen aus. Wir sind beide Festivalgänger und gehen gerne mal feiern. Einfach ein bisschen unter die Leute und gehen gerne Tanzen. Das können wir jetzt gerade nur für uns oder halt mit Abstand Zuhause.“

GSCHWÄTZ: „Welche Alternativen gibt es für euch als Partyfrauen?“

Maria aus Diebach: „Für uns ist das hier eine Alternative, deshalb sind wir auch hierhergekommen. Weil es einfach schön ist, mal wieder Live-Musik zu hören. Natürlich und selbstverständlich mit ganz viel Abstand.“

GSCHWÄTZ: „Wie gut tut euch so ein Konzert hier im Freien?“

Hanna: „Da kommen schon Glücksgefühle hoch. Glücksmomente, weil wir beide ohne Musik überhaupt nicht können. Bei uns ist immer Musik dabei. Und deswegen ist das eine sehr gute Alternative für uns.“

GSCHWÄTZ: „Und ihr wart mit der Musikauswahl von Keep alive zufrieden?“

Beide: „Ja sehr. Wir mögen Rock und Pop.“

GSCHWÄTZ: „Wie zufrieden seid ihr generell mit den Schutzmaßnahmen oder Vorsichtsmaßnahmen, die die Regierung uns jetzt verordnet hat?“

Maria: „Ich finde, es ist wichtig, dass man da auch vorsichtig ist. Gerade auch für die Schwächeren in unserer Gesellschaft. Und deswegen finde ich es auf jeden Fall auch in Ordnung, auch das mit den Masken.“

Hanna: „Und ich würde sagen, wir haben uns da sehr gut angepasst und können damit gut leben und machen da einfach das Beste für uns draus.“

Corona: Für Pfleger und Bewohner keine einfache Situation, aber die Musik lenkte jeden von den aktuellen Gegebenheiten ab. Foto: GSCHWÄTZ

Corona: Für Pfleger und Bewohner keine einfache Situation. Foto: GSCHWÄTZ

Keep alive gab am Donnerstag, den 21. Mai 2020, ein Coronakonzert beim Eduard-Knoll-Wohnzentrum in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ

 




Privat dürfen 10 Personen zusammenkommen, aber öffentliche Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen erlaubt – Wie passt das zusammen?

Das Regierungspräsidium in Baden-Württemberg hat sich am 26. Mai 2020 auf weitere Lockerungen der Corona-Verordnung geeinigt. So dürfen sich künftig bis zu zehn Personen im privaten Raum treffen und kleine Veranstaltungen sind wieder möglich. Bei privaten Veranstaltungen – wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten – dürfen ab dem 1. Juni in geschlossenen Räumen bis zu zehn Personen teilnehmen.Das teilte das Regierungspräsidium Stuttgart auf seiner Internetseite mit.

Wenn die Veranstaltung im Freien stattfindet, dürfen wegen der geringeren Infektionsgefahr an der frischen Luft maximal 20 Personen teilnehmen. Ab dem 1. Juni sind öffentliche Veranstaltungen mit unter 100 Personen wieder möglich. Voraussetzung ist, dass es feste Sitzplätze gibt und die Hygiene- und Abstandsvorgaben eingehalten werden. Großveranstaltungen über 500 Personen ains ab 01. September 2020 wieder möglich. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/mehr-bereiche-profitieren-von-lockerungen/

Das stellt sich einem die Frage: Wie passt das zusammen? Warum darf man privat nicht mit mehr als zehn Personen zusammenkommen, aber öffentliche Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen sind ab 01. Juni 2020 wieder erlaubt? Die Antwort gibt die Landesregierung auf ihrer Internetseite selbst: „„Über diese Perspektive gerade für die Kulturschaffenden und Künstler freue ich mich sehr. Denn die Pandemie hat unser Kulturleben fast zum Erliegen gebracht – egal ob Kino, Theater, Konzerte oder Oper“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach der Kabinettssitzung. „Und auch wenn Kulturschaffende tolle Formate im Internet entwickelt haben, können die das Liveerlebnis natürlich nicht gleichwertig ersetzen. Weder für die Zuschauer, noch für die Künstler selbst.“

Fazit: Um die Kulturschaffenden und anderen Veranstalter entgegenzukommen, dürfen sie ab 01. Juni 2020 wieder ran, vermutlich um sie auch wieder finanziell zu stärken. Aber privat darf man nur im Klitzekleinen Hochzeit feiern. Ein einheitliches Corona-Vorgehen in allen Bereichen sieht definitiv anders aus. Aber vermutlich hat der private Bereich einfach eine zu schwache Lobby.

Das Paradoxe: Die Corona-Hotspots sind ja vor allem durch diverse Veranstaltungen wie Konzerte und dergleichen unter anderem in Kupferzell entstanden. Und genau solchen Veranstaltungen öffnet man nun wieder Tür und Tor, während man Kitas, Schulen und den privaten Bereich immernoch am Boden hält. Das muss man nicht verstehen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Private Feiern gehen vorerst nur im Kleinen. Foto: adobe stock




„Jeder Coronapatient erreicht eine kritische Phase“

Ein Video geht gerade um die Welt. Ein junger Arzt berichtet darin der New York Times, wie er selbst sozusagen die Fronten gewechselt hat und zunächst als Arzt, dann als Patient auf der Intensivstation lag. Der Spiegel hat darüber nun ebenfalls berichtet.

„Fang jetzt an zu arbeiten, Junge“

Dr. Andres Maldonado sei gesund, ohne Vorerkrankungen, berichtet der 27-Jährige in dem Video. Er arbeitet als Arzt in dem Corona-Hot-Spot schlechthin: in New York, in der Bronx. Dann schildeter er Schritt für Schritt die Symptome, die er hatte. Angefangen mit Schüttelfrost über Fieber bis zu Atemproblemen. Tag 2 beschreibt er so: „Wenn ich richtig tief einatmete, tat es weh.“ Am sechsten Tag ließ er sich testen. Das Ergebnis war positiv.Am siebsten Tag sei er in seinem Zimmer hin- und hergelaufen und habe zu sich selbst gesagt: Fang jetzt an zu arbeiten, Junge. „Ich habe auch zwei Stunden gearbeitet, aber dann kam das Fieber wieder zurück.“ Tag 8: „Ich konnte keinen Satz mehr sagen, ohne zwischendrin Luft zu holen.“ Da habe es „Klick“ gemacht, erzählt er. Ab diesem Punkt sei ihm klar geworden, dass er diese Krankheit nicht länger bei sich zu Hause mit sich allein ausmachen konnte. Also ging er ins Krankenhaus, aber dieses Mal nicht als Arzt, sondern als Patient.

„Jeder Coronapatient erreicht eine kritische Phase“

09. Tag. 31. März 2020. Mit Atemnot betritt Dr. Andres Maldonado die Notaufnahme. „Jeder Coronapatient erreicht eine kritische  Phase, in der man sehen kann, dass es bergab geht“, berichtet Dr. Noe Romo in dem Video. Er arbeitet in demselben Krankenhaus wie Maldonado. „Wenn sie diesen Punkt überschreiten, ist es wahrscheinlich, dass sie intubiert werden müssen.“ 70 bis 80 Prozent, die beatmet werden mussten, seien gestorben, ergänzt Dr. Michael Jones, der ebenfalls in der Klinik arbeitet. „Deshalb haben wir uns sehr bemüht, Intubation zu verhindern.“

„Wir lieben dich“

Jeder Mitarbeiter in dem Krankenhaus kannte Dr. Maldonado. Als er auf der Intensivstation lag, habe sich das wie ein Schlag in die Magengrube angefühlt, berichtet eine Krankenschwester. Sie habe ein Schild an seine Fensterscheibe geklebt mit dem Inhalt: „Wir lieben dich.“

„Er atmetet schneller als zuvor“

„Als ich sein Zimmter betrat, habe ich bemerkt, dass er schneller atmete als zuvor“, sagt Dr. Romo. Sie entschieden, Maldonado auf die Intensivstation zu verlegen und ihn an eine Nasenkanüle mit hohem Durchfluss anzuschließen, ein Gerät, das einen Patienten sehr schnell mit sehr viel Sauerstoff versorge. Maldonado dachte zu dieser Zeit lediglich: „Bitte, bitte funktioniere.“ In der Nähe von ihm sei eine 25-Jährige gelegen, die ständig gesagt habe: „Ich kann nicht atmen.“ Schließlich habe sie einen Herzstillstand gehabt.

Maldonado konzentrierte sich in den folgenden Tagen nur auf seine Atmung. Und irgendwann sei der Punkt gekommen, an dem es besser wurde. Maldonado hat das Virus besiegt. Es war auch ein Sieg für das gesamte Krankenhausteam, weil Maldonado stellvertretnd für alle Patienten steht, die auch das Virus besiegen konnten.

In den Vereinigten Staaten sind laut der New York Times bislang offiziell 145 Mitarbeiter im Gesundheitswesen an Covid-19 gestorben, über 9.000 sind offiziell mit dem Virus infiziert worden.

Auch im Hohenlohekreis Ärzte und medizinisches Fachpersonal an dem Virus erkrankt

Auch im Hohenlohekreis sind mehrere Ärzte und (ehemaliges) medizinisches Personal an dem Virus Covid-19 erkrankt. Teilweise mussten sie wegen der Schwere des Verlaufes ebenfalls in einem Krankenhaus behandelt werden. Nicht alle haben überlebt.

In dem Video der New York Times kommt auch die Mutter des jungen Arztes zu Wort: „Unsere schlimmsten Ängste wurden wahr. Allein die Vorstellung, meinen Sohn zu verlieren, war schrecklich.“ Zwischenzeitlich sei er so krank gewesen, „dass ich an einem bestimmt Punkt dachte, dass ich sterben würde“, berichtet Maldonado. Letzten Endes überlebte er. Seine Geschichte soll eine Warnung für jeden sein, der das Virus unterschätzt.

Mehr Informationen:

https://www.spiegel.de/panorama/covid-19-arzt-in-new-york-wird-patient-auf-der-eigenen-intensivstation-a-1606c8d0-f7d7-47bf-bf12-3a542442b849

Hier geht’s zum Video:

https://www.facebook.com/derspiegel/videos/2739983136232209/?v=2739983136232209

Corona: Ein junger Arzt liegt auf seiner eigenen Station. Foto: Screenshot aus einem Video der New York Times




Exklusive Einblicke ins Corona-(T)raumschiff

Am Dienstag, den 19. Mai 2020, präsentierte das Robert-Koch-Insitut (RKI) in Kupferzell die Corona-Studie. Einwohner von vier Gemeinden deuttschlandweit sollen unter dem Aspekt des Coronavirus näher unter die Lupe, sprich, untersucht und getestet werden (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/05/19/landrat-neth-wir-sind-sehr-neugierig-und-wollen-erfahren-wie-sich-die-infektion-hier-ausgebreitet-hat/). Das RKI wählte Kupferzell als einer der so genannten Corona-Hot-Spots für die Studie aus und die Kupferzeller bildeten auch gleich den Auftakt, bevor es danach in die anderen Gemeinden geht. 

Dabei werden Personen aus den vier Gemeinden per Zufallsprinzip ausgewählt. Und auch wenn die Einwohner ausgewählt und angeschrieben worden sind, können sie noch ablehnen, an der Studie teilzunehmen. Dennoch hoffen Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth und Kupferzells Bürgermeister Christoph Spieles auf eine rege Teilnahme. Christoph Spieles durfte denn auch als erster von rund 2.000 Einwohnern, die das RKI testen möchte, einen Abstrich machen lassen.

Anbei veröffentlichen wir Fotos, die das mobile Mini-Labor des RKI, den so genannten Medibus, von innen zeigen.

Fotos: Sonja Bossert

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Der Bus steht derzeit auf dem Parkplatz der Carl-Julius-Weber-Halle in Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Kupferzells Bürgermeister Christoph Spieles stellte sich als erster Proband zur Verfügung. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Deutschlandweites Medieninteresse. Foto: GSCHWÄTZ

So schaut es im Inneren des Medibusses aus. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Da kommt man sich fast vor wie bei der Deutschen Bahn. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Referatsleiter Stefan Brockmann, Dr. Thomas Lampert vom RKI, Landrat Dr. Neth, Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener, Gesundheitsamtsleitern Antje Haack-Erdmann und Gunnar Kreidl vom THW Pfedelbach (v.l.n.r.). Foto: Gschwätz




Landrat Neth: „Wir sind sehr neugierig und wollen erfahren, wie sich die Infektion hier ausgebreitet hat“

In Kupferzell steht seit kurzem auf dem Parkplatz der Carl-Julius-Weber-Halle ein Medibus des Robert-Koch-Institutes (RKI). In diesem und einem weiteren Bus, der in Eschental beim Hotel Günzburg steht, führt das RKI ab Mittwoch, den 20. Mai 2020, rund drei Wochen lang die Studie „Corona Monitoring lokal“ durch (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/05/16/robert-koch-insititut-will-2-000-kupferzeller-unter-die-lupe-nehmen/) Das RKI erhofft sich dadurch weitere Erkenntnisse rund um das Virus und seine Verbreitung. Also: Wieviele Menschen haben Antikörper gebildet. Und wieviele haben von einer Infektion überhaupt nichts bemerkt? Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Dunkelziffer ziehen. Außerdem wird untersucht, welche Maßnahmen vor Ort getroffen wurden und ob die zu einem günstigeren Verlauf des Infektionsgeschehens beigetragen haben. Zur Vorstellung der Studie lud das Landratsamt Hohenlohekreis am Dienstag, den 19. Mai 2020, zu einer Pressekonferenz nach Kupferzell. Bürgermeister Christoph Spieles war danach die erste Person, die sich für einen Test zur Verfügung stellte und sich tapfer Blut als auch einen Rachenabstrich entnehmen ließ.

Freiwillige Teilnahme

Kupferzell ist die erste Gemeinde, die das RKI besucht. Über ein Zufallsverfahren beim Einwohnermeldeamt wurden 2000 Kupferzeller über 18 Jahren ausgewählt und von den Studienmachern angeschrieben. Die Teilnahme ist freiwillig. Wer sich dazu entschließt, muss sich online bei einem der beiden Studienzentren anmelden und bekommt einen Termin. Dr. Claudia Santos-Hövener, die Projektleiterin der Studie, bittet die Teilnehmer darum, nur zu kommen, wenn keine akuten Symptome vorliegen.

Rachenabstrich und Blutentnahme

Zum Termin muss die Testperson die Unterlagen, die das RKI zugeschickt hat, mitbringen und sich am Empfang melden. Dort findet die Aufklärung statt, man muss eine Einverständniserklärung unterschreiben und einen Fragebogen ausfüllen. Dann geht`s zum eigentlichen Testgeschehen mit Rachenabstrich und Blutentnahme. Während der Untersuchung werden die Schutz- und Hygienevorschriften eingehalten. Deshalb müssen die Testpersonen eine Schutzmaske tragen – entweder eine eigene oder eine vom RKI. Für angeschriebene Personen, die an der Studie teilnehmen möchten, aber nicht zum Medibus kommen können, gibt es mobile Teams, die Hausbesuche vornehmen.

Keine Zwischenergebnisse

Nach vier Wochen erhalten die Getesten eine Ergebnismitteilung per Post. „Bei einem positiven Befund erfolgt die Benachrichtigung sofort und telefonisch“, sagt Dr. Santos-Hövener. Vier bis sechs Wochen danach erfolgt außerdem eine Online-Nachbefragung. „Hier geht es nochmal um Details zum Gesundheitsverhalten, zum Infektionsschutz und um psychosoziale Einflussfaktoren“, so die Studienleiterin weiter. Zwischenergebnisse veröffentlicht das RKI nicht.

Zwei Testpersonen gleichzeitig

„Wir werden täglich von 7 bis 20.30 Uhr testen“, sagt Studienassistentin Beatrice Schlegel, eine von insgesamt rund 20 Studien-Mitarbeitern. Der Bus bietet Platz für zwei Testpersonen gleichzeitig. Weil es um die Mittagszeit zu Überschneidungen bei den Mitarbeiternteams kommt und um für einen eventuellen Mehrbedarf gewappnet zu sein, hat das THW Pfedelbach außerdem in der Carl-Julius-Weber-Halle ein Zelt und Pavillons aufgebaut, wo weitere Personen getestet werden können. „2000 Personen zu testen, ist ja auch viel Arbeit“, sind sich Beatrice Schlegel und ihre Kollegin Claudia Radek einig. Die beiden ausgebildeten Krankenschwestern sind sichtlich stolz auf den Medibus, der nagelneu ist, aber eigentlich für eine andere Studie vorgesehen war.

Faktoren, die das Virus vorantreiben oder hemmen

„Mit der Studie soll der Anteil der Bevölkerung ermittelt werden, der akut infiziert ist, und der Anteil der Personen, die die Krankheit bereits durchgemacht haben und bei denen wir davon ausgehen können, dass zumindest für einen gewissen Zeitraum eine Immunität gegen eine Neuinfektion besteht“, sagte PD Dr. Thomas Lampert, Leiter der Abteilung für Epidemologie und Gesundheitsmonitoring am RKI, während der Pressekonfernz. So sollen die Faktoren ermittelt werden, die die Ausbreitung des Virus in Deutschland vorantreiben oder hemmen. Außerdem erhoffen sich die Wissenschaftlicher Aussagen über die Bevölkerungsgruppen, die besonders betroffen sind, wobei nicht nur nach Geschlecht und Alter unterschieden wird sondern beispielsweise auch nach der Haushaltszusammensetzung. Die Studien sollen dazu beitragen, die ergriffenen Maßnahmen beurteilen zu können im Hinblick auf die Aufrechterhaltung oder die Rücknahme.

„Zahlreiche Teilnahme wichtig für valide Ergebnisse“

Sowohl Landrat Dr. Matthias Neth als auch Bürgermeister Spieles erklärten, dass sie neugierig seien auf die Ergebnisse des RKI. „Wir sind sehr neugierig und wollen auch erfahren, wie sich die Infektion hier ausgebreitet hat und wie sie in der Bevölkerung aufgetreten ist“, so Neth. Er verwies auf die dramatische Situation mit Corona und bat die Bevölkerung, an der Studie teilzunehmen, denn die sei „ein wichtiger Bestandteil“. Auch Spieles hofft auf eine „zahlreiche Teilnahme“ und appellierte an die angeschriebenen Personen sich auch zu melden, wenn sie krank sind, denn dann könnten Nachmeldungen vorgenommen werden. „Diese Studie ist für uns alle äußerst wichtig“, sagte der Bürgermeister. Auch er sei gespannt auf die Ergebnisse. Dem Appell schloss sich auch Stefan Brockmann, Referatsleitung Gesundheitsschutz beim baden-württembergischen Landesgesundheitsamt, an. „Eine zahlreiche Teilnahme ist wichtig für valide Ergebnisse“, meinte er. Die Studie liefere einen wichtigen Beitrag für Erkenntnisse zu Corona.

„Wir gehen dorthin, wo der Bedarf am Größten ist“

Insgesamt will das RKI an vier verschiedenen Orten eine solche Untersuchung durchführen. Nach in Kupferzell geht`s weiter in den Landkreis Rosenheim. Gemeinde drei und vier werden erst danach ermittelt. „Wir gehen dorthin, wo der Bedarf am Größten ist“, so Dr. Lampert. Es sollen verschiedene Gemeinden betrachtet werden für ein umfassendes Bild. Gefragt nach dem Unterschied zwischen Kupferzell und dem nordrhein-westfälischen Gangelt sagte Dr. Santos-Hövener: „Die Altersstruktur ist unterschiedlich, es sind verschiedene Regionen und verschiedene Personenstrukturen“. das RKI wolle nun begreifen, welche Unterschiede es noch gab. Für eine repräsentative Studie und verlässliche Aussagen reichen außerdem die 2000 Testpersonen. „Das RKI will nicht mehr Personen testen als nötig“, sagte Dr. Lampert. Gefragt, warum das alles so lange dauere, antwortete er: „Eine Antikörper-Testung macht nur nach einer gewissen Zeit Sinn“. Man wäre zwar gerne schneller, aber so eine Studie nehme viel Zeit in Anspruch und benötige einen gewissen Vorlauf.

Text: Sonja Bossert

Referatsleiter Stefan Brockmann, Dr. Thomas Lampert vom RKI, Landrat Dr. Neth, Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener, Gesundheitsamtsleitern Antje Haack-Erdmann und Gunnar Kreidl vom THW Pfedelbach (v.l.n.r.). Foto: Gschwätz