Ab heute startet einen Großteil der Schüler wieder in den Unterricht im Klassenzimmer. Die Schulen unterrichten wegen dem gebotenen Kontaktabstand die Kinder in kleinen Klassengrößen. Dies bedeutet ein Verwaltungsaufwand, der nicht zu unterschätzen ist. Des Weiteren werden heute laut dem baden-württembergischen Kultusministerium rund 20 Prozent der Lehrkräfte nicht ihren Dienst an den Klassenzimmern antreten können.
Regionale Unterschiede
„Das Kultusministerium geht davon aus, dass etwa 25 Prozent der Lehrkräfte zu Risikogruppen gehören“, erklärt Benedikt Reinhard gegenüber GSCHWÄTZ auf Nachfrage. Aus der Risikogruppe der Lehrkräfte im Alter von über 60 Jahren und der Lehrkräfte, die in häuslicher Gemeinschaft mit Personen aus einer Risikogruppe leben, habe sich jedoch ein beträchtlicher Teil bereit erklärt, in der Präsenz zu unterrichten. „Deswegen stehen im landesweiten Durchschnitt rund 80 Prozent der Lehrkräfte für Präsenzangebote an den Schulen vor Ort zur Verfügung. In einzelnen Schularten sowie regional stellt sich dies allerdings unterschiedlich dar.“
Wer zählt als Risikogruppe?
„Das Kultusministerium orientiert sich bei der Einstufung als Risikogruppe an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und der Landesgesundheitsbehörden. Zu den Risikogruppen gehören deswegen aktuell schwangere Lehrkräfte, Personen mit relevanten Vorerkrankungen sowie Personen über 60 Jahre. Aktuell zeigen Lehrer die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe beziehungsweise dass sie nicht in Präsenz arbeiten können mit einem entsprechenden Formblatt gegenüber ihrer Schulleitung an http://(https://km-bw.de/site/pbs-bw-km-root/get/documents_E1445697780/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/KM-Homepage/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen%202020/2020%2004%2020%20Anlage%20Formblatt%20Risikogruppen.pdf).
Von der Präsenzpflicht befreit
Dann sind die Lehrer von der Präsenzpflicht befreit und kommen ihren dienstlichen Aufgaben laut Reinhard von zu Hause aus nach. „Da Lehrkräfte in der öffentlichen Diskussion allerdings unter Druck geraten und auch das Robert-Koch-Institut von einer generellen Einstufung in Risikogruppen zu einer individuellen Risikoabschätzung übergegangen ist, plant das Kultusministerium in Abhängigkeit von der Entscheidung auf der Ebene der Kultusministerkonferenz spätestens nach den Sommerferien eine Attestpflicht für Lehrkräfte, auch um diesen den Druck aus der öffentlichen Diskussion zu nehmen“, führt Benedikt Reinhard näher aus.
„Kommen ihren Aufgaben vollumfänglich zu Hause nach“
„Die Lehrer, die von der Präsenzpflicht befreit sind, befinden sich weiterhin im Dienst und kommen diesem vollumfänglich von zu Hause aus nach und betreuen dabei unter anderem die Schüler im Fernunterricht“, erklärt Reinhard. „Deswegen gibt es bei Lehrkräften auch keine Kurzarbeit.“
Grundschulen sollen im Juli wieder voll öffnen
„Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann hat bereits angekündigt, dass die Kindertageseinrichtungen und die Grundschulen aufgrund erster Erkenntnisse einer Studie, die die Landesregierung bei der Universitätskinderklinik Heidelberg in Auftrag gegeben hat, Ende Juni wieder vollständig geöffnet werden sollen. Die Erkenntnisse aus der Studie legen nahe, dass Kinder bis zehn Jahre als Überträger eine untergeordnete Rolle spielen. Somit kann in dieser Altersgruppe auf die Abstandsgebote verzichtet werden, so dass ein Unterricht und eine Betreuung aller Schüler möglich wird“, erklärt Benedikt Reinhard.
Corona-Super-Spreader: Keine Rückschlüsse bei Kindern ab 11 Jahren
„Da sich für ältere Kinder aus der Studie der Universitätskinderklinik in Heidelberg keine Rückschlüsse ziehen lassen, wird ein Betrieb nach aktuellem Stand bis zum Ende des Schuljahres nur unter Einhaltung des Abstandsgebotes von 1,5 Metern möglich sein. Das gibt einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht vor, der im Wochenrhythmus in einem rollierenden System angeboten werden soll.“
Dem Kultusministerium sei bewusst, so Reinhard, „dass die aktuelle Situation für Familien eine große Herausforderung darstellt. Insbesondere müssen Eltern aktuell eine Doppelbelastung aus Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung schultern.“
Für den Umgang mit der aktuellen Situation sei es ratsam, den direkten Kontakt zur Schule beziehungsweise zu den Lehrkräften zu suchen und mit ihnen darüber zu sprechen, was die Familien in der aktuellen Situation leisten können oder eben nicht. Das ermöglicht es, das schulische Arbeitspensum auf die Möglichkeiten der Familie und Bedürfnisse der Kinder abzustimmen.